Grundbegriffe in der Fotografie: Blitzen für Einsteiger

Blitzen für Einsteiger

Seit fast drei Jahren veröffentlichen wir regelmäßig neue Lerninhalte in der fotocommunity-Fotoschule. Inzwischen bietet Dir die Fotoschule Zugriff auf über 300 kostenlose Lerninhalte. In dieser Serie gehen wir noch einmal kurz auf die jeweiligen Grundbegriffe ein. Die Erklärungen sind bewusst kurz gehalten. Wir haben Dir an den jeweiligen Stellen weiterführende Artikel in der Fotoschule verlinkt, sodass Du Dich mit dieser Artikelserie bequem durch die Themen in der Fotoschule durchklicken kannst.

Du findest die weiterführenden Artikel an den verschiedenen Punkten nach der Überschrift „Interessant für Dich“.

Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin.

Bisher in dieser Reihe erschienen

Blitzen für Einsteiger

Fast alle Kompaktkameras und die meisten Spiegelreflexkameras besitzen ein eingebautes Blitzgerät. Dieses ist, wenn es die Rolle der Hauptlichtquelle spielen soll, häufig jedoch zu schwach und in seinen Möglichkeiten begrenzt.

Aus diesem Grund bieten Kamera- und Fremdhersteller externe Blitzgeräte an, die auf dem Blitzschuh der Kamera oder „entfesselt“ verwendet werden.

Blitzaufnahmen lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen – in jene, bei denen das Blitzlicht die vorherrschende Lichtquelle darstellt, und in solche, bei denen der Blitz das vorhandene Licht unterstützt.

Im zweiten Fall spricht man vom Aufhellblitz, der eine möglichst gute Kooperation zwischen Kamera und Blitzgerät voraussetzt. In diesem Beitrag der Einsteigerserie erfährst Du, wie Du in verschiedenen Aufnahmesituationen die Wirkung Deiner Blitzaufnahmen verbessern kannst.

Im nächsten Teil geht es dann um komplexere Blitztechniken wie die Kombination mehrerer Blitzgeräte im Drahtlosverbund – um „entfesseltes Blitzen“ und die damit verbundenen Möglichkeiten.

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Siehst Du rot?

Der in Digitalkameras eingebaute Blitz ist relativ leistungsschwach und hat den Nachteil, dass er nicht besonders weit von der optischen Achse entfernt ist; ganz besonders gilt dies für Kompaktkameras (Bild 1).

Das führt häufig zu roten Augen bei Porträts (Bild 2), die man mittels Bildbearbeitung aber gut korrigieren kann (Bild 3). Die entsprechende Funktion in Photoshop Elements erlaubt dabei die Einstellungen Pupillengröße (hier 10 %) und Verdunkelungsbetrag (hier 15%).

Ein weiteres Problem sind Abschattungen bei Weitwinkelobjektiven, die sich zum Teil dadurch verhindern lassen, dass man die Sonnenblende abnimmt.

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Wie funktioniert Blitzen?

Zum Fotografieren wurde Blitzlicht etwa ab den 1860er-Jahren verwendet, zunächst als reines Magnesiumlicht, später als Blitzlichtpulver, bestehend aus Magnesium und diversen Beimischungen wie Kaliumpermanganat.

Ziel war – bereits damals – das Erreichen einer möglichst großen Helligkeit bei relativ kurzer Abbrennzeit. Eine erhebliche Rauchentwicklung, nicht selten auch Unfälle, waren die unerwünschten Nebenwirkungen.

Über „Blitzbirne“ und „Blitzwürfel“ führte der Weg dann zum modernen Elektronen- bzw. Systemblitzgerät mit xenongefüllter Blitzröhre. Für eine kurze und helle Gasentladung sorgt ein zuvor auf mehrere 100 Volt aufgeladener Kondensator. So lassen sich Blitze mit einer Abbrenndauer zwischen etwa 1/300 und 1/40 000 s erzeugen.

Blitzsynchronisation

Ein Schlitzverschluss, wie er heute meist in Digitalkameras verwendet wird, gibt das Bildfenster nur bis zu einer bestimmten Verschlusszeit komplett frei. Dies nennt man die (kürzestmögliche) Blitzsynchronzeit, heute im besten Fall um 1/250 s.

Bei kürzeren Verschlusszeiten bewegt sich ein aus 1. und 2. Verschlussvorhang gebildeter Schlitz über das Bildfenster; beim Blitzen kommt es dann zu Teilabschattungen. Mit FP-Kurzzeitsynchronisation ist das Blitzen auch bei kürzeren Zeiten als der Blitzsynchronzeit möglich.

TTL-Blitzmessung

Fotograf: Hersteller

Die in Digitalkameras eingebauten Blitzgeräte und externe Systemblitzgeräte arbeiten mit TTL-Blitzmessung (TTL = Through The Lens).

Zu Analogzeiten verstand man darunter eine Messung des von der Filmoberfläche reflektierten Blitzlichts; heute senden die Geräte unmittelbar vor dem Hauptblitz Messblitze aus, die vom Objekt reflektiert und vom Belichtungsrechner der Kamera ausgewertet werden.

Diese Art der Vorblitzmessung heißt bei Nikon i-TTL, bei Canon E-TTL II, bei Sony ADI. Dabei gehen zum Teil auch Abstandsinformationen von den aktiven AF-Sensoren in die Messung mit ein. Die Vorblitzsteuerung erlaubt auch die Kombination mehrerer Blitzgeräte in einem Drahtlosverbund.

Was ist die Leitzahl?

Die Leitzahl (LZ) ist das Produkt aus dem Abstand A zwischen dem Blitzgerät (in Metern) und der für eine exakte Belichtung nötigen Blende (B). Formel: L = A x B. Die effektive Leitzahl variiert mit dem gewählten ISO-Wert und der Einstellung des Zoomreflektors.

In Kameras eingebaute Blitzgeräte bieten überwiegend Leitzahlen zwischen 5 und 10, Topmodelle mehr als 40. Systemblitzgeräte mittlerer Preisklassen wie Nikon SB-700 oder Canon 430 EX II kommen auf Leitzahlen um 35 (alle Angaben für Normalbrennweite 50 mm KB-äquiv).

Blitz als Hauptlichtquelle

Ist der Blitz die Hauptlichtquelle bei einer Aufnahme, muss man mit dem Popup-Blitz der Kamera Kompromisse eingehen, was Leistung und Ausleuchtung anbelangt.

Deutlich mehr Möglichkeiten bietet ein Systemblitzgerät mit Vorblitzmessung, da sich dieses wesentlich flexibler verwenden lässt und mehr Möglichkeiten bietet, die Abstrahlcharakteristik zu beeinflussen.

Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, den Blitzreflektor nach oben zu schwenken und indirekt über die Decke zu blitzen. Durch die Reflexion des Lichts an Decken und Wänden verwandelt sich das Zimmer in eine riesige Softbox, und das Motiv gewinnt durch weiches flächiges Licht.

Dazu gibt es weitere Tricks und Zubehörteile, um dem Blitzlicht einen angenehmeren Charakter zu verleihen.

Blitzen im Freilichtstudio

Ist das Porträt unten im Studio oder on location entstanden? Im Prinzip stimmt beides. Der junge Mann stand nämlich im Zimmer, mit dem Fenster zum Garten im Rücken; der Ausschnitt wurde so gewählt, dass das Fenster nicht zu sehen ist.

Der dafür nötige knappe Ausschnitt ließ sich am besten mit einer mittleren Telebrennweite realisieren. Diese ermöglichte zugleich einen optimalen Abstand zum Motiv, um indirekt über die Decke blitzen zu können; die ausgezogene, weiße Reflektorscheibe des Nikon SB-700 zauberte Spitzlichter in die Augen.

Wichtig dabei: Reflektor komplett nach oben klappen und nicht nur halb, sonst blitzt Du eventuell über den Kopf hinweg. Die Belichtung wurde auf den Außenbereich abgestimmt, störende Schatten im Hintergrund sind bei dieser Technik ausgeschlossen.

Nikon D90, ISO 200, 138 mm KB-äquiv., Bl. 8, 1/8 s vom Stativ
Fotograf: Karl Stechl

Blitzlicht korrigieren

Die meisten Kameras erlauben das Korrigieren des Blitzlichts unabhängig von der Hauptbelichtung. Am weitesten verbreitet ist die Blitzbelichtungskorrektur, die über den entsprechenden Menüpunkt oder mittels Funktionstaste und Drehrad eingestellt werden kann (Bild 1).

Ein anderer Weg zu optimal belichteten Blitzaufnahmen führt über automatische Belichtungsreihen. Beispiel Nikon D7100: Die Kamera lässt dem Anwender die Wahl, ob er bei einer Reihenaufnahme nur das Blitzlicht, Belichtung und Blitz oder nur die Belichtung einbeziehen will (Bild 2).

Möglichkeit Nummer 3 ist die FE-Blitzlichtspeicherung: Du visierst das Motiv an und löst einen Messblitz manuell aus. Bei der anschließenden Aufnahme blitzt die Kamera mit den gemessenen Werten; nicht jede Kamera besitzt allerdings diese Funktion.

Blitzlicht optimieren für Porträts

Ist der Blitz das Hauptlicht bei einem Porträt, kommt es darauf an, die Abstrahlfläche zu vergrößern und das Blitzlicht zu soften, um einen schönen Teint zu erzielen und störende Schatten zu vermeiden.

 

Wie trifft der Blitz auf das Motiv?

Bild 1
Fotograf: Hersteller

Wer ohne viel Aufwand Produkte für Internet-Auktionen fotografieren will, wird dafür vielleicht gerne das eingebaute Blitzgerät der Kamera (Bild 1) verwenden.

Als Problem erweist sich dabei oft die frontale Abstrahlrichtung des Blitzlichts. Beispiel: Steht die Wanduhr parallel zur Kamera, kommt es zu unschönen Reflexen an der lackierten Oberfläche (Bild 2).

Dreht man die Uhr dagegen ein wenig zur Seite, bleiben die Reflexe aus, und die Farben kommen zur Geltung. Zudem lässt sich hier die Form des Gegenstands besser beurteilen (Bild 3).

Mit dem Blitzgerät aufhellen

Die schönsten Blitzaufnahmen sind meist jene, bei denen der Blitz auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist: Die Rede ist vom Aufhellblitzen. Bei Vollautomatik und beim Motivprogramm „Porträt“ aktiviert die Kamera den eingebauten Blitz in der Regel von selbst, wenn das Hauptmotiv im Vergleich zum Hintergrund zu dunkel ist.

Besser ist es freilich, wenn Du auch beim Aufhellblitzen steuernd eingreifst. Stelle die Kamera auf Matrixmessung und korrigiere die Blitzintensität manuell. Auch beim Ausleuchten von Räumen und in vielen anderen Situationen spielt der Aufhellblitz eine wichtige Rolle.

In diesem Abschnitt erfährst Du, wie Du mit dem eingebauten Blitz oder einem Systemblitzgerät auf der Kamera Deine Bildergebnisse optimieren kannst.

Porträt im Gegenlicht

Im Gegenlicht fotografierte Porträts sind äußerst reizvoll. Einziger Nachteil: Das Gesicht kommt meistens zu dunkel. Mit einem Aufhellblitz lässt sich dieses Problem aber leicht lösen. Achte darauf, dass das Gesicht nicht überblitzt wird, das sieht unnatürlich aus.

Faustregel: Beim Aufhellen von Porträts ist eine Belichtungskorrektur zwischen minus 0,7 und 1 Blende meist ein guter Anfangswert. Zum Aufhellen von Porträts reicht häufig auch der in die Kamera eingebaute Blitz.

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Weißabgleich beim Blitzen

Beim Blitzen stellt man den Weißabgleich normalerweise auf „Tageslicht“ oder „Blitzlicht“; die zweite Möglichkeit führt zu einer wärmeren Farbabstimmung. Etwas kniffiger ist das Blitzen in Kunstlichtumgebung, wie die drei Bildbeispiele zeigen.

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Warum Kurzzeitsynchronisation?

Die FP-Kurzzeitsynchronisation ermöglicht das Blitzen mit kürzeren Zeiten als der Blitzsynchronzeit. Technisch realisiert wird dies entweder durch eine Abfolge kurzer Blitze nach dem Stroboskop-Prinzip oder durch eine verlängerte Abgabe eines Einzelblitzes.

Dabei geht die Blitzleistung deutlich zurück. Bild 1 ließ den Wunsch aufkommen, das Motiv mit mehr Dramatik darzustellen. Dafür wurde bei gleicher Blendeneinstellung die Verschlusszeit auf 1/1600 s verkürzt und mit FP-Kurzzeitsynchronisation geblitzt (Bild 2).

Tipps zur Blitzsynchronisation

Bezüglich der Blitzsynchronisation ermöglichen verschiedene Kameramodelle unterschiedliche Einstellungen. Ist die kürzest mögliche Blitzsychronisationszeit eingestellt, dominiert bei geringer Umgebungshelligkeit das Blitzlicht; der Hintergrund bei Porträts ist dann oft zu dunkel.

Wählt man im Modus Zeitautomatik dagegen Langzeitsynchronisation, so stellt der Belichtungsrechner der Kamera zur vorgewählten Blende jene Belichtungszeit ein, die auch ohne Blitz zu einem korrekt belichteten Ergebnis führen würde; der Blitz wird so dosiert, dass er die Szene harmonisch aufhellt.

Eine dritte Möglichkeit bieten unter anderem die meisten Nikon-Modelle: das Vorwählen einer längsten Verschlusszeit beim Blitzen in Zeitautomatik – z.B. 1/30 oder 1/15 s (Bild 1).

Das hat den Vorteil, dass man beim Blitzen mehr vom Umgebungslicht ins Bild bekommt als bei normaler Blitzsynchronisation, die Verschlusszeiten andererseits aber nicht so lang werden wie bei Langzeitsynchronisation (wofür man häufig ein Stativ benötigt).

Andere Kameramodelle, z.B. von Canon, erlauben das Blitzen mit vorwählbarem Verschlusszeitenbereich – beispielsweise zwischen 1/200 und 1/60 s – anstelle einer festen Blitzsynchronzeit (Bild 2).

Fazit

In diesem Beitrag haben wir Dir erklärt, wie Du in verschiedenen Aufnahmesituationen die Wirkung Deiner Blitzaufnahmen verbessern kannst. Du hast außerdem gelernt, wie mit dem eingebauten Blitz oder einem Systemblitzgerät auf der Kamera Deine Bildergebnisse optimiert werden können.

Im nächsten Teil der Serie gehen wir dann noch einen Schritt weiter und widmen uns dem Thema „Blitzen für Fortgeschrittene“.

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Autor: Karl Stechl

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7 Kommentare

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  3. Mats Tias
      November 15, 2017 at 7:30 AM
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    Toll geschriebene Einführung in ein komplexes Themenfeld. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt.

  4.   November 14, 2017 at 9:44 PM
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    Wozu soll der Joghurtbecher auf dem SB-700 bei Outdoor Aufnahmen gut sein?

  5. Klaus D. Huber
      November 14, 2017 at 5:57 PM
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    Sehr gut erklärt und mit guten Beispielbildern unterlegt. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
    Gruß Klaus

  6. René
      November 14, 2017 at 12:31 PM
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    Prima Einführung, klar und verständlich geschrieben!
    Porträts: Bild 3 und 4 vertauscht?
    Vielen Dank, René

    1. Tom Schimmelpfennig
        November 14, 2017 at 12:56 PM
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      Danke für den Hinweis, da sind tatsächlich die Bilder etwas durcheinander geraten. Ist inzwischen aber korrigiert!

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