Augenretusche: Korrekturen für schöne Augen – Teil 2

Augenretusche – Teil 2

In Zusammenarbeit mit SIGMA
In unserem letzten Artikel haben wir Dich an eine natürliche Korrektur von Augen herangeführt. Aber es geht noch ein wenig kräftiger und entspricht dann eher der Sehgewohnheit für ein Titelseiten-Magazin-Foto. Natürlich unterliegt wie immer alles dem eigenen Geschmack, dennoch haben Kameras einen Nachteil. Sie sehen das Licht wie es ist und nicht wie wir es wahrnehmen. Unser Gehirn gestaltet das Wahrgenommene immer nach seinem eigenem Ermessen.

Das Auge sieht im Grunde viel schlechter als jede Kamera, unser Gehirn vervollständigt dann das nicht Gesehenes mit seinen Erfahrungswerten. So ist Farbe und Kontrast in unserer Erinnerung im Grunde immer mehr oder weniger ein schnöder HDR-Abzug.

Wenn wir nun ein Foto bearbeiten, können wir ruhigen Gewissens dieses „HDR-Kontraststarke-Kunterbunte“ ins Foto übertragen. So entspricht ein Foto mehr unserer Erinnerung und ist gefälliger.

Da wir bei dem Beispielporträt nicht dokumentieren wollen, sondern ein ansprechendes Foto am Ende veröffentlichen möchten, ist eine stärkere Überarbeitung mit Hilfe der Bildbearbeitung nichts Böses. Außer ein paar Wimpern und kleinste Retuschen wird inhaltlich nichts geändert.

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Farbraumcheck überprüfen

Zuallererst solltest Du immer den Farbraum kontrollieren. In unserem Fall möchten wir das Ergebnis im Internet präsentieren. Hier ist der kleinste gemeinsame Nenner der sRGB-Farbraum. Viele Browser unterstützen dieses Farbprofil, wenn ein Foto angezeigt wird. Die meisten Browser gehen sogar von einem sRGB-Farbraum aus. Ist kein Farbprofil im Foto gespeichert, interpretieren die Browser es immer als sRGB.

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Mit dem Informationspanel „Info“ von Photoshop ist schnell geklärt welches Farbprofil in Basisbild vorliegt.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Viele Bilder in unserem Artikel sind einfache Bildschirmfotos. Dies hat zur Folge, dass häufig Bilder in unseren Artikeln nicht korrekt dargestellt werden, da jedes Bildschirmfoto von jeder Grafikkarte anders generiert wird. Aber zum Glück geht es bei den Bildschirmfotos nur um einen How-To-Vorgang und nicht um das richtige Foto. Wie immer werden wir natürlich ein Vorher-Nachher Bild in echtem exportierten sRGB einbinden.

Ich persönlich arbeite immer mit dem größten Farbraum, dem ProPhoto RGB -Farbraum. Ich kann dank gutem und kalibrierten Monitor fast den gesamten AdobeRGB Farbraum darstellen und mit dem gewissen „Extra“ des ProPhoto-Farbraum habe ich bei manchen Farbkorrekturen mehr Spielraum. Diese Arbeitsweise ist aber nur für Profis mit Profi-Equipment interessant. Die Enttäuschung ein buntes ProPhoto-Foto in den doch recht flachen sRGB Farbraum zu konvertieren, solltest Du Dir ersparen.

Dynamik vs. Sättigung

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Hier siehst Du das Korrektur-Panel von Photoshop mit ausgewählter Dynamikkorrektur als Korrekturebene.

Einer der einfachsten Touch-Up Tricks ist die Sättigung. Je satter Farben erscheinen, je gehaltvoller ist ein Foto.

Es sollte sich aber um ein Foto handeln, dass inhaltlich auch kräftige Farben bietet. Es gibt in der Werbung und in aktuellen Magazinen sogar die Tendenz der Entsättigung. Gerade in der Hippster-Generation werden entsättigte, aber pointierte Farben gerne gesehen. Trotzdem ist die Sättigung ein probates Mittel Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Aber aber aber, einen Haken hat diese Sättigungsinformation: Klassische Sättigungsregler unterscheiden nicht zwischen Kontrast und Schwärzung. Sie buttern einfach überall Kraft/Sättigung hinzu, das Foto wirkt schnell überfrachtet und matschig.

Dieses einfache Erhöhen der Sättigung wurde durch eine viel bessere Technik ergänzt/abgelöst. Sie nennt sich softwareübergreifend meist „Dynamik“. Man findet diese Technik bereits in Kameras und in fast jedem RAW-Konverter. Sie ist der einfachen Sättigung visuell um ein Vielfaches voraus.

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Wir legen die Dynamik-Korrektur als Einstellungsebene über die natürlichen Korrekturen aus unserem letzten Artikel. Bei der Stärke kann man dem Foto ein Vielfaches mehr zumuten, als bei der Sättigungskorrektur.

Ausmaskieren der Himmelsfarbe

Du kannst sehen, dass die globale Korrektur der Dynamik das Haar im oberen Bereich viel zu blau färbt. Gerade glänzendes Haar spiegelt stark die Himmelsfarbe. Das Bild ist zwar im Schatten aufgenommen worden, aber der blaue Himmel, als zentrales und stärkstes Licht, färbt eben auch blau.

Auch hier ist unsere Kombi aus Auge und Gehirn im realen Leben adaptiv. Wir kennen diese Blauverfärbung, aber unser Gehirn adaptiert dies und korrigiert in Echtzeit. Ein Schatten an einem hellen Sonnentag ist eben blau wie der Himmel, der ja auch Licht abgibt. Nur die direkte Sonne wird ja im Schatten abgedeckt, der Himmel ist aber immer noch eine helle blaue Softbox.

Unsere Wahrnehmung korrigiert diesen „Fehler“ ins Neutrale. In einem Foto ohne Referenz (Himmel) fällt eine solche Verschiebung auf und muss dann von der Farbverstärkung ausgenommen werden. Dies geschieht – wie immer –  durch eine Maskierung der Einstellungsebene.

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Nachdem wir die Maske per Maus grob gezeichnet haben, zeichnen wir diese noch per „Gaußschen Weichzeichner“ weich. Das verhindert harte unnatürlich Sprünge in der Bearbeitung und bei dieser Art der Korrektur ist es nicht erheblich die Maskierung Pixelgenau zu erarbeiten.

Haarfärbung

Um jetzt endgültig die Haare auch im oberen Bereich blond zu färben hier ein feiner Tipp: Lege eine neue Ebene an und fülle diese mit der per Pipette eingestellten blonden Farbe. In Photoshop ist dies resourcensparend auch mit der Farbflächenebene möglich.

Leider muss man aber zuerst irgendeine Füllfarbe wählen, dann die Ebene ausschalten. Jetzt kann man auf das Symbol der Farbe im Ebenen-Panel klicken und im Foto selbst das Blond wählen. Nun kann man die Ebene wieder anschalten und die Verrechnung auf „Farbe“ stellen. Danach musst Du nur noch die Maske invertieren und kannst nun mit einem weichen Pinsel die Haare färben.

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Erstellt man eine neue Ebene, kann man dieser direkt eine Funktion zuweisen. Hier ist die Farbfläche unsere Wahl.
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Ausschalten – Farbe per Pipette wählen (im Bildschirmfoto noch nicht zu sehen) – Ebenenverrechnung auf Farbe stellen, Maske invertieren.
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Die Haarfarbe ist hier per Pipette gewählt und per Maske wird dann die Einfärbung nur auf Oberkopf angewendet.
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Das Haar wirkt nun nicht mehr verfärbt.

Augenweiß

Wie das Haar, so ist auch das Augenweiß in unserem Gehirn als weiß und hell gespeichert.

In der Realität ist dies meist nicht so.

Auch hier sollte man ruhig eine Korrektur durchführen. Die einfachste Methode ist das Maskieren des Augenweiß und die Verringerung der Sättigung. Aber Vorsicht, hier liegt ein Trugschluss versteckt. Entsättigen bedeutet mitunter auch ein ins bräunliche ziehen. Daher ist es besser die Möglichkeit der Einstellungsebene „Schwarzweiß“ zu wählen. Sie macht ein echtes Graustufenbild aus allem, was unter der Ebene liegt.

Mit der Maskierung grenzen wir aber die Wirkung auf das Augenweiß ein.

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Pures Schwarzweiß ist unnatürlich. Per Deckkraftregelung ist man aber schnell wieder im natürlichen.
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Bei näherem Hinsehen, sind uns noch Kontaktlinsenränder aufgefallen, diese sind per Stempel schnell entfernt.
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Leider sind fast alle Wimpern auf Hochglanzmagazinen retuschiert. Es ist zwar möglich perfekte Wimpern zu haben/schminken/kleben. Einfacher geht es aber in der Bildbearbeitung. Einfach eine dunkle Farbe wählen und mit einem sehr dünnen Pinsel aufmalen. Mit einer Maske stutzt man diese dann auf eine einheitliche Länge.
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Wimpernretuschen sollten immer etwas „durchsichtig“ erscheinen. Die aufgetragenen extra Haare sollen, wie die natürlichen, mit ihrem Umfeld interagieren. Das erreicht man schon per Reduzierung der Deckkraft.
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Kleinere Retuschen sind nichts „Entstellendes“ oder „Gelogenes“. Diese Retuschen könnten auch per Make-Up erreicht werden. Und wie bereits erwähnt, wir dokumentieren hier nicht, sondern peppen ein Foto auf.

Augenreflexe

Jetzt packen wir noch ein belebendes Extra ins Foto. Das Basisfoto zeigt einen einzigen hellen Punkt in der Iris. So war es halt, das Licht bei der Aufnahme. Aufhellblitz von vorne und im klaren Auge des Models ist ansonsten nichts was reflektiert. Dadurch wirken Augen immer etwas leblos.

Auch unser Gehirn hilft mal wieder mit der Annahme, das Auge ist eine Kugel (sichtbar Halbkugel). Im Foto ist davon nichts zu sehen. Es fehlt einfach die Krümmung, oder besser gesagt, eine für die Krümmung stehende Reflexion. In Manga- und vielen anderen Zeichnungen wird die Krümmung durch weiße Linien und Punkte simuliert. Wer kennt nicht die weinende Heidi als Zeichentrickfigur mit weiß glänzenden Augen auf der Alm sitzend.

Wir müssen also in unserem Bild etwas hinzumalen. Wenn Du Dir unsicher mit dem Malen bist, klaue ruhig aus anderen Fotos die Reflexe und übertrage diese in Dein Foto.

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Wir haben hier die gemalten Reflexe auf verschiedene Ebenen aufgeteilt. Dies ermöglicht uns diese individueller einzustellen (Deckkraft, Weichheit und Maske) und zu editieren.
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Die drei Reflexebenen haben wir anschließend in eine Gruppe gepackt und die Verrechnung auf „Strahlendes Licht“ gestellt. Sieht einfach besser aus.

Kleinigkeiten

Ganz neckisch haben wir das Aufblitzen der Zähne auf der linken Seite empfunden. Um dies auch ein wenig auf die rechte Seite zu übertragen, markiert man die Fläche einfach per Auswahlrechteck. Nun kopiert man aus allen Ebenen den Inhalt in die Zwischenablage und fügt diese Zwischenablage als eigenständige Ebene ins Bild ein.

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20150531-174311 Einfaches spiegeln der Ebene und etwas Zurechtrücken genügt, um diesen schönen symmetrischen Mund passgenau zu überlagern.
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Noch etwas mit dem Radierer nacharbeiten und schon hat man auch auf der linken Seite eine kleine Mundöffnung. Dies wirkt meist sinnlich und gefällig.

Gestalterische Schärfe

In dieser Vergrößerung kaum zu sehen, aber dennoch sehr wichtig, ist die selektive Schärfe. Diese Schärfe hat nichts mit der Ausgabeschärfe zu tun. Sie dient der Gestaltung. Wir werden darüber noch einige detailliertere Artikel schreiben. Hier nur eine kurze Version der Schritte.

Haare sollten immer etwas schärfer wirken als die Haut. Unscharfe Bildteile dürfen natürlich nicht mitgeschärft werden. Dafür gibt es in den neueren Photoshop-Versionen sogar eine Funktion: Fokusbereich

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Eine neue Funktion in Photoshop separiert Scharfe und Unscharfe Bildteile voneinander. Es geht aber in unserem Beispiel auch per Hand.
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Hier seht ihr die Maskierung der Gesamtkopie des Bildes. Der sichtbare Bereich nach der Maskierung wurde mit dem selektiven Scharfzeichner verbessert, die Hautpartien wurden ausmaskiert. Der Effekt ist nur im fertigen Foto zu sehen, dort aber immens.

Der Turbo

Kontrast geht immer noch etwas stärker als man denkt.“ So, oder so ähnlich sagte mir das mal ein Creative-Director. Und er hat Recht, wenn es um den gewünschten WOW-Effekt geht.

Um dies zu erreichen, nutze ich gerne nochmals die Möglichkeiten des ACR (Adobe Camera RAW-Konverter). Um dies als editierbare Korrektur zu haben, erstelle ich eine Kopie der bisher gesamt getätigten Änderungen als neue „Über“-Ebene. Um vielleicht später noch Änderungen zu erreichen, wandele ich diese Ebene zu einer Smartebene. Eine Smartebene ist im Grunde ein eigenes Bild im Bild das es uns ermöglicht auch Filter, wie den ACR-Filter, editierbar zu halten.

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Jede Ebene kann zur einer Smartebene umgewandelt werden. Einfach Maus-Rechtsklick oder im Ebenenmenü auswählen.
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Hier siehst Du die Einstellungen im ACR. Die meisten wären auch in Photoshop direkt zu erstellen, aber so ist es deutlich bequemer zu erreichen.
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Etwas globale Extraschärfe und ein wenig Rauschreduzierung machen das Foto haptischer.
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Zu guter Letzt noch eine kleine Vignettierung. Fertig ist das WOW-Bild
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1 Kommentar

  1. Pingback: Grundbegriffe in der Fotografie: Blitzen für Einsteiger – Fotoschule

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