Licht im Auge und im Gesicht: Ein Chart

Licht im Auge

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Unter den Bildern der fotocommunity, aber auch auf anderen Fotoplattformen, werdet Ihr oft die Frage lesen: Wie hat der Fotograf das Licht „gesetzt“? Die Frage zielt meist darauf ab, dass der Betrachter des Fotos lernen oder wissen möchte, welchen Lichtquellen benutzt wurden, bzw. wie das Licht aufgestellt war, um den im Foto zu sehenden Effekt zu erreichen. Dieser Beitrag hat nicht das Ziel Euch zu erklären, wie man Licht setzt, das werden wir in einem späteren Artikel tun. Dieser Artikel hat das Ziel Euch Hilfsmittel an die Hand zu geben, um selber die Fotos und die Lichtsetzung darin interpretieren zu können. Zwar wird man nicht immer die exakte Position und Stärke erkennen können, da aber auch beim Licht viele Wege nach Rom führen, kann man in den meisten Fällen schon so viel aus dem Bild herauslesen, dass man das Lichtsetup ausreichend genau nachstellen kann.

Zur Analyse für das Lichtsetup ist das Auge eines abgebildeten Modells meist sehr hilfreich. Ihr könnt in den Augen einiges herauslesen. Lichtrichtung und Lichtform. Aber auch eine Brille und die Nase helfen ein Lichtsetup zu erkennen. Natürlich könnt Ihr nicht das gesamte Lichtsetup hier auslesen. Bouncing-Light, Streiflicht und Licht von hinten kann man aber dennoch mit ein wenig Übung interpretieren.

Heute müsst Ihr mir hierzu mal ganz tief in die Augen gucken. Ich habe mich mal unter verschiedenen Lichtbedingungen fotografiert und dabei versucht immer vollständig entspannt zu schauen.  Und ich habe – sofern es möglich war – auch die gleichen Kameraeinstellungen genutzt. Ich habe bewusst auf Farbe verzichtet. Jeder weiß, das sich Licht immer aus vielen Frequenzen zusammensetzt, darum geht es aber in diesem Artikel nicht. Es geht rein um das Verhalten von Licht und Schatten und nicht um die Lichtfarbe. Es ist spektakulär, sogar für mich, wie sehr mein Alter, meine Fitness und mein visueller Charakter sich hier von einem zum anderen Moment verändert.

Wie Ihr seht, ist bei sehr hellem Tageslicht das Gesicht viel angespannter. Im Studio hilft Blitzlicht, da das Einstelllicht das Gesicht meist nicht blendet und der Blitz zu kurz ist um darauf zu verspannen. Die Pupillengröße ist ein guter Index über die Gesamthelligkeit der Lichtsituation. Offene Pupillen wirken immer angenehmer. Das kommt daher, dass offene Pupillen als Zeichen für Nähe gelten. Pupillen öffnen sich auch bei einem bestimmten Hormonspiegel.  Beim nächsten Blind-Date könnt Ihr ja das mal beim Gegenüber beobachten.

Gerade bei Brillenträgern ist ein Lichtsetup schwierig. Auch hier könnt Ihr Euch in diesem Chart das beste heraussuchen. Es geht um Spiegelungen generell aber auch um die zusätzlichen Schattenränder auf dem Lidsack. Sehr schnell wirkt bei schlecht gesetztem Licht, das Modell übermüdet. Die Nase wirft wie eine Sonnenuhr einen Schatten. Durch diesen Effekt ist eine ganz gute Einschätzung der Lichtrichtung möglich.

Aber auch die Härte des Schattens ist maßgeblich für den Gesichtseindruck.

Stromsparscheinwerfer Weit_1

Stromsparscheinwerfer Weit_1_Auschschnitt_ret

Hier seht Ihr vier, auf ein Stativ montierte, Stromsparscheinwerfer aus dem Baumarkt (siehe Artikel Heimstudio). Sie stehen recht weit von mir entfernt (ca. 4 Meter). Im Auge ergibt sich schon fast ein Eindruck einer Mangazeichnung. Dagegen ist der rechte Brillenschatten etwas zu dominant. Pupille ist klar und halb geöffnet.

Stromsparscheinwerfer Nah_1

Stromsparscheinwerfer Nah_1_Auschschnitt_ret

Hier das selbe Setup wie zuvor, aber diesmal ist meine Eigenkonstruktion nur noch 1 Meter entfernt vom Gesicht. Der Kontrast steigt immens und der Nasenglanz wird dominant. Leider habe ich hier aber auch in der Brille unschöne Reflexionen

Softbox Nah_1

Softbox Nah_1_Auschschnitt_ret

Eine 80cm*80cm Softbox mit Wabenvorsatz ist für viele Fotografen das Standardsetup. Es modelliert einen gleichmäßigen Teint und auch Brille und Nase werden nicht durch harte Schatten zu dominant. Der Wabenvorsatz ist in der Brille als Reflex zu erkennen, wirkt dennoch nicht störend.

Softbox Fern_1

Softbox Fern_1_Auschschnitt_ret

Je weiter die Softbox vom Modell positioniert wird, desto mehr verändert sich die eigentlich große Lichtfläche zu einem einzigen Lichtpunkt. Auch die Härte nimmt zu. Hingegen ist der Reflex auf der Brille fast gänzlich verschwunden. Auf der Nase bildet sich ein Lichtstreifen. Das ganze Gesicht wirkt härter.

Morgensonne Mitlicht_1

Morgensonne Mitlicht_1_Auschschnitt_ret

Hier seht Ihr eine der ärgsten Lichtsituationen, frontale mittige Morgensonne. Es gibt kaum eine Möglichkeit nicht verkniffen zu schauen. Das Gesicht ist angespannt und die Pupillen sind durch den hohen Kontrast nicht zu erkennen. Die Brille wirft kaustische Lichter. Ein typisches Urlaubsfoto.

Morgensonne Gegenlicht_1

Morgensonne Gegenlicht_1_Auschschnitt_ret

Auch bedeckter Himmel hilft nicht viel am verkniffenen Gesicht, da der Himmel dennoch sehr hell ist. Hier hilft nur das kurzzeitige Schließen der Augen, um beim Kommando des Fotografen diese zu öffnen.

Morgensonne 90 Grad_1

Morgensonne 90 Grad_1_Auschschnitt_ret

Hartes seitliches Sonnenlicht öffnet die Augen etwas, verhärtet aber das Gesicht. Jede Pore und Falte werfen hierbei Schatten. Für Männer kann dies zu guten Ergebnissen führen. Bei Frauen wirkt es eher unvorteilhaft. Die Pupille ist zudem sehr klein.

Diffuses Raumlicht_1

Diffuses Raumlicht_1_Auschschnitt_ret

Diffuses Raumlicht durch „Available Light“ ist schwer zu steuern. Man kann sich zwar im Raum drehen, aber es wird immer eine hellere Seite geben. In diesem Licht wirkt die Nase und das Augenlid durch einen Lichtstreifen unansehnlich.

Blitz frontal_1

Blitz frontal_1_Auschschnitt_ret

Das Grauen. Blitzlicht von vorne. Kurze Verschlusszeit, kein Umgebungslicht und kein Blitzvorsatz = Typische Partyfoto-Optik. Hier entstellt das Licht jedes Gesicht, dennoch wird es immer und immer wieder genutzt. Einzig die geöffnete Pupille mag gefallen.

Blitz Diffuser_1

Blitz Bounce_Auschschnitt_ret

Schon deutlich besser sieht der frontale Blitz aus mit einem Diffuser davor. Hier wirkt das Gesicht aber eher medizinisch und die Iris wirkt zu hell. Auch Hautfett glänzt noch prägnant. Besser ist hier entfesselt blitzen mit Diffusor.

Blitz Bounce

Blitz Bounce_Auschschnitt_ret

Falls der Blitz nicht entfesselt, also durch ein Kabel frei in der Hand, zu benutzen ist, hilft auch eine helle Wand als „Bouncing Light“. Ihr seht diesen Effekt durch die hellere Fläche links im Auge.

Baustrahler Nah_1

Baustrahler Nah_1_Auschschnitt_ret

Wie in unserem Artikel zum Heimstudio beschrieben, ist ein Baustrahler schon ein richtig gutes primär Licht. Aber ohne Backpapier als Diffusor ist es nichts anderes als eine Punktlichtquelle mit all den härteten Eigenschaften.

Baustrahler Fern_1

Baustrahler Fern_1_Auschschnitt_ret

Bei Baustrahlern ohne Diffusor ist der Abstand zum Modell irrelevant. Einzig der Kontrast des gesamten Gesichts nimmt durch die Aufhellung des Raumes ab.

Fazit

Erst die Kombination von Lichtquellen macht viele Bilder möglich. Aber das primäre Licht (Hauptlicht) dominiert den Gesamteindruck.

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1 Kommentar

  1. Pingback: Grundbegriffe in der Fotografie: Blitzen für Einsteiger – Fotoschule

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