Hilfreiche Praxistipps für die AF-Feldwahl

Hilfreiche Praxistipps AF-Feldwahl

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Aus dem ersten Teil weißt Du, welche unterschiedlichen Einstellungen und Möglichkeiten der Auswahl Deiner AF-Felder Du hast. Es fehlt noch die Betrachtung, wann welche Einstellung Sinn macht und wann eine Einstellung keinen Sinn macht. (Bzw. wann es egal ist, ob Du sie änderst oder nicht. Auch dies kommt vor). Im Grunde geht es in diesem zweiten Teil also darum, die Erkenntnisse aus dem ersten Teil anhand weiterer Beispiele zu vertiefen.

Dazu werfen wir zusammen mit Dir einen Blick auf eine andere Funktion Deines Autofokus: die Betriebsmodi. Es gibt bei nahezu allen modernen Kameras einen Modus für bewegte Motive (Nikon/Fujifilm: C / Canon: AI Servo) und einen Modus für unbewegte Motive (Nikon/Fujifilm: S / Canon: One Shot).

Egal, wie sich der Modus nun nennt, sie erfüllen immer dieselben Aufgaben und funktionieren unabhängig von der Kamera praktisch identisch. Daher betrachten wir beide Modi im Folgenden im Detail.

Der Einzelfokus

Beim Einzelfokus beginnt die Kamera die Messung mit allen aktivierten AF-Feldern. Tatsächlich reicht beim Phasen-AF pro aktivem AF-Feld eine einzige Messung pro Feld und ermittelt aus der Messung den Abstand der Motive zur Kamera, die im Erfassungsbereich der Felder liegen. Auf das Motiv, dessen messendes Feld den geringsten Abstand zur Kamera misst, wird fokussiert. Üblicherweise startest Du diese Messung, indem Du den Auslöser halb herunterdrückst.

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Statische Motive sind ideal für den Einzelfokus

Sobald die Fokussierung abgeschlossen ist, gibt die Kamera Dir ein Signal und meist wird dann erst der Auslöser frei gegeben, um eine Aufnahme zu machen. Im Sucher wird die erfolgreiche Fokussierung über einen grünen Punkt angezeigt und sofern aktiviert, gibt die Kamera ein leises Tonsignal ab. Solange Du den Auslöser halb gedrückt hältst, passiert nichts weiter. Es wird weder weiter fokussiert, noch gemessen. Du kannst die Kamera bewegen, den Ausschnitt ändern, ohne den Fokus der Kamera zu verändern.

Selbiges gilt auch für das klassische Porträt, wenn sich das Modell nicht bewegt.

Dieses Verfahren hat Vorteile, wenn zum Beispiel an der Stelle, die Du scharf stellen möchtest, kein wählbares AF-Feld liegt. Du fokussierst es an, hältst den Auslöser weiter gedrückt und mit gedrücktem Auslöser suchst Du Dir dann den gewünschten Bildausschnitt. Man nennt dieses Verfahren auch „Verschwenken“.

Auch Architektur nimmst Du mit Einzelfokus auf.

Natürlich hat dieses Verfahren auch Nachteile, denn die Kamera wird nicht weiter messen. Wenn Du also nicht sofort auslöst, sondern wartest und Dich bewegst oder das Motiv sich bewegt, dann wird nicht nachfokussiert. Das anschließende Foto wird unscharf. Wenn sich Dein Motiv zu schnell bewegt, kann es sogar passieren, dass die Kamera den Auslöser gar nicht erst freigibt, weil sie keinen Fokus findet.

Der kontinuierliche Fokus

Es gibt für solche Situationen einen Ausweg: den kontinuierlichen Autofokus. Dieser arbeitet allerdings deutlich komplexer. Es findet nämlich nicht nur eine Messung statt, sondern sehr viele. Genau genommen werden kontinuierlich neue Messungen gestartet (meist so um die 30 pro Sekunde, manchmal aber auch mehr).

Der klassische „Mitzieher“ funktioniert nur mit dem verfolgenden Autofokus sinnvoll

Die Kamera ermittelt nun nicht mehr nur eine Entfernung, auf die fokussiert wird, sondern auch eine Richtung, nämlich die Bewegungsrichtung des Motivs und dessen Geschwindigkeit. Sobald das AF-Feld den ersten Fokus erreicht hat, wird die Schärfe kontinuierlich nachgeführt – in Abhängigkeit von Richtung und Geschwindigkeit. Dies geht sogar so weit, dass die Kamera während der Aufnahme (Spiegel wird hochgeklappt und die Messung unterbrochen) die Schärfe anhand der Messdaten weiterführt, soweit das Motiv sich konstant bewegt (predictive AF).

Dies ist aber nur ein Aspekt. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass es sehr schwierig ist, ein einzelnes AF-Feld auf einem sich bewegenden Ziel zu halten und nachzuführen. Zusätzlich kann der Autofokus noch deutlich mehr. Er kann nämlich erkennen, wenn das messende Feld den Kontakt zum Motiv verliert (weil es dann unerwartete Messwerte liefert). Daher schaut der Autofokus dann zu den (aktivierten) benachbarten Feldern, welche Messergebnisse dort vorhanden sind.

Gleiches gilt natürlich für jede andere Form von Sportaufnahmen. Das Motiv muss verfolgt werden und im richtigen Moment scharf sein.

Entsprechen die dort gefundenen Messergebnisse den eigentlichen Erwartungen aufgrund der bisherigen Motivbewegung, übergibt der Autofokus die Motivnachführung an das benachbarte Feld – sofern Du einen Modus eingestellt hast, der diese Übergabe zulässt. Bei Einzelfeld und Spot-AF funktioniert dies natürlich nicht.

Diese kleine Serie zeigt, warum das Einzelfeld nicht taugt, um bewegte Motive zu fokussieren. Es ist kaum möglich das Feld auf dem Motiv zu halten. Funktioniert hat es hier nur, weil der Autofokus auf träge Reaktion eingestellt war und sich das Motiv parallel zu Sensorebene bewegt hat.

Damit aber immer noch nicht genug. Nehmen wir das Beispiel eines galoppierenden Pferdes, das Du mit der Kamera über eine lange Strecke verfolgst.

Da kann es passieren, dass kurzfristig ein Baum, ein Laternenpfahl oder ein anderes beliebiges Hindernis das Pferd verdeckt und deutlich näher an der Kamera steht. In vielen Kameras hast Du die Möglichkeit dem AF vorzugeben, wie schnell er auf solche Störungen reagiert. Entweder er wechselt sofort auf das nähere Ziel oder aber er rechnet eine kurze Zeit mit den alten Werten weiter, bis das eigentliche Motiv hinter dem Ziel wiederauftaucht.

Jetzt kommen wir zu einem völlig anders gelagerten Fall, bei dem an den Autofokus abweichende Anforderungen gestellt werden. Es geht darum, wie der Autofokus reagiert, wenn das Ziel plötzlich seine Richtung ändert (aus Sicht des Autofokus beschleunigt oder verzögert). Hier gibt es zwei denkbare Fälle, auf die der Autofokus unterschiedlich reagieren muss:

Wenn Du einen Sprinter verfolgst, dann bewegt sich der Körper relativ konstant in eine Richtung. Beine und Arme verzögern und beschleunigen aus Sicht des Autofokus zum Teil deutlich. In solchen Fällen musst Du die Reaktion des Autofokus auf Beschleunigung und Verzögerung reduzieren.

Die Arme und Beine bewegen sich im Wechsel schneller und langsamer als der Körper, der Autofokus sollte idealerweise nicht zu schnell auf diese Bewegungsänderungen reagieren.

Fotografierst Du dagegen zum Beispiel eine Turnerin oder einen herumtollenden Hund, dann wiederum sollte der Autofokus so eingestellt werden, dass er auf Beschleunigung und Verzögerung sehr schnell reagiert.

Bei anderen Sportarten kommt es dagegen zu sehr spontanen Änderungen der Richtung oder der Geschwindigkeit. Hier sollte der Autofokus schneller reagieren.

Deine Kamera hat solch Optionen nicht (die sich oft in den individuellen Einstellungsmenüs verbergen)? Dann kannst Du zumindest über die Anzahl der unterstützenden Felder Einfluss nehmen. Wenige Felder unterstützen eher Motive, wie den Sprinter, während viele Felder eher für das Beispiel mit der Turnerin oder dem spielenden Hund geeignet sind.

Wann nutze ich welchen Einstellung?

Um es gleich vorweg zu sagen: In diesem Punkt der Fragestellung spielen persönliche Vorlieben eine große Rolle. Nicht jeder Fotograf kommt mit jeder Einstellung gleich gut zurecht oder mag sie leiden. Es gibt allerdings einige grundsätzliche Dinge zu der Auswahl der AF-Felder zu sagen:

Einzelfeld-AF, Spot-AF

Aufgrund der sehr kleinen Fläche, auf der gemessen wird, ist es zwar möglich ein bewegtes Motiv mit einem einzelnen AF-Feld zu verfolgen, aber es macht nur in den seltensten Fällen wirklich Sinn. Es ist gerade bei etwas schneller bewegten Motiven sehr schwierig, das kleine Feld genau auf dem Motiv zu halten. Diese beiden Einstellungen sind daher prädestiniert für unbewegte Motive im Modus „One Shot“//„Single Focus (S)“ oder wie sie vergleichbar bezeichnet werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Kamera auch stationär, zum Beispiel auf einem Stativ, platziert ist.

Beispielhaft sei hier die Porträtfotografie genannt oder aber auch Landschafts- und Architekturaufnahmen.

Erweiterter AF-Bereich

Der erweiterte AF-Bereich mit umgebenden Assistenzfelder macht dagegen bei statischen Motiven überhaupt keinen Sinn. Er wird ähnlich wie Einzelfeld funktionieren, da die umgebenden Felder keinerlei Bewegungsinformationen erhalten oder feststellen. Er ist nicht schädlich, aber auch nicht hilfreich.

Anders dagegen bei bewegten Motiven. Der erweiterte AF-Bereich macht immer dann Sinn, wenn Du relativ kleine bewegte Motive verfolgst, sich aber im Erfassungsbereich aller Felder viele störende Objekte befinden, auf die der Autofokus wechseln könnte.

Das Einzelfeld wird hier um 8 umgebende Felder erweitert, die das zentrale Feld unterstützen. So ist es deutlich einfacher der schnellen Bewegung zu folgen und das Motiv im Fokus zu halten.

Er macht aber auch dann Sinn, wenn Dein Motiv ein nicht konstantes Bewegungsmuster aufweist (erinnere Dich an den Sprinter mit den Beinen und Armen, die mal deutlich schneller und mal deutlich langsamer sind, als der Körper). Der erweiterte Bereich ist meist beschränkt genug, um diese Konfliktbereiche außerhalb des AF zu halten.

Zonen und alle Felder

Da es in diesem Modus keine Priorisierung der einzelnen AF-Felder untereinander gibt, musst Du diesen Modus mit Bedacht wählen. Jedes Feld dieser Modi ist gleichrangig und es wird immer auf das AF-Feld scharf gestellt, welches das Objekt findet, dass der Kamera am nächsten ist. Dieser Modus ist nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn die Schärfentiefe ausreichend ist, um das gewünschte Motiv ausreichend scharf abzubilden auch ohne es präzise zu fokussieren.

Über die Zone habe ich hier sichergestellt, dass ich den Fahrer immer gut im Fokus hatte, auch wenn ich vorher nie genau wusste, wie er sich bewegen würde.

Zudem dürfen im Erfassungsbereich der Zone oder der Felder keine störenden Objekte liegen, die den Autofokus ablenken. Die Zone und „Alle Felder“ macht daher – bis auf ganz wenige Ausnahmen – nur mit bewegten Motiven und den entsprechenden Modi für bewegte Motive (AI Servo oder C) einen praktischen Sinn.

Hier ein Beispiel für die Verwendung „Alle Felder“. Der Jetskifahrer bewegte sich völlig unvorhersehbar. „Alle Felder“ hatte die Situation gut im Griff. Ich musste allerdings darauf achten im Vordergrund keine Wassertropfen haben. Geholfen hat hier auch das Mustertracking. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Fazit

Mit diesem Beitrag solltest Du verstehen lernen, wann welche Kombination von AF-Felder sinnvoll ist und warum nicht jeder Modus in jeder Situation geeignet ist. Ebenso solltest Du nun ausreichend Informationen an der Hand haben, um selbst Fehler zu erkennen, die aufgrund falscher Wahl der AF-Felder entstehen. Damit haben wir die Grundlage gelegt, um uns im nächsten Beitrag mit dem Zusammenhang von Belichtungsmessung und Schärfemessung zu beschäftigen. Diesen Zusammenhang gibt es nämlich tatsächlich. Manchmal jedenfalls. Sei gespannt.

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6 Kommentare

  1. Pingback: Autofokus und Belichtungsmessung arbeiten zusammen – Fotoschule

  2. Martin Jeep
      November 5, 2017 at 7:46 AM
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    Mal eine dumme Frage.
    Macht meine Canon 5D MII das auch?
    Irgendwie habe ich nichts gefunden in der Anleitung.

    1. Martin Schwabe
        November 5, 2017 at 10:41 AM
      Kommentar bewerten

      Die 5D II kann Einzelfeld und „alle Felder“ und zusammen mit Magic Lantern müssten auch Gruppen gehen. Einzelfokus und kontinuierlichen Fokus kann sich natürlich auch.

  3. Rainer Wunderlich
    Hillbilly
      Oktober 31, 2017 at 3:53 PM
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    Guter Beitrag.
    @Peter: unscharfe Aufnahmen im sportlichen Sinne würde ich durch en Mitziehen sehen, HG unscharf, Motiv („Vettels Helm“) scharf, ist es so gemeint? Das erreiche ich zB mit AF-Feld ‚Einzelfeld‘, ggf erweitert, dann Al Servo. AF liegt bei mir auf der AF-On-Taste, die ich dann ständig gedrückt halte (Motiv bleibt beim Mitziehen scharf). Jetzt brauche ich eine so lange Belichtungszeit, dass das Motiv noch scharf bleibt (passt, soweit ich das Fokus-Feld auf Vettels Helm halte) der HG aber verwischt. Weil der Autofokus auf der AF-ON-Taste liegt, kann ich den Auslöser an der mir passenden Motivposition voll durchtreten.

  4. Peter Lorenz
      Oktober 31, 2017 at 12:46 PM
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    Hier wird bei Sportaufnahmen ausdrücklich für scharfe Aufnahmen gesprochen. Persönlich sind mir aber etwas unscharfe Fotos lieber, denn sehr häufig möchte ich die Bewegung der Sportler mit dabei haben. Hier gelten die o.g. Angaben m.E. nicht.
    Gruß Peter

    1. Chris
        November 4, 2017 at 5:00 PM
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      Hallo,
      Bewegungsunschärfe sollte man aber durch längere Belichtungszeiten und nicht durch eine Fehlfocusierung erreichen
      Gruß Chris

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