Makrofotografie mit dem Smartphone

Makrofotografie mit dem Smartphone

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Nachdem wir ein den ersten beiden Teilen die Basis geschaffen haben, um in die Fotografie mit dem Smartphone einzusteigen (Mir gefällt der Begriff Phonografie sehr gut), wird es jetzt Zeit sich um die Praxis zu kümmern.

In drei der fünf vorgestellten Sets sind Makrolinsen enthalten.

Vom Grundsatz funktionieren diese Makrolinsen genauso, wie Nahlinsen für große Kameras. Sie sind eben nur deutlich kleiner und daher auch deutlich günstiger.

Bevor wir aber in den Artikel einsteigen, möchten wir noch ein paar Worte in eigener Sache verlieren: Wir lesen die Kommentare unserer Leser sowohl hier in der Fotoschule, als auch auf facebook sehr ausführlich und haben durchaus mitbekommen, dass der eine oder andere Fotograf mit der Phonografie nichts anfangen kann und lieber mit einer „richtigen“ Kamera arbeitet.

Wir haben nicht vor anderen die Freude an dieser Art der Fotografie zu nehmen. Wir haben selber hochwertige Kameras und Objektive und nutzen diese gern und oft.

Warum also Artikel zum Thema Phonografie? Der Grund ist einfach: Weil es uns schlicht Spaß macht.

Inzwischen werden mehr Fotos mit dem Smartphone gemacht, als mit der DSLR. Wer sich mit offenen Augen umsieht, wird viele Fotos vom Smartphone finden, die wirklich toll geworden sind.

Und mal unter uns: Als mein Mitautor und ich in die digitale Fotografie mit „richtigen“ Kameras einstiegen, leisteten diese deutlich weniger, als so manches Smartphone heute – und alle waren begeistert über diese neue Technik. Wir hatten jedenfalls viel Spaß dabei, diese kleinen Linsen zu testen und sind immer noch erstaunt, was am Ende dann als Ergebnis zu sehen war.

Makroobjektiv oder besser Nahlinse

In den einzelnen Sets befinden sich jeweils kleine Weitwinkelobjektive, die aus zwei Linsen bestehen. Wenn Du diese Linsen trennst, wird die hintere Linse zu einem Makroobjektiv.

Dieser Begriff ist insofern etwas irreführend, da es sich natürlich nicht um ein vollwertiges Objektiv handelt, denn sobald Du diese Linse vor die Kamera setzt, kannst Du nur noch im extremen Nahbereich fokussieren. Das „Makroobjektiv“ entspricht daher eher einer Nahlinse, die Du vor das Objektiv einer „richtigen“ Kamera schraubst.

Diese kleine Linse, die ähnlich wie eine Lupe funktioniert, musst Du dann vor dem Objektiv des Smartphones positionieren.

Die verschiedenen Befestigungssysteme hatten wir Dir schon gezeigt. Um die Linse genau auszurichten, gibt es zwei Methoden:

  1. Du schaltest die Kamera ein und schaust auf die Anzeige und schiebst die Klammer solange hin-und her, bis die schwarzen Ränder im Bild verschwinden.
  2. Einfacher geht es, wenn Du durch die Linse schaust. Du musst das Objektiv des Smartphones möglichst mittig positionieren, dann sind nachher in der Anzeige auch keine schwarzen Ränder zu sehen.

Dieser zweite Weg funktioniert schneller und zuverlässiger.

Ob Du die Klammer am Ende von oben oder seitlich befestigt, spielt optisch keine Rolle. Es kann aber eine Rolle spielen, je nachdem, ob Du im Hoch- oder im Querformat fotografierst.

Nach unseren Erfahrungen ist die Installation stabiler, wenn die Klammer senkrecht steht.

Die ersten Versuche

Wenn zwei Fotografen und Redakteure der Fotoschule zusammensitzen und neue Technik testen, kommen manchmal überraschende Dinge zutage. Zugegeben, es sind ziemlich viele unscharfe, verwackelte und sonst wie untaugliche Bilder entstanden, mit denen man nur eins machen sollte: gleich wieder löschen.

Aber einige Bilder waren darunter, die wir Dir nicht vorenthalten wollen. Sie sind etwas abstrakt und nicht jeder wird sie mögen. Auf der anderen Seite gibt es keine Vorschriften, dass ein Makro immer nur konkret und superscharf sein muss.

Wichtiger als die technische Qualität ist, ob Dir selbst das Bild gefällt.

 

Das haben wir gelernt

Du musst mit so einer Nahlinse sehr nah an das Objekt heran. Je nach Smartphone und verbauter Kamera liegen die Abstände zwischen c. 2-5cm (aber eher bei 2). Damit wird Dir sicher einleuchten, dass Du mit dieser Technik eher unbewegte oder langsame Motive fotografieren kannst. Der Marienkäfer wird klappen, die Spinne im Netz unter Umständen auch, eine Schwebefliege oder eine Libelle eher nicht.

Zudem hat ein Smartphone keinen Griff und liegt als Kamera nicht sehr gut in der Hand. Es ist daher eine eher fummelige Angelegenheit die Kamera auszurichten, zu fokussieren und dann auch noch passend auszulösen.

Die besten Erfahrungen haben wir gemacht, indem wir entweder das Smartphone selbst oder zumindest die Hände auf einer festen Unterlage aufgestützt haben, uns dann langsam an den Schärfepunkt heranzutasten, um dann mit möglichst wenige Bewegung auszulösen.

Die ersten „richtigen” Fotos

Um Dir einen Eindruck zu geben, um wie viel näher Du mit der Nahlinse an das Motiv herankannst, haben wir zwei Vergleichsfotos gemacht. Diese beiden Fotos haben keinen Anspruch „schön“ zu sein. Sie dienen rein dem Größenvergleich.

Der Unterschied ist deutlich, oder?

Was Dir sicher auch auffallen wird: Die Schärfe ist sehr unterschiedlich.

Während das linke Bild fast durchgehend scharf ist, ist die Schärfentiefe im rechte Bild sehr klein und nur auf einen kleinen Bereich in der Mitte der Blüte beschränkt. Dieser Effekt ist normal und tritt auch bei richtig guten Makroobjektiven auf.

Im Nahbereich nimmt die Schärfentiefe rapide ab und beträgt durchaus nur 1-2 Millimeter. Das passiert auch bei so kleinen Bildsensoren, wie Smartphones sie meist verwenden (kleine Sensoren haben eigentlich bauartbedingt eine eher große Schärfentiefe).

Nachdem wir uns einigermaßen mit den Besonderheiten dieser Ausrüstung vertraut gemacht haben, konnten wir uns dann auch an ernsthaften Makros versuchen.

Nachfolgend haben wir uns an Blattläusen versucht und uns an die Grenze zwischen maximaler Vergrößerung in Kombination mit dem digitalen Zoom herangetastet. Du kennst Blattläuse? Diese Insekten sind nun wirklich sehr klein. Sie liegen irgendwo zwischen 0,5 – maximal 2 mm.

Ganz klare Bewertung von uns: Wir haben uns absolut im Grenzbereich dieser Technik bewegt. Keines der Fotos ist preisverdächtig, man erkennt auch sofort die Schwächen des digitalen Zooms. Auf der anderen Seite sind Strukturen erkennbar, die man mit bloßem Auge nicht einmal annähernd erkennen würde. Oder wusstest Du das Blattläuse Haare auf den Beinen haben?

Durch reinen Zufall haben wir dann ein Motiv gefunden, dass groß genug war, um ohne digitalen Zoom arbeiten zu können und klein genug, dass eine Nahaufnahme neue Ansichten bietet.

Darin liegt eben die Faszination der Makrofotografie.

Du siehst alltägliche Dinge, diese aber eben aus einer völlig neuen Sicht und Perspektive mit bisher unbekannten Details.

Nun aber zu dem Foto:

11947905_1134745593205451_7319982706368189121_o

Einige kleine Informationen zu dem Foto: Der Heuschreck saß morgens um 6 Uhr auf dem Fliegengitter einer Türe zum Garten und war noch in der Kältestarre, also recht langsam in seinen Bewegungen und daher war es möglich sich mit der Makrolinse wirklich bis auf ca. 2 cm zu nähern.

Das leichte Rauschen ist der morgendlichen Dämmerung geschuldet und kann in Photoshop weitestgehend beseitigt werden. Das Fliegengitter hat in etwa 1 mm große Öffnungen, daraus kannst Du ungefähr die Größe des Insekts ableiten.

Die Sets im direkten Vergleich

Gibt es Unterschiede in den Sets? Rein von der Stabilität und dem Handling gibt es ganz klare Unterschiede, die wir in dem vorigen Artikel schon gezeigt hatten. Es geht also vielmehr um die Optik.

Fakt ist, diese Linsen leiden unter all den Problemen, die in den großen und teureren Makroobjektiven aufwendig optisch auskorrigiert. Unter anderem durch asphärischen Schliff, unterschiedliche Glassorten und Vergütung.

All diese Dinge finden wir bei diesen kleinen Nahlinsen nicht. Sie verzeichnen zum Rand hin, es treten chromatische Aberrationen auf und die Randschärfe ist nicht die beste.

Wer also „knackscharfe“ und detailreiche Makrodokumentationen machen möchte, wird mit diesem Zubehör nicht glücklich.

Nun beobachten wir aber immer öfter, dass Fotos künstlich gealtert werden, dass via Instagram und anderen Programmen Verfremdungsfilter über die Fotos gelegt werden und Plug-Ins für Photoshop (zum Beispiel Nik) genau die Effekte zufügen, die diese Linsen sozusagen als Fehler von Haus aus mitliefern. Du kannst mit diesen Linsen also keine perfekten Makros machen, Du kannst aber schöne und interessante Fotos schaffen.

Diese Sets haben wir verwendet

Set 1:

Hunye 4in1 Objektiv Kamera Zubehör: universelles Teleobjektiv 10-fach Zoom Teleskop Weitwinkel-, Fischauge- und Makro-Objektiv Linse für iPhone 4 4S

Set 2:

MEMTEQ® 5 in 1 Clip-On Kamera-Adapter Fischauge Objektiv Set Fischaugenobjektiv + Weitwinkel + Mikroobjektiv + 2X EXT Barlow + CPL Polfilter für alle Smartphones und Handys Schwarz

Set 3:

VicTsing 3 in 1 Clip-On 180 Grad Fisheye Fischauge Objektiv + 0.65X Weitwinkelobjektiv + 10X Makro-Objektiv Kamera Adapter für iPhone 6 Plus 6 5S 5C 5 4S 4 Samsung Galaxy S6 S5 S4 Note 4 3 2 HTC One M8 M7 Sony Xperia Z3 Z2 iPad Air – Schwarz

Mit diesen Angaben wirst Du die Sets bei den üblichen Versendern finden. Die Auswahl erfolgte übrigens von unserer Seite rein zufällig.

Für einen direkten Vergleich haben wir mit einem aufgelegten iPhone gearbeitet, um immer denselben Abstand zu erhalten und haben zusätzlich versucht den gleichen Bildausschnitt zu bekommen. Es ist uns einigermaßen gelungen.

Die Helligkeitsunterschiede liegen nicht an der Linse, sondern an dem Lichtverlauf. Wir möchten die einzelnen Fotos jetzt nicht bewertend kommentieren, die Fotos sind nicht unter Laborbedingungen entstanden. Sie sollten aber reichen, dass Du Dir einen eigenen Eindruck machen kannst.

mit dem Mikroskopobjektiv
mit dem Mikroskopobjektiv

Zum Abschluss noch ein Foto, dass wir mit diesen sehr speziellen Mikroskopvorsatz gemacht haben. So sieht es tatsächlich aus, wenn Du das Objektiv vor die Linse des Smartphones setzt. Verwertbar ist nur ein kleiner Ausschnitt in der Mitte. Die Vergrößerung ist recht stark, wird aber durch den kleinen nutzbaren Kreis fast wieder zunichtegemacht. Insofern unsere Meinung: Dies ist nun wirklich reines Spielzeug.

Du bist nun am Ende von diesem Beitrag angelangt. Im nächsten Artikel unserer Smartphone-Reihe werden uns mit den Weitwinkeln und Fischaugen beschäftigen und mit einer Funktion, die inzwischen nun wirklich zu den Stärken der Smartphones gehört: Mit den Panoramen.

Weiterlesen

Du möchtest Dein Fotowissen vertiefen?

Lerne jetzt unser neues Kursangebot kennen!



Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

7 Kommentare

  1.   Juni 19, 2019 at 12:28 PM
    Kommentar bewerten

    Wieder ein sehr aufschlussreicher Beitrag – vielen Dank dafür!
    Ich würde noch hinzufügen wollen, dass man sich mit den Makro-Linsen oft selbst das Licht nimmt. Wie hier ganz richtig beschrieben, muss man wirklich sehr nah ran an sein Objekt. Dann allerdings, verhindert der eigene Schatten oft eine gute Ausleuchtung.
    Dennoch machen auch mir diese Linsen einen riesen Spaß …genau wie Eure Beiträge. ;-)

  2. Aimie
      Dezember 13, 2018 at 11:31 AM
    Kommentar bewerten

    Kann man die Objektive auch bei einem Samsung oder anderen verwenden? (weil es hier nur mit einem IPhone gezeigt wurde)

  3. Manmeet
      März 17, 2017 at 12:48 PM
    Kommentar bewerten

    Hi,

    I am an Optics student in Germany and planning to use Google Pixel or iPhone 7 with “Makro lens” for a university project. I am trying to use the camera sensor + optics in Makro mode and hence would like to know if you have already performed characterisation tests with these lenses? For example, minimum resolution possible, aberration tests or something like that.

    Since I wish to resolve objects of size 5 micrometers in a 1:1 or 2:1 makro configuration on the smartphone camera sensor with a largest possible field of view, I need to know specifics like what is the effective focal length and diffraction limit of the this lens.

    Is it possible for you to provide this info? If yes, then please let me know. Would be great to work along.

    Viele Grüße
    Manmeet

  4.   März 1, 2017 at 5:25 PM
    Kommentar bewerten

    Toller Beitrag! Beschäftige mich auch sehr mit den neuen Handyobjektive und habe schon einige ausprobiert. Gerne mehr zudem Thema :) Viele Grüße

  5. Pingback: Die fantastische Welt der Makrofotografie: Tiere und Insekten – Fotoschule

  6. Pingback: Für Dich getestet: Objektive für Dein Smartphone – Fotoschule

  7. Pingback: So erstellst Du Weitwinkelaufnahmen mit dem Smartphone

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund