Sterne fotografieren: Von der Planung bis zum fertigen Bild

Sterne fotografieren: Von der Planung bis zum fertigen Bild

Ein Gastbeitrag von Lichtfreunde

Jede Nacht funkeln Millionen Sterne am Himmel – doch viel zu selten nehmen wir uns Zeit, sie zu betrachten. Dabei erweisen sich Sterne als atemberaubende Fotomotive, die sich wunderbar mit Landschaften verbinden lassen.

Ich möchte Euch in einem kleinen Leitfaden einige Möglichkeiten vorstellen, wie ihr Landschaft und Sternenhimmel eindrucksvoll zu Bild bringen könnt.

Planung – Sterne oder Sternschnuppen fotografieren

Halte in Deinem Alltag Ausschau nach Landschaftsmotiven, die sich Deiner Ansicht nach besonders gut unter einem Sternenhimmel machen würden.

Ein Feld, ein schöner Stadtpark, ein Bachlauf, vielleicht auch nur ein Zaun: selbst eine langweilige Bahnfahrt kann allerlei Motive offenbaren. Hast Du ein Motiv gefunden, beachte zunächst die Mondphase, bevor Du Dich auf den Weg machst.

Der Vollmond überstrahlt viele Sterne.

Wenn Du das nicht möchtest, wähle lieber einen späteren Zeitpunkt.

Sterne fotografieren: Die Vorbereitung

Ist die Mondphase die für Deine Zwecke passende, erweist es sich oft als nützlich, schon vor Einbruch der Dunkelheit vor Ort zu sein. So kannst Du schon einmal im Hellen gucken, welcher Bildausschnitt besonders interessant ist – außerdem zeigt die Blaue Stunde die Welt noch einmal in einem anderen Licht und kann für ansprechende Fotos genutzt werden.

Auch der gewünschte Fokuspunkt kann bereits festgelegt werden. Fokussiere auf das, was Dir für das Foto wichtig ist, auf den Vordergrund oder den Himmel. Und achte darauf, dass der Fokuspunkt dann nicht mehr verändert wird. Live-View hilft da ungemein – und bei Weitwinkelobjektiven ist ja sowieso fast alles scharf.

Das Wichtigste zum Schluss:

Natürlich benötigst Du ein Stativ, denn die Aufnahmen des nächtlichen Himmels brauchen Zeit.

Sterne: Strichspur-Aufnahmen

Je nachdem, für welche Bildart Du Dich entscheidest, variiert die Vorgehensweise und auch die Belichtungszeiten sind unterschiedlich.

Um Strichspur-Aufnahmen der Sterne zu erzeugen, musst Du bedenken, dass sich scheinbar alle Sterne um den Polarstern drehen und die Strichspuren je nach Himmelsrichtung variieren. Außerdem ist es ratsam, mehrere Aufnahmen ohne merkbare Unterbrechungen zu machen, da durch die Unterbrechungen Lücken im Bild entstehen und ein Rauschen auftreten würde.

Sterne fotografieren: Arco de Arico von lichtfreunde ISO: 200 | F8 | 17 mm. | 55 Minuten (11 x 5 Minuten + 1 Aufnahme für den Vordergrund)
Arco de Arico von lichtfreunde ISO: 200 | F8 | 17 mm. | 55 Minuten (11 x 5 Minuten + 1 Aufnahme für den Vordergrund)

Sterne: Sternpunkt-Aufnahmen

Willst Du Sternpunkte auf dem Foto haben, ist etwas weniger Aufwand nötig. Bedenk nur, dass die Erde rotiert und nur bedingt Zeit ist, bis die Sternpunkte zu Strichpunkten werden.

Kleine Faustregel dazu:

Je kleiner die Brennweite, desto länger kann belichtet werden.

Bei 17mm ca. 30 Sekunden. Falls Du zwei Aufnahmen machst – eine für den Vordergrund, eine für den Hintergrund – solltest Du darauf achten, dass der Fokuspunkt derselbe ist.

the little church von lichtfreunde ISO: 1000 | F4 | 20mm. | 30 Sekunden
the little church von lichtfreunde ISO: 1000 | F4 | 20mm. | 30 Sekunden

Über die Einstellung der Belichtungszeiten solltest Du die anderen Einstellungen nicht vergessen.

Ich fotografiere in der Nacht meist offenblendig. Ob Du das auch machst, hängt davon ab, was Du fotografieren möchtest und mit welcher Linse. Im Grunde empfehle ich die offene Blende, denn in kürzester Zeit müssen viele Informationen auf den Chip.

Blendet man ab, muss die ISO angepasst werden. Hier solltest Du einfach vor Ort ausprobieren, welche ISO passt, da die Einstellungen von vielen Variablen abhängig sind, wie der Umgebungshelligkeit, der Anzahl der gewollten sichtbaren Sterne und so weiter.

the beauty from outer space von lichtfreunde
the beauty from outer space von lichtfreunde

Aufnahmen der Milchstraße

Möchte Du die Milchstraße ablichten, solltest Du Dich vorher informieren, wie genau sie am Himmel steht und ob sie gut sichtbar ist, wann die Milchstraße auf- und wann sie untergeht.

Bei einem zunehmendem Mond geht sie früh auf und früh unter, Vollmond überstrahlt fast alle Farben und Details.

Ein abnehmender Mond eignet sich am besten, wenn man die Milchstraße fotografieren will.

Außerdem ist die Bearbeitung eines Fotos mit vielen Farben und Details wesentlich unkomplizierter. Achte darauf, dass wenig Lichtverschmutzung und wenig Umgebungslicht vorhanden ist, denn die Milchstraße ist umso besser sichtbar, je dunkler es ist.

Die besten Monate für Milchstraßenfotos sind Mai bis August, da die Nebel dann schön weit oben sind und sich die Milchstraße in ihrer farbenfrohen Pracht zeigt.

Noch ein Tipp von mir:

Lade Dir eine Sternkartensoftware auf das Handy – so kannst Du jederzeit sehen, wie die Milchstraße steht und wo der Polarstern ist. Eine im trendigen Retro-Stil drehbare Sternkarte eignet sich natürlich auch.

Um die Milchstraße zu fotografieren, nutze ich dieselben Einstellungen, wie bei Sternpunkt-Aufnahmen:

  • offene Blende
  • maximale Belichtungszeit, damit aus den Punkten der Sterne keine Stricke werden
  • eine höhere ISO, sodass wirklich viele Informationen in einem Bild versammelt sind.

Das Stativ sollte auf jeden Fall stabil sein und nicht bei einem kleinen Lufthauch umfallen.

Bearbeitung von Sternenfotos

Wenn das Bild im Kasten ist, geht es an die Bearbeitung.

Zuerst sollte die RAW-Datei entwickelt werden, dafür kann ein beliebiges Programm gewählt werden. Ich persönlich nutze dafür Lightroom 5, weil man selektiv Helligkeiten anpassen, Lichter verringern, Tiefen aufhellen kann und mehr.

Zunächst setze ich bei meinen Bearbeitungen den passenden Weißabgleich. Bei Nachtaufnahmen mit Wolken sind mir die Farben oftmals zu warm. Sollte das der Fall sein, setze ich den Weißabgleich mehr ins Blau. Das ist nicht immer die optimale Vorgehensweise, denn jedes Bild und jeder Geschmack ist anders.

Ich passe gegebenenfalls auch die Belichtungszeit an, was das gesamte Bild entweder heller oder dunkler macht.

Falls nötig, bearbeite ich auch den Kontrast. Die Lichter ziehe ich meistens runter, um mehr Zeichnung in den hellen Stellen zu bekommen und die Tiefen ziehe ich rauf, um mehr Zeichnung in den dunklen Bildteilen zu bekommen. Der Eindruck des Bildes hat sich dadurch häufig schon stark verändert: Es sollte viel mehr Zeichnung vorhanden sein.

Ebenfalls nutze ich den Regler „Klarheit“, um „Miniatur-Kontraste“, also Kontraste in Details zu bearbeiten. Der Korrekturpinsel kann auch tolle Ergebnisse erzielen, man kann mit ihm selektiv Farben verstärken, beispielsweise bei den Gasnebeln der Milchstraße, ihnen Kontraste oder Schärfe verpassen oder auch selektiv aufhellen. Wegen dieser Funktionen nutze ich ihn häufiger oder arbeite mit ähnlichen Funktionen („Dodge and Burn“) in Photoshop.

Nimmst Du zwei Aufnahmen auf, eine für die Sterne und eine für den Vordergrund, führt kein Weg um die Überblendung.

Das funktioniert beispielsweise mit einer Photoshop-Maske und dem „Brush“-Tool wirklich einfach und schnell. Wenn Du das Tool noch nie genutzt hast, können Dir diverse How-to-Videos aus dem Internet das anschaulicher erklären als ich.

Leider gibt es keine „eierlegende Wollmilchsau“, die die passenden Werte für ein Bild vorgeben kann.

Probieren ist bei der EBV das Schlüsselwort.

Oder Du fragst Leute, die Dir vielleicht helfen können. Mich zum Beispiel könnt Ihr gerne kontaktieren und wir schauen dann, ob ich helfen kann.

Mond- & Planeten-Aufnahmen

luna von lichtfreunde ASI12MM | 8″ Newton | Stack 10% | Mosaik
luna von lichtfreunde ASI12MM | 8″ Newton | Stack 10% | Mosaik

Der Vollmond hat am Himmel ein halbes Grad. Unsere Nachbar-Galaxie, die Andromeda-Galaxie, hat dagegen etwa sechs Grad und ist mit einem 200mm Teleobjektiv sehr gut abzulichten und erscheint fast formatfüllend auf dem Chip.

Um Aufnahmen des Mondes zu machen, nutze ich zu Beginn ein Spiegelteleskop mit 1000mm Brennweite bei F5 (Newton 8“ Teleskop).

Anfangs reichten mir Aufnahmen mit adaptierter Kamera am Teleskop vom Mond, doch schnell wurde mir klar, dass mir die Ergebnisse, durch das „Seeing“ bedingt, meinen Schärfe-Ansprüchen nicht genügten und ich musste mir etwas anderes überlegen.

„Seeing“ ist so etwas, wie das Flimmern, das man im Sommer in der Luft sieht.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass man beim Filmen von Planeten das Video mit einer Software, zum Beispiel mit „Autostakkert“ oder „AVIStack“ aufaddiert, um ein Maximum an Schärfe und ein Minimum an Flimmern zu bekommen. Dafür nutze ich eine Webcam mit einer Auflösung von 1280×960 Pixeln.

Da man bei Mond- und Planetenaufnahmen filmt, längere Belichtungszeiten und zum Teil größere Brennweiten nutzt, braucht man schnell eine Nachführung oder eine Astromontierung. Das normale Stativ ist nicht in der Lage, die Erdrotation auszugleichen – was den Mond oder die Planeten auseinanderziehen und unscharf machen würde.

Um sich das vorstellbar zu machen, kann man seine Kamera mit einem Teleobjektiv zur Hand nehmen und den Mond fokussieren. Schaut man durch die Kamera, kann man die Bewegung des Mondes bereits sehen.

Solar outbreak von lichtfreunde
Solar outbreak von lichtfreunde

Nun bin ich am Ende meiner Erklärungen angelangt. Ich hoffe, sie helfen Dir weiter und Du hast vielleicht einige Tipps entnehmen können.

Falls Dir noch etwas unklar ist, kannst Du mich gerne kontaktieren. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Fotografieren und Bearbeiten :-)

Weitere Bilder zum Thema Sterne fotografieren von mir findest Du auf meinem fotocommunity-Profil oder auf meiner facebook-Seite.

Andromeda von lichtfreunde
Andromeda von lichtfreunde

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10 Kommentare

  1. Jürgen Pappert
      September 17, 2018 at 1:04 PM
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    Hallo,
    erst mal Danke für deine Erklärungen. Ich habe vor die Michstraße zu fotografieren. Meine Fragen dazu welche Belichtungszeit sollte ich nehmen und wie oft die Minute auslösen? Fotoausrüstung Nikon D5300 mit dem AF-P DX 18-55 Objektiv.
    Freue mich auf die Antwort.
    Grüße Jürgen Pappert

  2. Zu kleines Mousepad
      März 22, 2018 at 2:57 PM
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    .. faszinierend. ;-)

  3. Pingback: So geht es: Die Milchstraße fotografieren – Fotoschule

  4. Pingback: Der Mond – Astronomisch fotografieren – Fotoschule

  5. Andy Stevens
      August 31, 2016 at 8:33 AM
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    Ich finde solche Bilder auch immer wieder fantastisch. Jedoch ist das mit einem sehr großem Kostenfaktor verbunden. Das fängt schon beim 1000mm Objektiv an und hört mit Adobe Software auf. Somit wird es mir nie möglich sein, solche Aufnahmen in den Kasten zu bekommen.

    1.   Mai 2, 2017 at 11:39 AM
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      So hoch sind die Kosten letztendlich nicht. Zeit, Wetter und Standort (Lichtverschmutzung) sind eher die limitierenden Faktoren.

      Den Nachthimmel bekommst du auch mit einer Einsteigercam und dem Kitobjektiv selbvst in Deutschland noch gut sichtbar abgebildet.

      Erst bei Deep-Space-Objekten fängt es dann an teuer zu werden, wenn man alle Details rausholen will.

      Die Andromeda-Galaxie ist auch mit einem 70-200er Tele gut zu fotografieren.

  6. Pingback: Der Mond - Astronomisch fotografieren – fotocommunity-Fotoschule

  7. Carsten
      April 21, 2016 at 10:42 PM
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    Ich habe keine Ahnung vom Fotografieren bin aber ungeheuer beeindruckt. Viele Menschen nehmen doch nicht mal die Umgebung auf Hüfthöhe wahr. Solche Fotos zu machen erfordert nicht nur fachliche Kompetenz sondern erhebliche menschliche Qualitäten.
    Toll

  8.   Januar 6, 2016 at 8:02 AM
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    Sehr informativer Beitrag zum Fotografieren von Sternen. Ein wichtiger Punkte wurde aber aus meiner Sicht ausgelassen. Die Milchstraße zu fotografieren ist nur möglich, wenn die Lichtverschmutzung auf ein Minimum reduziert ist.

    Wo das auch in Deutschland möglich ist, könnt ihr z.B. hier nachlesen:
    http://www.travelography.de/2016/01/04/sterne-fotografieren-deutschland/

    Grüße
    Christian

  9. Marco M.P.
      Oktober 1, 2015 at 8:24 AM
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    Dankeschön für diesen super hilfreichen Beitrag! Meine Frage wäre nur, ob es erforderlich ist bei längeren Belichtungszeiten die Rauschunterdrückung, die ja nochmal solange wie die Belichtung dauert abzuschalten? Bzw. gibt es vielleicht grobe Richtwerte? Meine Kamera, Sony A77/2 mit 16-50 SSM falls das zu meiner Frage Hilfreich sein könnte.

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