So erstellst Du Weitwinkelaufnahmen mit dem Smartphone

Weitwinkel Smartphone

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Zum Abschluss der kleinen Reihe über die Phonographie (Fotografieren mit dem Smartphone) wollen wir noch ein Artikeldoppel bringen, dass sich mit dem Thema Weitwinkel und Panoramen beschäftigt.

Insbesondere im zweiten Teil dieses Doppel wartet dann vielleicht eine qualitative Überraschung auf Dich, sofern Du Dich für dieses Thema interessierst. In allen Sets, die wir Dir vorgestellt haben, sind zwei Objektivarten immer vorhanden: ein Fish Eye (Fischauge) und ein Weitwinkel (x 0,67).

Das Fischauge ist immer dreilinsig aufgebaut, das Weitwinkel besteht aus zwei Linsen. Beim Vergleich der Objektive aus den verschiedenen Sets haben wir praktisch keine qualitativen Unterschiede feststellen können, mit Ausnahme der qualitativ unterschiedlichen Befestigungsmethode. Wir werden daher nicht auf die Unterschiede der Sets eingehen, sondern uns auf das Fotografieren mit diesen Linsen selbst beschränken.

Das Fischauge (Fish Eye)

Woher kommt der Begriff? Du wirst wenig überrascht sein, dass damit wirklich ein Fischauge gemeint ist – natürlich im übertragenen Sinne.

Bestimmte Fische haben links und rechts vom Kopf weit vor gewölbte Augen, mit denen sie jeweils einen Bildwinkel von 180 Grad abdecken können. Die Fische können damit sozusagen in alle Richtungen gleichzeitig schauen. Es gibt Objektive, die genau diesen Bildwinkel auch abdecken können. Sie produzieren dieses typisch runde Bild, das an den Rändern extrem verzerrt ist. Dafür werden aber tatsächlich alle Motivteile innerhalb des Bildwinkels von 180 Grad abgebildet.

Wie sieht so etwas nun mit dem Smartphone aus? Da das Wetter hier gerade grausig ist, habe ich einfach in meiner (zum Glück aufgeräumten) Werkstatt fotografiert. Das Motiv ist nicht schön, aber aufgrund der vielen Details kannst Du die Unterschiede klar erkennen und abgrenzen.

Welche Sets sich hinter dem jeweiligen Foto verbergen, kannst Du hier am Ende des Artikels nachlesen.

Der Vorsatz erweitert im Vergleich den Bildwinkel deutlich, aber es ist auch schnell zu erkennen, dass die versprochenen 180 Grad Bildwinkel nicht erreicht werden. Von der Schärfe tun sich die einzelnen Vorsätze wenig, es gibt keine Unterschiede im tatsächlichen Bildwinkel. Was allerdings auffällt: Das günstigste Set nutzt den Sensor am besten aus und liefert tatsächlich das schärfste und kontrastreichste Bild.

Die beiden unteren Fotos zeigen schwarze Ecken. Man nennt dies auch Vignette. Betrachtet man die Objektive aus Set 2 und 3 genau, erkennt man einen schwarzen Rand auf der Frontlinse, der offensichtlich lackiert ist. Daraus kannst Du erkennen, dass es sich hier nicht um echte Fischaugen handelt, sondern “nur” um Vorsatzlinsen, die einen Fischaugeneffekt produzieren, indem der Rand künstlich erzeugt wird. Aber die Fischaugen taugen noch zu etwas ganz anderem, Du darfst gespannt sein.

Weitwinkelvorsatz

Neben den Fischaugen haben wir auch ein wenig mit den Weitwinkelvorsätzen experimentiert. Diese Vorsatzlinsen erzeugen keine Vignetten, sondern erweitern den Bildwinkel nur leicht. Um gleich einen Eindruck zu bekommen, hier ein direkter Vergleich:

Gerade wenn Du nicht genug Platz hast, um weit genug nach hinten zu gehen und das ganze Motiv zu fotografieren, kann dieser Vorsatz also durchaus hilfreich ein. Folgende Dinge sind uns aufgefallen:

  • das Fischauge hat die beste Randschärfe und verzeichnet weniger als gedacht
  • der Weitwinkelvorsatz wird zum Rand her sehr unscharf, da die Linsen nicht asphärisch geschliffen sind
  • Der Televorsatz erzeugt deutlich sichtbare Aberrationen (Farbfehler durch Verschiebungen)

Wenn für Dich das perfekte Foto nur dann perfekt ist, wenn jeder Pixel „knackscharf“ abgebildet ist, dann taugen diese Vorsatzlinsen sicher wenig.

Nun besteht die Freude an der Fotografie nicht nur an der perfekten dokumentarischen Abbildung des Motivs.

Manchmal wirkt ein Foto, weil es eine Stimmung transportiert. Da moderne Digitalkameras dazu neigen sehr sterile Fotos zu produzieren, neigen immer mehr Fotografen dazu, den Fotos nachträglich wieder Fehler zuzufügen, um sie einzigartig zu machen. Darauf möchten wir eingehen.

Mache aus der Not eine Tugend

Fotos der Vergangenheit beziehen ihre Wirkung aus dem Charakter des Films, der Entwicklung und oft auch der prozessbedingten „Fehler“. Vergleich dazu die beiden folgenden Fotos:

Du siehst einfach eine typische Wohnstraße aus Köln. Das rechte Foto zeigt mehr Straße, hat aber an den Seiten deutliche Bildfehler und Verzerrungen. Im direkten Vergleich wirst Du Dich fragen: Wozu soll das dann gut sein?

Wir haben die Fotos einfach ein bisschen bearbeitet und auf „alt“ getrimmt:

Das linke Foto wurde in Richtung eines grobkörnigen schwarz-weiß Films bearbeitet, das rechte Foto in Richtung eines alten Farbfilms aus den 70er Jahren, der schon ein wenig Farben verloren hat. Dir müssen diese Bearbeitungen nicht gefallen, aber vielleicht wird Dir trotzdem auffallen, dass auf einmal die Bildfehler der Vorsatzlinsen eine ganz andere Relevanz haben und plötzlich gar nicht mehr stören?

Wir möchten Dir nun noch ein anderes Beispiel zeigen, das vielleicht noch deutlicher macht, was wir meinen:

Stell Dir vor, Du möchtest Architektur fotografieren.

Von Deiner Position aus gelingt es Dir nicht, das ganze Objekt auf einmal zu fotografieren. Die Fotos sehen also so aus, wie oben gezeigt. Du hast nun zwei Möglichkeiten:

1. Du kannst ein senkrechtes Panorama aus den vier Aufnahmen stitchen:

Dieser Weg ist relativ aufwendig und fehlerbehaftet, erzeugt aber – richtiggemacht – ein gutes Ergebnis in einer sehr großen Datei, das Du dann am Ende bearbeiten kannst.

2. Du nimmst eine Vorsatzlinse (Weitwinkel) und machst nur ein Foto von dem Motiv:

Dieses Foto (links das Original) hat wieder die üblichen Bildfehler dieser einfachen Vorsatzlinsen. Mit etwas Bearbeitung mit einfachen Werkzeugen ist es dann aber möglich durchaus spannende Bilder zu erzeugen. (Ich wiederhole: Wenn es Dir so gefällt).

Zum Abschluss möchte ich Dir noch ein Foto als Hinweis auf den abschließenden Artikel zeigen:

[panorama360 src=”https://fotoschule.fotocommunity.de/wp-content/uploads/2015/10/Panofish1.jpg” src_width=”1024″ src_height=”154″ title=”Zur Vollansicht” title_link=”https://fotoschule.fotocommunity.de/wp-content/uploads/2015/10/Panofish1.jpg” title_link_target=”blank” style=”height: 200px; margin-bottom: 20px;” sliding_interval=”5″][/panorama360]

Du siehst ein Panorama mit über 360 Grad. Wie dies zustande kommt und wieso es so wenige Bildfehler hat, wirst Du im letzten Artikel dieser Reihe erfahren.

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6 Kommentare

  1. Frank Lindner
      Juli 3, 2019 at 2:31 PM
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    Klasse! Das nenne ich mal Inspiration. Vielen Dank für die tollen Tipps.

    Ich nutze selbst auch gern Smartphone-Objektive, habe mich bisher aber oft an der Qualitätseinbuße von Tele, Fisheye und Weitwinkel gestört. Lediglich mit dem Makro gelingen mir wirklich scharfe Aufnahmen.

    Mit dem Impuls aus diesem Beitrag, aus der Not eine Tugend zu machen, werde ich jetzt mal versuchen etwas entspannter und kreativer mit den Vorsatzlinsen zu fotografieren. ;-)

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  5. Penninger
      Oktober 27, 2015 at 7:01 PM
    Kommentar bewerten

    Gute und hilfreiche Information.

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