Bilder archivieren: Fünf Tipps für mehr Ordnung in Deiner Fotosammlung

bilderarchivieren

Wer eine riesige Fotosammlung aufgebaut hat, will immer alles im Überblick behalten. Heico Neumeyer zeigt, wie Du Dein digitales Bildarchiv organisierst – von der Dateibenennung bis hin zur Motivsuche.

Fleißige Fotografen haben Hunderttausende von Bildern auf ihrer Festplatte. Wer den Überblick behalten will, sollte das digitale Fotoarchiv von Anfang an gut organisieren – mit geeigneten Stichworten, Dateinamen und Ordnerstrukturen. Verzichte konsequent auf Duplikate, und lasse Dir bei der Motivsuche von Automatiken helfen. Unser Beitrag zeigt, wie Du Deine gesammelten Schätze jederzeit im Blick behältst.

Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 06-2017.

Ein Hinweis vorab: Viele der Tipps erklären wir Dir anhand von Lightroom, Photoshop und Elements. Viele der Tipps lassen sich aber auch problemlos auf andere Programme übertragen.

1. Die nützlichen Stichwörter

passende Worte
Passende Worte: Lightroom hilft beim Zuweisen von Stichwörtern.
Fotograf: Heico Neumeyer

Stichwörter helfen Dir beim Wiederfinden Deiner Fotos. Die meisten Programme speichern die Suchbegriffe nach dem verbreiteten IPTC-Standard. Damit stehen Deine Suchbegriffe auch dann zur Verfügung, wenn Du die Bilddatenbank wechselst, wenn Du Deine Dateien weiterschickst oder auf eine Fotoseite ins Internet stellst – Du brauchst die Stichwörter für soziale Netzwerke oder Agenturen dann nicht mehr neu einzutippen. Beachte diese Besonderheiten:

  • Verwenden in Lightroom und Bridge hierarchische Stichwörter: Wenn Du zum Beispiel den Begriff „Sonnenblume“ anwendest, werden Deinem Bild auch die übergeordneten Begriffe „Pflanze“ und „Blume“ zugewiesen.
  • Lightroom schlägt zu vorhandenen Stichwörtern wahlweise weitere Ausdrücke vor.
  • Stichwörter, die Du immer wieder gemeinsam zuweist, speichert Lightroom als Stichwortsatz.

Tipp: In sogenannten Metadatensätzen speichern Lightroom und Bridge Stichwörter und andere IPTC-Informationen wie Copyright und Aufnahmeort. Diese Infoblöcke kannst Du leicht auf Bildserien anwenden und dann für Einzelbilder noch verfeinern.

Richtig speichern

Lightroom und Photoshop Elements speichern Stichwörter zunächst nur in der internen Datenbank, aber nicht direkt in den einzelnen Bildern. Das ist schlecht, wenn Du den Rechner wechselst oder Fotos mit Stichwörtern weitergeben willst.

Wähle die bearbeiteten oder alle Fotos in diesen Programmen aus, und drücke dann

  • in Lightroom [Strg]+[S]
  • oder im Elements-Organizer [Strg]+[W]
  • am Mac jeweils die [Command]- statt der [Strg]-Taste

Bei JPG-, TIFF- und DNG-Bildern landen die Stichwörter nun unsichtbar direkt in den Dateien. Bei RAW-Formaten wie CR2, NEF oder ARW entsteht pro Foto im selben Ordner eine neue, kleine XMP-Datei mit Stichwörtern und weiteren sogenannten Metadaten.

Tipp: Wenn Du die Lightroom-Stichwörter nicht jedesmal per [Strg]+[S] sichern willst, wähle „Bearbeiten/Katalogeinstellungen/Metadaten“, und aktiviere „Änderungen automatisch in XMP speichern“.

2. Automatische Fahndung

GPS-Karte
Stadt und Land: Bei Bildern mit GPS-Daten trägt Lightroom selbstständig die Ortsnamen ein.
Fotograf: Heico Neumeyer

Einige Webseiten und Programme erkennen den Inhalt Deiner Bilder automatisch und erzeugen selbstständig passende Stichwörter – zum Beispiel Photoshop Elements 15, Google Fotos und Apple Fotos.

Bei schlichten Motiven wie „Auto“ oder „Schnee“ funktioniert das gut; Du erhältst damit auch in riesigen Archiven einen ersten Zugriff auf Bildinhalte. Doch manchmal generieren die Automatismen falsche oder gar keine Begriffe, verwechseln womöglich Tiere mit Menschen, und spezielle Bezeichnungen wie „Granatapfelsaft“ erhältst Du nie automatisch.

Schnee Fundsachen
Fundsachen: Google Fotos zeigt automatisch Aufnahmen zum Thema „Schnee“ Fotograf: Heico Neumeyer

Differenziere Deine Fotos darum lieber mit eigenen Stichwörtern nach Maß. Die Programme bieten übrigens noch mehr Automatiken: Sie erkennen Personen wieder und weisen Namensstichwörter zu. Enthalten die Fotos Angaben zu Längen und Breitengraden, tragen Lightroom oder ACDSee sogar passende Ortsnamen ein.

Tipp: Bei Photoshop Elements 15 kannst Du die automatisch gefundenen Begriffe nicht als IPTC speichern und weitergeben. Sie lassen sich nur programmintern nutzen.

3. Schneller Zugriff auf die Besten

Bewerte Deine Aufnahmen mit bis zu fünf Sternen. In Lightroom und Bridge markierst Du dazu einfach einige Bilder, dann wendest Du die Sterne so an:

  • Klicke unter einer Miniatur zum Beispiel auf den dritten von fünf Punkten, um drei Sterne zuzuteilen. Oder:
  • Tippe 2 oder drücke [Strg]+[2], um die Auswahl mit zwei Sternen zu bewerten.

Vorsicht: Die Sternewertung gehört nicht zum IPTC-Standard.

Wenn Du die Aufnahmen in einer anderen Bildverwaltung oder auf einem neuen Rechner bearbeitest, gehen die Sterne vielleicht verloren. Wer auf Nummer sicher gehen will, speichert zu den Sternen auch Stichwörter wie „3 Sterne“ oder „5 Sterne“ – die Stichwörter bleiben auf jeden Fall erhalten und lassen sich später leicht in Sterne übersetzen.

4. Gesucht – gefunden

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Schnell gefunden: Diese Bilder erfüllen laut Photoshop Elements 15 die Kriterien „Kirche“ und „München“ – doch die Schlagwortautomatik stufte fälschlich auch das alte Rathaus als „Kirche“ ein.
Fotograf: Heico Neumeyer

Reize die Suchfunktion aus!

Stöbere nach UND-Verbindungen wie „Kirche und München“.

Fahnde nach mehreren Bildeigenschaften gleichzeitig: Suche nach Stichwörtern in Verbindung mit bestimmten Kameramodellen, Mindestbewertungen und/ oder Zeiträumen. Speichere diese komplexen Abfragen – und rufe die passenden Bilder bequem aktuell auf.

Eine gespeicherte Abfrage heißt in Lightroom und Bridge „Smart-Sammlung“, in Photoshop Elements „gespeicherte Suche“.

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Fotofahndung: Die Filterleiste von Lightroom erschließt auch die größten Archive
Fotograf: Heico Neumeyer

Lightroom bietet eine der stärksten Suchfunktionen: Öffne in der „Bibliothek“ die Filterleiste mit [Strg]+[F], und klicke auf „Text“. Dann tippst Du rechts oben gesuchte Stichwörter, Dateinamen oder auch Kameratypen ein. Wechselst Du in der Filterleiste zu „Metadaten“, bietet Lightroom vier Spalten mit frei wählbaren Kriterien, die Deine Suche eingrenzen.

Gib zum Beispiel Jahr, Kameramodell, Stichwort und Bewertung gleichzeitig an.

Tipp: Nutze im Elements-Organizer auch das Untermenü „Suchen/Visuelle Ähnlichkeit“. Dann spürt das Programm ähnliche und identische Bilder auf und sortiert sie nach Aussehen.

5. Passende Dateinamen

Dateinamen mit Aufnahmedatum wie 2017- 03-25_14-34-55.dng sind beliebt, denn eine alphanumerische Sortierung sorgt für chronologische Anordnung.

Programme wie Bridge und Lightroom setzen den Zeitpunkt der Aufnahme sekundengenau automatisch in den Dateinamen ein. Wahlweise kannst Du bei der Serienumbenennung weitere Exif- und IPTC-Informationen ergänzen, zum Beispiel Kameramodell, Fotograf oder Stichwörter, aber auch freie Texte oder eine Nummerierung.

Etwas übersichtlicher wirken Dateinamen wie 2017-03-25_Genua_0014. Damit ordnest Du zusammenpassende Bilder nebeneinander an, auch wenn sie ursprünglich nicht direkt nacheinander entstanden sind. Ziehe Deine Aufnahmen vor dem Umbenennen in die gewünschte Reihenfolge. Das funktioniert in Bridge oder ACDSee, bei Lightroom nur in Sammlungen und im Elements- Organizer gar nicht.

XnViewMP

xnviewmp
Neuer Name: Programme wie XnViewMP benennen Deine Fotoserien flexibel um.

Als Gratisprogramm zum Umbenennen empfehlen wir XnView MP für Windows, Mac und Linux: Damit kannst Du Deine Bilder in die gewünschte Anordnung ziehen und auswählen, anschließend folgt „Werkzeuge, Stapel-Umbenennen“.

Schalte die „Namensvorlage“ ein, dann planst Du beliebige Exif- und IPTC-Werte, eigene Texte und Nummern im Dateinamen. Ersetze auch vorhandene Namensteile. Um Kompatibilitätsprobleme mit Datei- und Verzeichnisnamen auszuschließen, solltest DuLeerzeichen, Umlaute und Sonderzeichen vermeiden. Schreibe also nicht „heißes öl.jpg“, sondern besser „heisses-oel.jpg“.

Tipp: Dateiname plus Verzeichnispfad sollten insgesamt nicht zu lang werden, sonst drohen Schwierigkeiten beim Kopieren, Sichern und Löschen. Fasse Dich bei Datei- und Ordnernamen generell kurz.

Wie Du Dubletten vermeidest

Virtuelle Kopien
Virtuelle Kopien: Lasse Dir unterschiedliche Korrekturen anzeigen, ohne Dateien zu duplizieren

Sammle alle Aufnahmen in einem übergeordneten Verzeichnis wie „Fotos“. Dort legst Du beliebige Unterordner an. Den „Fotos“-Ordner kannst Du leicht per Bildverwaltung überwachen und sichern. Dupliziere Deine Fotodateien nicht – sonst verlierst Du Speicherplatz und die Übersicht. So vermeidest Du Dubletten:

  • Alle Bildverwaltungen erzeugen „Alben“ oder „Sammlungen“. Dort sammelst Du beliebige Fotos, ohne Duplikate zu erzeugen. Eine einzige Datei kann in mehreren „Alben“ oder „Sammlungen“ erscheinen. So planst Du Druckprojekte, Diaschauen oder Bildweitergaben.
  • Du willst mehrere Bildausschnitte und Korrekturen einer Datei nebeneinander sehen? Erzeuge in Lightroom beliebig viele „virtuelle Kopien“ einer Aufnahme. Jede „virtuelle Kopie“ kannst Du wie eine eigenständige Datei bearbeiten.
  • Speichere unterschiedliche Korrekturfassungen in einem einzigen Bild. Diese Varianten fixierst Du in Lightroom und im Photoshop-RAW-Dialog als „Schnappschuss“, in ACDSee als „Momentaufnahme“. Photoshop sichert unterschiedliche Arrangements einer Montage als „Ebenenkompositionen“.

Tipp: In Lightroom stehen Ihnen beliebige alte Bildfassungen dauerhaft zur Verfügung, auch nach Schließen und erneutem Öffnen der Datei. Die Arbeitsschritte erscheinen im „Protokoll“-Bedienfeld.

Fazit

Wir haben Dir verschiedene Tipps vorgestellt, mit denen Du Deine Bilderserien archivieren kannst. Du solltest nicht nur auf die Dateinamen achten, sondern Dich auch mit den Stichwörtern und den Automatiken, die Dir Dein Programm anbietet, auseinandersetzen.

Mehr Wissen

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Autor: Heico Neumeyer

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8 Kommentare

  1. Thomas
      August 19, 2017 at 10:35 AM
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    Also zum Archivieren wurde gar nichts gesagt, wie ich Bilder redundant und ausfallsicher ablege. Ich verlasse mich da nun schon jahrelang auf Bordmittel des Betriebssystems, also vernünftige Ordnerstrukturen. Darin sind Jahr und Tag enthalten und sichern chronologische Ordnung. Bilder benenne ich niemals um. Somit ist ganz normale Synchronisierung im Dateisystem möglich. Zum Suchen verwende ich Picasa. Man kann super schnell über Thumbnails blättern und auch filtern. Habe bisher nichts Besseres gefunden. Leider wird hier eine Datenbank erzeugt, die rasch sehr groß wird. Diese lässt sich bei einem neuen Rechner aber immer wieder neu und automatisch erzeugen.

  2. THR Cadolzburg
      August 9, 2017 at 10:18 AM
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    Auch ich möchte von der stabilen Pfadstruktur (Jahreszahl – Thema) nicht weg. Bietet ein Programm zusätzlich die Möglichkeit, Tags zu verwalten, so wäre das sicher hilfreich. Das Problem ist nur: Wie verschlagworte ich nachträglich meine etwa 210.000 Bilder. Das will ich meinen Augen nicht zumuten.
    LG Thomas

  3. Helmut Gross
      August 8, 2017 at 5:36 PM
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    Mein PC ist von Lightroom überfordert. Ich bin froh, das Photoshop funktioniert. Und ich schließe mich den Vorrednern an. Eine eigene Ordnerlogik sichert den Zugriff über mehrere Jahre hinaus zielsicher. Was diese Programme machen weiß kein Mensch und wenn sie nicht mehr funktionieren, dann findet man gar nichts mehr.
    Gruß Helmut

  4. Birma
      August 6, 2017 at 9:20 AM
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    Super beitrag hilft mir

  5. Erika
      August 6, 2017 at 12:12 AM
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    Das benötige ich alles nicht. Ich habe für jedes Jahr einen Ordner angelegt, darunter die Monate und darunter die Tage mit Kurzvermerk, was und wo ich an diesem Tag fotografiert habe.

  6.   August 5, 2017 at 7:34 AM
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    Lightroom, Bridge und ähnliche Programme bieten tatsächlich umfangreiche Möglichkeiten der Verschlagwortung.

    Ich sehe jedoch dabei die Gefahr, dass die Metadaten verloren gehen, sei es, dass bei der Datensicherung unklar bleibt, wo die eigentlich stehen oder durch den Wechsel des Programmes.

    Daher hat sich bei mir und etlichen Fotografenfreunden als einziger wirklich stabiler Weg der erwiesen, alle Fotos chronologisch in Ordnern abzulegen und diese Ordner dann mit ein oder zwei Schlagwörtern zu versehen. Alles andere erschien uns als zwar im Grundsatz besser aber viel zu risikoreich, was die Metadaten betrifft. So eine Ordnerbezeichnung sieht dann z.B. so aus: 2017_08_05__Canada_Toronto

  7. Rolf Meier
      August 4, 2017 at 7:11 PM
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    Die Möglichkeiten und Hilfen von Programmen wie Lightroom zur Organisation von Fotos sind tatsächlich beträchtlich. Allerdings: Automatismen, wie beispielsweise die Gesichtserkennung und die damit verbundene Vergabe von Personennamen, sind häufig nicht brauchbar, weil wichtige Einstellungen für die individuelle Steuerung fehlen. Die automatische Vergabe von Stichwörter ignoriert zum Beispiel die hierarchische Anlage von Stichwörtern.

  8. Peter Lorenz
      August 4, 2017 at 11:34 AM
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    Eine gute Erklärung, die ich aber über Lightroom schon lange benutze.
    Aber Kleinigkeiten wußte ich doch noch nicht.
    Peter

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