Datenflut beherrschen – Teil 2: Sortierung per Metadaten

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
Wie bereits im ersten Teil „Datenflut beherrschen“ besprochen, ist die Datenflut durch die heutigen Techniken der Fotografie nicht proportional zum Zeitaufwand diese schlussendlich auch zu sichten, sortieren und archivieren. Ich hab bereits Shootings gehabt, in der das Sortieren letztlich länger dauerte, als das Shooting. Daher hab ich viel Zeit in die Optimierung dieses Prozesses investiert.

Sogar Schnappschüsse mit dem Smartphone füllen auf Dauer die Festplatten. Dabei spielt noch nicht einmal die Datenmenge an sich eine Rolle, sondern die schiere Zahl an einzelnen Aufnahmen, die es so unübersichtlich macht. Serienbildfunktionen, HDR und Panorama tragen zusätzlich zu einer großen Unübersichtlichkeit bei.

Übersicht über seine Daten zu wahren, ist das wichtigste, zusätzliche Verschlagwortung ist ein nützliches, aber auch ein zeitraubendes Zückerchen. Bevor ich beginne, möchte ich Euch noch einen wichtigen Leitsatz für die Archivierung von Fotos an die Hand geben:

„Ein schlechtes Foto wird nie ein Gutes.“

Dieser Satz bedeutet Folgendes: Seht Ihr ein verwackeltes oder unscharfes Foto, dann könnt ihr es getrost direkt löschen. Das Löschen solltet Ihr nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, sondern sofort ausführen.

Die Erfahrung zeigt: Fotos, die man „erst einmal“ noch aufbewahrt, schaut man  – das zeigt langjährige Erfahrung – sowieso nie wieder an, weil man sich noch daran erinnert, dass die eh zu nichts taugen. Festplatten sind günstig geworden, so günstig, dass es sich nicht mehr lohnt, die Daten auf DVD zu brennen. Es reizt dann natürlich einfach Platten dazu zu kaufen, statt sich die Mühe des Sortierens zu machen.

Spätestens nach der dritten gefüllten Festplatte weiß man, warum dies ein Fehler ist: Man hat keinen Überblick mehr.  Was nützen Euch Bildfluten, wenn Ihr in diesen Daten nichts mehr wiederfindet. Jede Datei/Foto muss daher verwaltet werden und zwar durch Euer Auge und Eure Erinnerung und nicht durch die mannigfaltigen Verwaltungsversuche moderner Software. Sie helfen, aber können niemals zwischen einem für Euch gutem oder schlechten Foto unterscheiden.

Metadaten

Nach dem ersten Teil dieses Artikels habt Ihr bereits einige Bilder eines Shootings oder eines Ordners aussortieren können. Mit Metadaten geht es jetzt dem Rest der löschenswerten Fotos an den Kragen.

Metadaten sind Informationen, die den Inhalt einer Datei beschreiben. Bei MP3-Musikdateien sind dies zum Beispiel Titel und Interpret, bei Fotos sind es zum Beispiel Belichtungszeit und Blende. Diese Metadaten können als extra Datei (*.xmp) gespeichert sein oder sie befinden sich im eigentlichen Foto im Kopf der Daten (Header). Das fast standardisierte Format ist das bekannte EXIF-Format.

Je nach Kamera und Bearbeitungsprogramm können diese sehr umfangreich sein. Ferner sind zusätzliche Informationen von der jeweiligen Software in den Metadaten integriert. Zusätzlich gibt es noch die so genannten IPTC-Daten, ein Standard, mit dem die Presse arbeitet, um nachträglich Informationen in dem Foto speichern zu können (Urheber, Ort, Kurzbeschreibung des Fotos, Schlagworte usw.)

Manche Programme bieten das Speichern ohne Metadaten an. Dies hat Vorteile bei der Weitergabe von Fotos um, zum Beispiel die GPS-Daten zu verbergen. Es muss ja nicht jeder wissen, wo die tolle Burgruinen war oder wie Ihr ein Fotos gemacht habt.
RAW-Bilder haben fast zu 100% eine Fülle von Metadaten und diese sind nur durch raffinierte Hacks zu löschen oder zu manipulieren. Exportiert man aus RAW-Konvertern Fotos, werden diese im Normalfall auch in die exportierte Datei geschrieben. Ergo liegt es an Euch was Ihr an Informationen weitergebt.

Eine vollständige Liste der möglichen Metadaten einer Kamera erschlägt einen förmlich. Zum Glück werden die interessantesten Felder bereits automatisch ausgefüllt (EXIF-Daten). Ihr könnt aber auch eigene Informationen hinzufügen. In der Kamera bereits einstellbar sind oft die Urheber/Copyrightvermerke und auch die Seriennummer der Kamera wird in die EXIF geschrieben. Wenn Ihr diesen Urhebervermerk gleich nach dem Kauf der Kamera eintragt, erübrigen sich später auch Diskussionen über die Urheberschaft der Fotos.

Ich beziehe mich in diesem Artikel bei den Beispielen auf Adobe Photoshop, die Bridge und Lightroom. Aber keine Angst, die meisten Tipps und Tricks funktionieren auch mit dem Datei-Explorer in Windows und dem Apple Pendant Finder oder ähnlichen Bild-Browsern. Sie sind dort halt nicht so komfortabel zu erreichen.

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Um in einem geöffneten Bild in Photoshop die Metadaten zu sehen müsst Ihr im Menü „Datei“ die Dateiinformationen aufrufen.
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Alle Metadaten werden durch Gruppen dargestellt. Für diesen Artikel sind nur erst einmal nur die EXIF-Daten interessant.

Beispiel für Metadatensuche in Apple OSX

Ihr könnt zum Beispiel in einem Ordner oder der gesamten Festplatte per Apple-Finder nach Bildern mit einer Belichtungszeit über 1 Sekunde und einer Blitzauslösung (Was dann vermutlich kein gutes Foto sein wird) suchen. Ihr könnt aber auch nach jeder anderen Kombination von Metadaten suchen. Ihr müsst dort nur das Suchfeld per Tastaturkürzel Apfel-F aufrufen und dort findet ihr in den vielen Suchoptionen das Feld „Andere“. Hier verbirgt sich das Suchen nach jeglichen Metadaten.

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Beispiel OSX-Finder: Aufruf des Suchfeldes per Tastaturkombination Apfel-F
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Im Drop-Down-Menü findet Ihr das unscheinbare Feld “Andere”
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Ihr könnt unter einer unglaublich großen Zahl an Metadatenfeldern suchen.
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Im Suchfeld selbst könnt ihr dann weitere Kriterien hinzufügen.

Metadatensuche mit Windows Explorer

Im Windows-Explorer ist es ähnlich. Es gibt große Unterschiede je nach Windows-Version, ab Windows 7 ist es aber einfach geworden mit Metadaten zu arbeiten. Der Explorer leistet deutlich mehr, als viele von Euch vielleicht kennen oder vermuten. Man kann Vorschauen einblenden, die bei einer schnellen Sichtung helfen, man kann sich aber auch in einem Detailbereich die wichtigsten Metadaten anzeigen lassen, die sich dann auch teilweise editieren lassen

Win1
Zwei Bereiche des Windows Explorer sind wichtig für die Bildsortierung, Rechts der Menüpunkt Gruppieren und links die Funktionen Navigationsbereich mit den Möglichkeiten einen Detailbereich einzublenden und ein Vorschaufenster.
Win2
Im Detailbereich lassen sich die wichtigen EXIF-Daten anzeigen und sogar teilweise editieren.
Win3
Die schnelle Vorschau beschleunigt die Bewertung und Auswahl.
Win4
Über den Menüpunkt Gruppieren nach -> Spalten auswählen könnt Ihr die Metadaten auswählen, die angezeigt werden und nach denen Ihr sortieren wollt.

Metadatenfelder

Die wichtigsten Metadaten, die wir zum Sortieren und Aussortieren brauchen, sind:
Dateityp, Erstellungsdatum, Änderungsdatum, Ausrichtung, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Blende, Brennweite, Weißabgleich, Farbprofil, Camera Raw und bei bereits vergebenen Schlagwörtern natürlich Schlagwörter.

Beispiel

Um Euch nun zu erklären, wie man vorgehen kann, muss ich mich auf einen meiner Beispielordner mit der Software Adobe-Bridge beziehen. Es geht hier nur darum euch die Flexibilität der Auswahl von Bildern durch Metadaten-Kombinationen zu demonstrieren. Die Bridge ist hier das Mittel meiner Wahl.

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In der Adobe-Bridge muss man zwischen Metadaten und Filter unterscheiden. Das erstere zeigt euch nur Daten, das zweite Panel ist zum selektieren geeignet.

In meinem Ordner befinden sich Fotos von zwei Tagen. Hier finden sich Fotos aus unterschiedlichen Orten, das meiste ist geknipst und einige sind fotografiert. Unter den Fotografierten befinden sich Einzelfotos für Panoramen und HDR-Versuche.

Kurz eine Erklärung nebenbei: Ich persönlich unterscheide zwischen geknipsten und fotografierten Motiven. Fotografierte Bilder sind geplant und durchdacht. Geknipste sind Augenblicke, die ich mit der Kamera spontan festhalten wollte.Geknipste Bilder hab ich meist mit verschiedenen Automatiken erstellt. Fotografierte Bilder sind bei mir fast durchgehend manuell eingestellt worden.

Ich möchte diesen Ordner nun sortieren. Als erstes rufe ich hier das Erstellungsdatum auf und erkenne 7 Fotos vom 14.02.2015. Diese markiere ich und verschiebe sie in einen neuen Ordner. In den übrig gebliebenen 322 Fotos such ich jetzt nach wahrscheinlich schlechten Bildern. Ich markiere hierzu die hohen ISO-Stufen, von denen ich weiß, dass diese zu starkes Rauchen beinhalten. Über die Vorschau (Leertaste) kann ich nun diese 11 Fotos schnell nach Müll durchforsten.

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Bei der von mir genutzten Kamera ist die gesuchte ISO-Empfindlichkeit 25600 extrem verrauscht. Ich nutze sie dennoch gerne in der ISO-Automatik. Lieber eine verrauschte Momentaufnahme als keine.

Was man aber an diesem Bildschirmfoto noch sehen kann, ist die Verteilung der Fotos mit unterschiedlichen ISO-Zahlen. Hier scheinen die Fotos mit ISO 200 interessant. Bei diesen sollten sich nicht allzu lange Belichtungszeiten wiederfinden. Das ist ein Indiz für Überbelichtung oder HDR. Sie sind offensichtlich bei hellem Tageslicht entstanden. Ich sortiere nun diese „ISO 200 + Belichtungszeit kleiner 1/250“ Gruppe nach  … … …

Wie Ihr seht, könnt Ihr die Metadaten hervorragend nutzen, um Bilder zu sortieren oder Bildleichen zu identifizieren. Die Kombinatorik ist schier unendlich. Und diese Metadaten-Funktionen sind auch mit Unterordnern oder ganzen Festplatten möglich. Damit habt ihr starkes Werkzeug zur Hand, um Eure Datenbestände zu durchsuchen, sortieren und zu entmüllen.

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  1. Pingback: 10 typische Anfängerfehler beim Fotografieren und wie Du sie vermeidest

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