Datenflut beherrschen – Teil 1: Optisches Sichten

In Zusammenarbeit mit SIGMA

Wer kennt es nicht:

Da macht man einen Ausflug mit der Familie und am Abend kopiert man neugierig die Fotos auf den Computer.

Nach dem Kopieren merkt man, dass sich tatsächlich einige hundert Fotos angesammelt haben. Es fehlt aber die Lust die Fotos zu sichten und zu sortieren. So verschiebt man die Fotos erstmals in den Tiefen seiner Ordnerstrukturen der Festplatte. Dort bleiben die Fotos meist auch für lange Zeit.

Und nun?

Wie kann man solchen Fotofluten Herr werden?

Sicher ist die Empfehlung, weniger Fotos zu machen, nicht die Schlechteste.

Doch ist es ja gerade ein Vorteil der digitalen Fotografie auf nichts verzichten zu müssen. Wir möchten Dir ein paar Tipps geben, wie man Fotos schnell und sicher sichtet und sortiert. Zuallererst erhältst Du Tipps rund um das erste Sichten Deiner Fotos.

Moderne Bildbrowser wie Beispielsweise Lightroom, ACDSee, Adobe Bridge, aber auch der Datei-Explorer von Windows oder der Finder vom Mac haben viele Möglichkeiten Fotos in Verzeichnissen unterschiedlich anzuzeigen. Der Unterschied besteht lediglich in der jeweiligen Bedienung – das Prinzip, das wir Dir hier erklären, bleibt das selbe.

Thumbnail-View

Die Methode kleine Vorschau- oder Miniaturbilder zu zeigen, wird im englischen „Thumbnail-View“ genannt. Das Wort „Thumbnail“ (Daumennagel) sagt bereits aus, dass es eine kleine Vorschau des gesamten Bildes zeigt. Diese Vorschaubilder sind nützlich, um gezielt nach bestimmten Fotos Ausschau zu halten, um die Bilder zu sichten ist diese Ansicht nicht hilfreich.

Aber wieso?

Vorschaubilder (wie das Wort schon sagt) sind im Prinzip keine vollständigen Abzüge der gesamten Daten im Foto, sondern werden meist durch die Kamera beim Abspeichern auf die Speicherkarte erstellt oder gar erst vom Bildbrowser erzeugt. Dies geschieht, um nicht immer alle Daten einlesen zu müssen, wenn eine Vorschau angezeigt wird.

Bei den Speichergrößen vieler Kameras würde die Anzeige der Vorschau viel zu lange dauern. Öffnet man eine dieser Vorschaubilder dann in einem Bearbeitungsprogramm, so sieht das Foto oft völlig anders aus, als in der Vorschau – die Gründe dafür werden wir in einem der kommenden Beiträge erläutern. Die Thumbnail-Ansicht ist trotzdem wichtig und nötig und kann viele Prozesse, besonders beim Sortieren beschleunigen. Dazu später mehr.

Hier ein Beispiel für die unterschiedliche Darstellung von Thumbnails in Apples Datei-Explorer „Finder“ und in Adobe Bridge:

Thumbnail Finder
Thumbnail-Ansicht in Apple Finder
Thumbnail Bridge
Thumbnail-Ansicht in Adobe Bridge

Optisches Sichten – Wie funktioniert das?

Zuerst gilt es, jene Fotos optisch auszusortieren, bei denen es sinnfrei ist, sie aufzuheben.

Das sind bei uns häufig Fotos, die wir aus Versehen machen oder um unsere Kameras einzustellen. Wer kennt nicht die Fotos von Schuhen und Gehwegplatten durch unbestimmtes Drücken des Auslösers? Dies kann tatsächlich in der Thumbnail-Ansicht geschehen und die Größe der Thumbnails darf auch recht klein gewählt werden. Es sollten an diesem Punkt auch nur die wirklich offensichtlich falschen Fotos gelöscht werden.

Tipp zum Löschen: Wenn Du Deinen Papierkorb vor der Sichtung leerst, kannst Du die schlechten Fotos löschen, da sie im Grunde nur verschoben werden. Am Schluss der Sichtung kannst Du Dich entscheiden, ob Du die Fotos im Papierkorb wirklich löschen oder bei Unsicherheit einfach wieder per Drag’n’Drop in einen neuen Ordner mit Namen „Wahrscheinlich Müll“ verschieben möchtest.

Als nächstes kann man „optisch“ loslegen. Und zwar geht es nun um die über- und unterbelichteten Fotos.

Auch dies kann man hervorragend in einer kleinen Thumbnail-Ansicht erkennen und dort per Maus mit gedrückter CMD oder STRG Taste als Gruppe markieren.

Auswahl per Thumbnail-Ansicht
Schnellauswahl zu dunkler und vermeintlich zu heller Bilder per Thumbnail-Ansicht

Tipp: Besonders bei RAW-Bilddaten ist ein vermeintlich schwarzes oder weißes Bild in der Vorschau häufig noch tadellos im RAW-Konverter. Einfach die Bilder markieren und im RAW-Konverter öffnen. Dort eine Bildoptimierungsautomatik anwenden und erst dann aussortieren.

Noch ein Hinweis zu Serienfotos: Oft werden in bestimmten Situationen viele Fotos in Serie gefertigt. Nicht nur bei HDR-, sondern auch bei Action-Shoots oder bei Porträts.

Serien sind in der Thumbnail-Ansicht gut zu erkennen. Von dieser Serie kann man die meisten Fotos bis auf ein bis drei „gute“ löschen.

Einfach die Thumbnail-Ansicht in der Größe so verändern, so dass man noch viele Bilder sieht. Es ist nicht notwendig den eigentlichen Inhalt zu erkennen. Es ist lediglich notwendig eine Serie einzugrenzen, um schnell den Überschuss an Fotos loszuwerden.

Auswahl einer Serie und HDR
Beispielhafte Auswahl einer Reihe von Fotos. Die ersten acht markierten Bilder sind scheinbar identisch. Beim Rest handelt es sich offensichtlich um eine Belichtungsreihe oder eine HDR-Serie.

Wechsel in die Vollansicht

Jetzt solltest Du von der Thumbnail- Ansicht zur Vollansicht wechseln.

Die Vollansicht erscheint meist durch Drücken der Leertaste oder der Taste F8.

Hier solltest Du Dich nach und nach von allen unnötigen Bildern trennen.

Die Navigation durch die vorausgewählten Fotos übernehmen die Pfeiltasten (Cursor-Tasten) der Tastatur. Viele Bildbrowser bieten dafür einige Sonderfunktionen, wie zum Beispiel den Vergleich zweier ausgewählter Bilder oder aber ein Bild für den Wechsel in der Anzeige zu sperren. So lassen sich alle Bilder einer Serie immer mit dem bisher besten Foto vergleichen.

Gerade bei Porträts sind minimale Änderungen der Mimik ausschlaggebend, ob das eine oder das andere Foto besser ist.

Bei Sportaufnahmen kann die Position des Balls beim Spieler entscheidend sein, ob ein Foto gut ist oder nicht. Ein schnelles Hin- und Herschalten ist hier sehr nützlich – deshalb nutzen Bildbrowser diese schnellen Vorschau-Bilder.

„Vergleichen“ von Fotos in Adobe Lightroom
Die „Vergleichen“-Ansicht in Adobe Lightroom.
Überprüfungsmodus in Adobe Bridge
Der „Überprüfungsmodus“ in Adobe Bridge.

Mit ein wenig Übung hast Du in Minuten mit dieser ersten Bereinigung bereits viele Fotos aus der Datenflut entfernt. Im nächsten Artikel zeigen wir Dir, wie sich mit Hilfe der Metadaten noch viele weitere Fotos schnell aussortieren lassen, die sich nicht lohnen, im Datenstamm aufbewahrt zu werden.

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7 Kommentare

  1. Pingback: Bilder archivieren: Fünf Tipps für mehr Ordnung in Deiner Fotosammlung – Fotoschule

  2.   Oktober 23, 2015 at 5:14 PM
    Kommentar bewerten

    Ein NAS Speicher hilft denen, die sich nicht von ihren Bildern trennen können. ;-)

  3. Uwe
      September 19, 2015 at 4:42 PM
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    Wo finde ich den den nächsten Beitrag zu den Metadaten?

    1. Norbert Eßer
        September 23, 2015 at 11:28 AM
      Kommentar bewerten

      Hi, hier findest du den Beitrag: http://fcfotoschule.wpengine.com/datenflut-beherrschen-teil-2-sortierung-per-metadaten/

      Ich hoffe er gefällt und hilft dir.

  4. Pingback: 10 typische Anfängerfehler beim Fotografieren und wie Du sie vermeidest

  5. KB-ISAR49
      August 26, 2015 at 8:16 PM
    Kommentar bewerten

    Guter Einstieg zum Sortierproblem.

  6. Pingback: Datenflut beherrschen – Teil 2 – Sortierung per Metadaten - Fotoschule

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