EXIF-Daten? Unnütz oder sinnvoll?

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„Das Exchangeable Image File Format (offizielle Abkürzung Exif) ist ein Standardformat (…) für das Abspeichern von Metadaten in digitalen Bildern. (…) In den Exif-Daten einer Bilddatei werden technische Informationen zur Aufnahme, unter anderem Kameramodell, Zeitpunkt der Aufnahme und Kameraeinstellungen, gespeichert.“

So lautet die Definition der EXIF-Daten in den Fotos bei Wikipedia. Soweit so schön, so praktisch. Mit den EXIF-Daten fällt das aufwändige Notieren der Kameraeinstellungen in Notizbüchern weg, wie es zu analogen Zeiten üblich war. Denn so hat der ambitionierte Fotograf schon damals Daten wie Blende, Belichtungszeit und weiteres „gespeichert“, um später dann bei Durchsicht der belichteten Abzüge seine Schlüsse ziehen zu können. Waren die gewählten Einstellungen die passenden? Oder sollte er beim nächsten Mal lieber die Blende doch etwas weiter schließen oder die Zeit etwas länger wählen, um den gewünschten Effekt zu erzielen?

In der heutigen Zeit kannst Du nun das fertige Foto sofort nach der Aufnahme auf dem Display Deiner Kamera oder Deinem – per Wlan oder Bluetooth verbunden – Smartphone oder Laptop beurteilen. Die Kameras speichern alle Kameraeinstellungen in der Bilddatei ab. Eine Komfortfunktion, die es Dir erlaubt, Deine Fotos und die dazu gehörigen Einstellungen auch im Nachhinein immer im Blick zu behalten.

 

Nachgefragt: Wem nützen EXIF-Daten?

EXIF-Daten des Beitragsfotos

Moderne Foto-Plattformen lesen die EXIF-Daten (so vorhanden) automatisch aus und blenden die Angaben in der Regel unter dem Foto ein. Gerade Einsteiger in die Fotografie orientieren sich oft sehr stark an den Aufnahmedaten der Fotos, die sie sehen. Dies mit der Idee verbunden, sich diese Daten für später zu merken. So kannst Du sie dann für ein ähnliches Motiv anwenden.

Fehlen die EXIFs einmal, werden sie mit der Begründung, lernen zu wollen und dafür unbedingt die Angaben zu Blende, Zeit oder ISO zu benötigen, eingefordert.

Aber: Helfen diese Angaben überhaupt, um fotografisch zu lernen? Kann der Bildbetrachter über diese Werte bei einem anderen Motiv und anderen Rahmenbedingungen zu sinnvollen und reproduzierbaren Erkenntnissen kommen?

Schließlich sind die genannten Aufnahmewerte direkt abhängig von den herrschenden Lichtbedingungen vor Ort im Moment der Aufnahme. Denn Blende, Zeit und ISO stehen ja in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis.

Sich also ein identisches oder ähnliches Motiv zu suchen, die EXIF-Daten der Beispiel-Aufnahme einzustellen und ein gut belichtetes Foto zu erhalten, ist illusorisch. Unterschieden sich doch die Rahmenbedingungen zur Originalaufnahme sicher erheblich und wir wissen nicht, wie hell die Gesamtumgebung war, ob zusätzlich Licht durch Reflexionen auf das Motiv fiel etc. pp.

 

Foto eines Stein-Türmchens
Blende f/6 – Belichtungszeit 1/60 – Brennweite 43.0 mm – ISO 5000

 

Auch die optische Anmutung des Fotos kann schwer durch pures Kopieren der EXIF-Daten reproduziert werden. So ist zum Beispiel die sichtbare Schärfentiefe im Foto nicht nur abhängig von der verwendeten Brennweite und Blendenzahl sondern auch vom Abstand zum Motiv selbst und dessen Abstand zum Hintergrund. Diese werden aber in den EXIF-Daten ebenfalls nicht angegeben. (Du möchtest mehr über das Zusammenwirken der einzelnen Aufnahmeparameter wissen? In unserem Online-Fotokurs „Einfach fotografieren lernen“ findest Du Antworten.)

EXIF-Daten sind also kein Rezept, um mit diesen Werten ein Foto eines Motivs nachzustellen und immer wieder reproduzieren zu können. Wenn Du aber die EXIF-Daten ähnlicher Fotos und Motive miteinander vergleichst, kannst Du daraus durchaus wichtige Schlüsse ziehen, wie zum Beispiel: „Wenn eine kleine Blendenzahl zu lesen ist, ist der Hintergrund meist schön unscharf.“

 

Wem nützen nun aber die EXIF-Daten wirklich?

Wenn nun die EXIF-Daten eigentlich für den Betrachter keine wirklichen Schlüsse zulassen, wem nützen diese Daten denn nun? Warum sind sie dennoch wichtig? Die Antwort auf diese Frage ist am Ende recht einfach: Der Einzige, der wirklich mit diesen Daten arbeiten kann, ist der Fotograf der Aufnahme selbst.

Denn nur er kann die technischen Werte wie Blende, Zeit und ISO in den Gesamtkontext der Aufnahme setzen. Er weiß genau, wie hell es war und ob es Aufhellungen oder Abschattungen gegeben hat. Außerdem weiß er, wie weit das Motiv entfernt und wie groß die Entfernung zum Hintergrund war. Und er kann am Ende mit Blick auf das Foto anhand dieser Daten entscheiden, ob das Ergebnis für ihn perfekt ist oder ob er die Daten entsprechen anpassen muss.

 

Erzähl uns Deine Erfahrungen mit EXIF-Daten!

Wie sind Deine Erfahrungen mit EXIF-Daten? Welche Schlüsse kannst Du für Dich aus diesen ziehen? Gibt es noch andere Anwendungsbereiche, wobei sie Dir helfen?

Schreib uns Deine Meinung und Deine Erfahrung zum Thema EXIF-Daten in die Kommentare. Wir freuen uns darauf!

15 Kommentare

  1. Mit Interesse habe ich soeben die fundierte Einführung sowie die Kommentare zum Thema EXIF-Daten gelesen.

    Der Autor der Einführung schreibt:
    Der Einzige, der wirklich mit diesen Daten arbeiten kann, ist der Fotograf der Aufnahme selbst….

    Diese Aussage trifft vollumfänglich meiner Meinung.

    Herzliche Ostergrüsse aus der Schweiz:

    Markus

  2. Hier in der FC finde ich die EXIF Daten schon praktisch. Wenn ich ein spannendes Fotos entdecke, es mich fasziniert und ich so gar keine Idee habe, wie das entstanden ist, wie die Bildwirkung entsteht, dann linse ich gerne rüber zu Exif-Daten. Hauptinformation ist dabei die verwendete Brennweite, dann Belichtungszeit, dann Blende, danach ISO. Unwichtig für mich Kameratyp und Marke, dito bei Objektiv, Geodaten, Datum, Uhrzeit. Selber nutze ich EXIF-Daten gerne schon mal bei Sortierung, Bildsuche und bei nachträgliche Fehleranalyse. Dabei nutze ich auch häufiger Kamera- und Objektivtyp, denn oft weiß ich noch, dass ich bestimmte Fotos mit einer bestimmter Kamera-Objektivkombination aufgenommen habe.
    Also: EIXF-Daten? Find‘ ich gut!!

  3. Moin Zusammen! Meine Art der Fotografie ist eher dadurch geprägt, dass ich möglichst viel vorher und während der Aufnahme beeinflusse. Fan von available light… Eine Grosse Nachbearbeitung oder gar Composing ist nicht mein Ding.
    Für mich selbst aber auch besonders für die Teilnehmer der VHS-Kurse und Fotowalks, die ich für Anfänger und Fortgeschrittene veranstalte, sind die EXIF-Daten daher sehr hilfreich.

  4. Ich finde die Angabe der EXIF Daten in einem Forum wie der Fotocommunity extrem wichtig. Da ich gerne aus den Erfahrungen anderer lerne. Natürlich wäre es noch besser, der Fotograf schilderte zusätzlich die Aufnahmesituation, in der er die Einstellungen vorgenommen hat.
    Ohne diese Daten kommt das Betrachten der Fotos einer Ausstellung gleich, bei der ich lediglich das Ergebnis in Form des fertigen Fotos bestaunen kann.
    Selbst wenn es einige gibt, die anderer Meinung sind frage ich mich, was gegen die Angaben der EXIF Daten spricht wenn es zumindest viele gibt, die davon profitieren.

  5. Mein erster Kontakt und Nutzen von EXIF-Daten: Ich brauche keine Einblendung von Datum und Uhrzeit auf dem Steg zwischen den Negativen (hatten manche Profi-SLRs), sondern ich habe darin immer die korrekten Daten dafür (vorausgesetzt, dass Datum und Uhrzeit in der Kamera korrekt eingestellt sind).
    Ich nutze dies auch heute noch, um meine Bilder chronologisch zu sortieren. Dass bei Bilderserien die „Sub-Second“ nicht unbedingt korrekt genutzt wird, kann ich durch die Verwendung des „Shutter Count“ ausgleichen.
    Erst richtig interessant wird es, wenn ich nun Handy-Fotos nutze (ich weiß, ein richtiger Fotograf nutzt eine richtige Kamera, aber letztlich macht der Fotograf das Bild, nicht das technische Hilfsmittel!): Die in den EXIF-Daten enthaltenen GPS-Koordinaten zeigen mir nun nicht mehr nur, wann ich das Bild gemacht habe, sondern sogar auch noch, wo ich es in welche Richtung aufgenommen habe. So kann ich sogar bei Landschaftsaufnahmen Orte oder Landmarken im Hintergrund nachträglich identifizieren.
    Für die Nutzung der Eckdaten zur Reproduktion eines genauso „guten“ Fotos eignen sie sich, wie im Artikel angesprochen, aber sicher nicht.

  6. Für mich sind die Geokoordinaten die wichtigste Information in den EXIF-Daten. Deshalb läuft bei einer Fotoexkursion immer die Trackaufzeichnung auf einem Garmin-Gerät mit die ich dann später mit der Bilddatei verknüpfe. Bei einer Reise (die bei mir auch mal ein oder zwei Monate dauern kann) enstehen tausende Fotos, manchmal sehr spontan, ohne dass ich genau weiß wo ich eigentlich bin. Besonders fremde Städte durchstreife ich gerne planlos. Dank Google Maps endecke ich dann häufiger, dass das abgelichtete Motiv auch einen geschichtlichen, kulturellen etc. Hintergrund hat dem ich mich bei einem erneuten Besuch eingehender widme.
    Zweitwichtigste Information ist für mich die verwendete Kamera, das verwendete Objektive und die Brennweite. Diese Angaben helfen mir bei der Qualitätsbeurteilung und der Optimierung der Kamera-/Objektivkombination.
    Sehr bedeutsam ist für mich auch das Aufnahmedatum. So kann ich sofort sehen wann ein Foto entstanden ist ohne lange in meinen Unterlagen stöbern zu müssen. Besonders wenn man ein Motiv über Jahre (Jahrzehnte) immer wieder abgelichtet hat ist die zeitliche Zuordnung für mich wichtig.

    1. Dem schließe ich mich an. Für mich ist vor allem der Aufnahmezeitpunkt wichtig. Und seitdem ich eine Kamera mit GPS besitze auch der Standort der Aufnahme. Die weiteren Daten sind eher nebensächlich und tlw. auch verwirrend.

    2. Generell finde ich die EXIF sehr wichtig und nicht nur für mich, aber hauptsächlichst für jene die etwas über das Foto erfahren und lernen wollen. Dabei finde ich nicht für fremde Betrachter die Geodaten sehr wichtig, grob nach Land schon, aber auf den Meter genau nicht. Ich erwähne nur die Invasion der Influenzer !Auf die recht flachen Kommentare verzichte man gern. Aber lernen welche Kamera mit welcher Linse was macht, natürlich werden die Fotos bearbeitet und genau das wird gesehen. Ich fände es gut wenn wenigstens die einfachsten Exifs dastehen. Danke.

  7. „Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?“ Überhaupt nicht. Wenn schon im Text oben erwähnt wird, dass die Bedingungen beim Nachmachen überhaupt nicht identisch sein können. Die Vielzahl der Möglichkeiten im Brennweitenbereich will ich nicht erwähnen. Wie unnütz ist dann erst die Nachfrage zu Exifdaten bei Bildmontagen? Wir können auch das gestackte Bild ansprechen. Eine Vielzahl von zusammengerechneten Bildern. Diese werden schon heute in der Kamera zusammengerechnet.
    Viele Kameras verfügen über: Drive-Einstellungen (BKT)
    Auto- Belichtungs- Serien
    ISO-BKT
    Weißabgleich- BKT
    Dynamikbereich- BKT
    manuelle HDR-Belichtungen
    Schon alleine diese Vielfalt an Möglichkeiten erschweren die Nachvollziehbarkeit aus Exifdaten. Hinzu kommt, das aus den Exifdaten eine Fülle an Bild- Nachbearbeitungen nicht ablesbar sind. Bildbearbeitung: Die digitale Dunkelkammer ist doch das wesentliche Arbeitsmittel zur Optimierung von RAW´s (Rohdaten).
    Weil ich viele Montagen mache, die mit unterschiedlichen Lichtquellen und vielen Bildern (Motiven) gemischt, (montiert) sind, werden Exifdaten für den Nachahmungsprozess wertlos.
    Also, hier von einem Lerninhalt zu sprechen ist nicht ganz durchdacht. Für den Fotografen selbst würde ich hier und da schon mal auf meine Daten schauen.

    1. Hallo Herbert,
      Danke für Deinen Kommentar und Deine Auseinandersetzung mit dem Thema. Sicher ist dies kein Lerninhalt im klassischen Sinne. Sieh ihn daher als Anregung, Dich/sich mit einem Thema zu beschäftigen, die eigene Meinung zu bilden und zu formulieren und diese mit anderen zu teilen. Lernen beginnt genau an dieser Stelle.
      Liebe Grüße!
      Lars

  8. Viele und insbesondere eine besondere Art von Fotografen fragen immer noch nach der verwendeten Kamera und dem verwendeten Objektiv. Es macht mir nichts aus, die gesamten Exif-Daten bereitzustellen. Es macht viele glücklich. Gelegentlich bietet es interessante Einblicke für Wissbegierige. Im Allgemeinen hat ein geschultes Auge gesehen, welche Art von Linse verwendet wird, manchmal machen wir einen Fehler. Wir sind menschlich. Angesichts der Tatsache, dass es mit (wahrscheinlich allen) Digitalkameras ohne Aufwand geliefert wird und unnötige Gespräche vermieden werden, scheinen alle glücklich zu sein. Deshalb…

  9. Ich freue mich immer, wenn ich EXIFs zu den Fotos finde. Man kann dann manchmal sehen, was jemand konkret gemacht hat, um zu einem Ergebnis zu kommen. Ich schaue mir die Daten meiner eigenen Fotos auch oft an, zusätzlich noch, wo die Schärfepunkte lagen. Klares Votum für EXIFs

  10. Da habt ihr eine schöne Frage gestellt. Mir geht es so, dass ich die EXIF-Dateien bei meiner Fotografie (Portrait, Landschaft, Fotokurse) selten im Nachhinein nutze. Für mich ist es wichtig die Parameter, die dann zu den dokumentierten Werten führen (also Blende, Belichtungszeite, ISO) schon bei der Aufnahme bewusst einsetze, um ein gewünschtes Bildergebnis zu erhalten. Die wichtigste Angabe in den EXIF-Daten ist für mich die Bildabmessug, da ich von meinen bearbeiteten Raw-Dateien Jpg-Dateien in verschiedenen Größen für Web- und Printanwendungen erstelle.
    In der Foto-Literatur gibt es Logbücher, die eigens für die Dokumentation von EXIF-Dateien erstellt wurden. Nutzt jemand von euch solche „Logbücher“?

  11. In der Astrofotografie sind die EXIF-Daten sehr wichtig. Am Ende einer Nacht hat man hunderte von RAWs rumliegen, denen man nicht sofort ansieht, ob es Testbilder, echte Bilder, Rauschbilder, Korrekturbilder, etc. sind Ohne EXIF verliert man da schnell den Überblick. Vor allem wenn’s nicht optimal war kann man beim nächsten mal anhand der EXIF-Daten besser planen.

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