Der richtige Umgang mit Models: So fühlt sich Dein Model richtig wohl

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Im heutigen Gastartikel gibt Dir Corwin von Kuhwede Tipps für den richtigen Umgang mit Models. Weitere Themen bespricht er auf seiner Seite FotoGrow.


Bei einem Fotoshooting ist es natürlich nicht nur wichtig, dass Du selbst Dich wohl fühlst, sondern vor allem auch Dein Model. Denn es gibt nichts schlimmeres als ein frustriertes oder demotiviertes Model. In diesem Beitrag gebe ich Dir ein paar Tipps und Ratschläge, damit Dein Fotoshooting ein Erfolg wird.

Zu Beginn solltest Du Dich selbst fragen, was Dir helfen würde Dich in der jeweiligen Situation wohl zu fühlen.

Denn über das Reflektieren der eigenen Wünsche und Bedürfnisse gelingt es meist auch viel besser, sich in die Gefühlswelt des Gegenübers hinein zu versetzen. Dabei ist es ganz egal, ob es hier um ein Casting, ein Vorgespräch oder das Fotoshooting selbst geht. Wohl fühlen steht in allen Lebensbereichen an oberster Stelle.

Erstkontakt

Beim Telefongespräch lächeln

Klingt komisch, wird aber von professionellen Telefonverkäufern und Callcentermitarbeitern schon seit Jahren eingesetzt. Denn ein zum Lächeln geformter Mund lässt die Worte in einer ganz anderen Sprachmelodie erklingen. Außerdem ist schon lange wissenschaftlich erwiesen, dass man sich selbst auch besser fühlt, wenn man mit dem Mund ein Lächeln formt. Solltest Du Dich vor dem Telefon nicht so gut fühlen, wie wäre es denn mal, wenn Du Dich einfach 10 Minuten im Spiegel selbst anlächelst? Probier es doch mal aus. Verlieren kannst du nichts.

Im Internet eine vernünftige Schreibweise wählen

Ich finde es absolut schrecklich, wenn mir jemand in dieser eigenartigen Chatsprache schreibt, die weder Groß- & Kleinschreibung kennt, noch Satzzeichen wie Punkt und Komma. Vor allem aber, bei der ich nach jedem Satz einen Smilie finde.

Wie man richtig schreibt, haben wir alle in der Schule gelernt.

Zeigen wir unserem Gegenüber, dass wir aufgepasst haben.

Ein Smilie hier und da an der richtigen Stelle ist natürlich immer in Ordnung. Doch sollten wir uns bei unserer Ansprache von dieser einsilbigen und unpersönlichen Internet-Schreibweise verabschieden.

Bedenken wir, dass wir hier einen Menschen von uns begeistern wollen.

Ein Mensch, der vielleicht zuvor schon von hunderten anderen Fotografen angeschrieben wurde und der anhand unseres ersten Textes entscheiden muss, ob wir seine Neugier wecken konnten. Du musst keine großen Romane verfassen, aber lass dir Zeit und zeig diesem Menschen, dass deine Nachricht eine persönliche Nachricht ist und keine vorgefertigte Massenmail.

Im (Vor-)Gespräch

Grundsätzlich solltest du immer mit einer positiven inneren Einstellung in das Gespräch gehen.

Ein angenehmer Ort, wie ein gemütliches Café oder eine stilvoll eingerichtete Bar, schaffen eine entspannte Atmosphäre. Gern kannst Du auch das Model fragen, wo es sich gern mit Freunden trifft und ihr vereinbart dort einen Termin.

Ein aufrichtiger und ehrlicher Blickkontakt kommt immer gut an. Du solltest aber darauf achten, dass Du nicht glotzt oder starrst. Denn das kann sich für dein Gegenüber schnell unangenehm anfühlen.

Höre Deinem Model interessiert zu und vor allem lass es ausreden. Frag nach wenn Du etwas nicht verstehst oder dir eine Sache Unklar ist. Fragen sind ein Zeichen von Interesse am Gegenüber. Es sollte aber auch dezent beim Nachfragen bleiben und nicht in einem Verhör enden.

Im Gespräch solltest Du auch stets bei dir selbst bleiben. Denk bitte daran, Ich-Botschaften zu senden und nicht zu verallgemeinern. Denn jede Erfahrung und Sichtweise ist nur Deine eigene Erfahrung und Sichtweise. Andere Menschen können andere Dinge erfahren haben, die ebenso gültig sind. Erzähl etwas persönliches von dir, sei unterhaltsam, nimm Dich selbst nicht zu ernst.

Formuliere Deine Sätze positiv, auch wenn Du auf etwas negative Erfahrungen ansprichst.

Weniger Gutes Beispiel

Du musst aber auch zu Deinem Wort stehen, wenn Du jetzt zusagst und nicht auch Stunden später kommen, wie das die anderen Models immer machen.

Besseres Beispiel

Ich habe leider sehr oft die Erfahrung gemacht, dass es die Modelle nicht so mit der Pünktlichkeit hatten. Daher würde es mich sehr freuen, wenn du rechtzeitig zum Treffpunkt kommst, damit wir pünktlich beginnen können.

Beim Shooting

Sorge auch hier für eine entspannte Atmosphäre. Eine angenehme Raumtemperatur ist dabei genau so wichtig wie eine Möglichkeit für das Model sich zurückgezogen umzuziehen. Ein Stuhl zum Sitzen, ein Spiegel zum Überprüfen des Äußeren und ein Glas Wasser sollten mindestens immer bereitstehen.

Wenn Du vorher etwas mehr Zeit einplanst für 20 Minuten Smalltalk, wird das die Stimmung des Models positiv beeinflussen und sie hat Zeit erst einmal anzukommen und den Alltag hinter sich zu lassen.

Klare Anweisungen sind einem Model lieber als irgend ein Gerede um den heißen Brei. Deine Anweisungen sollten freundlich, aber bestimmt sein. Wenn dein Model etwas nicht möchte, wird es Dir das schon sagen. Das solltest Du dann auch akzeptieren.

Weniger Gutes Beispiel

Also … ähm … vielleicht könntest du ja den Arm da (am Besten zeigst du nicht einmal welchen Arm du meinst), noch ein bisschen weiter so drehen. Und wenn es ok ist, wäre es toll, wenn du den Kopf jetzt noch ein Stückchen weiter drehst.

Besseres Beispiel

Dreh bitte den linken Arm etwas mehr zu mir. Und den Kopf noch etwas nach Links drehen.

(Da viele Frauen öfters Probleme mit Rechts- und Links-Ansagen haben, sprich hier lieber Orientierungspunkte im Raum an. Wie beispielsweise den Arm zur Tür, zur Lampe, zum Fenster, zu dir zu strecken.)

Leg immer mal wieder Pausen ein, in denen sich das Model aufwärmen, etwas trinken oder eine Zigarette rauchen kann. Beispielsweise wenn ein Set erfolgreich abgeschlossen ist, ist ein guter Zeitpunkt für eine Pause.

Wenn Du hinter deiner Kamera verstummst, verunsichert das Dein Model vielleicht. Eine lockere und freundliche Kommunikation über das ganze Shooting schafft Vertrauen und lockert jede Arbeitsminute enorm auf.

Über ein paar positive Worte freut sich jeder Mensch. Das heißt, sag Deinem Model immer wieder, wenn es etwas sehr gut macht und Dir etwas gefällt. Gerade bei Anfängern sage ich die lobenden Worte lieber einmal mehr, auch wenn es gerade keinen Grund zum Loben gibt. Denn etwas Bestätigung schadet keinem, vor allem nicht Anfängern.
Das heißt natürlich nicht, dass Du das Blaue vom Himmel loben sollst. Gibt es ein paar Dinge zu verbessern, dann formuliere das sachlich und freundlich.

Allgemein gilt

Egal in welcher Form Du mit Deinem Model kommunizierst, Du solltest Deine Botschaften immer positiv formulieren. Es sollte stets das positive Ziel im Fokus stehen und nicht der Aspekt, der vermieden werden soll.

Weniger Gute Beispiele

  • „Steh mal nicht so steif da.“
  • „Dreh Dich mal nicht so weit zur Seite.“
  • „Mach mal nicht so ein ernstes Gesicht.“
  • „Sitz mal nicht so krumm da.“

Bessere Beispiele

  • „Steht doch mal bitte etwas lockerer.“
  • „Bleib mit dem Körper ganz gerade zur Kamera stehen.“
  • „Denk an etwas, das dir Freude bereitet, damit Du freundlicher schaust.“
  • „Setz Dich bitte richtig aufrecht.“

Wenn Du stets eine positive Körpersprache hast, sendest Du auch non-verbale Signale, die Deinem Model helfen sich wohl zu fühlen. Nonverbale Signale, die sympathisch wirken und zu einer positiven Gesprächsatmosphäre beitragen, sind beispielsweise:

  • Blickkontakt
  • Lächeln
  • eine dem Gegenüber zugewandte Körperhaltung
  • ein warmer und freundlicher Klang der Stimme

Allerdings ist es klar, dass es nichts nützt, wenn Du versuchst diese Signale künstlich zu senden. Wenn Du dich unwohl fühlst, ergründe warum dies so ist und beende lieber das Gespräch rechtzeitig.
Hilfreich ist es natürlich auch immer die Körpersprache seines Models im Blick zu haben. Ein Körper sagt über das derzeitige Befinden eines Menschen viel mehr aus als Worte.

Ich hoffe ich konnte Dir in meinem Beitrag einige Tipps mit auf den Weg geben, um das nächste Shooting mit Deinem Model angenehmer zu gestalten. Hast Du weitere Tipps, mit denen Du und das Model sich beim Shooting wohler fühlen? Ich freue mich über Deine Ergänzungen in den Kommentaren.

Über Corwin von Kuhwede

corwin-profilCorwin von Kuhwede arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf im Bereich Porträt- & Aktfotografie. Seine Bilder wurden in zahlreichen Büchern, Zeitschriften und Magazinen abgedruckt. Darunter Stern.de, COVER Magazin, BILD, Cosmopolitan Online, Woman online und weitere. Zu seinen Kunden zählen unter anderem RTL, Bauer Media oder die Volksbank. Von Kuhwede ist Autor der Fachbücher „Leidenschaft Aktfotografie“ und „Das authentische Porträt“ und gibt Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen.

Hier findest Du Corwin von Kuhwede

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9 Kommentare

  1. Rainer Wunderlich
    Rainer
      Dezember 28, 2016 at 10:23 PM
    Kommentar bewerten

    …oder kann ich nicht einfach mit meiner linken Hand in die Richtung zeigen, in die sich dann das Model -nach rechts- und analog nach links bewegt?
    Meine Hand öffnen, halboffen formen, sie dann so drehen, als wenn ihr Gesicht berührt und geführt würde? Geht bestimmt ganz gut, wenn man sich vorher über die Gesten verständigt.

    1.   Dezember 29, 2016 at 8:23 PM
      Kommentar bewerten

      Lieber Rainer,

      vielen Dank für deine Anregung. Natürlich ist es sinnvoll, dass jeder seinen eigenen Weg findet. Wichtig ist es einfach nur, einen zu finden, der unmissverständlich für beide Seiten funktioniert, ohne dass einer zu viel darüber nachdenken muss :)

  2. THR Cadolzburg
      Dezember 28, 2016 at 7:51 AM
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    Ein weiterer, wichtiger Punkt beim Shooting:
    Es ist verführerisch, nach jedem Bild gleich mal am Display zu kontrollieren, ob das Bild gelungen ist, ob der Focus richtig sitzt usw. Dazu wird dann gerne mal die Aufnahme vergrößert, verschiedene Bereiche kontrolliert und das Ganze dann vielleicht noch mit einem: “Mist, nochmal!” kommentiert.
    Das kostet Zeit, in der das Model “verhungert” und die Stimmung kippt spätestens bei derartigen Kommentaren. Lieber mehr Aufnahmen machen und mit dem Model in Kontakt bleiben, auch wenn es gerade dem Anfänger schwer fällt. Man kann sich ja so schön hinter der Kamera verstecken.

    1.   Dezember 29, 2016 at 8:24 PM
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      Lieber Thomas,

      dem kann ich absolut zustimmen. Vielen Dank für deine Ergänzung!

      Corwin

  3.   Dezember 27, 2016 at 11:54 PM
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    “Da viele Frauen öfters Probleme mit Rechts- und Links-Ansagen haben….”
    Abgesehen davon, dass das absoluter Quatsch ist, habe ich eher den Eindruck, dass die meisten Fotografen es nicht schaffen, “spiegelverkehrte” Anweisungen zu geben ! Die bessere Lösung ist ganz sicher, die Begriffe “rechts” und “links” komplett aus dem Anweisungs-Repertoire zu streichen.

    1.   Dezember 28, 2016 at 6:54 AM
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      Frauen haben Probleme mit rechts und links, das ist definitiv so! Aber manche Männer auch. Andererseits hast Du auch Recht, wenn Du sagst, dass es viele Fotografen nicht schaffen, spiegelverkehrte Anweisungen zu geben. Es gibt sicherlich viele Orientierungspunkte, zu denen man Körperhaltung und Blickrichtigung lenken kann. Für mich ist es immer am wichtigsten, für eine positive Stimmung zu sorgen, wenn das Model gute Laune und Spaß am Shooting hat, werden die Fotos auch gut.

    2.   Dezember 29, 2016 at 8:25 PM
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      Lieber Manfred,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke, dass es viele schon schaffen, aber noch nicht darüber nachgedacht haben.
      Das Verbannen von rechts und links und arbeiten mit Orientierungspunkten ist genau das, worum es mir auch ging. :)

  4. Erich Wellenhofer
      Dezember 27, 2016 at 5:32 PM
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    Hallo!
    Vor Allem zählt gutes Benehmen. Keine Starallüren – die machen das Model nur unsicher. Freundlichkeit und eine lockere nicht aufdringliche Art sind nur positiv. Es ist auch ein großer Unterschied, ob das Model zu Dir kommt oder ob Du ein Model suchst. Egal welches Equipment Du hast – gib nicht an damit. Egal welche Menschen Du vor der Linse hast – Kinder, einfache Leute, Promis ua. – sei niemals zudringlich oder lehrmeistere Dein Gegenüber.
    Gute Fotos und zufriedene Menschen sind Dein Weg zu weiterem Erfolg!

    1.   Dezember 29, 2016 at 8:26 PM
      Kommentar bewerten

      Erich, genau so ist es!

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