Der Mond: Mystisch in Szene gesetzt

Der Mond: Mystisch in Szene gesetzt

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Seit es die Fotografie gibt, übt der Mond auf Fotografen eine besondere Faszination aus.

Er ist der einzige Himmelskörper, der nicht nur als Lichtpunkt zu sehen ist, sondern sogar dem bloßen Auge (zumindest einige) Details zeigt.

Wenn Du in der fotocommunity nach Fotos vom Mond suchst, sind gefühlte 80% der Fotos rein astronomische Aufnahmen, bei denen es aus technischer Sicht um „höher, weiter, schärfer“ geht. Es wird nach der Brennweite gefragt, der Sensorauflösung und ähnlichen Parametern. Es entstehen interessante Fotos, die aber irgendwie alle doch gleich sind, weil sie immer dasselbe Motiv aus derselben Sicht zeigen.

Doch der Mond kann als Motiv mehr.

In diesem Artikel möchte ich Dir den Mond daher nicht als astronomisches Objekt zeigen, sondern als Objekt für mystische Fotos. Der Mond ist nicht das Hauptmotiv, trägt aber wesentlich zur Bildwirkung bei. Du lernst, wie Du mit ein wenig Geduld und ein wenig Bildbearbeitung tolle und vor allem „andere“ Mondbilder generieren kannst. Zusätzlich erfährst Du noch, wie selbst ich als Profi Fehler mache, wenn es darum geht, den Mond richtig schön zu fotografieren.

Der Mond als fotografisches Objekt
Der Mond – ein tolles fotografisches Objekt, das sich auch ohne teure Teleobjektive mit langen Brennweiten auf schweren und großen Stativen fotografieren lässt.

Der Mond – mystisch und spannend

Vielerorts kannst Du detailgenaue Fotos des Mondes sehen. Ob in TV, Werbung oder eben auch in der fotocommunity. Auch ich habe mich schon einige Male an der klassischen Astrofotografie versucht, allerdings eher schlecht als recht.

Es gehört einfach eine Menge Fachkenntnis, Software und Ausrüstung zu diesem Fachbereich der Fotografie, die ich nicht besitze. Ich würde mich gern diesem Gebiet mehr widmen. Dafür fehlt mir aber im Moment die Zeit und ich wohne eben in einem „lichtverschmutztem“ Gebiet (Innenstadt Köln). Ich zeig Dir auch nur eine Übersicht meiner bisherigen Versuche und kein Ergebnis in groß – dafür bin ich zu eitel und die Kenner dieses Gebiets würden mich nur in der Luft zerreißen.

Aber ich mache weiter. Eine Einstellung, die auch Du bei jeder Art der Fotografie haben solltest. Ein nicht perfektes Foto sollte einfach nur ein Anreiz sein, es besser zu machen. Es soll schlussendlich ja Dir gefallen.

Mein fotografisches Glaubensbekenntnis:

Immer weiter versuchen, egal was andere meinen oder besser können.

Diverse Mond-Bilder
Meine bisherigen Versuche den Mond astronomisch einzufangen.

Der Mond bietet für mich immer wieder neue und spannende Motive, sogar in einer durch Umgebungslicht verschmutzten Stadt. Du kannst diese Verschmutzung für Dich aber nutzen. Fotos bekommen durch Feinstaub, Dunst und Wärme ihren ganz eigenen, wenn auch manchmal skurrilen Reiz.

Wie Du gleich sehen wirst, sind spannende Fotos manchmal Zufallsprodukte. Die meisten hier gezeigten Fotos sind im Wesentlichen nicht geplant gewesen. Der Mond war einfach zu dem Zeitpunkt der Fotografie da und ich hatte eine Kamera dabei. Das bedeutet nicht, dass ich die gezeigten Fotos einfach nur geknipst habe. Wenn ich (durch Zufall) ein schönes Mondmotiv entdecke, nutze ich natürlich meine fotografisch-technischen Kenntnisse und auch mein Wissen über eine geeignete Bildgestaltung, bevor ich auslöse. Dieses Wissen ist nicht allzu kompliziert und daher möchte ich es mit Dir teilen.

Der Mond als Motiv

Wenn Du mit offenen Augen der Nacht und eben auch dem Tag begegnest, findest Du immer Motive, die sich für das eine oder andere Foto lohnen.

Ich möchte Dich in diesem Artikel auch motivieren, öfter nach oben zu schauen.

Gerade unsere unterschiedlichen Wetterlagen machen den Mond, sogar bei Tage, zu einem lohnenswerten Motiv.

Farbenstiver Himmel
Jeder würde jetzt sagen, das Foto ist in seiner Farbenpracht am Rechner mithilfe von viel Bildbearbeitung entstanden. Stimmt aber nicht. Ein farbintensiver Sonnenuntergang, gepaart mit einer Mondsichel (und durch die Langzeitbelichtung eine verwackelte Venus, sowie der verwackelte Mond) und der Bildstil „lebendig“ einer einfachen Kamera, mehr war nicht nötig, um dieses Foto aufzunehmen, so wie Du es hier siehst.

Fotoserien sind Pflicht

Immer dann, wenn Du eine interessante Wechselwirkung zwischen dem Mond am Tage und den Wolken entdeckst, lohnt es sich ein wenig am Standort zu verweilen und dabei eine Menge Fotos zu machen. Warum? Die Wolken bewegen sich und die Interaktion des Mondes mit dem Umfeld der Wolken wechselt stetig.

Mond und Wolken im Zusammenspiel
Dieses Foto ist mein persönlicher Favorit aus einer ganzen Reihe von Fotos, die ich in dieser Situation gemacht habe. Vielleicht werde ich diesem Bild auch noch ein wenig Bildbearbeitung gönnen. Vermutlich würde ich dann die Baumspitzen entfernen. Sie stören eher, als dass sie dem Motiv irgendetwas geben.

Nicht nur Wolkenbewegung machen eine Serienaufnahme nötig. Auch wenn sich, wie in meinem Beispiel, Vögel ins Bild drängen, solltest Du die Funktion für Serienfotos nutzen.

Vögel vor dem Mond
Durch Überlagerung (Mehrfachbelichtung, bei der die Einzelaufnahmen von der Kamera automatisch miteinander verrechnet werden) von einer Serie (Modus „Abdunkeln“) konnte ich dieses Motiv schnell und einfach erstellen. Aber auch die jeweiligen Einzelbilder gefallen mir.

Technik für die Mondfotografie

Die richtige Brennweite

Leider sind viele Fotos nur mit langen Brennweiten sinnvoll umsetzbar (mindestens 200 mm – für APS-C oder 300 mm bezogen auf das Kleinbildformat). Der Mond ist trotz unserer Wahrnehmung im Grunde winzig.

So klein ist der Mond
So klein ist der Mond, wenn Du ihn mit einer kurzen Brennweite fotografierst – hier 24mm.

Viele Kompakt- und Bridge-Kameras haben gegenüber den Spiegelreflexkameras einen großen Vorteil: Sie bieten ab Werk meist schon enorme Brennweiten.

Die D-SLR Fotografen müssen da schon ein Objektiv besitzen, das die genannten 200-300mm bietet. Aber auch mit weitem Blickfeld entstehen manchmal tolle Motive. Denn es gilt natürlich immer noch, was ich in früheren Artikeln schon schrieb und immer wieder wiederholen werde:

Lieber ein Foto machen als keins.

Mond mit Zoom
Mit ein wenig Zoom bist Du der Bildgestaltung bereits auf der richtigen Seite

Stativ einsetzen

Ein Stativ hilft gerade in der Nacht sehr. Aber wer hat schon immer ein Stativ dabei. Wenn man ohne unterwegs ist, muss man sich anders behelfen. Ich stelle die Kamera irgendwo ab oder sorge dabei für einen festen Stand oder drücke die Kamera zum Beispiel an einen Baum. Dann nutze ich den Selbstauslöser meiner Kamera und dann: Tief durchatmen und abdrücken!

Belichtungsreihen

Es gibt noch ein technisches Handicap. Der Mond ist meist extrem hell. Du musst Dir vorstellen, dass der Mond nichts anderes ist, als ein (sehr großer) Stein, der direkt von der Sonne angestrahlt wird und dieses Licht reflektiert. Diesen großen Kontrastunterschied kannst Du meist nur unter Zuhilfenahme einer Belichtungsreihe (Bracketing) beherrschen.

Eine Belichtungsreihe ist eine Fotoserie, die schnell hintereinander mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen macht. Im Fall des Mondes sollten die Blende und der ISO-Wert immer gleichbleiben. Nur die Belichtungszeit ändert sich, bei einer Änderung der Blende würde es zu unterschiedlicher Schärfentiefe kommen, die eine Verrechnung der Bilder schwierig macht. Wie man die resultierenden Fotos später verrechnet, haben wir Dir bereits in diesen Artikeln erklärt:

Eine „handgemachte“ Blendenreihe

Wer keine solche Funktion in seiner Kamera hat, kann aber durchaus auch eine handgemachte Blendenreihe fotografieren. Dabei solltest Du darauf achten:

  • Die Kamera auf Zeitautomatik stellen.
  • die Belichtungskorrektur verwenden oder in den manuellen Modus wechseln (bei festen ISO).
  • Wichtig ist natürlich, dass Du peinlich darauf achtest, dass Du weder die Position der Kamera veränderst, noch die Brennweite (bei einem Zoom) und schon gar nicht den Fokus.
Handgemachtes HDR
Handgemachtes HDR via Bracketing-Reihe. Die ersten vier Fotos habe ich als Test genutzt um die acht verschiedenen Fotos mit variablen Belichtungszeiten zu fotografieren.

 

Geisterbilder bei der Verrechnung
Vorsicht bei Belichtungsreihen. Der Mond bewegt sich, Wolken sowieso und natürlich der Vater Rhein. Bei der Verrechnung von solchen Reihen gibt es dann „Geisterbilder“. Du solltest die Pausen zwischen den einzelnen Aufnahmen möglichst kurzhalten.

ISO-Rauschen

Keine Angst vor Rauschen. Meist gibt ein leichtes Rauschen dieser Art von Motiven noch ein wenig Spannung. Wird es zu viel, kannst Du dem ISO-Rauchen mit Software entgegenwirken. Entweder Du nutzt spezielle Entrauschungsprogramme oder eine entsprechende (Filter-)funktion in vielen Bildbearbeitungsprogrammen. Oder Du machst eine Verrechnung über die zugegeben sehr spezielle Technik der „Statistischen Verrechnung“. Diese Verfahren ist allerdings sehr komplex und daher stelle ich es erst einmal zurück.

ISO Rauschen eliminieren
Hier siehst Du eine Fotoreihe für spätere Verwendung in einer „Statistischen Verrechnung“ um ISO-Rauschen zu eliminieren. Nur so vorab: Jedes dieser einzelnen Fotos hat ein anderes Rauschen. Wenn Du diese Fotos nun passgenau übereinanderlegst, kann über spezielle mathematische Verfahren

Wo ist denn der Mond heute?

Wenn Du nun Lust bekommen hast, den Mond zu fotografieren, benötigst Du erst einmal die Information, wo und wann der Mond überhaupt zu sehen ist. Da helfen kleine Apps auf dem Smartphone (meist reichen kostenlose Versionen). Sie zeigen Dir den Nachthimmel, manchmal sogar durch das reale Bild der Kamera des Smartphones überlagert, an Deinem Ort und zu Deiner Zeit.

Zu Orientierung ist dann oft ein Pfeil zu sehen, in dessen Richtung Du das Smartphone drehen musst, um die aktuelle Position des Mondes zu entdecken. Mit dieser Information kannst Du zum Beispiel auch ohne Mond dein Foto planen. Die Apps bieten hierfür eine Lösung, sie zeigen Dir eine Art „Spur“ vom Mond. Wo sich der Mond zu welcher Zeit genau befindet, kannst Du auch auf verschiedenen Websites nachschauen.

Apps für Android

Ich habe Dir je drei Apps herausgesucht, die ich ausgetestet habe und die ich empfehlen kann:

Apps für iOS

Bildbeispiele:

Ich möchte Dich abschließend mit einer Auswahl meiner eigenen Mondfotos ein wenig inspirieren, selbst tätig zu werden und Dir einige motivische Anregungen geben, die Du für Dich weiter entwickeln kannst. Der Mond bietet in jeder Form und zu jeder Zeit ein tolles Motiv.

Beispiele Mondfotografie – 1
Mond und Venus (Motiv entstand in der Nacht nach dem Sonnenuntergang des ersten Fotos im Artikel). Die Häuser sind leider nicht sehr hübsch, dennoch gefällt mir das Bild.
Beispiele Mondfotografie – 2
Auch wenn der Mond, wie in diesem Fall vollständig wegbricht (ausgefressene Lichter) ist das Bild durch die umliegenden Wolken mystisch.
Beispiele Mondfotografie – 3
Oft lohnt es sich den Mond mit Bäumen oder Häusern zu verbinden. Man könnte in diesem Foto noch den Ausschnitt verbessern. Das Foto entstand aus Hand bei einem kleinen Nachtspaziergang.
Beispiele Mondfotografie – 4
Einfach, aber dennoch eindrucksvoll. Der Mond bei Tage und tollem Wetter.
Beispiele Mondfotografie – 5
Leider ohne gute Kamera, also ein nur geknipstes Foto einer teilweisen Sonnenfinsternis. Und ja, ich ärger mich sehr darüber. Ich hatte dieses astronomische Ereignis nicht im Fokus an diesem Tag.
Beispiele Mondfotografie – 6
Fast schon wie der Todesstern aus Star Wars.
Beispiele Mondfotografie – 7
Fliegt noch ein Flugzeug durchs Bild hat man ein Plus. Leider ist mir bisher noch nicht gelungen, ein Flugzeug im Mond zu fotografieren, obwohl ich hier zwei Großflughäfen in der Nähe hab.

Weiterlesen

Wie einige der Bilder in diesem Beitrag entstanden sind und welche Fehler mir dabei passiert sind, verrate ich Dir in diesem Artikel.

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6 Kommentare

  1. Wilfried
      Dezember 4, 2018 at 4:53 PM
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    Hallo,
    also mit dem Mond habe ich leider sehr schlechte Erfahrung.
    Als Newcomer steckte ich mein 400mm-Tele auf meine Alpha-6000, mit Stativ und Langzeitbelichtung kamen da nur ganz schelchte Fotos heraus. Das Handy meiner Frau machte ein besseres Foto ….
    Was ist im Einzelnen zu tun?
    – 400mm Tele, AF ausschalten, Fokus auf unendlich
    – Stativ
    – Kamera auf „Manuel“
    – Blende auf 9 (?)
    – Zeit …. probieren …
    – ISO auf max. 200
    Wird das so was ?????
    DANKE

  2. G.S.
      April 4, 2016 at 10:36 AM
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    Hi, bin gerade erst in dieses Portal hineingestolpert und habe einfach mal ein paar Stichproben zur Fotoschule „gezogen“. Ich find’s toll, – die Kombination aus technischer Information und Erlebnisbericht ist in meinen Augen genau richtig. – Motiverleben und technische Umsetzung – motivieren und informieren. kein „Um-sich-werfen“, kein entmutigendes, einschüchterndes „Zuschütten“ mit abstrakten technischen Termini,- keine ich-zentrierte „Profi-Show“ um zu zeigen wie anspruchsvoll und lang der Weg ist um dahin zu kommen wo der Autor ist (wie a. a. O. leider oft üblich). – Technisches beispielhaft und in überschaubarer aufbauender Abfolge erklärt. – Da hat jemand wirklich Interesse, interessierte „Non-Professionals“ bei etwas mitzunehmen, das ihm selber Freude macht. – Das gilt auch für den gesamten Aufbau und die thematische Aufbereitung auf dieser Seite.
    Prima und Danke :-)

  3. Reinald Will
      März 25, 2016 at 6:04 PM
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    ein sehr guter kommentar zum fotografieren des mondes,ich persönlich habe den mond auch schon einigemale fotografiert,auch ist mir nachmittags beim fotografieren unterwegs,es war heller halbmond am hellblauen himmel,ein flugzeug in sehr großer flughöhe in richtung mond geflogen.und ich habe es gut einfangen können,es ist auch auf der fotocommunity meiner seite zu sehen. (ps: ich fotografiere den mond lieber mit tele ab 300mm aufwärts.)
    gruß reinald

  4. Karin Siggelkow
      März 25, 2016 at 4:41 PM
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    Ich bin immer wieder fasziniert über die interessanten Beiträge, die sehr hilfreich und verständlich sind und die auch in die Tat umsetzen werde.
    Gruß Karin

  5. Günter Klamm
      März 25, 2016 at 2:27 PM
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    Ich bin noch Anfänger und verschlinge deine Artikel. Teilweise habe ich deine Hinweise und Tipps schon versucht zu kopieren. Teilweise mit und ohne Erfolg. Trotzdem versuche ich es immer wieder es besser zu machen. Dabei habe ich durch deine Artikel eine große Unterstützung.
    Ich freue mich immer wieder auf deine neuen Artikel.
    Mach weiter so und – vielen Dank.

    Günter

  6. Klaus D. Huber
      März 25, 2016 at 12:10 PM
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    Das war eine sehr schöne Anregung, die ich mal ausprobieren werde. Vielleicht gelingt es mir auch einen Baum im Vordergrund noch entfesselt anzublitzen.
    Danke für die schönen Bilder.
    Klaus

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