Farbstimmung im Bild erzeugen

Der automatische Weißabgleich einer Digitalkamera liefert nicht immer auf Anhieb die richtige Farbstimmung. Heico Neumeyer zeigt, wie Du die Bildfarben ganz unkompliziert wieder hinbekommst – am Computer oder mit einer App am Handy.

Dieser Artikel stammt aus der ColorFoto 3/2019.

Sommer-Frische: Zuerst haben wir den Kontrast im gesamten Bild korrigiert, danach das Himmelsblau gezielt verstärkt. Foto: Heico Neumeyer

Der automatische Weißabgleich der Kameras versagt selten, aber mitunter passiert es. Die Farben stimmen nicht, ein neutralgraues Motiv zeigt im Bild einen Farbstich. Kritisch sind Fotos im Abend- oder Morgenlicht sowie bei Kunstlicht. Schattenpartien erscheinen oft unschön bläulich. Mitunter wirken die Farben einfach zu blass. Wir zeigen darum, wie Du Bildfarben mühelos wieder hinbiegen kannst – am Rechner und per Mobilgerät. Tüftle im Bildprogramm nicht erst mit Weißabgleichvorgaben wie „Tageslicht“, „Schatten“ oder „Kunstlicht“. Bringe die Farben lieber gleich auf den Punkt: mit der Weißabgleich-Pipette oder der Farbkorrekturautomatik. Beide Techniken besprechen wir hier ebenso wie richtiges Steigern der Farbsättigung.

RAW oder JPEG?

Du arbeitest im Photoshop-RAW-Dialog oder in Lightroom? Denke an die Unterschiede zwischen RAW- und JPEG-Dateien: Je nach Format zeigt der „Temperatur“-Regler unterschiedliche Skalen; Weißabgleichvorgaben wie „Schatten“ oder „Bewölkt“ stehen nur für RAW-Dateien zur Verfügung; und das „Profil“-Menü bietet für RAWs mehr Varianten als für JPEGs.

Weißabgleich per Pipette

Die Farbstimmung passt nicht? Nutze das Weißabgleich-Werkzeug! Du findest es in allen Bildprogrammen und in einigen Handy- Apps. Klicke in einen farbstichigen Bildbereich, der neutralgrau erscheinen sollte. Die Software verschiebt dann alle Farben so, dass der gewählte Bereich wirklich neutral wirkt; dann stimmt auch meist das Gesamtbild.

Weißabgleich per Klick: Links ist die Vorlage. Daneben sehen Sie zwei mögliche Ergebnisse – je nachdem, welche Bildstelle Sie anklicken. Foto: Heico Neumeyer

In unserem Beispielbild sorgt das Laternenlicht links für eine gelbliche Wand; klickst Du mit dem Weißabgleich-Werkzeug auf die gelbliche Mauer, rutscht der Gelbton in Richtung Hellgrau – und das ganze Bild erscheint damit deutlich kühler. Klickst Du dagegen weiter rechts in die bläuliche Mauer, wandelt sich dieser Farbton in Grau, und Du erhältst insgesamt ein viel wärmeres Bild. Damit wirkt die Mauer wirklich neutral, aber die ursprüngliche Stimmung der „blauen Stunde“ ist dahin.

Gefällt Dir das erste Ergebnis nicht, klickst Du mit dem Weißabgleich-Werkzeug in andere Bildstellen, und experimentierst mit verschiedenen Farbstimmungen. Verfeinere Farben mit den „Temperatur“-Regler – er macht Dein Bild je nach Richtung bläulicher oder gelblicher und damit kälter oder wärmer. Einige Foto-Apps fürs Handy bieten ein Weißabgleich-Werkzeug – etwa Lightroom CC oder SnapSeed. Beide gibt es für iOS- und Android-Geräte. Ziehe das Werkzeug über verschiedene Bildpartien.

Tipp: Lightrooms Navigator-Fenster oben in der linken Bedienfeldleiste zeigt eine Weißabgleich- Vorschau: Während Du das Werkzeug „Weißabgleichauswahl“ über das Bild bewegst, erscheint in dem kleinen Fenster bereits eine Vorschau auf die geänderte Farbstimmung.

Hier findest Du das Weißabgleich-Werkzeug:

Lightroom Classic CC: im „Entwickeln“-Modul im Bedienfeld „Grundeinstellungen“ oben links

Lightroom CC am Computer: Klicke rechts oben auf das „Bearbeiten“- Symbol mit den drei Reglern, und öffne das Bedienfeld „Farbe“.

Photoshop CC Hauptprogramm: Im Untermenü „Bild/Korrekturen“ nimmst Du „Tonwertkorrektur“ oder „Gradationskurven“ und verwendest dann die „Mitteltöne“-Pipette.

Photoshop CC Raw-Dialog: Symbol „Weißabgleich-Werkzeug“ links oben

Photoshop Elements: „Überarbeiten/Farben anpassen/Farbstich entfernen“

Lightroom CC am Mobilgerät: Wähle oben „Bearbeiten“, unten „Farbe“ und dann rechts oben die Pipette.

SnapSeed am Mobilgerät: Tippe auf „Tools“, dann auf „Weißabgleich“ und auf die Pipette.

Der Power-Filter um Farbstimmung zu erzeugen

Sorge schon beim Fotografieren für knackige Farben und setze bei Sonne einen Polfilter aufs Objektiv. Der wirkt am besten, wenn das Licht schräg von hinten kommt. Vor allem der Himmel erscheint in Aufnahmen mit Polfilter dunkler, und Wolken treten besser hervor. Aber auch Pflanzen wirken markanter.

Ohne Polfilter. Foto: Heico Neumeyer
Mit Polfilter. Foto: Heico Neumeyer

Vollautomatische Farbkorrektur

Mit schlichten Ein-Klick-Befehlen peppen die Bildprogramme nicht nur den Kontrast, sondern auch die Farben vollautomatisch auf. Willst Du die Farbe korrigieren, wählst Du in Photoshop CC und Vorgängern den Befehl „Bild/Auto-Farbton“ oder in Photoshop Elements „Überarbeiten/Auto-Tonwertkorrektur“. Die Funktion ändert Bilder mit einseitiger Farbstimmung ganz massiv – etwa Sonnenuntergänge und Kunstlichtaufnahmen. Der Kontrast flauer Vorlagen steigt deutlich. Unsere leicht gelbstichige Vorlage wirkt mit diesem Befehl viel kühler. Behutsamer änderst Du die Bildstimmung in Photoshop-Vollversionen mit „Bild, Auto-Farbe“ und in Elements mit „Überarbeiten, Auto-Farbkorrektur“.

Tipp: Eine Alternative liefern der Photoshop-RAW- Dialog und Lightroom im Weißabgleich-Menü: Wechsle dort oben in den „Grundeinstellungen“ von „Wie Aufnahme“ zu „Automatisch“. Auch so ändern sich die Farben, fast wie bei „Auto-Farbton“, nur mit weniger Kontraständerung.

Farbautomatik: Je nach gewähltem Befehl zeigt die gelbstichige Vorlage deutlich kühlere Töne. Foto: Heico Neumeyer

Satte Farben – ohne Übertreibung

Für sattere Farben bemühe nicht den „Sättigung“-Regler, der übertreibt schnell. Hebe stattdessen die „Dynamik“; sie peppt Grün und Blau auf, verschont aber Hauttöne. Das verhindert Gesichter in Schweinchenrosa, peppt aber gleichwohl Himmel und Pflanzen auf. Eine Alternative bieten Lightroom CC und der RAW-Dialog in Photoshop CC: Für RAW-Dateien stellst Du oben das „Profil“-Menü von „Standard“ oder „Farbe“ auf „Kräftig“ oder „Landschaft“ um. Oft will man aber nur eine einzelne Farbe verstärken, zum Beispiel das Himmelsblau. Alles andere soll unberührt bleiben. In Lightroom Classic CC öffnest Du dazu das „HSL“-Bedienfeld (in älteren Versionen „HSL – Farbe – SW“). Klicke oben im Bedienfeld auf das kreisförmige Zielkorrektur-Werkzeug und schalte darüber „Farbton“, „Sättigung“ oder „Luminanz“ (Helligkeit) ein.

Du nimmst hier zuerst „Luminanz“, klickst ins Himmelsblau und ziehst bei gedrückter Maustaste nach unten. Blau erscheint so dunkler und damit kräftiger. Dann schaltest Du zu „Sättigung“, klickst ins Blau und ziehst leicht nach oben – Blau wird farbsatter. Weil viele Kameras Himmelsblau unschön türkis wiedergeben, klickst Du noch auf „Farbton“, dann wieder ins Blau und ziehst nach oben; dann erscheint das Blau „blauer“. Gesichter, Pflanzen oder Hausdächer bleiben völlig unverändert.

Besseres Wetter: Im RAW-Dialog dunkeln wir Blau ab und hellen Grün auf. Foto: Heico Neumeyer

Dieselben Möglichkeiten bietet der Photoshop- RAW-Dialog (auch per „Filter/Camera RAW- Filter“) mit einer anderen Bedienung: Klicke oben länger auf das Werkzeug „Selektive Anpassung“, dann auf „Farbton“, „Sättigung“ oder „Luminanz“. Nun klickst Du in die gewünschte Bildfarbe und ziehst bei gedrückter Maustaste. So änderst Du nur Farbe, Sättigung oder Helligkeit des gewählten Tonwerts.

Und wichtig ist noch etwas anderes: Arbeite verlustfrei, sodass Du alle Änderungen wieder zurücksetzen kannst. Das Original bleibt im Hintergrund vollständig erhalten und wird durch Deine Korrekturen nicht dauerhaft manipuliert.

Tipp: Justiere „Farbton“, „Sättigung“ und „Luminanz“ nur behutsam, sonst entstehen sichtbare Bildstörungen. RAW-Dateien kannst Du dabei etwas deutlicher ändern als JPEGs.

Fazit

Heico Neumeyer hat Dir in diesem Artikel gezeigt, wie Du Bildfarben mit wenig Aufwand am Computer oder per App korrigieren kannst. Zeig uns Deine aufgepeppten Fotos, gerne auch mit Vorher-Nachher-Vergleich, indem Du diese in der fotocommunity hochlädst. 

 

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.
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6 Kommentare

  1. Andreas
      März 17, 2019 at 10:37 PM
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    Ich nahm bisher immer an, das im RAW kein Weißabgleich notwendig sei. Da die Bildinfos dort so gut, wie „unverfälscht“ sind. Zumindest hab ich noch nie einen gemacht/gebraucht.
    Wahrscheinlich hängt es davon ab, ob ich ein natürlich echtes Image haben möchte oder ein Effekt behaftetes.

  2. Gerd Thorn
      März 10, 2019 at 8:07 AM
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    Alles sehr schön,
    die meisten – sehr lehrreichen – Tips beziehen sich allerdings auf die aktuellsten Bildbearbeitungsprogramme.
    Ich nutze noch Photoshop CS 2.
    Wie sieht entsprechende Bilbearbeitung (nicht nur der Weißabgleich) bei älterer Software aus? Nicht jeder hat Photoshop CC oder CS 6.

    Grüße

  3. Erwin Weber
      März 9, 2019 at 1:52 PM
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    Ja Tina, du hast es genau auf den Punkt gebracht, es ist eine ganz individuell Sache.

  4. Holger Lubitz
      März 8, 2019 at 5:17 PM
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    Ich frage mich immer: möchte ich einen dunkleren Himmel? Möchte ich, dass sich Wolken dezent vom Himmel abheben?

  5. R. Puschi
      März 8, 2019 at 3:45 PM
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    Guter Beitrag aber….
    Fotobearbeitung immer nur mit Lightroom oder Photoshop, wie schaut es mit Luminar aus?

  6.   März 8, 2019 at 10:14 AM
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    Grundsätzlich guter Artikel! Was mir hier fehlt ist der Hinweis, dass der Weißabgleich in vielen Fällen eine subjektive Frage ist. Klar, bei Himmelsblau ist das relativ schnell entschieden, aber genau das Beispiel mit der Straßenlaterne zeigt, wie schwierig es ist, hier die „richtige“ Einstellung zu machen.
    Hab ich ein Dokumentationsfoto oder will ich zeigen, wie ich es empfunden hab, oder will ich nur einfach Kunst kreieren und bewusste Farbgebungen erzeugen?
    Das was meine Augen sehen, meine Stimmung hochschaukelt und mein fotografisches Know How aufs Papier oder den Bildschirm zu bringen vermag, hat möglicherweise nichts mit der Erinnerung zu tun, die ein anderer Anwesender in seinem Hirn gespeichert hat.
    Dann ist möglicherweise auch die Enttäuschung der Auftraggeber groß…..

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