DxO PhotoLab 6 Elite: Besonders entrauschend

DxO PhotoLab 6 Elite: Besonders entrauschend
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Das günstige professionelle RAW-Programm DxO PhotoLab Elite erscheint in der Version 6. Der Hersteller verspricht Fortschritte beim Entrauschen und Retuschieren sowie bei der Perspektivkorrektur. Wir sagen, was Elite 6 wirklich leistet – und was wir immer noch vermissen.

Entscheide Dich für die Variante PhotoLab 6 Elite, denn das günstigere Photo­ Lab 6 Essentials ist viel zu stark abge­speckt. Beide Ausgaben sind ohne Abozwang erhältlich.
Zwar bietet PhotoLab 6 erstmals eine eigene Perspektivkorrektur. Doch bes­sere Unterstützung gegen stürzende Linien und andere Verzerrungen liefert nur das separate Programm ViewPoint in der neuen Version 4. Das nutzt Du als Einzelprogramm oder direkt aus PhotoLab oder aus Lightroom heraus. Wer lediglich die viel gelobte Scharf­stellung und Rauschreduzierung von DxO braucht, installiert PureRaw 2, ein Zusatzmodul für Lightroom. PureRaw bietet innerhalb von Lightroom das überlegene Schärfen und Entrauschen à la DxO, erfordert aber deutlich mehr Klicks und Speicherplatz (siehe ColorFoto 6/22). Außerdem verwendet Pure­ Raw 2 noch nicht die neueste Ent­rauschtechnik DeepPrimeXD aus PhotoLab 6 Elite, sondern DeepPrime ohne „XD“ aus PhotoLab 5 Elite – aber auch das arbeitet hervorragend. Wohl erst später kommt PureRaw mit dem neuen DeepPrime XD.

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Einblick in die Bildbearbeitung mit DxO PhotoLab 6 Elite
Kleine Vorschau: PhotoLab 6 Elite entrauscht das Bild mit Deep­ Prime XD, doch eine Vorschau lie­fert nur das kleine Fenster rechts.

Alle DxO­-Programme laufen unter Mac und Windows und bearbeiten fast beliebige RAW­-Aufnahmen, jetzt weit­gehend auch Fujifilms X-­Trans. Außen vor bleiben jedoch die DNG-­RAW­ Dateien aus einigen Handys. DxO hat aber angekündigt, weitere Handy­-DNGs zu analysieren und Korrektur­ profile automatisch nachzuliefern.
Wie immer gibt es im Internet ein or­dentliches Handbuch zu PhotoLab 6, allerdings keine Videolehrgänge direkt vom Hersteller.

DxO PhotoLab 6 Elite: Neue Rauschminderung

Schon der Vorgänger PhotoLab 5 minderte Bildrauschen per DeepPrime-Technik rekordverdächtig gut. PhotoLab 6 verfeinert das Verfahren, das nun DeepPrime XD heißt, wie üblich nur für RAW-Dateien. Der Unterschied zum Vorgänger ist subtil, aber erkennbar: Testbilder wirken noch sauberer, noch schärfer, aber nicht unschön glattgebügelt – Feinheiten bleiben vollständig erhalten und treten sogar stärker hervor. Unscharfe Bildzonen werden etwas luftiger dargestellt. Verfeinere die Rauschreduzierung im Bedienfeld „Objektivschärfe“. Der „Allgemein“-Wert „0“ steht dabei für die empfohlene Schärfung, also nicht für „keine Schärfung“. Selbst eine höhere Schärfe verursacht kaum Rauschen – das ist fast ein Wunder.

Rechenzeit RAW-Export

ProgrammZeit/s
DxO PhotoLab 6 Elite DeepPrime XD83
DxO PhotoLab 6 Elite DeepPrime23
DxO PhotoLab 5 Elite DeepPrime23
Capture One Pro 22 8
Lightroom Classic 11.5 mit ACR 14.5 4

Mehr Rauschen als PhotoLab und ein paar Artefakte produziert in unseren Tests Capture One Pro 22. Wie üblich verliert Lightroom Classic den Entrausch-Wettbewerb krachend. Allerdings: PhotoLab zeigt das Entrausch-Ergebnis in einem Vorschaufensterlein mit mickrigen 278×150 Pixeln (oben im Bild rechts). Das korrigierte Gesamtbild siehst Du erst nach dem Exportieren. Und das dauert im Test mit der Vorgabe DeepPrime XD geschlagene 83 Sekunden, unabhängig vom Ziel-Dateiformat. Das ebenfalls hervorragende DeepPrime ohne „XD“ benötigt in PhotoLab 5 und 6 jeweils nur 23 Sekunden (siehe Tabelle „Rechenzeit RAW-Export“), es arbeitet in der neuen Programmfassung genau wie bisher. Eiligen Bildbearbeitern bietet PhotoLab noch schnellere, ebenfalls brauchbare Entrauschverfahren an.
Oder Du exportierst nur den Bildteil, den Du tatsächlich brauchst. Immerhin: Das zähe Exportieren blockiert PhotoLab nicht, Du kannst weiter sichten und korrigieren. Und selbstverständlich exportiert PhotoLab auch ganze Bildserien am Stück. Ebenfalls angenehm: PhotoLab zeigt beim Entrauschen nur wenige Regler an, über deren Funktion man kaum grübeln muss und die sich teilweise per Automatik einstellen lassen. Lightroom und Capture One verwirren dagegen mit vier bis sechs Anti-Rausch-Reglern, und die muss man dann noch mit der ebenso komplexen Scharfzeichnung vereinbaren. Obwohl Tüftler bei DxO vielleicht Regelmöglichkeiten ver- missen, liefert das Programm schon ohne viel Feintuning blitzsaubere Bilder.
Die neueste Rauschunterdrückung DeepPrime XD arbeitete im Test noch nicht mit Fuji-X-Trans-Dateien zusammen, dort funktioniert nur das ebenfalls brillante DeepPrime ohne „XD“. DxO will den Mangel bald kostenlos beheben.

Tipp: Unter „Bearbeiten, Programmeinstellungen, Leistung“ aktiviere wenn möglich die Grafikkarte Deines Computers als Rechenhilfe. Die „Automatische Auswahl“ arbeitete bei uns langsamer als die Vorgabe „Nvidia“. PhotoLab meldet zwar per Sternchen, dass es die Nvidia-Grafikkarte „nur teilweise unterstützt“, aber das störte im Test nicht. Unten bei „Anzeige und Entwickeln“ wähle je nach verwendetem Computer „OpenCL“.

Tipp, um PhotoLab zu beschleunigen
Dampf machen: Spanne den Grafik­prozessor in die Re­chenarbeit ein und mache PhotoLab schneller.

Bildbearbeitung: Flexibel retuschieren

Automatische Fehlerretuschen in PhotoLab und in Konkur­renzprogrammen liefern teilweise verkorkste Ergebnisse. Das gilt vor allem bei komplexen Motiven mit wenig „sau­berer“ Bildfläche zum Kaschieren der Störung.
Aus diesem Grund kann man in PhotoLab 6 Elite erstmals die Kopierquelle nachträglich noch spiegeln, skalieren und drehen; sie lässt sich außerdem per Pinsel erweitern und ver­kleinern. Den betreffenden Bereich blendet PhotoLab dann automatisch vergrößert über die Störung.
Das ist weitaus flexibler als bei Lightroom oder Capture One und erlaubt sogar kleine Montagen innerhalb eines Bilds – dupliziere zum Beispiel Vögel am Himmel und variiere Größe und Flugrichtung – all das verlustfrei auf der RAW-­Ebene. Lightroom­-Nutzer müssten dafür zu Photo­shop wechseln und mit Bildebenen jonglieren.
DxO kreierte zudem den neuen, extrem weiten Farbraum DxO Wide Gamut, der farbsatte Fotos teils peppiger zeigt. Freilich kommen viele Drucker und Monitoren nicht damit zu­ recht. Darum wurde gleich auch das Softproofing ausgebaut: Sie arbeiten im neuen, erweiterten Farbraum, zeigen aber eine Vorschau nach alten Farbmodellen wie AdobeRGB oder sRGB an. Lade auch eigene Farbprofile.

Tipp: Meist nutzt man das Retuschewerkzeug im „Reparieren“-Modus mit dem automatischen Randübergang. Retuschen hart am Bildrand gelingen so aber nicht. Besser funktioniert am Bildrand der „Kopieren“-Modus, jedenfalls in sehr einheitlichem Umfeld wie hier. Softe zusätzlich die Auswahlkante ab („Konturverlauf“).

Bessere Bildverwaltung mit DxO PhotoLab 6 Elite

In seiner Bildverwaltung bietet PhotoLab 6 erstmals nicht nur eine Sternewertung an, sondern auch verschiedene Farbcodes für Ihre Aufnahmen. So kannst Du Deine Bilder bestimmten Aufgaben oder Kriterien zuordnen und sie per Filter gezielt anzeigen.
Sammlungen oder virtuelle Alben heißen bei PhotoLab „Projekte“. In den Projekten versammelst Du Fotos unab­hängig von der Ordnerstruktur. Nutze hier erstmals verschachtelte „Projekte“ innerhalb von „Projektgruppen“ wie Unterordner. Auf diese Weise kannst Du Deine Samm­lungen noch feiner strukturieren. Dass PhotoLab „Projekte“ nicht nachträglich in „Projektgruppen“ umwandelt und eine „Projektgruppe“ Bilder nur innerhalb eines untergeordneten „Projekts“ aufnimmt, aber nicht direkt im Stammverzeich­nis, ist jedoch ziemlich unflexibel.
In PhotoLab hat der Hersteller die Bedienfelder für IPTC­ Notizen und Exif-­Kameradaten deutlich ausgebaut. Somit können Sie mehr Informationen ablesen und eingeben. Die Stichworteingabe ist Lightroom ­inspiriert und geht schnell von der Hand.

Anzeige nach Maß: Entscheide selbst, welche Informationen die Fotothek wann präsentieren soll.

Tipp: Unter den Miniaturen in der „Fotothek“ zeigt PhotoLab 6 zunächst nicht einmal die Dateinamen an. Das ändern Sie mit dem Befehl „Bearbeiten, Programmeinstellungen, Ansicht“. Damit entscheiden Sie auch, wie und ob Farbmarkierung oder Bewertung gezeigt werden. Aufnahmedatum oder Belichtungswerte präsentiert PhotoLab jedoch nicht dauerhaft unter den Miniaturen, sie erscheinen nur als Einblendmeldung.

Die hervorragenden Kamera-Objektiv-Profile von DxO korrigieren optische Verzeichnung, Farbsäume, Randabschattung und sogar Randschärfe. Bei Bedarf verfeinern Sie weiter von Hand. Gegen unschöne Verzerrungen am Bildrand hilft die „Volumendeformation“. Direkt im Programm PhotoLab 6 Elite gibt es erstmals eine Perspektivkorrektur mit Führungslinien oder mit einer oft zu starken Vollautomatik. Diese Funktion lieferte bisher nur das separate Programm ViewPoint 3 mit. Übertriebene Perspektivanpassung lässt sich stufen- los zurückfahren – nach manueller oder automatischer Änderung. Anders als Lightroom bietet DxO indes keine eigene extraschonende Perspektivautomatik.

Das separate Programm ViewPoint bringt DxO als Version 4 ausgebaut heraus. Erstmals finden Sie darin eine örtliche Perspektivkorrektur, die an Photoshops „Verflüssigen“ erinnert: Sie formen Detailproportionen über ein biegsames, beliebig engmaschiges Gitter. So korrigieren Sie Verzerrungen am Bildrand unabhängig vom großen Rest, aber auch Körperumrisse oder Produktformen.

Gitterwerkzeug in ViewPoint 4
Das Gitterwerkzeug in ViewPoint 4 formt hier Hut und Oberkörper um.

Besonders nützlich je nach Motiv: Die Zahl der vertikalen und und waagerechten Gitterlinien lässt sich unabhängig voneinander ändern. Wählen Sie ganze Gitterbereiche per Maus aus. Verlustfrei auf RAW-Ebene funktioniert das nur in der Kombination von PhotoLab und ViewPoint, die Konkurrenz schaut zu.

Allerdings können Sie das Gesamtgitter oder dessen Nullpunkt nicht über dem Bild verschieben, um das Motiv besser zu erfassen. Alternativ würde man Problemzonen gern zielgenau knetgummiartig per Pinsel à la Photoshop verschieben, aber das geht auch nicht.
Mit den neuen, freien Hilfslinien prüfen Sie das Ergebnis auf ordentliche rechte Winkel.

Organisationstalent: PhotoLab 6 Elite sammelt Aufnahmen unabhängig vom Ordner in „Projektgruppen“ und „Projekten“ (links), bietet Farbmarkierungen und ausführliche IPTC-Felder.

Fazit zur Bildbearbeitungssoftware DxO PhotoLab 6 Elite

In vielem liegt PhotoLab 6 Elite weit hinter Lightroom zurück: bei Bedienung, Bildverwaltung und Auswahltechnik, vom Fehlen einer Cloud ganz zu schweigen. Andererseits lockt DxO mit reizvollen Talenten, die Lightroom nicht draufhat, etwa das weiter verbesserte, konkurrenzlose Entrauschen. Dazu kommen flexible Retuschen und örtliches Entzerren mit Gitternetz jeweils auf RAW-Ebene; das schaffen Lightroom-Abonnenten erst nach lästigem Wechsel zu Photoshop.
Abgesehen von der schwachen Leistung beim Korrigieren von Überbelichtung kann die Farb- und Kontrastkorrektur von PhotoLab 6 Elite weitgehend überzeugen. Das verdankt sie auch kraftvollen Automatiken mit Nachjustierung. Das Programm aus Frankreich kostet einmalig 219 Euro – und das ohne jeden Abozwang. Wer sich für diesen Bildbearbeiter interessiert, kann PhotoLab 6 Elite unverbindlich und kostenlos 30 Tage lang testen.

DxO PhotoLab 6 Elite – das haben wir vermisst:

  • HDR und Panorama automatisch
  • Perspektivautomatik, die schonender arbeitet
  • Kameraanbindung (Tethering)
  • örtliche Rauschminderung
  • vollautomatische Motivauswahl
  • vielseitige Bilddaten unter Miniaturen
  • Landkarte, Gesichtserkennung

Autor: Heico Neumeyer

1 Kommentar

  1. Gute Tips ,hilft mir schon weiter .Danke
    Bin Hobby Fotograf mit einer Sony A58 ,Objektiv 18-200mm ,3.5-6.3 !
    Mehr kann ich mir nicht leisten no Kohle (wenig Rente) aber egal die leute und auch ich sind eigentlich ganz zufrieden mit den Fotos ! Gruß Heinz

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