Photoshop fürs iPad

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Photoshop CC läuft nicht nur auf dem Desktoprechner, sondern auch auf dem iPad. Doch auf dem Tablet-Computer bietet das Profiprogramm nicht alle bekannten Funktionen. Was leistet dieses Programm fürs iPad wirklich?

Dieser Artikel stammt aus der ColorFoto 03/2021.

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Autor: Heico Neumeyer

Photoshop fürs iPad - Hund mit Pantoffel
Was leistet Photoshop fürs iPad wirklich?
Foto: Heico Neumeyer

Ende 2019 erschien das Bildbe­arbeitungsprogramm Photoshop fürs iPad mit gewaltigen Lücken. Mittlerweile besserte Adobe deutlich nach. Wir checken, was Photoshop per Fingertipp inzwischen draufhat. Die iPad­-Version des Profiprogramms setzt in der aktuellen Version 2.0 auf Arbeitsteilung mit der Lightroom­ App, die Du ohnehin mit abonnieren musst (siehe „So kommt Photoshop auf Dein iPad“). Photoshop auf dem iPad kann RAW­-Dateien we­der öffnen noch korrigieren. Das geht nur mit Lightroom, von dort geht‘s weiter zur Photoshop­-App. Denn nur wo Lightroom schwächelt, überzeugt der Photoshop für die Fototasche: mit starker Auswahl und Montage, Text­werkzeug und flexibler Retusche. Photoshop fürs iPad leistet jedoch weit weniger als die Versionen für Windows und Mac: So vermissten wir nicht nur den RAW­-Dialog, sondern auch auf­ gezeichnete Befehlsfolgen, das Ver­flüssigen und fast alle Effektfilter. Weitere auffällige Lücken will Adobe demnächst stopfen: Angekündigt sind Scharfzeichner, Raster und Hilfslinien sowie volle Unterstützung für ver­ lustfrei korrigierbare Smart­Ebenen und Smartfilter.

So kommt Photoshop auf Dein iPad

Photoshop für iPad ist Teil der Creative Cloud – wer also Photoshop und/oder Lightroom für den Rechner abonniert, bekommt damit auch Photoshop fürs iPad. Neueinsteiger können Photoshop sieben Tage lang gratis auf dem iPad testen. Danach brauchst Du ein Abo wie das „Creative Cloud Foto-Abo“: Für 11,59 Euro im Monat erhältst Du Photoshop fürs iPad und die hervorragende Lightroom-App – anders als Photoshop läuft sie nicht nur auf dem iPad, sondern auch auf Android-Handys, Android-Tablets und iPhones.

Zum „Foto-Abo“ gehören zudem Photoshop, Lightroom und die Bildverwaltung Bridge für Windows- und Mac Rechner. Ein starkes Paket, freilich mit laufenden Kosten. Dazu gibt es 20 Gigabyte Online-Speicher; so fütterst Du Photoshop auf dem iPad bequem mit Deinen aktuellen Projekten. Du kannst die Programme auf beliebig vielen Geräten installieren, aber nur auf zwei Geräten gleichzeitig nutzen.

Der mobile Photoshop funktioniert auch auf älteren iPad-Tablets bis zu iPad mini 4­ und­ iPad­ Air­2­ von­ 2014.­ Auf­ iPhones und Android-Geräten läuft Photoshop nicht. Weitere „Photoshop“- Apps wie Photoshop Mix, Photoshop Fix oder Photoshop Express kosten zwar nichts und funktionieren auf allen gängigen Mobilgeräten; sie leisten aber weniger. Eine günstige Alternative zu Photoshop ­fürs­ iPad­ ist­ die ­App­ Affinity­Photo­ für iPad (20 Euro, manchmal günstiger, Vorstellung in dem Artikel Affinity Photo – Pixel-Power fürs Tablet der ColorFoto 12/2020).

Kontrakt und Retusche

Wichtig zu wissen: Photoshop fürs iPad importiert keine RAWs, somit fehlt der tolle RAW-Dialog der Desktop Versionen. Fürs Laden und die Erstkorrektur von RAWs ist Lightroom vorgesehen. Die mobile Version bearbeitet RAW-Dateien praktisch genauso gut wie Lightroom oder Photoshop für den Rechner. Verwende nach dem Entwickeln in Lightroom dort den Befehl „Teilen, In Photoshop bearbeiten“. Abgesehen vom RAW-Dialog bietet der mobile Photoshop alle wichtigen Korrekturen für Farbe und Kontrast, darunter die Befehle „Farbbalance“ „Tonwertkorrektur“, „Gradationskurve“, „Helligkeit/Kontrast“, „Farbton/Sättigung“, „Schwarzweiß“ und „Dynamik“. Wende diese Funktionen auch am iPad verlustfrei per Einstellungsebene an. Ebenenmasken begrenzen die Korrektur wahlweise auf einzelne Bildzonen, und eine Schnittmaske beschränkt die Korrektur auf eine einzige Ebene.

Für die Retusche bietet Photoshop fürs iPad nur den Bereichsreparatur-Pinsel und den Kopierstempel. Starke Desktop- Befehle wie das „inhaltsbasierte Füllen“ fehlen derzeit. Die Ergebnisse werden etwas besser als mit Lightroom, reichen aber nicht an die Qualität des großen Photoshop heran.

Die Photoshop Ebenentechnik

Photoshops Ebenentechnik bietet bei der Retusche gleichwohl einen Vorteil gegenüber Lightroom und anderen Apps wie Snapseed: Du pinselst die Retusche dafür zunächst einmal in eine neue, leere Ebene über dem Foto. Danach verfeinerst Du die Bildwirkung mithilfe von Deckkraftregler, Mischmethode oder Ebenenretusche. Das verbessert nicht zuletzt Portraitretuschen. Eine neue, leere Retuscheebene entsteht, wenn Du rechts auf das Plus-Zeichen tippst. Schalte links ein Retuschewerkzeug ein, tippe in den Werkzeugeinstellungen auf die drei Punkte, und nutze die Option „Alle Ebenen aufnehmen“. Wer regelmäßig Alphakanäle oder Bildstörungen retuschiert oder Auswahlumrisse nachzeichnet, tut sich mit dem Grafikstift leichter als mit der Fingerspitze. Und je nach Stärke des Andrucks ändert sich zum Beispiel die Werkzeugspitzenbreite oder die Deckkraft des Werkzeugs. Wie empfindlich das iPad auf den Andruck reagiert, regelst Du in Photoshop ganz nach Deinem Geschmack.

Bildbearbeitung Photoshop fürs iPad - Bearbeitung des Himmels
Alles im Griff: Übliche Einstellebenen wie Tonwertkorrektur oder Gradationskurven verbessern den Kontrast, Masken beschränken die Wirkung auf einzelne Bildzonen – hier eine Tonwertkorrektur für den Himmel.
Foto: Heico Neumeyer

Tipp:

Photoshop fürs iPad erfordert den Original-Grafikstift von Apple. Der Apple Pencil 2 für neue iPad-Modelle kostet rund 125 Euro. Ältere iPads brauchen den Pencil 1 für rund 90 Euro. Günstigere Grafikstifte wie der Logitech Crayon (rund 60 Euro) harmonieren auf dem iPad zwar mit vielen anderen Apps, aber nicht mit Photoshop.

Auswahl und Montage

Photoshop fürs iPad - Hund mit Pantoffel
Auf Montage: Der Tablet-Photoshop bietet die vom Computer bekannte Ebenentechnik.
Foto: Heico Neumeyer

Nutze die eingebauten Lehrgänge für erste Erkundungen der Photoshop-App, denn die sehr aufgeräumte Oberfläche offenbart viele Funktionen erst nach einem Doppeltipp und sonstiger Fingerakrobatik. So versteckt sich das wichtige Schnellauswahl-Werkzeug hinter dem Lasso. Weiteres Suchen führt zur automatischen Hauptmotivauswahl und zur bekannten Auswahlverfeinerung in professioneller Photoshop-Qualität, die auch Haare und Laubwerk sauber erfasst. Die Auswahl lässt sich jederzeit erweitern und verkleinern, sofern man die passenden Schaltflächen findet.

Mithilfe der üblichen Ebenentechnik entstehen Montagen. Masken blenden Motivteile verlustfrei aus. Das Ebenen-Bedienfeld zeigt Photoshop auf dem iPad in zwei Größen – beide sind manchmal zu klein.
Photoshop bietet einen Deckkraftregler und die üblichen Mischmethoden wie „Multiplizieren“ und „Aufhellen“. Du kannst die Bilder oder Ebenen zuschneiden, skalieren, drehen und perspektivisch transformieren. Smart Objekte gibt es jedoch fürs iPad noch nicht. Eine verfremdete Ebene bleibt also nicht im Hintergrund als Original erhalten. Immerhin: Vorhandene Smart-Ebenen aus Photoshop vom Computer lassen sich auf dem iPad ohne Schaden drehen oder verschieben.

Tipp:

Ziehe vor der automatischen Objektauswahl ein Rechteck um das Hauptmotiv. So erleichterst Du Photoshop das Auswählen.

Speichertechnik

Screenshot aus Photoshop
Freier Zugriff: Photoshop fürs iPad öffnet auch Bilder aus Cloud-Diensten wie Google Drive und Dropbox
Foto: Heico Neumeyer

Photoshop fürs iPad speichert Deine Bilder permanent in der Adobe-Cloud. Das klingt praktisch, aber wer vertrauliches Material bearbeitet, hört das nicht so gern. Auch Photoshop am Rechner speichert Dateien auf Wunsch in der Cloud, und nach langer Wartezeit zeigt sich das Bild dann auch auf dem iPad. Öffne Cloud Dateien jedoch immer nur auf einem Gerät, denn bei gleichzeitiger Bearbeitung auf verschiedenen Geräten entstehen Versionen mit unterschiedlichem Bearbeitungsstand – ein heilloses Durcheinander.

Der iPad-Photoshop öffnet auch Bilder, die lokal auf dem iPad oder in Online-Speichern wie Google Drive oder Dropbox liegen.

Das Cloud-Verzeichnis erscheint auf iPad und PC beinahe wie ein eigenes Laufwerk. Photoshop-Dateien in der Cloud erhalten die neue Endung .psdc und zeigen auf allen Geräten eine Wolke neben dem Dateinamen. Zwar sichert Photoshop Deine Dateien online. Doch um eine einzige Montage zu bearbeiten, sind oft mehr als drei Gigabyte lokaler iPad-Speicher nötig – sonst gibt‘s eine Fehlermeldung.

Screenshot aus Photoshop - kein Speicherplatz
Platzangst: Wer große Montagen bearbeiten will, braucht viel freien iPad-Speicher, sonst erhält er eine Fehlermeldung.
Foto: Heico Neumeyer

Tipp:

So kannst Du bei Bedarf mehr Platz im iPad-Speicher schaffen:
In den iPad-Einstellungen mit dem Zahnradsymbol wählest Du „Allgemein, iPad-Speicher“, um die Speicherbelegung zu prüfen und um Apps zu löschen oder ins Netz zu verschieben. Bei den Einstellungen für die Fotos-App am iPad schaltest Du zu „iPad-Speicher optimieren“, so werden auch Bilddateien online gesichert. In den Adobe-Apps Lightroom und Photoshop löschst Du überflüssige Bilder, vor allem RAW-Dateien und Montagen. In Lightroom am iPad nimmst Du „Einstellungen, Lokaler Speicher, Cache leeren“. Und in den Lightroom- Einstellungen im Register „Cloud-Speicher & Sync“ wählst Du „Nur Smart-Vorschauen“.

Screenshot aus Photoshop - Videotutorials
Fotokurs: Übungen und Anleitungen zu Photoshop fürs iPad findet man direkt in der App, teilweise aber nur in Englisch.
Foto. Heico Neumeyer

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