In fünf Schritten zum besseren Bild: Architektur-Schnappschuss

Optimierung: Viele Bilder wirken alltäglich, und doch steckt viel Potenzial darin. Wir zeigen, wie Du solche Aufnahmen schnell aufwerten kannst. Hier wird ein Architektur-Schnappschuss im RAW-Konverter optimiert: Belichtung, Weißabgleich und Himmelsblau korrigieren, danach stürzende Linien entzerren und ein wenig Feinarbeit. Wir nutzen Photoshop CC – aber andere Programme eignen sich auch.
Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 04-2018. Die Fotos in diesem Artikel stammen von Karl Stechl.

Zum Bild

bild-vorher
Fujifilm X-T2 | 35 mm/KB (18-55 mm) | ISO 200 | f/7,1 | 1/320 s

Das Foto zeigt die Fischerbastei mit Matthiaskirche in Budapest. Der kleine Shuttlebus, der gehfaule Touristen auf den Burgberg bringt, hält knapp unterhalb des Bauwerks: „Ein Foto, dann geht’s weiter“, verkündet der Fahrer.
Ich richte die Kamera schräg nach oben und drücke auf den Auslöser. Das muss zu stürzenden Linien führen, deshalb wähle ich den Ausschnitt etwas großzügiger, um später beim Entzerren nichts Wichtiges in den Randbereichen zu verlieren. Auch für weitere Bildkorrekturen bleibt viel Spielraum – ich fotografiere JPEG und RAW parallel.
Das JPEG direkt aus der Kamera ist zu knapp belichtet, etwa um eine Blende, was wohl an der Strahlkraft des hellen Gemäuers liegt. Zudem befand sich (noch) ein Polfilter vor der Frontlinse, was nicht nur ein überzogenes, ins Türkis tendierendes Himmelsblau zur Folge hatte, sondern auch einen unschönen Helligkeitsverlauf.

Die Schritte im Überblick

  1. Grundeinstellung
  2. Farbkorrektur (Himmel)
  3. Verlaufsfilter
  4. Perspektivkorrektur
  5. Schärfen und Detailarbeit

(1) Grundeinstellungen

Nach dem Öffnen im RAW-Konverter von Photoshop CC heben wir die Farbtemperatur leicht an (von 4900 auf 5200 Kelvin), um das Bild „anzuwärmen“.
Grundeinstellungen 1
Nach der Belichtungskorrektur (+0,50) werden die Lichter etwas zurückgenommen (-25), die Tiefen aufgehellt (+25), dann Schwarz (-5) und Weiß angepasst (+25). Die Farbsättigung wird leicht angehoben (+5), die Klarheit etwas mehr (+15).
grundeinstellungen-2

(2) Farbkorrektur (Himmel)

Um den Himmel zu optimieren, bearbeiten wir die Blautöne selektiv: Neben einer kräftigen Anhebung der Luminanz (+75), werden die Sättigung reduziert (-10) und der Farbton etwas mehr ins Rötliche (+10) verschoben. Das Himmelsblau wirkt jetzt angenehmer.
Farbkorrektur
Farbkorrektur

(3) Der Verlaufsfilter

Mit der Funktion „Belichtung“ niveliert die Helligkeit links und rechts im Bild. Um zu verhindern, dass neben der rechten Himmelshälfte auch das Mauerwerk vom Aufhellen betroffen wäre, wird dort vor dem Einsatz des Verlaufsfilters mit weichrandigem Pinsel eine Maske erstellt.

Verlaufsfilter

(4) Perspektivkorrektur

(Transformieren) aktivieren wir das Schaltfeld A (Automatisch: Ausgewogene Perspektivkorrektur), um dann mit dem Vertikal-Regler (-10) nachzujustieren. Eine leichte Neigung der senkrechten Linien außerhalb der Bildmitte lassen wir bestehen, weil dies natürlicher wirkt. Abschließend wird das Bild beschnitten.
Perspektivkorrektur

(5) Schärfen und Detailarbeit

Da eine Fujifilm-Kamera mit X- Trans-Sensor im Spiel war, setzen wir beim Schärfen einen hohen Detail-Wert (75) und einen moderaten Betrag (30) ein. Maskieren (50) und ein leichter Rauschfilter (+10) halten das Rauschen im (aufgehellten) Himmel im Zaum.

Nach dem Öffnen der RAW-Datei in Photoshop wird noch ein störendes Detail ganz rechts am Bildrand entfernt. Eine Auswahl mit weicher Kante (Radius: 1) schützt dabei die Kontur der Turmkuppel.

Finales Bild

Bild final

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18 Kommentare

  1. Beate
      September 23, 2018 at 8:50 AM
    Kommentar bewerten

    Hallo, ich habe nur eine Digitalkamera (Sony DSC HX80). Somit kann ich mit vielen technischen Hinweisen – detaillierte Blitzeinstellung z. B.- wenig anfangen.
    Als Einsteigerin möchte ich noch keine Kompaktkamera.
    Somit kann ich mir nur teilweise Punkte aus den Schulungsangeboten zu eigen machen.
    LG Bea

  2. hardy
      September 14, 2018 at 11:07 PM
    Kommentar bewerten

    Ich gehe auch so ähnlich vor allerdings wie beschrieben nur mit RAW. Es mag ja Sinn machen den Himmel zu bearbeiten- aberdann ist es ein Bearbeitets Bild.
    Ich ziehe auch bei Architekturbilder die Wahrheit vor.

  3. Lenkerbruch
      September 13, 2018 at 9:22 PM
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    Mein Auge stört, dass die runden Türme durch den Teilausgleich der „stürzenden Linien“ ganz unnatürlich verzerrt werden. Gibt es dafür eine Lösung?

  4. Helmut Buchta
      September 12, 2018 at 8:45 AM
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    Habt ihr es immer noch nicht begriffen. JPEG + RAW ist Schwachsinn! RAW alleine reicht, da auf dem Kameramonitor immer eine JPEG-Version angezeigt wird. Z.B. mit einer gewählten Grundeinstellung „Landschaft“ oder „Monochrom“. Gleiches passiert am PC. Ich arbeite mit Canon DPP 4. Ich kann dann aus der RAW-Version alles nach Belieben herstellen. Z.B. aus einer SW-Aufnahme wieder die Original-Farbversion herstellen.

    1. JÖRG EBERL
        September 13, 2018 at 5:48 PM
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      gut gemcht,und ganz gute erklährung,Foto doll,himmel für meinen Geschmack zu stark blau…
      AAABER ,ALLE DOLLEN FOTOS MACHEN REKLAME FVÜR ADOBE-PHOTOSCHOP,WÜRDE GERNE MAL DIESE BILDER….OOOHHHNE-PHOTOSHOP SEHEN,..SICHER AUCH DEN FOTOGRAFEN..
      mal sehen was man so „KNIPSER“,,ERARBEITEN ..UND SEHEN KANN,
      SALUT MITANNAND,JÖRG

  5. Rainer
      September 11, 2018 at 10:37 PM
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    Rainer,sehr gut beschrieben klasse .
    Danke

  6. Lenkerbruch
      September 11, 2018 at 10:29 PM
    Kommentar bewerten

    Ich finde, dass die Korrektur der stürzenden Linien die runden Türme links und rechts ganz unnatürlich verformt. Habt Ihr für dieses Problem eine Lösung?

  7. Helmut
      September 11, 2018 at 7:53 PM
    Kommentar bewerten

    Mit wenigen Klicks zum perfekten Foto, auch perfekt dokumentiert.
    Was mir dabei zu Denken gibt:
    „Polfilter vor der Frontlinse, was nicht nur ein überzogenes, ins Türkis tendierendes Himmelsblau zur Folge hatte, sondern auch einen unschönen Helligkeitsverlauf.“
    Derartiges ist mir noch nie unter gekommen und mir etwas unerklärlich, liegt vermutlich am System aber Gott sei’s gedankt läst es sich mit PS korrigieren.
    Danke für den interessanten Beitrag!

  8. Thorsten Ice
      September 11, 2018 at 7:45 PM
    Kommentar bewerten

    Klasse wie man aus einem Schnappschuss noch ein Kunstwerk machen kann . . .

  9. Karl-Heinz Gaub
    Karl-Heinz Gaub
      September 11, 2018 at 6:27 PM
    Kommentar bewerten

    Bei einem Fotografen, der mit einer Kamera umgehen kann, setzt man voraus, das er intelligent ist.
    Ich glaube einfach nicht daß er nicht weiß was BEA bedeutet.

  10. KielFoto
      September 11, 2018 at 3:54 PM
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    Alles bezieht sich immer auf PS – und das ist leider nicht nur in diesem Artikel der Fall sondern fast durchgängig in allen Fotozeitschriften.
    Damit unterstützt man die Praktiken von Adobe!!

    1. Marius
        September 19, 2018 at 1:59 PM
      Kommentar bewerten

      Ja und zu Recht! Tolle Produkte die Adobe liefert, mit denen kann man klasse Ergebnisse erzielen! Noch dazu ist es (fast) jedem gängig und jeder kann damit was anfangen. Würde man die Beispiele mit irgendeiner Freeware zeigen, hätte man als Zielgruppe 0,01%.

  11. Anke Gehlhaar
      September 11, 2018 at 3:11 PM
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    Finde die Bea spannend, interessant für mein Empfinden ist, das im unbearbeiteten Bild mir der Himmel besser gefällt, da mit dem dunkleren Himmelston oben und dem etwas hellerem nahe den Gebäuden eher eine Tiefenwirkung entsteht, als mit dem gleichmäßigem Blau.

    1. KielFoto
        September 11, 2018 at 3:55 PM
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      Was heißt eigentlich „Bea“?? Kann man sich nicht deutlicher ausdrücken??

      1. Lambert Ostendorf
          September 11, 2018 at 6:30 PM
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        Ich denke ‚mal „Bea“ steht für Bearbeitung. Manche sind halt lieber schnell als verständlich.

      2. Klaus
          September 11, 2018 at 6:48 PM
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        Ich es soll Bearbeitung heißen ;-)

      3. Uli
          September 11, 2018 at 9:35 PM
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        Die Umgangsformen lassen manchmal sehr zu wünschen übrig. Man könnte erst mal nachdenken oder googeln bevor man so etwas von sich gibt. .

      4. Marius
          September 19, 2018 at 2:01 PM
        Kommentar bewerten

        @KielFoto, kann man nicht freundlicher sein? Wenn Sie hier alles zum kritisieren haben, den Autor, Adobe, die Abkürzungen, die Beispiele usw. – dann bin ich der Meinung, sind Sie hier verkehrt.

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