Objektive – Immerdrauf

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
Im Internet findet man im Zusammenhang mit DSLR immer wieder die Frage nach einem „Immerdrauf“, also einem Objektiv, dass man immer auf der Kamera „drauf“ hat. Nun sind die Ansprüche sehr von dem jeweiligen Nutzer abhängig, bei manchem kann eine Festbrennweite ein „Immerdrauf“ sein, bei anderen ist es ein Zoom mit möglichst großem Brennweitenbereich. Landläufig sind aber mit „Immerdraufs“ Superzooms gemeint, also Zoomobjektive mit einem Zoomfaktor von 10 – 20. Um diese Objektive soll es hier gehen.

Sigma 18-250mm F3,5-6,3 DC Makro OS HSM
Sigma 18-250mm F3,5-6,3 DC Makro OS HSM (Foto: Sigma)

Der große Vorteil von Spiegelreflexkameras ist die Möglichkeit, die Objektive zu wechseln und so die Kamera den eigenen Ansprüchen passend zu gestalten. Daher hat jeder Hersteller passend zu den jeweiligen Modellen zum Teil über hundert verschiedene Objektive aller Preisklassen im Angebot. Fotografen, die vorher mit Kompakt- oder Bridgekameras mit fest verbauten Objektiven gearbeitet haben, finden den Objektivwechsel häufig lästig und suchen nach einem Objektiv, das man immer drauf (daher der Name) lassen kann und trotzdem von Weitwinkel bis Tele alle Brennweiten zur Verfügung hat. Die Gründe sind vielfältig, warum solche Objektive beliebt sind, denn neben den ungeliebten Objektivwechseln ist es häufig auch eine Frage des Gewichts. Nicht Jeder ist bereit, ständig 10 kg Fotogepäck mit sich herum zu tragen, um mit Festbrennweiten alle nötigen Brennweitenbereiche abzudecken.

Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/8 | 1/1000 s | ISO 360
Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/8 | 1/1000 s | ISO 360

Tatsächlich findet man solche Objektive mit einem Brennweitenbereich von 18 – derzeit 300mm. Diese Objektive sind häufig relativ billig und werden daher gern empfohlen. Vor dem Kauf sollte man sich klar sein, dass Objektive mit sehr großem Zoomfaktor immer ein Kompromiss sind. Sie sind lichtschwach, relativ kontrastarm, die Schärfe ist nicht berauschend und sie verzeichnen häufig sehr stark.

Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/4 | 1/60 s | ISO 200
Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/4 | 1/60 s | ISO 200

Im ersten Moment klingt dies sehr abschreckend, muss es aber nicht sein. Ein Kompromiss einzugehen bedeutet einfach nur, dass man zwischen den Vorteilen und den Nachteilen abwägen muss. Die genannten Einschränkungen sind vorhanden, aber nur im Vergleich mit Festbrennweiten oder sehr teuren Zoom-Objektiven. Wichtig für ein bewusstes eingehen so eines Kompromisses ist auch, dass man sich vorher Gedanken macht: Was will ich denn für Fotos machen und wofür?

Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/5,6 | 1/200 s | ISO 280
Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/5,6 | 1/200 s | ISO 280

Für die Präsentation in der fotocommunity, für normale Abzüge, die man Freunden zeigen möchte? Als reine Erinnerung an einen schönen Urlaub? Oder vielleicht doch für hochwertige Drucke von seltenen Motiven, die man in Postergröße an die Wand hängen möchte? Für die zuerst genannten Fälle können die optischen Einschränkungen vernachlässigt werden. Wer zum Beispiel im Urlaub bei viel Licht fotografiert, wird wenig Probleme mit geringer Lichtstärke haben.

Von dem Kauf eines „Immerdraufs“ ist daher genau zu überlegen, was das Objektiv leisten soll. Bei den hohen Auflösungen heutiger Digitalkameras ist ein künstlicher „Zoom“ auch durch den späteren Beschnitt möglich (Nicht verwechseln mit Digitalzoom). Bildfehler können per Software oft komplett herausgerechnet werden.

Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/6,3 | 1/100 s | ISO 2200 (Auto-ISO)
Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/6,3 | 1/100 s | ISO 2200 (Auto-ISO)

Ich würde daher dieses „Immerdrauf“-Objektiv auch persönlich anders nennen: „Zuerstmaldrauf“ kommt der Sache schon näher. Bei Fotosafari oder beim knipsen hat ein Superzoomobjektiv zuerst einmal einen wichtigen Vorteil. Ihr habt ein Foto! Mit der Erfahrung und der Übung werdet Ihr schnell merken, wo es Euch an Schärfe fehlt, welche Brennweiten Ihr am häufigsten benutzt und ob Euch soviel fehlt, dass Ihr bereit seid, einige hundert oder tausend Euro für ein oder mehrere einzelne Objektive auszugeben. Zu den richtig guten Objektive könnt Ihr im Zweifelsfall immer noch wechseln. Zumal sich nahezu jedes gepflegte Objektiv heutzutage für wenig Verlust verkaufen lässt (besser als die Kamera selbst übrigens), da Objektive praktisch keinen Verschleiß aufweisen.

Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/9 | 1/250 s | ISO 640 (Auto-ISO)
Objektiv Tamron 28-300 ƒ/3.5-6.3 an Nikon D700. Blende ƒ/9 | 1/250 s | ISO 640 (Auto-ISO)

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20 Kommentare

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  5.   Dezember 9, 2016 at 9:26 PM
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    Guter Bericht über das „immerdrauf“ ich nenne diese Gattung auch gerne Reisezoom. Ich bin auch seit vielen Jahren mit einem Sigma 18-250mm unterwegs und eigentlich immer zufrieden damit gewesen. Mittlerweile habe ich es ergänzt durch ein Sigma 10-20mm und das Sigma 18-35mm.
    Sicherlich darf man von einem „immerdrauf“ keine Wunder erwarten, aber ich denke gerade für Einsteiger die keine Referenz Objektive haben, ist es ein super Kompromiss. Ein SUV ist ja auch kein Sportwagen oder Geländewagen!

  6. Thomas
      November 28, 2016 at 9:07 AM
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    Ich hatte jahrelang ein Sigma 18-250 als „Immerdrauf“ und habe damit viele Fotos gemacht. Ich fand das sehr praktisch, nicht wechseln zu müssen. Mit der Qualität habe ich mich mehr oder weniger arrangiert, ich wußte es ja nicht besser. Ich dachte immer, es liegt an der langen Brennweite, dass die Fotos so unscharf und eine geringer Auflösung hatten. Bei 250mm schien es, als würde das Bild digital vergößert zu sein. Das hätte ich also auch mit halber Brennweite + Software hinbekommen. Auf dem kleinen Monitor der Kamera sahen die Bilder alle top aus. Doch bei 100%-Ansicht am PC ergriff mich immer wieder Unzufriedenheit. Daher entschied ich mich für das Telezoom Canon 70-200 2.8 IS II und bin absolut begeistert. Nicht nur die Lichtstärke, viel mehr noch die große Auflösung und auch auf großer Entfernung. Da finden sich Details und Schärfe bei 100%-Ansicht, die ich mit dem ImmerdraufMegazoom nie sehen würde.

    Meine Ausrüstung ist nun um Längen schwerer, ich muss auch immer wieder das Objektiv wechseln. Dafür bin ich mit meinen Bildern aber viel glücklicher und immer wieder begeistert. Leider hat alles seinen Kompromiss!

    1. Norbert Eßer
        November 28, 2016 at 9:17 AM
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      Das hört sich aber nach einem anderem Problem an. Hast du mal manuell fokussiert bei max. Brennweite im Liveview bei max. Zoom? Spiegelvorauslösung und Stativ natürlich vorausgesetzt.

  7. Michael Völpel
      November 20, 2016 at 10:20 AM
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    Ich habe so viel gelesen und jeder sagt was anderes wahnsinn.
    Ich hoffe ich bekomme hier eine brauchbare Antwort.
    Es geht um meinen Bereich den ich abdecken möchte. Ich fotografiere im Außenbereich Portrais und Gruppen, sowie in einer größeren Turnhalle Gruppenbilder sowie von der Tribüne tanzende Personen.
    Ich möchte auch filme mit der Kamera machen, wobei sie als zweikamere dienen soll, ich habe eine Panasonic als erst Kamera.
    Bis jetzt habe ich eine Sony DSC HX-1 gehabt mit Brennweite Weitwinkel 28 mm und einem 20-fachem Zoom, ich bräuchte aber eine wo ich die Gruppenbilder besser und näher draufbekomme.
    Danke im Vorraus für euere Hilfe.

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  10. Oliver Jung
      Januar 28, 2016 at 8:17 AM
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    Ist es nötig bei Weitwinkelobjektiven wie z.B. 10-22 mm von Canon einen Bildstabilisator zu haben oder ist das Quatsch, da es sich nicht um eine großen Zoombereich handelt.

    1. Norbert Eßer
        Januar 28, 2016 at 10:23 AM
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      Du hast natürlich recht, dass es bei weitwinkeligen Aufnahmen nicht so häufig zu Verwacklern kommt. Wenn er dabei ist, kann er dir unter bestimmten Umständen helfen. Den zu dunkel ist es häufiger als zu hell. Man kann mit Bildstabilisatoren gut und gerne zwei Blendenstufen gewinnen…. oder eben mit einer längeren Belichtungszeit noch gut aus der Hand fotografieren. Zum Beispiel eine Waldlichtung im morgendlichen Regen geht dann aus der Hand auch mit 1/20 sek. noch gut.

    2. Martin Schwabe
        Januar 28, 2016 at 7:59 PM
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      Es hat weniger mit dem Zoombereich zu tun, als vielmehr mit der Brennweite. Je kürzer die Brennweite, um so verzichtbarer ist der Stabilisator, weil man eben bei 12 mm z.B. Freinad 1/20 Sek ohne Probleme ohne Stabi schafft, bei 400mm selbst 1/250 sek. noch zu lang sind für Freihand.

      Überflüssig wird der Stabi dann, wenn Dein Motiv sowieso kurze Zeiten benötigt. Wenn Du schnell bewegt Motive fotografierst (Sport oder z.B. laufende Hunde, spielende Katzen), dann wird ein Stabi Dir kaum etwas bringen. Nebenbei reduziert der Stabi oft die Grundschärfe des Fotos.

    3. Oliver Jung
        Januar 28, 2016 at 10:47 PM
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      Dann danke ich euch für eure Antworten und bin somit wieder eine oder 2 Erfahrungen reicher.

  11. herbert-50
      Oktober 28, 2015 at 2:31 AM
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    Sich ein solches Objektiv zu kaufen, ist ein typischer Anfängerfehler. Sie sind nicht nur schlechter als Festbrennweiten, sondern oft auch schlechter als die Kitoptik. Besser ist es sich zum 18-55 ein 55-200 zu kaufen. Wer einen großen Zoombereich mit einem Objektiv möchte, sollte besser eine Bridge-Kamera kaufen. Ein großer Vorteil von DSLR und DSLM liegt ja gerade in der Möglichkeit, die Optik zu wechseln.

    Ein weiterer Anfängerfehler: Lieber Brennweite als Lichtstärke. Wenig Brennweite kann man meistens durch näher ran gehen ausgleichen. Das bringt außerdem ein besseres Gefühl für das Motiv und man braucht nicht so lange Belichtungszeiten (bei der kurzen Brennweite). Lichtstärke kann man nicht ersetzen. Dabei geht es neben der Belichtung auch größtenteils um Freistellung (Motiv scharf, Hintergrund unscharf). Deshalb ist neben der universellen Kitoptik ein 35 1.8 oder ein 50 1.8 eine Empfehlung für Anfänger (Fortgeschrittene und Profis verwenden sie sowieso).

    1. Christian Hilleke
        März 25, 2016 at 7:40 PM
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      Inhaltlich richtig, aber wenn ich das lese, fällt mir nur „hoch vom Dach scheißt der Rabe“ ein!
      Es gibt eben zahlreiche Situationen (z.B. Sport- und andere Veranstaltungen, Tier- und Naturfotografie), wo man einfach nicht dichter herankommt.
      Da kann man natürlich anschließend einen Bildausschnitt machen, aber schon für die Schärfeeinstellung beim Fotografieren (Autofokus hilft nicht immer!) ist es hilfreich, das „Objekt der Begierde“ auch einigermaßen groß im Sucher zu haben.
      Und nicht jeder, der kein Profi ist und/oder keine 7000-10000€ für eine Vollformat-SLR und ein Profiobjektiv ausgeben möchte, ist deswegen ein Anfänger!
      Dass man bei 18 (oder 28 oder auch 70) bis 250 oder 300mm für 400-700€ kein hervorragendes Objektiv bekommt, dürfte klar sein.
      Man bekommt aber i.d.R. brauchbare Bilder, um seine Fähigkeiten zu verbessern und seine Vorlieben zu testen (wie weiter oben gut beschrieben).
      Also Schluss mit der Per-se-Verteufelung solcher Objektive bitte.

      1. Christian Hilleke
          März 25, 2016 at 7:42 PM
        Kommentar bewerten

        Mein Kommentar bezieht sich auf herbert-50, nicht auf den Ursprungsartikel, den ich inhaltlich sehr gut finde.

      2. Norbert Eßer
          März 25, 2016 at 9:12 PM
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        Ich stimme (emotional) zu, optische Brennweite ist heute (keine Ahnung was die Ingenieure noch aus den Hut zaubern) noch knapp besser als der spätere Zuschnitt im Foto. Auch wenn man trizilliarden Pixel hat, der Sucher bestimmt eben auch das gewollte Foto. Aber was heute schon Kompaktkameras an „echter“ Brennweite liefern ist grandios. Siehe zum Beispiel die Nikon P900 (https://duckduckgo.com/?q=Nikon+P900&t=ffsb&ia=videos)

        Ich hätte gerne sowas zum ausprobieren. Und mal nicht viele Kilo rumschleppen hätte ja auch was feines.

        Grüße
        Norbert Eßer (Autor der Fotoschule)

        P.S.
        Frohe Ostern an alle unseren Schüler, Lesern und sonstige Besucher und viel Spaß an unserem gemeinsamen tollem Hobby, Interesse und Beruf

    2. Rehes
      Reinhold Seher
        Oktober 6, 2017 at 6:38 PM
      Kommentar bewerten

      Ich würde mir lieber ein gutes (teureres) Zomm zBsp 20 -70 f2,8 kaufen als viele Einzelopjektive die in der Summe gesehen auch nicht billiger sind.

  12. Pingback: Urlaubsfotografie: Das nehme ich auf Reisen mit -

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