Objektive – neu gegen alt – günstig gegen teuer – ein etwas anderer Vergleich

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
Gleich vorweg: Es geht hier nicht um Kaufberatung oder um einen wirklichen Vergleich.

Wir möchten Dir einfach in einem direkten Vergleich zeigen, wo die Unterschiede zwischen Objektiven liegen. Du wirst in diesem Artikel sehen, wo die Unterschiede bei vergleichbaren Objektiven liegen und warum diese Unterschiede oft gar keine Rolle spielen.

Daher vergleichen wir zusammen mit Dir die Fotos, die mit verschiedenen Objektiven, aber immer derselben Kamera von immer demselben Motiv gemacht wurden, bei identischen Lichtbedingungen.

Die Konkurrenten

Es treten fünf Objektive gegeneinander an, die unterschiedlicher nicht sein können:

  • Canon EF-S 55-250mm 4,0-5,6 IS II (ca. 200€)
  • Canon EF-S 18-135mm 3,5-5,6 IS STM (ca. 400€)
  • Canon EF 135mm 2,0 L USM (ca. 1.000€)
  • Sigma 70-200mm 2,8 EX DG HSM (alte Version, ca. 800€)
  • Photavit 135mm 2,8 M42 mit Adapter auf EF (Flohmarkt 5€)

Falls Du die Auswahl der Objektive etwas schräg findest, dann können wir bestätigen: Ja, sie ist etwas schräg und vielleicht sogar etwas unfair.

Aber am Ende des Artikels wirst Du verstehen, warum wir es genau so gemacht haben.

Die Auswahl ist insofern nicht ganz zufällig, da alle diese fünf Objektive eins gemeinsam haben: sie haben eine Brennweite von 135mm fest oder 135mm liegen innerhalb des vorhandenen Zoombereichs. Und daher werden wir in diesem Artikel alle fünf Objektive bei genau dieser Brennweite verwenden und vergleichen.

Als Kamera stand eine EOS 7DII auf dem Stativ, die derzeit leistungsfähigste DSLR aus dem Segment der APS-C Kameras von Canon. Aber gleich vorweg: die Ergebnisse, die Du sehen wirst und die Schlüsse daraus lassen sich 1:1 auch auf andere Marken wie Nikon, Pentax und Co übertragen.

Der erste Vergleich

Für den ersten Vergleich haben wir mit jedem Objektiv mit identischen Einstellungen fotografiert.

Immer 1/400 sek. mit f/5,6 und ISO 100. Blende 5,6 haben wir gewählt, damit alle Objektive die gleiche Blende verwenden. Bei dem EF-S 18-135 ist f/5,6 die größte verfügbare Blende.

Schau Dir die nachfolgenden Bilder erst einmal in Ruhe an und vergleiche sie miteinander, bevor Du Dir anschaust, welches Foto von welchem Objektiv stammt. In der Größe, in der die Fotos hier in dem Beitrag dargestellt werden (Sie sind gegenüber den Originalen deutlich verkleinert) wirst Du praktisch keinen Unterschied erkennen. Es gibt einen kleinen Ausreißer, den wir Dir aber noch erläutern werden.

Dass die Bildausschnitte sich ein klein wenig Unterscheiden, liegt daran, dass sich an den Zoom-Objektiven die Brennweite nur ungefähr einstellen lässt. 135mm genau zu treffen ist eher Zufall. Für die Bildaussage selbst, sollten die kleinen Unterschiede im Ausschnitt jedoch keine Rolle spielen.

Nun zur Auflösung: Die Fotos in der kleinen Galerie sind in derselben Reihenfolge entstanden, wie die Aufzählung der Objektive zu Beginn dieses Beitrages. Die ersten drei Fotos dieser kleinen Reihe sind also tatsächlich praktisch nicht zu unterscheiden (in dieser Größenansicht), das vierte Foto von dem Sigma ist etwas heller und der Hintergrund ein wenig unschärfer, das fünfte Foto hat etwas kältere Farben und ist einen Tick dunkler.

Woran liegen diese Unterschiede?

Ältere Sigma-Objektive neigen dazu insgesamt etwas „weicher“ abzubilden, was zu der etwas höheren Unschärfe des Hintergrundes führt und auch die Gesamtschärfe reduziert. Zudem neigen diese Objektive eher zu einer leichten Überbelichtung, die sich aber einfach korrigieren lässt, indem Du zum Beispiel eine kleine Belichtungskorrektur von -1/3 oder -2/3 EV einstellst.

Das fünfte Foto ist etwas dunkler und etwas kälter. Das Photavit-Objektiv kann nicht mit der Kamera kommunizieren.

Wenn Du so ein Objektiv verwendest, musst Du alles von Hand einstellen, die Blende und auch die Schärfe. Zur Scharfstellung nutzt Du am besten das Livebild und die Lupenfunktion, dann geht es – ein Stativ vorausgesetzt – sehr genau. Dies solltest Du noch bei Offenblende machen. Die Blende stellst Du am Objektiv selbst ein. Sobald Du die Schärfe eingestellt hast, musst Du die Blende am Objektiv auf den gewünschten Wert schließen. Erst dann kannst Du die Belichtung messen. Dazu solltest Du die Zeitautomatik (A oder Av) verwenden, denn nur dort funktioniert die Arbeitsblendenmessung.

Je weiter Du die Blende schließt, um so dunkler wird der Sucher und der Belichtungsmesser bekommt immer weniger Licht.

Da er aber für Belichtungsmessung bei Offenblende ausgelegt ist, kann es bei der Messung zu kleinen oder größeren Abweichungen kommen, die Du dann manuell korrigieren musst. Der Farbstich in die kühleren Farben liegt vermutlich darin begründet, dass die Linsen dieses alten Objektivs nicht vergütet sind (Das Objektiv ist vermutlich um die 50 Jahre alt). Die fehlende Vergütung lässt das UV-Licht durch, der Farbstich ist garantiert.

Der Vergleich im Detail

Du hast gesehen, dass ein Vergleich von Fotos bezüglich der Abbildungsqualität wenig Sinn macht, wenn Du die Fotos vorher auf Bildschirmgröße verkleinerst. Natürlich werden dann auch etwaige Bildfehler verkleinert und sind dann kaum bis gar nicht mehr sichtbar. Wir haben daher aus den Fotos Ausschnitte gemacht, die in der Vergrößerung 100% entsprechen. Die Ausschnitte sind 800 x 800 Pixel groß.

Wir haben einmal einen Ausschnitt aus dem Bildzentrum gemacht, also die Stelle, auf die fokussiert wurde. Die Bildmitte sollte immer die beste Qualität eines Objektives bieten. Und wir haben einmal einen Ausschnitt aus dem Randbereich der Fotos gemacht. In diesem Bereich werden Bildfehler eher sichtbar.

 

 

Du solltest Dir die Ausschnitte auf jeden Fall in Ruhe in groß ansehen. Wir haben diesmal Ausschnitte aus Fotos gemacht, die mit einer Blende f/8 aufgenommen wurden. Bei dieser Blende sollte in etwa die höchste Schärfe am Punkt der Fokussierung erreicht werden.

Wir haben selbst die Fotos sehr genau unter die Lupe genommen und haben fast keine relevanten Unterschiede zwischen den Fotos feststellen können.

Besonders erstaunlich finden wir, wie gut sich die alte Linse vom Flohmarkt bezüglich Abbildungsqualität und Schärfe schlägt. Das Sigma ist nach wie vor einen Ticken weicher, aber nicht im wesentlichen Umfang und – dies ist ein sehr subjektiver Eindruck – das EF 135 ist geringfügig schärfer, als die anderen Aufnahmen.

In Summe finden wir aber sehr wenige Unterschiede in der Bildqualität und keine, die nur aufgrund dieser Art Foto den Mehrpreis eines Objektives wirklich rechtfertigen würden.

 

Jetzt solltest Du nochmal ausgiebig die Ausschnitte aus dem Bildrand vergleichen. Achte vor allem auf die Kontrastkanten an dem silbernen Ring in dem schwarzen Samt. Wenn Du genau hinsiehst, wirst Du auf einigen Bilder purpurne und grüne unscharfe Linien an den Kontrastübergängen sehen.

Es handelt sich bei diesem Bildfehler um die chromatische Aberration.

Sonnenlicht setzt sich aus verschiedenen Lichtfarben (Wellenlängen) zusammen, Du kennst das sicher durch den Regenbogen. Je nach Wellenlänge wird das Licht unterschiedlich gebrochen und gerade im Randbereich verschieben sich die Farben ein wenig gegeneinander und ergeben so diese Farbsäume. Je weiter am Rand und je härter die Kontrastkante, um so stärker sind die Fehler zu sehen.

Im dunklen Teil der Kontrastkante findet die Verschiebung auch statt, sie ist aber nicht sichtbar, das schwarz überlagert den Farbfehler. Hier werden nun schon deutlicher Unterschiede zwischen den Objektiven sichtbar. Das EF 135 L zeigt praktisch keine Farbfehler, die anderen Objektive schon. Dies liegt daran, dass in dem EF 135 L spezielle Glassorten die Brechungsfehler korrigieren. Diese Glassorten sind sehr teuer, daher ist dieses Objektiv auch so teuer.

Aber auch dieser kleine Unterschied in den Farbfehlern rechtfertigt sicher nicht die großen Preisunterschiede.

Die Schlussfolgerung

Du hast an den einfachen Beispielen erkannt, dass in vielen Fällen auch einfache Objektive zu günstigen Preisen durchaus ansprechende Qualität liefern können. Du stellst Dir jetzt sicher die Frage, wo denn nun der Unterschied zwischen den Objektiven besteht, der diese Preisunterschiede rechtfertigt. Wir haben Dir daher für die hier verwendeten Objektive in einer kleinen Auflistung die Unterschiede transparent gemacht:

  • Canon EF-S 55-250mm 4,0-5,6 IS II (ca. 200€)

Bei diesem Objektiv handelt es sich um ein KIT-Objektiv des erweiterten KITs, das meist zusammen mit einem EF-S 18 – 55mm verkauft wird. Es ist fast komplett aus Kunststoff (inklusive Bajonett) und hat einen Bildstabilisator. Es fokussiert relativ gemächlich und geräuschvoll und ist nicht gegen Witterungseinflüsse geschützt. Beim Zoomen verändert es seine Länge deutlich. In einigen Bereichen der Brennweite verzeichnet es sichtbar, das heißt gerade Linien werden gebogen dargestellt, wenn sie nicht durch die Mitte laufen. Es ist nur für Kameras mit kleinem Sensor (APS-C) geeignet und ist ein reines Telezoom. Chromatische Aberrationen sind kaum korrigiert.

  • Canon EF-S 18-135mm 3,5-5,6 IS STM (ca. 400€)

Dieses Objektiv gibt es auch im KIT mit den gehobenen Kameramodellen und ist unter den KIT-Objektiven ein Allrounder, denn es deckt von Weitwinkel bis leichtem Tele den Alltagsbedarf ab. Es bildet besser ab, als das 55-250. Es hat schon ein Metallbajonett und fokussiert dank STM schnell und leise und ist damit auch für Videoaufnahmen mit Autofokus sehr gut geeignet. In den Grenzbereichen verzeichnet es auch und ist etwas größer und schwerer als das 55-250. Es ist nur für Kameras mit kleinem Sensor (APS-C) geeignet.

  • Canon EF 135mm 2,0 L USM (ca. 1.000€)

Die L-Serie ist die Profiserie von Canon. Das 135 mm gilt als die schärfste Linse unter den verfügbaren Objektiven dieser Serie. Es bildet Kontraste sauber und die Farben sehr natürlich ab. Es ist zu großen Teilen aus Metall gefertigt und daher auch recht schwer. Es ist eine Festbrennweite, daher kannst Du nur den Turnschuhzoom benutzen (Entfernung zum Motiv verändern). Die Bildfehler sind sehr gut korrigiert. Der Autofokus (Ultraschall) ist sehr schnell (der Schnellste in diesem Vergleich), er ist komplett lautlos. Das Objektiv ist gegen Witterungseinflüsse (Staub und Spritzwasser) abgedichtet und sehr robust. Es kann auch an Kameras mit großen Sensor (Kleinbildformat) verwendet werden. Es ist um drei Blendenstufen lichtstärker als die beiden Objektive zuvor, kann also mit erheblich weniger Licht noch gut arbeiten.

  • Sigma 70-200mm 2,8 EX DG HSM (alte Version, ca. 800€)

Die EX-Serie von Sigma ist die alte Profiserie, die inzwischen von den Serien Art und Sport abgelöst wurde. Das Objektiv fokussiert schnell, hat in der alten Serie allerdings eine recht große Serienstreuung. Es ist sehr groß und schwer. Es ist recht lichtstark aber bei Offenblende sehr weich in der Abbildung. Die neuen Serien sind dort wesentlich besser.

  • Photavit 135mm 2,8 M42 mit Adapter auf EF (Flohmarkt 5€)

Es ist seinen Preis wert. Aber Du musst Dir klar sein: Es ist alles manuell. Die Schärfe muss manuell eingestellt werden und ebenso die Blende. Und Du brauchst einen passenden Adapter. Es hat nur eine feste Brennweite, ist dafür aber recht lichtstark und bildet erstaunlich scharf ab. Für Schnappschüsse und bewegte Motive ist es daher nicht geeignet, ein Stativ ist Pflicht. Wer Spaß an der langsamen Fotografie hat, kann damit glücklich werden. Es ist auch für Kleinbild geeignet.

Fazit:

Du hast fünf völlig unterschiedliche Objektive kennen gelernt, die alle dieselbe Aufgabe gestellt bekamen und sie im Grunde alle gemeistert haben. Wichtig ist uns, dass Du für Dich mitnimmst:

Es ist bei den Entscheidungen für einen Objektivkauf nicht immer nur die reine Bildqualität wichtig.

Für den fotografischen Alltag liefern fast alle Objektive gute Qualitäten mit. Wichtig ist, dass Du Dir Gedanken machst: Wo will ich das Objektiv verwenden, was möchte ich damit fotografieren?

Je nach Verwendung kann die Lichtstärke wesentlich sein, die Schnelligkeit des Fokus, die Flexibilität des Zooms, aber auch das Gewicht kann zum Beispiel auf Reisen entscheidend sein. Die Schlussfolgerungen aus diesem Artikel lassen sich in weiten Teilen auf alle anderen Marken übertragen. Wir sind sicher Dir mit diesem Artikel ein erstes Hilfsmittel an die Hand gegeben zu haben, eigene Entscheidungen besser treffen zu können.

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2 Kommentare

  1.   Dezember 12, 2016 at 7:23 PM
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    Schöne informativer Artikel !
    Hat mir sehr weitergeholfen denn ich war auf der Suche nach einem Objektiv für meine Nikon Kamera. Allerdings wusste ich nicht genau ob ich mir eine günstige oder ein teueres Objektiv zulegen sollte. Schließlich bin ich ein relativer Neuling in der Fotoszene ;) Nun werde ich mir ein etwas teureres Objektiv zulegen ,denn so ein Objektiv ist eine eher langfristige Investition.
    Danke für Ihre ausführliche Beratung
    LG
    Hendrik

  2. Ingo
      Juli 25, 2016 at 5:26 PM
    Kommentar bewerten

    Es gibt noch einen Faktor der in Tests fast nie berücksichtigt wird.
    Es ist die Gegenlichtempfindlichkeit, das Verhalten des Objektiv bei Gegenlicht.
    Meine M42 Objektive reagieren bei Lichtquellen die direkt ins Objektiv fallen mit starken Reflexionen, wenn man dies wünscht ist es die richtige Linse!
    Neben den Reflexionen können die Aufnahmen durch das Gegenlicht auch flau/kontrastarm werden.
    Wer diese Effekte nicht wünscht, sollte die alte Regel „Nicht in das Licht fotografieren.“ beherzigen.

    Wenn man schöne Blendsterne haben möchte sind die alten Linsen mit 5 oder 6 Blendenlamellen, die dann eine eckige Blendenöffnung ergeben, meine erste Wahl.

    Bei Licht im Rücken (direkt beleuchtetes Objekt) konnte ich bei gleichem Abbildungsmaßstab kaum ein Unterschied zwischen
    M42 Pentacon 50 mm 1,8 1978 bis ca. 1985
    M42 Vivitar 28 mm 2,8 1979
    und dem
    Tamron SP 35 mm 1,8 2015
    an einer EOS D500 feststellen.
    Zwischen dem „Altglas“ und dem Tamron liegen bei Gegenlicht – Welten!

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