Einführung in die Makrofotografie: Die Grundlagen

Einführung in die Makrofotografie Teaser

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Makrofotografie fasziniert viele Fotografen. Gerade für Einsteiger bietet die Makrofotografie die Möglichkeit, sich viele wunderschöne Motive zu erarbeiten, die ihre Faszination in der Vergrößerung finden und den Betrachtern Ansichten bieten, die mit dem bloßen Auge nicht zu erschließen sind. Wir haben in der Fotoschule schon den einen oder anderen Artikel zu diesem Thema verfasst und finden, dass es nun an der Zeit ist, das Thema Makrofotografie in einer kleinen Serie systematisch zu betrachten und zu erarbeiten.

Was erwartet Dich also in dieser Serie?

  • Du wirst die Grundbegriffe lernen, die nötig sind, um Makrofotografie technisch zu verstehen.
  • Du wirst lernen mit der Schärfe umzugehen.
  • Du wirst Methoden kennenlernen, um die Schärfentiefe zu vergrößern.
  • Wir werden Dir alternative Möglichkeiten zeigen, wie Du fokussieren kannst, ohne den Abbildungsmaßstab zu verändern.
  • Wir werden Dir zeigen, wie Du Makrofotos ausleuchten kannst.
  • Am Ende der Serie wirst Du die Unterschiede der verschiedenen Objektive kennen und damit eine eindeutige Hilfe für Deine Einkaufsliste haben.
  • Wir werden Dir aber auch alle gängigen Methoden zeigen, wie Du auch ohne teure Makroobjektive zu ganz tollen Makrofotos kommst.

Beginnen möchte ich mit den Grundlagen rund um das klassische Makroobjektiv.

Das Makroobjektiv

Du wirst auf vielen Objektiven unter anderem auch die Bezeichnung „Macro“ finden.

Leider ist es aber so, dass nicht überall, wo Makro drauf steht, auch Makro drin ist. Denn diese Bezeichnung wird dann oft ergänzt um den erreichbaren Abbildungsmaßstab, der dann nur bei zum Beispiel 1:5 liegt. 1:5 ist schon ganz gut, hat aber mit Makro noch nichts zu tun. Die wirklich ernste Makrofotografie beginnt eigentlich erst bei Abbildungsmaßstäben wie 1:1 (manchmal auch 1:2).

Was genau ist denn nun aber der Abbildungsmaßstab?

Der Abbildungsmaßstab

Manchmal herrscht ein wenig Unsicherheit, was denn der Abbildungsmaßstab genau bedeutet. Insbesondere, wenn ein Objektiv an zwei Sensorformaten (KB und APS-C) verwendet wird. Vergrößert die eine Kamera doch mehr, als die andere? Oder was steckt dahinter? Ich möchte Dir helfen ein wenig Licht in die Dunkelheit des Abbildungsmaßstabes zu bringen und verwende dazu ein einfaches Mittel: nämlich einen Zollstock.

Ein KB-Sensor hat das Format 24mm x 36mm. Bildet das Makroobjektiv an der Naheinstellgrenze im Maßstab 1:1 ab, dann bedeutet dies:

Ein Objekt, das 1 cm groß ist, wird auf dem Sensor auch in 1 cm Größe projiziert. Es findet also bei der Aufnahme selbst keine Vergrößerung statt. Die eigentliche Vergrößerung geschieht, wenn Du die Fotos ausdruckst, belichtest oder auf dem Monitor ansiehst, da Du dann ja nicht mehr das Format 24 x 36 mm verwendest, sondern deutlich größere. Und da der Sensor eine sehr hohe Pixeldichte hat, bringt er eben bei dieser Vergrößerung viele Details zum Vorschein, die das bloße Auge nicht erkennt. Und genau darin liegt die Faszination der Makrofotografie.

Links die Aufnahme 1:1 mit einer Kamera im KB-Format aufgenommen, rechts die Aufnahme mit einer APS-C-Kamera aufgenommen. Im direkten Vergleich kannst Du sehen, dass beide Kameras bei 1:1 dasselbe aufnehmen, in derselben Größe. Der große Sensor hat einfach nur mehr „drumrum“.

Das Foto des Zollstocks an der Naheinstellgrenze zeigt nun tatsächlich exakt das erwartete Ergebnis: Bei 1:1 wird ein 36 mm langer Bereich des Zollstocks abgebildet. Würde ich den Zollstock nun um 90 Grad drehen, würde er noch einen 244 mm langen Bereich abbilden. Aber ich denke, Du glaubst mir auch so, ohne dass ich dazu ein weiteres Beispiel zeige.

Die Naheinstellgrenze, an der 1:1 erreicht wird, ist übrigens definiert als Abstand des Motivs zur Sensorebene und NICHT zur Frontlinse. Der Gewinn an Abstand zum Motiv durch lange Brennweiten relativiert sich damit ein Stück weit, da lange Brennweiten eben auch lange Bauformen brauchen. Ein Bisschen hilft es aber schon.

Wenn ich jetzt nun die Kamera wechsle (von KB auf APS-C), dann bleibt die Naheinstellgrenze gleich, denn sie ist eine Eigenschaft des Objektivs und nicht der Kamera. Die Projektion auf die Sensorebene bleibt auch gleich. Auch der Abbildungsmaßstab ändert sich nicht.

Jetzt kommt aber der Trick: Der Sensor ist kleiner (nämlich rund 15 x 23 mm – markenabhänig mit kleinen Abweichungen). Mache ich jetzt ein Makrofoto in 1:1 von dem Zollstock, werden eben nur knapp diese 23 mm abgebildet, aber eben weiter 1:1.

Um zu verdeutlichen, wie die Naheinstellgrenze definiert ist, habe ich den Zollstock aufgelegt. Sie wird entlang des roten Pfeiles gemessen und zwar ab dem Punkt, wo der Zollstock beginnt. Achte auf den blauen Pfeil. Dort ist erst das Objektiv (bzw.  die Streulichtblende) zu Ende und zwischen Motiv und Ende des Objektivs verbleiben gerade mal 6 cm Abstand (Ohne Streulichtblende 13 cm). Daher relativiert sich die Angabe der Naheinstellgrenzen bei unterschiedlichen Brennweiten doch oft sehr deutlich.

Der Eindruck der stärkeren Vergrößerung entsteht wiederum erst dadurch, wenn Du das Foto vergrößerst. Bei der Vergrößerung des Fotos nimmt man meist dasselbe Format. Um auf dasselbe Format zu kommen, musst Du die Daten des kleineren Sensors aber stärker vergrößern. Mit dem Ergebnis des Eindrucks ein Makro würde an APS-C „näher“ dran erlauben. Aber wie Du jetzt weißt, ist dies ein Irrtum und sozusagen eine durch die Ausgabegröße bedingte „optische Täuschung“.

Die Lage der Sensorebene des Bildsensors wird auf vielen Kameras gekennzeichnet. Ich habe Dir das Symbol mit einem roten Pfeil kenntlich gemacht.

Brennweite und Blende

Bevor wir gemeinsam in den folgenden Abschnitten zu der praktischen Fotografie mit einem Makroobjektiv kommen, möchte ich noch auf einige technische Besonderheiten zu sprechen kommen. Ein Makroobjektiv ist fast immer eine Festbrennweite mit einer definierten Brennweite in mm. Diese Brennweite bezieht sich auf den Abstand des Linsenmittelpunktes zum Brennpunkt, indem sich alle Lichtstrahlen treffen.

Nun besteht ein Objektiv allerdings aus vielen Linsen (manchmal sogar mehr als 20), die benötigt werden, um Abbildungsfehler zu reduzieren und zu fokussieren (hierbei werden die Linsen zueinander verschoben). Jede dieser Linsen hat rein theoretisch eine eigene Brennweite. Mit der Brennweite des Objektivs ist daher die Brennweite gemeint, die sich rechnerisch aus der Summe der Einzellinsen ergibt, wenn man also theoretisch eine Linse bauen wird, die die Eigenschaften aller verbauten Linsen vereint.

Diese Brennweite gilt allerdings immer nur für die Fokuseinstellung unendlich. Liegt das Objekt näher, müssen die Linsengruppen verschoben werden. Mit dem Ergebnis, dass sich die Brennweite verändert. Bei vielen Objektiven kannst Du es daran sehen, dass der Tubus sich während der Fokussierung nach vorn oder hinten bewegt (Außenfokussierendes Objektiv). Es gibt auch Objektive mit Innenfokussierung. Im Prinzip findet hier aber dasselbe statt, indem die Linsengruppen innerhalb des Objektivs zueinander verschoben werden.

Bei größeren Entfernungen ist die Brennweitenänderung allerdings so klein, dass sie keinen wirklichen Einfluss hat (ob nun 100mm oder 98 mm spielt für das Ergebnis keine bedeutende Rolle.) Erst an der Naheinstellgrenze bei Makros verändert sich die Brennweite deutlich. Sie verdoppelt sich (näherungsweise) bei einer Darstellung von 1:1. 100 mm bei unendlich werden so zu 200 mm an der Naheinstellgrenze. Ich könnte dies jetzt über die Gegenstandsweite mathematisch herleiten, denke aber, es würde hier zu weit führen…

Für sich genommen ist die Brennweitenänderung im Nahbereich eigentlich gar kein Problem. Du merkst es nicht. Wenn da nicht die Blende wäre.

Erinnerst Du Dich an die Definition des Blendenwertes? Der Blendenwert (oder die Blendenzahl) ergibt sich aus der Division von Brennweite/Blendenöffnung. Ein typisches Makro mit 100mm Brennweite und f/2,8 Anfangsblende hat demnach eine Blendenöffnung von ca. 36 mm Durchmesser (gerundet).

Was passiert nun, wenn Du die Brennweite vergrößerst und den Blendendurchmesser nicht veränderst?

Richtig, die Blendenzahl wird größer (die Blende also bezogen auf die Brennweite und den Lichtwert kleiner). Bei 200 mm und einer Blendenöffnung von rund 36 mm hast Du nur noch eine Offenblende von f/5,6.

Die Hersteller gehen damit sehr unterschiedlich um. Bei Canon zum Beispiel wird auch im Nahbereich die nominelle Blende angezeigt. Du merkst die Veränderung nur an der Änderung der Verschlusszeit. f/2,8 bleiben also in der Anzeige weiter f/2,8.

Nikon handhabt dies anders. Im Nahbereich kannst Du dann auf einmal nur noch f/5,6 einstellen. Manche irritiert dies sehr und denken, das Objektiv sei defekt. Ich kann Dich aber beruhigen:

Nein, es ist nicht defekt, Nikon ist da nur etwas „ehrlicher“ in der Anzeige. Wie es bei anderen Herstellern ist, kann ich Dir allerdings nicht sagen.

Fazit

In diesem ersten Einführungsartikel zur Makrofotografie habe ich Dir den Abbildungsmaßstab erklärt und bin auf die Besonderheiten von Makroobjektiven eingegangen. Im nächsten Teil wird es praktischer: Hier erfährst Du, wie du bei konstantem Abbildungsmaßstab fokussierst und welches Equipment Du für die Makrofotografie benötigst.

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35 Kommentare

  1. Wilfried
      November 21, 2018 at 9:27 PM
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    Frage:
    Die Naheinstellgrenze eines Objektivs ist eine konstruktionsbedingte Größe?

    1. Martin Schwabe
        November 21, 2018 at 9:44 PM
      Kommentar bewerten

      Ja. Objektive gleicher Brennweite können höchst unterschiedliche Naheinstellgrenzen haben.

  2. Wilfried
      November 15, 2018 at 12:48 PM
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    Sehr interessant….
    Eine grundsätzliche Frage zum Abbildungsmaßstab, damit ich diese Angabe bei einem Makroobjektive verstehe:
    Der Maßstab „1:2“ bedeutet, 1 cm deinem Zollstocks sind 0,5 cm auf dem Bild, oder ?
    Danke, Wilfried

    1. Martin Schwabe
        November 15, 2018 at 1:04 PM
      Kommentar bewerten

      1:2 = 1/2x oder auch 1 cm Zollstöck werden auf dem Sensor 0,5 cm groß abgebildet.
      2:1 = 2x oder auch 1 cm Zollstöck werden auf dem Sensor 2 cm groß abgebildet.

  3.   Oktober 18, 2017 at 6:55 PM
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    Hallo
    Ich bin zwar schon ein ziemlich erfahrener Amateurfotograf, aber einiges ist mir doch erst jetzt klar geworden.

  4. Rubie
      September 8, 2017 at 10:57 AM
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    Habe mir alle eure Ratschläge gespeichert schaue sie mir nach Gebrauch an.Da ich nicht mehr die Jüngste bin und spät mit dem Fotografieren angefangen habe fällt mir manches schwer aber ihr seit eine sehr gute Hilfe vielen Dank.Liebe Grüße Rubie

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  7. Herbert Stelter
      August 19, 2017 at 12:00 PM
    Kommentar bewerten

    Nach mehreren Versuchen ,auf einem PC sowie auf einem Laptop, bin ich gescheitert diese Berichte zu speichern was in der Vergangenheit reibungslos lief.
    Ich finde diese Schulungen sehr aufschlussreich.
    Woran kann das liegen?

    MfG
    Herbert Stelter

    1. Heidi
        August 23, 2017 at 2:54 PM
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      Hallo Herbert
      Wenn du auf Mac arbeitest, kannst du den Artikel – von unten nach oben markieren – und alles rein in ein «Page»-Dokument kopieren … :-)

  8. Erwin
      August 17, 2017 at 4:45 PM
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    Kopiert: Leider ist es aber so, dass nicht überall, wo Makro drauf steht, auch Makro drin ist. Denn diese Bezeichnung wird dann oft ergänzt um den erreichbaren Abbildungsmaßstab, der dann nur bei zum Beispiel 1:5 liegt. 1:5 ist schon ganz gut, hat aber mit Makro noch nichts zu tun. Die wirklich ernste Makrofotografie beginnt eigentlich erst bei Abbildungsmaßstäben wie 1:1 (manchmal auch 1:2).
    Jetzt meine Frage: Ist ein Unterschied zwischen 5:1 und 1:5 und stellt dieser Faktor die Vergrößerung dar?
    Wenn meine Meinung falsch ist, dann habe ich den guten Artikel nicht verstanden.

    1. Cugan
      Norbert
        August 21, 2017 at 10:28 AM
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      Ja , es ist ein Unterschied:
      5:1 bedeutet am Sensor 5x so gross wie in Wirklichkeit – also fünffache Vergrößerung (echt 2mm werden 10mm am Sensor)
      1:5 am Sensor nur ein Fünftel so groß wie in Wirklichkeit (echt 10 mm werden 2mm am Sensor)

  9. Marita Calmer Stalljohann
      August 17, 2017 at 12:38 AM
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    Die Einfachheit führt zum Erfolg.

  10. Ehrhardt Mehlmann
      August 16, 2017 at 3:36 PM
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    sehr anschaulich dargestellt ich werde das ausprobiern

  11. Heinz
      August 16, 2017 at 12:41 PM
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    Sehr interessanter Bericht. Kann es sein daß dir bei der Naheinstellgrenze ein Fehler unterlaufen ist? Du hast den blauen Pfeil vorne bei der Sonnenblende als Ende des Objektives bezeichnet. Sind nicht die Linsen bzw. das Filtergewinde das Ende eines Objektives?

    Gruß Heinz

    1. Martin Schwabe
        August 16, 2017 at 1:44 PM
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      Ich wollte letztendlich nur zeigen, wie wenig schlussendlich von der Naheinstellgrenze übrig bleibt. Ich habe den Text modifiziert, das macht es dann vielleicht deutlicher.

  12. Heinz Riether
      August 16, 2017 at 8:47 AM
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    Da ich grade anfange mich mit dieser Art der Fotografie
    zu beschäftigen, kam der Artikel gerade recht.
    Hoffe die Fortsetzungen sind genau so informativ um
    sich letztendlich mit dem Thema Makrofotografie weiter auseinanderzusetzen und auch anzufangen zu fotografieren.
    Weiter so!

  13. Maxbenno
    Klaus Bunte
      August 16, 2017 at 8:08 AM
    Kommentar bewerten

    Toller Artikel Ohne Fachchinesisch. So sollten die Fortsetzungen auch geschrieben werden. Ich bin begeistert.

  14. Dieter Obert
    Dieter Obert
      August 16, 2017 at 1:03 AM
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    Sehr sinnvoll und fachlich gut!

  15. Kleinsorge, Reinhard
      August 16, 2017 at 12:03 AM
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    Artikel hat mir ausgezeichnet gefallen.

  16.   August 15, 2017 at 9:19 PM
    Kommentar bewerten

    Ist wohl alles soweit richtig, was hier dargestellt wird. Ich frage mich lediglich, ob es – zumindest in dieser Ausführlichkeit – wirklich WICHTIG ist, um Makrofotografie PRAKTISCH ANWENDEN zu können. Nach meinem Dafürhalten ist es das NICHT. Deswegen hätte ich mir MEHR PRAXISBEZUG gewünscht; auch schon in diesem ersten (quasi) „Einführungsteil“…

    1. Martin Schwabe
        August 16, 2017 at 10:55 AM
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      Hallo Rainer,

      große Teile solcher Artikel basieren auf Fragen, die Anwender in diversen Fotoforen und Gruppen gestellt haben, da diese Fragen gestellt werden, haben sie für viele offensichtlich eine Relevanz.

      1. Rubie
          September 8, 2017 at 10:53 AM
        Kommentar bewerten

        Habe mir alle eure Ratschläge gespeichert schaue mir die ratschläge immer gezielt an so wie ich sie nutze.Da ich nicht mehr die Jüngste bin und spät mit dem Fotografieren angefangen habe dauert bei mir alles atwas länger.Aber vielen Dank habe schon viel gelernt.
        Viele Grüße Rubie

  17. Andreas Ludwig
      August 15, 2017 at 8:09 PM
    Kommentar bewerten

    Super Erklärung. Als reiner Hobbyknipser war das echt interessant und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

    Gruß Andreas

  18. Jürgen Sonnemeyer
    So
      August 15, 2017 at 7:53 PM
    Kommentar bewerten

    „Erst an der Naheinstellgrenze bei Makros verändert sich die Brennweite deutlich. Sie verdoppelt sich (näherungsweise) bei einer Darstellung von 1:1. 100 mm bei unendlich werden so zu 200 mm an der Naheinstellgrenze. Ich könnte dies jetzt über die Gegenstandsweite mathematisch herleiten, denke aber, es würde hier zu weit führen…“
    Ich bitte darum!
    So kann ich das nicht verstehen. Die Bildweite wird im Nahbereich deutlich größer, aber die Brennweite bleibt konstant. Ganz deutlich wird dies bei Makroaufnahmen mit Zwischenringen.

    1. Martin Schwabe
        August 16, 2017 at 12:21 PM
      Kommentar bewerten

      Moin,

      ich versuche es mal zu erklären.

      Die ganzen optischen Rechnungen beziehen sich immer auf einlinsige Systeme (was im Grunde eine ziemliche Krücke ist). Wenn Dein Makro 100 mm Brennweite hat, dann ist dies eine rein rechnerische Angabe, bei der man das Dutzend Linsen in Deinem Makro auf eine Linse runtergerechnet hat.

      Die Brennweite einer Einzellinse bezeichnet den Abstand des Brennpunktes zur Hauptebene der Linse, der entsteht, wenn unendlich entfernte Objekte fokussiert sind. In diesem Brennpunkt liegt der Bildsensor. Nun kannst Du den Bildsensor ja nicht verschieben, aber die Linse davor.

      Je näher das Objekt ist, um so weiter musst Du die Linse vom Sensor weg verschieben in Richtung Objekt, damit der Sensor scharf sieht. Bei 10 Meter Abstand des Objekts oder 100 Meter sind diese Verschiebungen so klein, dass man weiter näherungsweise von 100 mm Brennweite sprechen kann. Im Nahbereich werden die Verschiebungen aber sehr groß und entsprechen eben bei 1:1 einem verdoppelten Abstand der Linse zum Bildsensor.

      Ältere Makrokonstruktionen haben daher einen enormen Auszug, wenn Du an die Naheinstellgrenze gehst. Die Verdoppelung der Brennweite (als Wert der effektiven Brennweite) ist daher eine rechnerische Krücke bezogen auf die Lichtausbeute im Nahbereich. Die Verdopplung der Brennweite entspricht dem Lichtverlust von 2 Blenden (was Du im Ergebnis dann im Nahbereich hast)

      Das bei modernen Makroobjektiven insbesondere mit Innenfokussierung die ganze Sache anders gelöst wird, steht auf einem anderen Blatt, dort wird im Nahbereich die effektive Brennweite sogar verkürzt, es bleibt aber eben bei dem Lichtverlust im Bereich von 2 Blendenstufen.

      Ich arbeite gerade an einem Artikel, wo ich einen klassischen Balgen an eine DSLR gebaut habe, um zu zeigen, wie man damit Makros machen kann, dort wird es dann klarer.

      1. Rubi
        Michael Rubitschka
          August 16, 2017 at 3:07 PM
        Kommentar bewerten

        Ich glaube sie meinen das Fokusbreathing ?
        Das Problem ist dass die Brennweite bei nahe unendlich gemessen wird. Ich bin aber davon ausgegangen dass dies nur ein Problem bei Zoom Linsen ist ?

      2.   August 17, 2017 at 7:39 PM
        Kommentar bewerten

        Hallo Martin
        Erst mal (nach Rhetorikkurs 1) das Lob: Guter Artikel gut verständlich. Jetzt die Kritik/Korrektur: Die Brennweite eines Objektivs oder einer Linse bezeichnet den Abstand der Fokusebene von der (bei Objektiven theoretischen bzw fiktiven) Linsenebene, oder anders ausgedrückt- Blende, da die ja zweckmäßigerweise (soll ja nicht abgebildet werden) genau da sitzt und ist damit fest. Unter Fokusebene bezeichne ich hiermit die Ebene, auf der parallel einfallende Lichtstrahlen auf einen Punkt projiziert werden und ist nur bei Zoomobjektiven veränderbar.
        Die Entfernungseinstellung ist im Prinzip nur eine Verschiebung der Objektivlinsen vom Sensor weg, wodurch die Lichtstrahlen, die mehr oder weniger (je nach Einstellung) auseinanderstreben auf der Sensorebene als Punkt abgebildet werden, wenn sie von einem Punkt kommen.
        D. h. dass bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 der Abstand der Linsenebene zum Sensor gleich dem Abstand der Linsenebene zum abgebildeten Objekt ist.
        Das ist hier etwas ungenau dargestellt und hat offensichtlich bei einigen zur Verwirrung beigetragen.
        Trotzdem bleibt meine Bewertung des Artikels positiv. Gute Grundlage für die weiteren Beiträge zu Thema.

      3. Hugo Dönges
          August 4, 2018 at 1:13 PM
        Kommentar bewerten

        Hallo Martin,
        >entsprechen eben bei 1:1 einem verdoppelten Abstand der Linse zum Bildsensor. <
        Jetzt habe auch ich es kapiert … Danke

      4. Jürgen Sonnemeyer
        SO
          August 20, 2019 at 9:33 PM
        Kommentar bewerten

        Ich melde mich nochmal. Danke für die ausführliche Darstellung. Die Herleitung bleibst du aber schuldig, sondern du versuchst eine Erklärung. Hier erkenne ich den Fehler besser. Du verwechselst Brennweite und Bildweite. Die Bildweite verdoppelt sich, genau das liefert aber die Berechnung für eine Einzellinse. Bei Maßstab 1:1 ist b = 2 f. Deine Argumentation liefert sieht eher so aus wie eine persönlich zurechtgelegte Erklärung für den Lichtabfall. Pseudoerklärungen bringen aber nichts.
        Viktor und Michael sehen die Sache wohl richtig.
        Ich finde den Artikel insgesamt auch gut.

        1. Martin Schwabe
            August 20, 2019 at 10:53 PM
          Kommentar bewerten

          Ich halte meine Antwort ganz simpel: Wenn man solche Dinge erklärt und beschreibt, weiß man selbst, was man meint und merkt manchmal daher nicht, dass das was man beschreibt nicht das ist, was man meint (andere nennen das Wald vor lauter Bäumen), so etwas kann passieren, auch wenn es nicht passieren sollte.

          Richtig ist tatsächlich b=2f. Danke für Deinen Kommentar.

  19. herbert weilguni
      August 15, 2017 at 6:49 PM
    Kommentar bewerten

    sehr anschauliche darstellung, die aller ehren wert ist! schade, dass die beweisführung zu den 244 mm (sic!) des zollstabs nicht gemacht wurde! =;-)
    ganz klar 5 sterne!

    1. K.G.Wünsch
        September 8, 2017 at 10:43 AM
      Kommentar bewerten

      Hallo, leider hat sich da ein schwerwiegender Fehler im technischen Teil eingeschlichen. „Erst an der Naheinstellgrenze bei Makros verändert sich die Brennweite deutlich. Sie verdoppelt sich (näherungsweise) bei einer Darstellung von 1:1. 100 mm bei unendlich werden so zu 200 mm an der Naheinstellgrenze.“ ist komplett falsch.

      Was bei der Annäherung an die Naheinstellgrenze passiert sind zwei Dinge die das ganze verkomplizieren. Grundlegend aber nimmt bei allen aktuellen Makroobjektiven die Brennweite ab – und das zum Teil massiv. Beim 100mm f/2.8L IS USM von Canon bleiben ca. 70mm, beim Sigma 150mm f/2.8 DG OS HSM bleiben sogar nur ca. 95mm von der Brennweite übrig. Bei konstanter Blendenöffnung wird das Objektiv also eigentlich sogar lichtstärker (das wird aber oftmals von den Herstellern durch interne Verblendungen verhindert, weil das der Bildqualität im Nahbereich ordentlich zusetzt). Gleichzeitig wird aber der Auszug vergrössert, bei einem Abbildungsmasstab von 1:1 entspricht dieser Auszug genau der Brennweite – und der kostet genau 2 Blenden bezüglich der Belichtungszeit weil durch die doppelte Entfernung zwischen der kameraseitigen Hauptebene des Objektivs zum Sensor die Energiedichte im Quadrat der Entfernung abnimmt. Es kommt daher pro Flächeneinheit nur 1/4 des Lichtes an dass bei der Fokussierung auf Unendlich vorhanden wäre…

      Bei Kameras von jedem Hersteller ausser Nikon wird dieser Auszug nicht berückksichtigt, diese arbeiten mit der nominellen Blende. Bei Nikon dagegen wird überwiegend mit der belichtungstechnisch korrigierten Blende, der sog. effektiven Blende, gearbeitet.

      1. Martin Schwabe
          September 11, 2017 at 3:09 PM
        Kommentar bewerten

        Karl Günter, wir sind da ja gern unterschiedlicher Meinung. Ich weiß, dass Du es nicht magst, wenn ich Dinge (in Deinen Augen unzulässig) vereinfache. Aber vielen Dank für Deine Ausführungen. Evt.finde ich eine Möglichkeit sie für einen Anfänger verständlich zu formulieren ohne zu verwirren und einzuarbeiten.

      2. Jürgen Sonnemeyer
        SO
          August 20, 2019 at 9:40 PM
        Kommentar bewerten

        Sehe gerade, dass hier doch schon die richtige Erklärung für den Lichtabfall steht. Warum der Autor des Artikels sich dem nicht anschließt?
        „Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht noch einfacher“. Diese Aussage von A. Einstein gilt auch für Erklärungen.

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