Einführung in die Makrofotografie: Makroschlitten und Kaufempfehlungen

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
Nach der Vorrede und der vielen rein theoretischen Betrachtungen im ersten Teil, möchte ich nun zu der praktischen Fotografie mit einem Makroobjektiv kommen. In der Distanz ist ein Makroobjektiv eine ganz normale Festbrennweite, die Du verwenden kannst, wie jede andere vergleichbare Festbrennweite. Sie ist zwar auch etwas lichtschwächer, dafür aber sehr scharf abbildend. Mit einem Makroobjektiv hast Du also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  • Du hast eine relativ lichtstarke Festbrennweite
  • und ein Makroobjektiv.

Gewünschten Maßstab einstellen

Makroobjektive verfügen über eine Skala, die neben der Entfernung auch den bei der jeweiligen Fokuseinstellung möglichen Abbildungsmaßstab anzeigen. An dieser Skala kannst Du also den gewünschten Maßstab einstellen.

Jetzt kommt allerdings der Haken an der Sache:Wenn Du einen bestimmten Abbildungsmaßstab haben möchtest, dann kannst Du nicht mehr fokussieren.

Hast Du einen festen Abbildungsmaßstab eingestellt, solltest Du den Autofokus abstellen (also den Schieber in der Mitte in diesem Fall auf MF). Den Bildstabilisator kannst Du anlassen, wenn Du Freihand arbeitest. Auf dem Stativ schalte ihn auch ab. Mit dem oberen Schalter kannst Du den Fokusbereich begrenzen, wenn Du Freihand arbeitest, ist dies sehr hilfreich, damit Dir der Autofokus nicht ausrauscht, wenn Du vom Motiv rutscht und Du im Nahbereich bleiben willst.

Du kannst natürlich Freihand arbeiten und Dich sozusagen iterativ dem Motiv nähern, dann wirst Du in etwa auch den gewünschten Maßstab erreichen.

Bei bewegten Motiven hast Du oft keine andere Möglichkeit und Du wirst dort mit Fehlschüssen leben müssen. Ein Bildstabilisator ist in solchen Fällen extrem hilfreich.

Oder Du verwendest eine Schärfefalle (die leider nicht bei jedem Hersteller verfügbar ist). Das Thema Schärfefalle und überhaupt das Thema Schärfe und Schärfentiefe ist in der Makrofotografie sehr speziell, ich werde daher in nächster Zeit einen eigenen Beitrag schreiben, indem ich sehr umfangreich auf dieses Thema eingehen werde.

Abbildungsmaßstab bei statischen Motiven

Wenn Dein Ziel ist einen bestimmten Abbildungsmaßstab zu erzielen, dann funktioniert dies am besten bei statischen Motiven. Statische Motive sind gegenständlicher Art oder Pflanzen, aber auch Insekten, die sich eher nicht bewegen bzw. Insekten in der morgendlichen Kältestarre. Aus diesem Grund siehst Du zum Beispiel auf vielen der besten Libellenmakros kleine Wassertropfen, weil die Aufnahmen früh morgens gemacht wurden, wenn das Insekt noch in der Kühle starrer ist und sich die Luftfeuchtigkeit als Tropfen absetzen.

Insekten haben keine „Fluchtdistanz“, dies wird fälschlicherweise immer behauptet, sie reagieren aufgrund des völlig anderen Sehens mit den Facettenaugen völlig anders. Wenn Du Dich eine Fliege richtig näherst, wird sie erst sehr spät wegfliegen.

Fokussieren bei konstantem Abbildungsmaßstab

Es gibt eine andere Möglichkeit, mit der Du bei konstantem Abbildungsmaßstab sehr präzise fokussieren kannst. Du benötigst dafür ein (stabiles) Stativ und noch viel wichtiger einen Makroschlitten. Ein Makroschlitten sieht so ähnlich aus, wie eine Schnellwechselplatte, ist allerdings deutlich größer und lässt sich über eine Gewindestange nach vorn und hinten bewegen (und hat idealerweise eine Millimeterskala).

Das Arbeiten mit einem Makroschlitten

Der Makroschlitten wird zwischen Schnellwechselplatte und Kamera montiert. Nun richtest Du die Position der Kamera mit Hilfe des Stativs grob ein. Du solltest dabei die Entfernung der Naheinstellgrenze kennen. Der Makroschlitten sollte sich in einer mittleren Position befinden, damit Du genug Raum hast, ihn in beide Richtungen zu bewegen.

Nun schaltest Du das Objektiv auf manuellen Fokus (MF). Wenn vorhanden, schalte den Bildstabilisator ab. Du stellst anhand der Skala den gewünschten Abbildungsmaßstab ein. Die dabei gleichzeitige Entfernungsskala gibt Dir einen groben Anhalt, wie weit Du vom Motiv Deiner Begierde entfernt sein musst.

Achtung: Der angezeigte Abstand bezieht sich auf den Abstand Motiv zur Sensorebene und nicht zur Frontlinse!

Hast Du alles eingestellt, solltest Du das Objektiv nicht mehr anfassen. Als Blende stellst Du einen Wert zwischen f/5,6 und f/11 ein und ISO wie immer so hoch wie nötig und so niedrig wie möglich.

Mein etwas in die Jahre gekommener Makroschlitten. Er sieht nicht mehr schön aus, aber funktioniert. Vorne siehst Du die Skala zur Feinjustierung des Abstandes mit den beiden schwarzen Rändelschrauben rechts und links. Oben die Schraube in Messing dient zur Arretierung des Schlittens und der Hebel zu schnellen und groben Verstellung um mehrere Zentimeter.

Um nun zu fokussieren, musst Du entweder das Livebild auf dem Monitor nutzen (sofern das Umgebungslicht es zulässt) oder aber den Sucher (möglichst ohne beim Durchschauen die Kamera zu berühren). Die Scharfstellung erfolgt über die Stellräder/-knöpfe am Makroschlitten.

Für eine präzise Scharfstellung kannst Du die Lupe des Livebilds nutzen oder das Fokuspeaking (sofern vorhanden) oder aber die Schärfeanzeige im Sucher (bei Canon ist dies unten rechts ein grüner Punkt)

Der Makroschlitten wird zwischen Kamera und Schnellwechselplatte gesetzt. Fokussierung erfolgt jetzt über den Makroschlitten. Durch die Montage an der Stativschelle kannst Du das Format wechseln, ohne den Bildausschnitt zu verlieren.

Du verschiebst die Kamera auf dem Makroschlitten solange, bis idealerweise die maximale Schärfe erreicht ist und löst dann aus (idealerweise mit Fernauslöser und ggf. mit Spiegelvorauslösung) und voilà, Du hast ein scharfes Foto mit dem von Dir exakt gewünschten Abbildungsmaßstab.

Damit schließe ich den praktischen Teil. Du findest diesen ersten praktischen Teil sehr kurz? Ja das trifft zu, da aber noch viele Teile folgen werden, die sich auch speziell mit Schärfe, Licht und Bildkomposition beschäftigen und vor allem mit wirklich spannenden Alternativen zum Makroobjektiv, wirst du im Laufe des „Makrospezials“ noch viel weitere praktische Tipps bekommen.

Kein ideales Bild, es hätte mehr Licht gebraucht (aber das zeige ich Dir noch), aber es zeigt, wie es funktioniert. Der Käfer war kaum über einen Millimeter groß)

Welches Makro soll ich kaufen?

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Worte verlieren zum Thema: Welches Makro soll ich kaufen?

Typische Brennweiten, die als (echte) Makroobjektive angeboten werden, bewegen sich bei 60mm, 90mm, 100 (105) mm und 180 mm. Meistens haben diese Objektive eine Anfangsblende von f/2,8 (manchmal etwas besser, manchmal etwas schlechter). Jeder Produzent von Objektiven hat auch Makros im Angebot. Egal ob Canon, Nikon, aber auch Sigma, Tamron und Co. und alle bewegen sich in etwa in denselben Brennweitenbereichen. Die Preisspanne liegt im Bereich von ca. 400 – 1.000€.

Ich habe nicht alle Objektive besessen und nicht alle getestet, aber viele davon. Von den anderen habe ich nur Gutes gehört von Menschen, denen ich ein Urteil zutraue.

Mein Fazit: Du kannst beim Kauf eines echten Makros im Grunde keinen Fehler machen. Sie sind alle gut.

Die Preisunterschiede finden sich im Markenzuschlag, im Bildstabilisator, abgedichtet oder nicht, Ultraschall-AF ja oder nein und in ähnlichen Gründen, die aber mehr auf den Komfort abzielen und weniger auf die erreichbare Qualität des Fotos.

Wenn Du Dich für einen Kauf entscheidest, dann solltest Du die Marke außen vorlassen, sie spielt in diesem Segment keine wirkliche Rolle. Das wichtigste Kriterium ist in meinen Augen die Brennweite, denn die bestimmt den Arbeitsabstand. Ich selbst nutze primär ein 100 mm (an beiden Sensorformaten). Meistens passte es perfekt, selten ist es zu lang.

60mm sind mir deutlich zu kurz und 180mm haben ihren Reiz, aber auf Dauer mag ich bei meinen Motiven nicht auf der Leiter stehen, um sie ins Bild zu bekommen, damit sind 100 mm für mich der beste Kompromiss. Finde also für Dich zuerst heraus, welche Brennweite zu Dir passt. Wenn Du die gefunden hast, schau, wie viel Budget Du zur Verfügung hast und dann (und zwar nur dann) entscheide, ob Du noch ein wenig über hast für die Komfortfunktionen (zum Beispiel Bildstabilisator, Innenfokussierung oder Abdichtung).

Fazit

Du hast einige Grundlagen zur Funktion und Aufbau von Makroobjektiven vermittelt bekommen. Ich habe Dir eine alternative Möglichkeit der Aufnahme getreu dem Abbildungsmaßstab und der Fokussierung gezeigt und einige Tipps zum Kauf gegeben. Damit sind die wichtigsten Grundlagen für die folgenden Artikel dieser Reihe gelegt.

Was erwartet Dich?

Ich werde ausführlich zum Thema Schärfe und Schärfentiefe schreiben und Dir Verfahren wie das Fokusstacking vorführen. Ich werde Dir Tricks zeigen, wie Du mehr Licht ins Spiel bringst. Und ich werde Dir zeigen, wie Du Makro auch anders aufnehmen kannst und Dir erklären, wie Du mit dem entsprechenden Zubehör umgehen musst, damit Du auch ohne Makroobjektive die Welt der Makrofotografie erschließen kannst.

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12 Kommentare

  1. Wilfried
      Dezember 7, 2018 at 3:21 PM
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    Ich habe mich ein bisschen in die Makro-Fotographie eingearbeitet.
    Auch einige „Makro“-Bilder habe ich versucht.
    In Deinem Artikel oben gibt es einen Absatz: „Welches Objektiv soll ich kaufen“. Es sollte doch eines sein mit einer möglichgst geringen Nahbereichsgrenze? Sonst werden die Motive einfach nicht groß genug.

  2. Wilfried
      November 13, 2018 at 10:04 AM
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    Hallo,
    ich habe asl „Grennhorn“ eine Frage zum Abbildungsmaßstab.
    Wenn ich da jetzt eine Blume habe und den Stempel mit Blütenstaub fotografieren möchte, wie bestimme ich den Abbildungsmaßstab?

  3. Pingback: Einführung in die Makrofotografie: Die Grundlagen – Fotoschule

  4. spBiggi
    Brigitte
      August 31, 2017 at 1:33 PM
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    Super – ein perfekter Einstieg!
    Grüße und ich bin gespannt…

  5. Ulrich Pollmann
      August 26, 2017 at 7:35 PM
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    Hallo Martin!
    Bin erst seit kurzer Zeit in der Community und freue mich über jeden neuen Bericht. Da kann ich viel lernen und erwarte schon jetzt deinen Artikel zum Fotostacking. Mit Helicon-Focus und den Möglichkeiten mit Helicon-Remote kann man schon viel erreichen. Bin gespannt, was Du dazu schreibst.
    Ulrich

  6. Thomas
      August 26, 2017 at 7:28 PM
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    Ich finde den Artikel etwas konfus und inkonsistent. Mal soll man den Autofokus ausschalten, dann soll man wieder dessen Fokusbereich einschränken.
    Ich persönlich verlasse mich lieber auf den Autofokus, denn der Sucher und das Display sind bzgl. der Schärfe schlecht einzuschätzen. Fokuspeaking wär eine Alternative, aber soweit ich weiß nur bei Sony verfügbar.

    1. Eifelfee
      Heike
        August 27, 2017 at 11:13 AM
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      Focuspeaking ist auch bei Fuji verfügbar.

  7. Werner Painsy
      August 26, 2017 at 9:20 AM
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    Hallo Martin!
    Super Artikelserie! Ich habe gerade kameraseitig auf ein Canon EOS 5MK4 aufgerüstet und aus der Vergangenheit ein Canon 100 2,8 Makroobjektiv (nicht das L). Reicht die Qualität des Objektivs auch fürs Vollformat?
    LG
    Werner

  8. Klaus Spielbüchler
      August 26, 2017 at 12:42 AM
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    hallo Martin,
    danke für deine Makro-Infos.
    In den letzten Tagen habe ich einiges an Makros fotografiert (Canon EOS 70D und EF 100) und leider immer wieder feststellen müssen, dass ich es nicht schaffe, das ganze Motiv (hauptsächlich Fliegen, Wespen, Raupen…) nur im Detailbereich scharf fotografieren kann und es nie schaffe, dass ganze Motiv scharf abbilden kann.
    ich freue mich auf deine tipps :-)
    lg Klaus

    1. Hans Bächtold
        August 26, 2017 at 11:41 AM
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      Hallo Klaus
      „stacking“ ist die Lösung und dann mit dem Helicon Stacking Programm fertigstellen.
      Gruss
      Hans

  9. Helmut Wunder
      August 25, 2017 at 7:19 PM
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    Hinweis auf die Größe 100, hier habe ich ein Leica Objektiv und benutze dies.

  10. thoma
      August 25, 2017 at 6:50 PM
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    sehr gut und verständlich und weiterso…

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