Makrofotografie von Insekten: Käfer im Abflug fotografieren

Makrofotografie Käfer im Abflug fotografieren

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Der Frühling hat begonnen und es gab schon die ersten wirklich schönen warmen Tage mit viel Sonne. Deshalb möchten wir Dir heute ein Thema anbieten, dass Du vielleicht schon am nächsten sonnigen Tag umsetzen kannst. Sobald es warm wird, kommen kleine rote Käfer zum Vorschein, die in Gruppen überwintert haben. Diese Information ist insofern wichtig, da wir davon mehrere brauchen werden, wie Du im weiteren Verlauf des Artikels schnell erkennen wirst. Du hast sicher schon erkannt, um welchen Käfer es heute exemplarisch geht: den Marienkäfer.

Anders als bei anderen Käfern, die rein aus Sicht des Fotografen durchaus interessant und schön anzusehen sind, hat eigentlich fast niemand Berührungsängste mit diesem Insekt. Eigentlich jeder hat als Kind diese Käfer gesammelt und sie sind ja nun wirklich putzig aussehen und beißen und stechen nicht.

Falls Du Dich fragst, wie es zu diesem Thema überhaupt kommt? Ganz einfach: Ich habe vor einiger Zeit mal ein Foto in der fotocommunity gezeigt und wurde so oft gefragt, wie ich das gemacht habe. Deshalb habe ich dieses Tutorial geschrieben. Viele Dinge, die ich für dieses Foto machen musste, lassen sich auf andere interessante Insektenmotiv, wie Spinnen, Wanzen, Hummeln usw. umsetzen.

Da zudem der Marienkäfer sehr gutmütig ist und nicht zu spontanen Fluchtreaktionen neigt und er wegen seine Nützlichkeit als Blattlausfresser und seiner possierlichen Optik sehr beliebt ist, ist er ein sehr gutes Übungsobjekt, mit dem wir uns in diesem Beitrag etwas intensiver beschäftigen wollen.

So findest Du die Käfer

So mag vielleicht Euer erstes Foto eines Marienkäfers aussehen, zufällig erwischt und eigentlich viel zu klein auf dem Bild.
So mag vielleicht Euer erstes Foto eines Marienkäfers aussehen, zufällig erwischt und eigentlich viel zu klein auf dem Bild.

Die erste Aufgabe wird es sein, die Käfer zu finden. Aufgrund der oft sehr bunten Farben, sollte es nicht schwerfallen auf Mauern, in altem Laub oder trockenem Geäst auf Marienkäfer zu stoßen. Wenn der erste gefunden ist, sind auch andere meist nicht weit. Bitte denkt aber daran: es handelt sich auch bei einem Marienkäfer um ein Lebewesen. Kein Foto ist es wert, dafür einem Tier wirklich zu schaden.

Das Problem wird sein: Oft sitzen die Käfer genau dort, wo die Umgebung eher hässlich ist und sich der gewünschte fotografische Effekt partout nicht einstellen will. Oft stimmt auch das Licht nicht und der Käfer bewegt sich so, wie Du das eigentlich nicht willst. Ich hoffe nun, mit meinen folgenden Aussagen nicht in Konflikt mit den echten Wildlifefotografen zu geraten, für die ein Naturfoto nur dann legitim ist, wenn das Objekt der fotografischen Begierde völlig unbeeinflusst seiner Wege zieht. Ich habe tatsächlich einige der Käfer vorsichtig eingesammelt. Ich habe dazu einen kleinen trockenen Ast genommen und geduldig gewartet, bis der Käfer auf den Ast gekrabbelt ist, um ihn dann an eine Stelle zu setzen, die mir eher zusagte.

Schon besser, aber der Stein gefiel mir nicht wirklich als Untergrund/Hintergrund
Schon besser, aber der Stein gefiel mir nicht wirklich als Untergrund/Hintergrund
Ein Grashalm gefiel mir, allerdings war die Schärfentiefe bei f/2,8 doch arg gering, auch wenn die "Barthaare" am Kopf ihre Wirkung haben
Ein Grashalm gefiel mir, allerdings war die Schärfentiefe bei f/2,8 doch arg gering, auch wenn die “Barthaare” am Kopf  e Wirkung haben
Blende f/5,6 war dann schon ganz brauchbar, die Schärfentiefe erfasst nun zumindest den gesamten vorderen Teil.
Blende f/5,6 war dann schon ganz brauchbar, die Schärfentiefe erfasst nun zumindest den gesamten vorderen Teil.

Die richtige Ausrüstung

Ich habe eine digitale Spiegelreflexkamera und ein Makroobjektiv (100 mm Brennweite) genutzt und mit dem mittleren AF-Feld gearbeitet. Zusätzlich habe ich die Zeitautomatik verwendet und die Blende vorgewählt (wie man sieht, war im Nahbereich f/2,8 deutlich zu knapp), um ausreichend Schärfentiefe zu bekommen.

Die Empfindlichkeit habe ich für die Bilder im Schatten (bzw. bei Bewölkung) recht hoch gewählt, um ausreichend kurze Zeiten zu erhalten. Diese Fotos sollten aber auch mit jeder Kompakt- oder Bridgekamera möglich sein, sofern die Kamera einen Makromodus hat.

Der Zufall wollte, dass ich einen Marienkäfer sah, den Du vielleicht so noch nie gesehen hast (ich bis dato auch nicht) und der aufgrund seiner völlig anderen Färbung ein kleiner Blickfang war. Diesen Käfer musste ich dann noch nicht einmal „umsetzen“, da er sich freiwillig auf das Gänseblümchen gesetzt hat. Ich fand, dass das Blümchen durchaus in die Bildkomposition passte und konnte daher etwas mehr Abstand nehmen, um beides, also Käfer und Gänseblume im Bild zu komponieren.

Drei verschiedene Kompositionen: Blüte eher rechts...
Drei verschiedene Kompositionen: Blüte eher rechts…
... oder hier den Käfer mittig mit lleicht versetzter Blüte...
… oder hier den Käfer mittig mit leicht versetzter Blüte…
... hier dagegen alles eher nach links verschoben.
… hier dagegen alles eher nach links verschoben.

Du siehst drei Aufnahmen der Serie, die alle irgendwie nicht zentriert sind, was ich übrigens bewusst so im Sucher gestaltet habe. Welche Aufnahme gefällt Dir am besten? Sie zeigen alle drei dasselbe und doch wirken sie unterschiedlich. Ich persönlich bevorzuge die ganz linke Aufnahme.

Käfer im Abflug fotografieren

Irgendwie war ich aber nicht zufrieden, ich wollte besondere Fotos haben und mich daran versuchen, die Käfer beim Abflug zu fotografieren. Der erste Versuch einfach einen Käfer zu suchen und darauf zu warten, dass er nun endlich abflog, erwies sich als ziemlich zwecklos, wäre ein reines Zufallsprodukt geworden und hätte ewig gedauert (wenn es überhaupt geklappt hätte).

Ich hatte allerdings beobachtet, dass die Käfer im Gras immer in Richtung Licht klettern, an der Spitze eines Halms verharren und dann nach kurzer Zeit starten. Ich suchte mir also eine Stelle, wo die Halme nicht so dicht standen und sammelte vorsichtig ein paar Käfer in eine Insektenbox meiner Tochter. Und ich wiederhole mich nochmal: bitte geht wirklich sorgsam mit den Käfern um.

Ich setzte einen Käfer nach dem anderen ins Gras, ließ sie klettern und versuchte den Abflug zu fotografieren. Aber auch das wollte irgendwie nicht so recht klappen.

So sah es auf meiner Speicherkarte nach kurzer Zeit aus. Käfer um Käfer aber keiner flog.
So sah es auf meiner Speicherkarte nach kurzer Zeit aus. Käfer um Käfer aber keiner flog.

Nach einiger Zeit erwischte ich dann den einen oder anderen Käfer im Abflug, aber zufrieden konnte man damit auch nicht sein.

Im Flug erwischt, aber deutlich zu spät, mit diesem Foto kann man wenig anfangen (außer als schlechtes Beispiel für die Fotoschule)
Im Flug erwischt, aber deutlich zu spät, mit diesem Foto kann man wenig anfangen (außer als schlechtes Beispiel für die Fotoschule)
Schon besser und von der Ansicht interessant, aber noch nicht wirklich gelungen
Schon besser und von der Ansicht interessant, aber noch nicht wirklich gelungen

Nach bestimmt einer Stunde erfolgloser Versuche und vermutlich inzwischen echt genervter Marienkäfer habe ich dann durch Zufall etwas beobachtet: Ungefähr eine Sekunde vor dem eigentlichen Start öffneten die Käfer immer erst einmal die Deckflügel um einen oder zwei Millimeter und verharrten dann einen Moment, um dann loszufliegen.

Diesen Moment müsst Ihr abpassen: Wenn die Deckflügel sich öffnen.
Diesen Moment musst Du abpassen: Wenn die Deckflügel sich öffnen.
Ca. 1-2 Sekunden Später fliegt er ab.
Ca. 1-2 Sekunden Später fliegt er ab.

Genau diese Momente habe ich versucht abzupassen, um dann immer kurze schnelle Serien zu machen.  Dabei stellte ich schnell fest, dass ich die Verschlusszeiten im höheren Bereich halten musste (1/320 sek. war schon knapp, 1/500 – 1/1.000 sek. waren effektiver), daher musste ich bei den ISO bis an die vertretbare Grenze der Kamera gehen (hier ISO 1.600). Das sind die Ergebnisse:

100 mm | 1/320 sek. | f/5,6 | ISO 1.600
100 mm | 1/320 sek. | f/5,6 | ISO 1.600
100 mm | 1/500 sek. | f/8 | ISO 400
100 mm | 1/500 sek. | f/8 | ISO 400

Ich finde diese Ergebnisse ganz ordentlich und vorzeigbar. Leider fehlt dem Käfer auf der linken Seite ein Teil des Flügels, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sich die Flügel derart groß entfalten würden und habe daher kurz entschlossen in der Bearbeitung das Format geändert, damit fällt in meinen Augen der fehlende Flügelteil nicht mehr so ins Gewicht:

04_Introbild

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3 Kommentare

  1. Pingback: Die fantastische Welt der Makrofotografie: Tiere und Insekten – Fotoschule

  2.   Januar 13, 2017 at 10:41 PM
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    Hallo Martin!
    Ist ein schöner Artikel, auch die Bilder gefallen. :)
    Ich denke ich werde deinen Workflow mal ausprobieren!
    Hast du schonmal zu deinem Macroobjektiv Zwischenringe verwendet?
    Wie sind deine Erfahrungen?

    Gruß Manuel

  3.   Januar 13, 2017 at 10:40 PM
    Kommentar bewerten

    Hallo Martin!
    Ist ein schöner Artikel, auch die Bilder gefallen. :)
    Ich denke ich werde deinen Workflow mal ausprobieren!
    Hast du schonmal zu deinem Macroobjektiv Zwischenrunde verwendet?
    Wie sind deine Erfahrungen?

    Gruß Manuel

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