Gewässerfotografie: So fotografierst Du stehende und fließende Gewässer

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Wasser ist Leben. Und es ist eine unerschöpfliche Quelle für Fotomotive: Ein idyllischer Bergsee, die Spiegelung einer Bergkette in der Wasseroberfläche oder ein Fluss, der sich durch die Landschaft windet.

In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie Du stehende und fließende Gewässer mit der Kamera abbildest und welche Techniken Du dafür einsetzen kannst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 12-2016.

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Alles klar: Brunnsee im Salzatal, Steiermark: Glasklares Wasser, Windstille und Cumuluswolken waren die perfekten Zutaten für diese Landschaftsaufnahme (Arca Swiss Rm3Di mit Phase One IQ260, ISO 100, 32 mm, f/16, 1/4 s). Foto: Rainer Mirau

Kommentar

Karl Stechl, Fotopraxis-Experte
Karl Stechl, Fotopraxis-Experte

„Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mich zieht Wasser magisch an. Im Sommer kann ich an keinem See vorbeigehen, ohne wenigstens kurzzeitig ins kühle Nass einzutauchen (meine Temperatur-Schmerzgrenze liegt bei etwa 16 Grad). Beim Fotografieren von Seen und Flüssen gibt es allerdings keine Temperaturgrenze, allenfalls eine Änderung im Aggregatzustand – wenn Wasser zu Eis wird. Egal, zu welcher Jahreszeit: Stehende und fließende Gewässer laden immer dazu ein, mit der Kamera auf Entdeckungsreise zu gehen. Wobei „gehen“ hier wortwörtlich gemeint ist: Die besten Standorte, um Seen, Flüsse und Bäche zu fotografieren, erreicht man oft nur nach ausgedehntem Fußmarsch.“


Stille Wasser

Laut Online-Lexikon ist ein See „ein Stillgewässer mit oder ohne Zu- und Abfluss durch Fließgewässer, das vollständig von einer Landfläche umgeben ist.“ Mit anderen Worten: Ein See ist oft die halbe Miete bei Landschafts- und Naturaufnahmen. Hier sind Beispiele:

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Perfekte Symmetrie: Eibsee und Zugspitze (Bayern) im sich lichtenden Morgennebel. Motiv und Spiegelung vermitteln durch ihre Gleichwertigkeit perfekte Symmetrie (Arca Swiss Rm3Di mit Phase One IQ260 | 50 mm | ISO 100 | f/11 | 1/4 s). Foto: Rainer Mirau

Kommentar

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Rainer Mirau, Profi-Fotograf

„Das bewusste Erzeugen von Symmetrie ist ein klassisches Element der Bildgestaltung. Eine glatte Wasseroberfläche eines stehenden Gewässers ist ideal, um ein Motiv darin zu spiegeln und es dadurch aufzuwerten. Auch wenn es nicht komplett windstill ist, kann es sein, dass im flachen Wasser in Ufernähe oder einer windgeschützten Bucht eine Spiegelung möglich ist. Besonders wichtig beim Fotografieren von Spiegelungen ist die exakt horizontale Ausrichtung der Kamera, ich verwende dazu stets die interne Wasserwaage. Mit dem Polfilter kann man die Intensität der Spiegelung auf dem Wasser steuern. Weitere Infos (auch e-Books) findest Du auf meiner Website www.silent-moment.com.“


Klares Wasser ist ebenso durchsichtig wie Glas. Dass Du es überhaupt abbilden kannst, hängt von Spiegelungen und Lichtbrechungen ab, mit denen das Medium fürs Auge sichtbar wird. Wenn Du beispielsweise ein Glas mit Wasser füllst, verhält sich das Wasser bei seitlichem Durchblick wie ein transparenter Festkörper, einer Linse vergleichbar.

Unter freiem Himmel erweist sich Wasser als Chamäleon: Es nimmt die Farben seiner Umgebung an, das Blau des Himmels ebenso wie das Grün der umgebenden Natur oder der Pflanzenwelt unter der Wasseroberfläche.

Ein spezieller Fall ist das Wasser in der „Blauen Lagune“ in Island, dessen intensiv blaue Färbung vom hohen Salzgehalt kommt. Gespeist wird der Salzwassersee aus 2000 m Tiefe über ein Thermalkraftwerk.

Blaue Lagune in Island: Der Salzwassersee wird mit Wasser aus 2000 m Tiefe gespeist; die intensiv blaue Färbung lässt bedeckten Himmel und Nieselregen vergessen. Foto: Siegfried Layda
Blaue Lagune in Island: Der Salzwassersee wird mit Wasser aus 2000 m Tiefe gespeist; die intensiv blaue Färbung lässt bedeckten Himmel und Nieselregen vergessen (Canon EOS 1Ds Mk II | 48 mm | ISO 100 | f/18 | 5 s). Foto: Siegfried Layda

Die Wirkung eines Sees verändert sich mit der umgebenden Landschaft: Jahres- und Tageszeit, Wetter und vorhandenes Licht sind dabei die entscheidenden Faktoren. Reizvoll sind Spiegelungen auf dem Wasser, beispielsweise die Wolken, eine Gebirgskette, grüne Bäume oder andere Teile der Landschaft.

Dreigeteilter Bildaufbau: Herbstnebel am Beaver Lake in New Hampshire (USA). Der Bildinhalt gliedert sich in drei gleichwertige Teile: die Herbstbäume und ihre Spiegelung im See, ergänzt durch den Nebel oben. Foto: Siegfried Layda
Dreigeteilter Bildaufbau: Herbstnebel am Beaver Lake in New Hampshire (USA). Der Bildinhalt gliedert sich in drei gleichwertige Teile: die Herbstbäume und ihre Spiegelung im See, ergänzt durch den Nebel oben (Canon EOS-1Ds Mk II | 45 mm | ISO 100 | f/ 14 | 1/4 s). Foto: Siegfried Layda

Eine Frage, an der sich die Geister scheiden, ist der Einsatz des Polfilters. Bekanntlich lassen sich mit einem Polfilter Reflexe auf nichtmetallischen Oberflächen löschen. Bei grünem Blattwerk führt das in der Regel zu satteren Farben. Bei einer Wasseroberfläche stellt sich die Frage, ob man mit dem Löschen von Reflexionen und Spiegelungen auch die Wirkung des Motivs schmälert. Intensivere Farben lassen sich mittels Bildbearbeitung häufig ebenso gut, wenn nicht besser erzielen. Setze das Polfilter in jedem Fall fein dosiert ein, um das Potenzial Deines Motivs im vollen Umfang zu erhalten.

Dominanter Vordergrund: Der Lake Huron (Ontario, Kanada) ist fast 60.000 Quadratkilo meter groß. Die Felsen im Vordergrund mit den orange leuchtenden Flechten setzen einen starken Akzent. Foto: Rainer Mirau
Dominanter Vordergrund: Der Lake Huron (Ontario, Kanada) ist fast 60.000 Quadratkilometer groß. Die Felsen im Vordergrund mit den orange leuchtenden Flechten setzen einen starken Akzent (Canon EOS 5D III | 21 mm (Zeiss) | ISO 50 | f/11 | 1/5 s). Foto: Rainer Mirau

See und mehr

Nicht jeder See ist Bestandteil einer weitgehend unberührten Natur. Viel häufiger trifft man auf Gewässer, die in vielen Details von der Anwesenheit des Menschen erzählen oder gleich künstlichen Ursprungs sind.

Ein See und seine Geschichte: „Das Große Loch“ bei Kimberley in Südafrika, gefüllt mit Grundwasser, ist durch Diamantenabbau entstanden. Erst mit der Stadtsilhouette im Hintergrund entfaltet das Bild seine Wirkung. Foto: Siegfried Layda
Ein See und seine Geschichte: „Das Große Loch“ bei Kimberley in Südafrika, gefüllt mit Grundwasser, ist durch Diamantenabbau entstanden. Erst mit der Stadtsilhouette im Hintergrund entfaltet das Bild seine Wirkung (Canon EOS 1-Ds Mk II | 19 mm | ISO 100 | f/7,1 | 1/100 s). Foto: Siegfried Layda

Das „Große Loch“ („The Big Hole“) von Kimberley, gehört zu den spektakulärsten Motiven in Südafrika. Dabei handelt es sich um das Tagebaurestloch der ehemaligen Kimberley-Mine, aus der bis zum Jahr 1914 Diamanten gefördert wurden. Man blickt in einen mit (Grund-)Wasser teilweise gefüllten Krater, der einen Durchmesser von 460 m hat; der Wasserspiegel befindet sich 175m unterhalb der Erdoberfläche (de.wikipedia.org/wiki/The_Big_Hole).

„The Big Hole“ ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem starken Motiv ein tolles Bild werden kann. Der isolierte Blick in den Kratersee würde zum Beispiel nur die halbe Wahrheit zeigen. Deshalb fotografierte Siegfried Layda mit dem 19-mm-Weitwinkel und brachte den Hintergrund mit der Stadtsilhouette ins Spiel. Das Weitwinkel betont den Vordergrund und lässt die Gebäude am Horizont geradezu winzig wirken – so zeigt sich „The Big Hole“ in seiner wahren Größe.

Blickführung und Perspektive entscheiden über die Wirkung eines Seemotivs. Fotografiert man zum Beispiel auf normaler Augenhöhe, so spielt der Vordergrund eine wichtige Rolle – er sollte den Blick ins Motiv hinein lenken. Der Klassiker: ein Bootssteg, der in den See hinausführt. Bei Übersichtsaufnahmen von erhöhtem Standort ist der Vordergrund dagegen meistens weniger wichtig.

Der Weg ins Motiv: Der Bootssteg führt in den See hinein, was auch für den Blick des Betrachters gilt. Gegenlicht lässt das Schilf am Ufer des Faaker Sees (Kärnten) leuchten. (unten) Foto: Rainer Mirau
Der Weg ins Motiv: Der Bootssteg führt in den See hinein, was auch für den Blick des Betrachters gilt. Gegenlicht lässt das Schilf am Ufer des Faaker Sees (Kärnten) leuchten. (Sony A7R II | 17 mm | ISO 250 | f/11 | 1/60 s)  Foto: Rainer Mirau

Entscheidend für die Bildwirkung aber ist das Licht, vor allem, wenn es von der Seite kommt oder in Gegenlichtposition steht. Seitenlicht schafft Hell-Dunkel-Kontraste und macht etwa aus unscheinbaren Bootshäusern markante Motivelemente. Gegenlicht zaubert Reflexe auf die Wasseroberfläche und lässt Schilf in Ufernähe erstrahlen.

Seitenlicht als Stimmungsmacher: Das Streiflicht des späten Nachmittags schafft grafische Hell-Dunkel-Kontraste an den Bootshäusern und beleuchtet den Wasserschleier, erzeugt durch eine Spritzdüse im See. (oben) Foto: Karl Stechl
Seitenlicht als Stimmungsmacher: Das Streiflicht des späten Nachmittags schafft grafische Hell-Dunkel-Kontraste an den Bootshäusern und beleuchtet den Wasserschleier, erzeugt durch eine Spritzdüse im See. (Fujifilm X-T1 | 300 mm/KB | ISO 400 | f/6,4 | 1/850 s) Foto: Karl Stechl
Bildaufbau und Blickführung: „Black Dragon Pool“ in der chinesischen Provinz Yunnan im Ort Lijiang: Der Steinlöwe links vorne lenkt den Blick zur Pagode im mittleren Bildteil und weiter auf die Berge im Hintergrund. (Mitte) Foto: Siegfried Layda
Bildaufbau und Blickführung: „Black Dragon Pool“ in der chinesischen Provinz Yunnan im Ort Lijiang: Der Steinlöwe links vorne lenkt den Blick zur Pagode im mittleren Bildteil und weiter auf die Berge im Hintergrund. (Canon EOS 5D Mk II | 34 mm | ISO 100 | f/14 | 1/13 s) Foto: Siegfried Layda

Blitz als Kontrastausgleich

Das Motiv: See, Steinpyramide und Sonnenuntergang. Wenn Du die Belichtung auf den Sonnenuntergang abstimmst (hier ISO 400, f/6,4, 1/35 s), wird die Steinpyramide ohne Schattenzeichnung als Silhouette abgebildet (1). Das kann gewünscht sein, entsprach hier aber nicht der visuellen Wahrnehmung bei der Aufnahme. Die zweite Aufnahme wurde deshalb bei unveränderten Belichtungsdaten mit Blitz aufgehellt (2). Fotografiert wurde mit Fujifilm X-T1 und Nissin i40 inklusive Diffusor (ISO 400, f/6,4, 1/50 s).

Alles im Fluss

Fließende Gewässer gibt es in unzähligen Spielarten und Ausmaßen – vom kleinen Wildbach bis zum Amazonas mit einer Länge von fast 6500 km. Ich gebe Dir Tipps zur Motivwahl und technischen Umsetzung.

Flüsse waren und sind Lebensadern der Menschheit. An ihnen entstanden Siedlungen, die später zu Städten anwuchsen. Flüsse nutzt man, um Trinkwasser und Elektrizität zu gewinnen, und als Transportwege. Fast jeder hat einen Fluss oder Bach vor der Haustür, und die Möglichkeiten, fließende Gewässer abzubilden, sind sehr vielfältig. Um einen Fluss in seinem Verlauf darzustellen, muss man aus großer Höhe fotografieren können – wer eine Drohne besitzt und damit umgehen kann, ist hier im Vorteil.

Manchmal sind die geografischen Gegebenheiten auch so, dass man ohne derartige Hilfsmittel die Wirkung einer Luftaufnahme erzielen kann – etwa in der Nähe des Städtchens Page in Arizona (USA), wo der Colorado River eine spektakuläre Schleife bildet.

Flussschleife als Blickfang: Einen Fluss in seinem Verlauf darzustellen gelingt nur, wenn die geografischen Gegebenheiten einen hohen Aufnahmestandort zulassen wie hier beim Colorado River in Arizona. Foto: Siegfried Layda
Flussschleife als Blickfang: Einen Fluss in seinem Verlauf darzustellen gelingt nur, wenn die geografischen Gegebenheiten einen hohen Aufnahmestandort zulassen wie hier beim Colorado River in Arizona (Canon EOS-1DS Mk II | 13 mm | ISO 100 | f/11 | 1/200 s). Foto: Siegfried Layda

Siegfried Layda fotografierte sie, als das frühe Morgenlicht für eine perfekte Ausleuchtung der Landschaft sorgte. Ein Beispiel hierzulande ist die Moselschleife entlang der Orte Trittenheim und Leiwen.

Meistens wird man aber Abschnitte von Flüssen fotografieren, entweder mit dem Schwerpunkt Landschaftsfotografie oder indem man Elemente miteinbezieht, mit denen die Rolle des Fließgewässers als Transportweg, Erholungsgebiet oder Ähnliches dargestellt wird.

Der Fluss als Felsenfräse: Der Augrabies-Fluss im Norden Südafrikas scheint sich hier seinen Canyon in den Fels zu fräsen. Ein kurze Belichtungszeit friert die Wasserstruktur ein. Foto: Siegfried Layda
Der Fluss als Felsenfräse: Der Augrabies-Fluss im Norden Südafrikas scheint sich hier seinen Canyon in den Fels zu fräsen. Ein kurze Belichtungszeit friert die Wasserstruktur ein (Canon EOS-1Ds Mk II | 19 mm | ISO 100 | f/9 | 1/80 s). Foto: Siegfried Layda
Blätterstrudel durch Langzeitbelichtung: Der Blätterstrudel im Nationalpark Plitvicer Seen (Kroatien) war für das Auge nicht erkennbar. Erst die lange Belichtungszeit brachte ihn zum Vorschein. Foto: Rainer Mirau
Blätterstrudel durch Langzeitbelichtung: Der Blätterstrudel im Nationalpark Plitvicer Seen (Kroatien) war für das Auge nicht erkennbar. Erst die lange Belichtungszeit brachte ihn zum Vorschein (Canon EOS 5D Mk III | 24 mm TS-E II | ISO 50 | f/8 | 30 s). Foto: Rainer Mirau

Auch Brücken gehören dazu, wobei es auf den Standpunkt und Bildausschnitt ankommt, ob eher die Brückenarchitektur oder der Fluss als solcher zum zentralen Thema wird.

Eine Stadt und ihr Fluss: London und Themse – der Fluss als Lebensader und Transportweg. Ein leichtes Tele-Objektiv lässt weit Entferntes scheinbar zusammenrücken. Foto: Rainer Mirau
Eine Stadt und ihr Fluss: London und Themse – der Fluss als Lebensader und Transportweg. Ein leichtes Tele-Objektiv lässt weit Entferntes scheinbar zusammenrücken (Canon EOS 5D Mk III | 90 mm | ISO 125 | f/9 | 13 s). Foto: Rainer Mirau

Kommentar

Siegfried Layda, Profi-Fotograf
Siegfried Layda,
Profi-Fotograf

“Die Suche nach dem optimalen Aufnahmestandort gestaltet sich nicht immer leicht und endet oft mit dem Ergebnis, dass er etwas vom Ufer entfernt ist – nur leider in die falsche Richtung, also nicht auf der Landseite. Wandern mit Gummistiefeln ist nicht meine Sache – also ist das Schuhe Ausziehen alternativlos, auch wenn es sich um einen eiskalten Gletscherbach handelt.

Tipp: Das gespreizte Stativ ist eine prima Hilfe bei glitschigem Untergrund und sorgt auch im Fall von Kamera und Objektiv für den notwendigen Sicherheitsabstand zum Wasser.“


Wasserspiele

Fließwasser ist ein dynamisches Element: Es bahnt sich seinen Weg durch Erdreich und Felsen – Wildbach und Wasserfall entfalten unbändige Kräfte. Welche Möglichkeiten es gibt, diese Dynamik fotografisch darzustellen, zeigen die folgenden Bilder.

Mondlicht und Watte: Der Fluss Coe in Glencoe, Schottland, bei Mondlicht: Mit einer Taschenlampe wurden die Felsen vorne beleuchtet. Durch die extrem lange Belichtung wird das Wasser wie Watte, fast ohne Struktur, wiedergegeben. Foto: Rainer Mirau
Mondlicht und Watte: Der Fluss Coe in Glencoe, Schottland, bei Mondlicht: Mit einer Taschenlampe wurden die Felsen vorne beleuchtet. Durch die extrem lange Belichtung wird das Wasser wie Watte, fast ohne Struktur, wiedergegeben (Canon EOS 1Ds III | ISO 100 | 21mm | f/11 | 202 s). Foto: Rainer Mirau

Fließendes Wasser kann man auf zweierlei Arten abbilden: Eine kurze Verschlusszeit lässt es wie „eingefroren“ wirken, während eine lange Zeit das nasse Element in einen weißen Schleier verwandelt, der die Fließbewegung symbolisiert.

Die exakte Länge der Verschlusszeit hängt dabei von der Fließgeschwindigkeit ab: Um einen Wasserfall zu „verschleiern“, reicht vielleicht schon 1/15 s, für ein gemächlicher fließendes Gewässer braucht man längere Zeiten im Sekundenbereich.

Fließendes Wasser und Verschlusszeiten

Die Bildserie zeigt, wie sich die Abbildung des fließenden Wassers mit der Verschlusszeit ändert (von links nach rechts): 1/400 s, 1/20 s, 5 s und 30 s. Bei 5 s zeigt das Wasser mehr Struktur als bei 30 s, doch haben beide Varianten ihren Reiz. Am wenigsten attraktiv ist Aufnahme 2 mit 1/20 s.

Wenn Wasser zu Eis wird: Das Wintermotiv bezieht seinen Reiz daraus, dass sich fließendes und gefrorenes Wasser hier gegenüberstehen. Foto: Siegfried Layda
Wenn Wasser zu Eis wird: Das Wintermotiv bezieht seinen Reiz daraus, dass sich fließendes und gefrorenes Wasser hier gegenüberstehen (Canon EOS-1Ds Mk III | 180 mm | ISO 100 | f/32 | 1/4 s). Foto: Siegfried Layda

Prinzipiell gilt: Je länger die Verschlusszeit, desto weicher die Fließbewegung, desto weniger Struktur im Wasser. Wähle eine Tageszeit, in der das Motiv nicht zu intensiv beleuchtet ist, also am Morgen oder frühen Abend. Platziere die Kamera auf einem stabilen Stativ und ermittle die korrekte Belichtung durch Probeaufnahmen oder Live-Histogramm. Lange Verschlusszeiten erreichst Du durch einen niedrigen ISO-Wert (bis 200) und Abblenden (mehr dazu weiter unten im Abschnitt „Richtig abblenden“).

Alles Gute kommt von oben: Ungewohnte Perspektive: Hier stand der Fotograf zur Abwechslung mal nicht vor, sondern unter dem Wasserfall (Berglistüber, Clarus, Schweiz). Foto: Rainer Mirau
Alles Gute kommt von oben: Ungewohnte Perspektive: Hier stand der Fotograf zur Abwechslung mal nicht vor, sondern unter dem Wasserfall (Berglistüber,
Clarus, Schweiz) (Arca Swiss Rm3Di mit Phase One IQ260 | ISO 100 | 32 mm | f13 | 7 s). Foto: Rainer Mirau

Muss das auf den Sensor fallende Licht weiter reduziert werden, hilft ein Neutraldichtefilter, den es zum Beispiel von Heliopan in acht Dichtestufen von ND 0,3 (1 Blende) bis ND 3.0 (10 Blenden) gibt. Wenn Du nur ein Filter kaufen willst, wähle ein ND 1,8, das die Verschlusszeit um sechs volle Stufen verlängert (z. B. von 1/250 s auf 1/4 s). Verwende als Belichtungsprogramm Zeitautomatik (A) oder den manuellen Modus, fokussiere manuell im Live-Bild oder mittels Autofokus (anschließend AF abschalten). Ausgelöst wird die Kamera über Fernauslöser bzw. Smartphone-App.


Richtig abblenden

Um Wasser als Schleier abzubilden, benötigt man lange Verschlusszeiten, die man durch niedrige ISO-Einstellungen und Abblenden erreicht. Beim Abblenden sollte man aber die sogenannte „förderliche Blende“ beachten. Die förderliche Blende hängt von Sensorgröße und Pixelpackungsdichte ab. Beim Abblenden bis zur förderlichen Blende wird die Bildqualität in der Regel besser, bei weiterer Abblendung geht die Allgemeinschärfe durch Beugungseffekte kontinuierlich zurück. Teste selbst mit einem detailreichen Motiv, wo für Dich die Grenze des Vertretbaren liegt.

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Foto: Karl Stechl

Fallbeispiel: Liegt die förderliche Blende bei 8 (wie hier bei der Fujifilm X-T1), ist Abblenden um eine weitere Stufe (Blende 11) in der Regel unkritisch, um zwei Blenden (Blende 16) meist vertretbar. Blende 22 sollte man dagegen vermeiden, weil sich die Gesamtschärfe merkbar verringert.


Fazit

Wie Du an den vielen Beispielen gesehen hast, kann man mit der richtigen Technik unglaubliche Aufnahmen, sowohl von stillen, als auch von fließenden Gewässern erzielen. Du weißt nun welche Effekte die unterschiedlichen Verschlussszeiten hervorrufen können und wie wichtig die Perspektive für die Wirkung Deiner Aufnahme ist.

Doch auch andere Faktoren spielen eine Rolle in Bezug auf die optimale Gewässerfotografie, wie ich Dir in diesem Artikle gezeigt habe. Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Tipps und Tricks, wenn es darum geht Gewässer abzubilden? Teile sie uns in den Kommentaren mit.

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

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8 Kommentare

  1. Mareike
      Februar 13, 2019 at 1:08 AM
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    Habe ees heute probiert, ehe ich diesen Artikel gelesen habe. Ich hatte immer noch Probleme das umzusetzen. Ich habe eine Nikon D5300 und keine speziellen Filter. Wird immer fast weiß und unscharf :-(
    Wäre sehr dankbar für Tipps.
    Ich habe mir die Zeiten, Blenden usw aufgeschrieben und werde es nochmal versuchen.

  2. Rolf Hagen
      Dezember 20, 2016 at 3:38 PM
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    Danke für diese hilfreichen Informationen und Bilder. Ich bin selbst auch
    viel am Wasser unterwegs und arbeite hier auch gern mit dem Pol-Filter.
    Allerdings hier weniger um Reflexionen auf dem Wasser zu vermeiden,
    sondern um Wolken klarer abzubilden.
    Man lernt immer dazu.
    LG Rolf

  3. Tobi
      Dezember 18, 2016 at 12:58 AM
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    Toller Artikel! Man bekommt gleich Lust, raus zu gehen und loszulegen.

  4. Tobi
      Dezember 17, 2016 at 11:02 PM
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    Hallo Zusammen

    Kleine Korrektur zum Bild “Alles Gute kommt von oben”:
    Wenn mit “Clarus” der Schweizerkanton gemeint ist, dann bitte auf “Glarus” ändern.

    LG
    Tobi

  5.   Dezember 16, 2016 at 10:38 PM
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    Zu der Verwendung von Polfilter noch eines: Da das gespiegelte/reflektierte Licht polarisiert ist, kann man mit dem Filter die Spiegelungen auch effektiv verstärken. Zumindest, wen man einen linearen Polfilter benutzt.Aber dann muss man mit dem Autofokus vorsichtig sein, da dieser damit nicht richtig funktioniert (war zumindest früher so).
    Ob das mit den inzwischen meistens üblichen zirkular polarisierenden Filtern auch so funktioniert, kann ich nicht sagen, da ich damit keine Erfahrungen habe.

  6.   Dezember 16, 2016 at 6:58 PM
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    Schöner Artikel. Die Langzeitbelichtung nutze ich auch gerne für Gewässer, z.B. wenn sich das Wasser im Hafen zu sehr kräuselt. Glattes Wasser sorgt doch für eine ruhigere Stimmung.

    Schade, wenn sich die Wolken dann auch bewegen, so wie auf diesem Bild von mir. Hier hätte ich lieber nur das Wasser glatt gezogen gehabt und nicht die Wolken noch dazu:

    http://www.fotocommunity.de/photo/blaue-stunde-in-leer-ostfr-marco-schaa/37781306

    Viele Grüße,
    Marco

  7. wolfram Becker
      Dezember 16, 2016 at 5:44 PM
    Kommentar bewerten

    Toller Artikel, gute Demofotos . Langzeitbelichtung habe ich schon gemacht aber bei den Beispielbildern haben wir teilweise sehr lange Zeite. – Tolle Effekte -. Werde ich unbedingt probieren.
    Vielen Dank

  8. Markus
      Dezember 16, 2016 at 5:11 PM
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    Klasse Erklärung , klasse Bilder! Danke für das Wissen! Was auch super aussieht, wenn man Wasser Spieglung synchron mit Himmel und Bäumen hinbekommt, und man das Bild auf den Kopf stellt. Da bekommt das Bild einen ganz besonderen Effekt. Auf jeden fall danke für den Bericht

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