Kreative Bildideen von Brunnen und Wasserfällen

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Wie schon im Artikel über Tropfen gezeigt, ist die Wirkung von Wasser in der Fotografie vielschichtig. In diesem Artikel beschäftige ich mich mit vielen Tropfen. Ergo mit Tropfen, Spritzern und als Flüssigkeit.

Wir finden diese Form von Wasser oft bei Wasserspielen wie einem Brunnen. Aber auch bei der aufsprühenden Gischt des Meeres, bei Wasserfällen und natürlich bei Regen. Ich zeige Dir anhand von Beispielen, wie Du die richtige Verschlusszeit wählst und wie Du durch die richtige Gestaltung bestimmte Stimmungen erzielen kannst.

Fallende Flüssigkeiten

Die größte Herausforderung bei der Fotografie von fallenden Flüssigkeiten ist die Belichtungszeit, also die Antwort zu finden auf die Frage:

Was für eine Verschlusszeit stelle ich ein?

Ein Honigtropfen, der sich gerade vom Löffel löst, ist ja noch mit einfachen Grundeinstellungen oder einer Automatik einzufangen. Aber bei Wasser wird es schon schwieriger. Um diese Frage zu beantworten, muss ich auch meine gewollte Gestaltung im Kopf behalten:

Will ich den Tropfen scharf abbilden oder möchte ich durch Bewegungsunschärfe eher den Fluss der Flüssigkeit einfangen?

Geschwindigkeiten

Die Fallgeschwindigkeit eines Tropfens hängt von dessen Größe ab.

1. Starkregen, Landregen, Nebel

Bei Starkregen regnet es circa vier Millimeter große Tropfen, bei einem Landregen sind es hingegen deutlich kleinere Tropfen. Ist der Tropfen noch kleiner, kann er sogar durch Aufwinde in der Luft stehen. Nebel ist nichts anderes, als sehr kleine Tropfen, die nicht zu Boden fallen.

2. Brunnen

Bei einem Brunnen spritzt hingegen manchmal das Wasser aus einer Düse. Die Geschwindigkeit regelt, wie hoch das Wasser spritzt. Ist die Düse nach oben gerichtet, wird ein Tropfen irgendwann keine Geschwindigkeit mehr haben und wieder herunterfallen.

3. Wasserfall

Ein Wasserfall ist hingegen meist keine Ansammlung von einzelnen Tropfen, sondern eher eine Flüssigkeit, die fließt. Nur durch die Entropie reißen die ein oder anderen Tropfen vom Wasserfall ab und verhalten sich dann wieder wie ganz normale Wassertropfen, wie Du sie vom Regen kennst.

Das Wasser eines Wasserfalls kann viel schneller fallen. Wer sich einmal unter einen gestellt hat wird schnell merken, wie die Geschwindigkeit und die schiere Masse des Wassers enorme Kräfte ausüben.

Regen ist somit nicht gleich Regen. Die absolute Geschwindigkeit variiert also von 10-30 km/h Stundenkilometer bei Regen. Bei Brunnen und Wasserfällen hängt es von den Umständen ab. Wie kannst Du also einschätzen, mit welcher Verschlusszeit Du Dein geplantes Foto erzielst?

Bildreihen

Um die gewollte Bildgestaltung zu erzielen, ist eine Bildreihe meist unumgänglich. Ist der Ausschnitt gefunden, solltest Du Dir die Zeit nehmen, diverse Verschlusszeiten zu testen.

Wenn Du noch analoge Fotografie betreibst, solltest Du daher immer eine digitale Kamera dabeihaben. Die digitale Kamera ist hier eher das Messinstrument und dient als Wertevorlage für die analoge Kamera.

Um eine Bildreihe mit variabler Verschlusszeit zu machen, gibt es zwei mögliche Einstellungen.

  • 1. In der Zeitpriorität (meist T, Tv oder S) gibst Du die Zeit fest vor, die Kamera sucht sich dann die passende Blende. Du musst also im Hinterkopf haben, dass sich mit der veränderten Zeit, die Du aktiv einstellst, sich auch die Schärfentiefe durch die Änderung der Blende verändert.
  • 2. Alternativ kannst Du auch in den manuellen Modus M gehen, eine feste Blende vorgeben und die ISO-Automatik aktivieren. Die Kamera passt dann die ISO der jeweils veränderten Belichtungszeit an.

Hier ein Beispiel für einen Brunnen an einem sonnigen Tag: Blende f/6.3 – ISO auf Automatik von links nach rechts und von oben nach unten: 1/160 – 1/400 – 1/1000 – 1/2500 – 1/5000 – 1/8000

Bildreihe für einen Wasserfall mit variablen ISO Werten (ISO-Automatik): Blende f/6.3 – von links nach rechts und von oben nach unten: 1/60 – 1/100 – 1/250 – 1/1000 – 1/2500 – 1/5000

Aus der Bildreihe konnte ich meine gewünschte Belichtungszeit auslesen und habe dann diese Fotos gemacht. In der Nachbetrachtung hätte ich mich doch eher für eine lange Belichtungszeit entscheiden sollen. Die Bilder wirken zu statisch – egal welcher Bildausschnitt gewählt ist.

Bildgestaltung Brunnen

Ganz ehrlich: Ein Brunnen hat seine größte Wirkung in seiner Bewegung. Das Einfrieren der Wasserbewegung auf dem Foto macht einen Brunnen meist eher belanglos. Er wirkt dann oft einfach nur noch langweilig. Es kommt natürlich auf den Brunnen und seine Vielfältigkeit und auf die Umgebung an.

Hier einige Beispiele:

Brunnen Kölner Flora
Durch eine harte Sonne kann dieser Brunnen in der Kölner Flora punkten. Eigentlich ist er belanglos und klein. Durch den hohen Kontrast hat er aber in diesem Foto seine Reize.
Brunnen als Wasseraufwirbelungsanlage
Bei diesem Brunnen ist hingegen Hopfen und Malz verloren. Es handelt sich sicherlich auch nur um eine „Wasseraufwirbelungsanlage“ für die Fische im Wasser, aber dennoch kannst Du den Brunnen nutzen: Als begleitendes Bildobjekt (siehe nächstes Foto).

 

Brunnen als Stimmungselement im Bild
In diesem Foto ergibt der Brunnen einen Sinn. Durch den Brunnen ergibt sich viel besser die Stimmung der drei heiteren Frauen im Boot.
Fontänen im Wasser
Auch kleine Fontänen können einem Foto den letzten Schliff geben. Erst durch das bewegte Wasser wird Poseidon zum Leben erweckt.

 

Luzern – Brunnen
Wenn Du die Sonne am Himmel stehen hast, lohnt es sich oft sie hinter das Wasser zu setzen. Es entsteht ein extrem hoher Kontrast und, wie hier in Luzern, durch begleitende Linien ein gutes Gesamtbild.
Luzern – Brunnen 2
Du kannst in solchen Situationen sehr viel variieren. Hier habe ich die Sonne hinter ein Vordach geschoben. So ergibt sich ebenfalls ein spannender Bildschnitt.
Brunnenähnlicher Wasserfall
Eine recht statische Aufnahme eines brunnenähnlichen Wasserfalls. Das Bild ist dennoch ein Hingucker. Hier gestaltet das Umfeld das Foto, obwohl das fallende Wasser einen Mittelpunkt darstellt. Die Schwäne und das mystische Licht sind eindeutig bildbestimmend.
20090807-233616-1

Auch eine Möglichkeit Brunnen zu fotografieren sind lange Belichtungszeiten. Natürlich ist hier das künstliche Licht bildbestimmend.

Totale oder näher ran?

Es hängt vom fallenden Wasser ab. Meist gibt es bei gestalteten Wasserspielen einiges zu entdecken. Da lohnt öfter ein Detailfoto. Du löst quasi das Wasser von seiner Umgebung durch den Bildschnitt und erzielst so oft spektakuläre und bizarre Wasserformen. Das Wasser wirkt lebendig und frisch. Wie in den folgenden Beispielen ist eine Gruppe von solchen Fotos oft ein wunderbares Triptychon für das Wohnzimmer.

Langzeitbelichtungen

Die Möglichkeiten eine Bewegung einzufrieren, habe ich nun beschrieben. Aber wie verhält es sich mit Langzeitbelichtungen? Nun, hier fehlt mir selbst gelungenes Bildmaterial. Ich werde hierzu einen gesonderten Artikel schreiben und mich gleich in den nächsten Tagen aufmachen Dir gute Bildbeispiele zu fotografieren. Aber ein paar Randbedingungen möchte ich kurz aufzählen:

  • Du brauchst zwingend ein gutes Stativ.
  • Zu hohe Blendenzahlen vermindern die Bildqualität mehr als ein guter Graufilter (Kantenbeugung an den Lamellen der geschlossenen Blende verringert die Gesamtschärfe).
  • Graufilter helfen Belichtungszeiten extrem zu verlängern.
  • Variable Graufilter sind am praktischsten.
  • Eine Belichtungstabelle hilft bei langen Belichtungszeiten Überbelichtungen zu vermeiden.
  • Variable Belichtungstabellen gibt es für Smartphones als tolle kleine Helferlein (ich nutze PhotoBuddy).
  • Sind Pflanzen im Bildausschnitt, sollte es möglichst windstill sein.

Windstill – 1

Windstill – 2

Leider war ich weder mit Graufilter noch mit Stativ bei diesen Fotos unterwegs. Zusätzlich waren auch viele Wanderer an diesem Spot und so blieben mir nur dieses zwei Foto mit 2 und 0,3 Sekunden Belichtungszeit. Es wäre mehr drin gewesen.

Ausblick

Im nächsten Teil dieser Artikelserie beschäftigen wir uns mit der Gischt und dem Meer und den gestalterischen Möglichkeiten Wasserspritzer und Wellen ins rechte Licht zu rücken. Ich zeige Dir, wie Du durch eine Graustufenumsetzung eher langweiligen Motiven einen ganz eigenen Still verpasst.

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11 Kommentare

  1. uet
    Ursula Rose
      März 1, 2016 at 3:03 PM
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    Das mit der Windstille, wenn Pflanzen im Bild sind, ist wichtig. Ich habe bei meinen Langzeitaufnahmen (für Wattebilder) oft wegen der wehenden Büsche oder Äste versaut.

  2. Dieter Schmid
      Februar 22, 2016 at 6:02 PM
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    Fotografiere seit vielen Jahren leidenschaftlich Wasseraufnahmen in jeglicher Hinsicht.
    Egal, ob Meer, Bäche, Flüsse, und Brunnen, es fasziniert mich immer wieder aufs Neue mit meiner Kamera solche Bilder zu fotografieren.
    Auch nach mehreren Jahren und mit viel Erfahrung ist es immer wieder eine Herausforderung.
    Sehr guter Beitrag. Vielen Dank.

  3. Hans Bächold
      Februar 18, 2016 at 9:09 AM
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    Toller Beitrag. Ja es gibt der Spiele viele. Experimentiere seit geraumer Zeit mit Filter,Verschlusszeiten ect. Man kann sehr viel aus einer langweiligen Situation, sprich Bild herausholen.
    Bitte weiter solch kleine Helferlein veröffentlichen.
    Vielen Dank

  4. Thorsten Rönnicke
      Februar 17, 2016 at 9:41 PM
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    Die letzten beiden Bilder haben es mir besonders angetan. Genau so etwas will ich auch erlernen. Dies war mal wieder ein sehr hilfreiches Thema.
    Echt klasse von Euch. Vielen Dank

  5. Wolfgang Ressel
      Februar 17, 2016 at 5:59 PM
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    Ich habe mir zwar nur eine Sony RX 100 für die Ausflüge mit dem Motorrad in die Tasche gesteckt, bin aber auf Grund der vorhandenen Einstellmöglichkeiten sehr dankbar für Tipps dieser Art … noch dazu, wenn Du so anschauliche Bilder mitlieferst.

  6. D. Tröger
      Februar 17, 2016 at 4:41 PM
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    Es ist sicher Geschmackssache, ob ich einen Wasserfall oder einen bewegten Meeresspiegel wie Milchsuppe erscheinen lassen will oder ob das bewegte Wasser auf dem Bild so sein sollte wie ich es mit meinen Augen in Erinnerung habe.
    Deshalb haben mir die Bilder mit den kurzen Verschlusszeiten besonders gut gefallen.

  7. D. Tröger
      Februar 17, 2016 at 4:35 PM
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    Hallo,
    da sind eine Menge sehr schöner Fotos mit „kurzen“ Belichtungszeiten zu sehen.
    Zusätzlich hätte ich mir gewünscht, dass bei jedem Bild die Blende, die Zeit und die ISOs mit angegeben wären.
    Ist das künftig möglich?
    D. Tröger

    1. Norbert Eßer
        Februar 19, 2016 at 10:08 AM
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      Wir machen das gerne in Zukunft öfter. Wir wollen aber immer im Kontext des Artikels bleiben und entscheiden dann ob die technischen Daten Sinn machen oder nicht. Die meisten Bilder haben aber auch die EXIF-Daten im Foto gespeichert. Es gibt für einige Browser Plug-Ins die Dir diese Daten beim überfahren anzeigen.

  8. Ingrid Buenaventura
    Ingrid Buenaventura
      Februar 17, 2016 at 4:29 PM
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    Es sind ein paar gute und anregende Ideen dabei.
    Ich mag nur keine Fotos bei denen das Wasser wie Watte aussieht (sprich lange Belichtung). Beim Wasser muss man dir Bewegung sehen, sonst wird es langweilig.

    1. URNA PHOTOGRAPHY
      Urs
        Februar 25, 2016 at 7:30 AM
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      Liebe Ingrid.

      Nur mal zur Aufklärung!

      Du möchtest die Bewegung des Wassers sehen? Da kommst du aber nicht um eine längere Verschlusszeit rum, nimmst du eine kurze Verschlusszeit wird das Wasser Stillstehen, man nennt das Eingefrohren!

  9. Jürge Polleit
      Februar 17, 2016 at 4:27 PM
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    Vielen Dank für die Bilder und die Erläuterungen. Bin zwar ein Anfänger aber ich habe doch lehrreiche Ideen gewonnen.

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