Exklusives Interview mit den Machern von
PROJEKT: ANTARKTIS – 2. Teil

Im ersten Teil des Interviews haben Tim, Michael und Dennis von ihrer Motivation, ihren Zielen und Vorbereitungen erzählt. In der Fortsetzung gehen sie vor allem auf das technische Equipment und die Produktion des Filmes PROJEKT: ANTARKTIS ein, der nach seinem Kinoerfolg nun auch digital, als DVD und Blu-Ray erscheint und hier erworben werden kann.



Was hattet ihr an technischem Equipment (Kameras, Objektive, DSLR, Datenspeicher, Akkus, Computer) dabei und nach welchen Kriterien habt ihr das ausgewählt?

Unsere Kamera für die Zeitlupen- und Hochglanzaufnahmen war die Sony FS700 mit einem Odyssey 7Q Rekorder. Gefilmt wurde damit in ProRes 422. Unsere Vlog-Aufnahmen haben wir mit der Sony A7SII und einem SmallHD Display und S-log Profil gedreht. Zeitrafferaufnahmen haben wir mit mehreren GoPro Hero 6 aufgenommen und für Fotos die Canon 5D Mark III & Sony A9 genutzt.

Als Objektive haben wir hauptsächlich auf ein Tamron 24-70mm 2.8, das Sony/Zeiss 16-35 2.8 und Canon 16-35 mm 2.8 zurückgegriffen. Für Sonderfälle hatten wir den #sonyalphaaddicted Koffer mit weiteren, lichtstarken Objektiven, von Makro bis Tele im Gepäck.

Insgesamt hatten wir 7 Koffer nur für technisches Equipment dabei. Viel Platz haben die gepolsterten Objektive eingenommen, aber auch verschiedenste Arten von Gimbals, Rigs, GoPro-Aufsätzen, Akkus bis hin zu Bergsteiger-Equipment.

Welche Objektiv-Brennweiten haben sich als passend erwiesen?

Man muss unterscheiden zwischen unseren beiden Aufnahme-Arten, also Cinematic-Aufnahmen und Vlog. Diese wechseln sich im Film ab. Die Cinematic-Aufnahmen, sozusagen die Hochglanz-Bilder, wurden mit allen erdenklichen Brennweiten aufgenommen, die gerade zur Situation gepasst haben. Meist griffen wir auf eher weitwinklige Brennweiten von 16 bis 70 mm zurück, um Action, die gewaltigen Landschaften oder hier und da mal eine Makro-Aufnahme einzufangen. Bei weiter entfernten Motiven, z.B. Kaiserpinguinen oder Hubschraubern, durften auch mal 70-200 mm oder gar 400+ mm herhalten. Dies ging aber natürlich nur, wenn man selbst oder der Untergrund nicht zu sehr in Bewegung war.

Solche Temperaturen kann man schlecht trainieren – gab es unvorhergesehene Probleme mit der Kälte?

Problematischer als die Kälte war die Nässe. Auf Kälte waren wir mit allerlei Zusatzequipment vorbereitet, nicht jedoch auf das viele Spritz- und Schmelzwasser, das auf den Expeditionen immer wieder von allen Seiten kam. Wir waren im Vorfeld der Reise so darauf fokussiert gewesen, uns auf extreme Minusgrade vorzubereiten, dass wir den Spritzwasserschutz ziemlich außen vorließen. Dazu kamen überraschend milde Temperaturen. Durch diese fiel Schnee auf die Kameras, der sofort schmolz und in die nicht immer spritzwasserfeste Elektronik gelangen konnte. Letztlich mussten wir vor Ort noch sehr viel improvisieren. Dies gehörte in der Antarktis ohnehin zum Alltag, da sich das Wetter im Minutentakt änderte.

Die Technik, um einen Kinofilm zu produzieren, ist erschwinglicher geworden, dennoch: Was benötigt man an Equipment und was unterscheidet sich vom „normalen“ Shooting?

Dieser Film ist mit Kameras gedreht worden, die sich theoretisch jeder leisten oder zumindest leihen kann. Wir sind der Überzeugung, dass das Knowhow und die Erfahrung für kreative Projekte wichtiger sind als Unmengen an Equipment. Man sollte seine Technik eher in- und auswendig kennen und dann bis zum Limit ausschöpfen, statt Hunderttausende auszugeben und sich damit automatisch sicher zu fühlen.

Die Kombi aus einer Kamera und einem Objektiv pro Person reichten uns im Eis völlig aus. Notfalls wurde untereinander mal ein Objektiv getauscht oder noch eine GoPro um den Kopf geschnallt.

Seid ihr mit der Wahl des Equipments im Nachhinein zufrieden gewesen oder was hättet ihr anders gemacht?

Vermutlich hätten wir weniger Technik mitnehmen können. Es war ohnehin unmöglich, auf den Expeditionen unsere sieben Equipment-Koffer mit von Bord zu nehmen. Froh über unser Lager auf dem Schiff waren wir dennoch. Denn in der Antarktis gibt es keine Kamerafachgeschäfte und wir wollten auf alles vorbereitet sein. Beim nächsten Mal würden wir aber auf jeden Fall mehr Wasserschutz-Vorrichtungen einpacken.

Euch war ja schon im Vorfeld klar, dass ihr ins Kino möchtet. Was gibt es dabei technisch zu berücksichtigen?

Technisch gesehen kann man nahezu jedes Video ins Kino bringen. Die Datei muss dazu lediglich in das sogenannte DCP Format konvertiert werden, um von den Kinoprojektoren eingelesen werden zu können. Diese Konvertierung wird meist von spezialisierten Dienstleistern durchgeführt, da hierfür spezielle Programme notwendig sind.

Für ein angenehmes Kinoerlebnis sollte der Film aber definitiv in einer Auflösung von Full HD vorliegen und guten Sound beinhalten, der im Nachhinein speziell für das Kino abgemischt wird. Dabei ist Dolby 5.1 auf jeden Fall ein Minimum.Technisch gesehen war es nie einfacher, einen Film ins Kino zu bringen, als heute.

Funktioniert das „Prinzip YouTube“, bei dem „Jeder“ publizieren kann, auch für das Kino?

Im Kino erfolgreich zu werden, ist nach wie vor anspruchsvoll. Zumindest, wenn man den Film breit streuen möchte. Zuerst muss man die hohen Produktions- und Vertriebskosten für einen Kinofilm stemmen, da von einem Kinofilm, im Gegensatz zu YouTube, automatisch eine gewisse Grundqualität erwartet wird. Anschließend muss man die vielen Kinos kontaktieren und überzeugen, den Film zu spielen. In unserem Fall hat das eine professionelle Filmagentur übernommen. Parallel muss der Film dem Publikum natürlich schmackhaft gemacht werden, indem die Presse über ihn berichtet und er durch sein Marketing möglichst stark auffällt. Immerhin muss man sich gegen Millionen-Produktionen durchsetzen. Ein erfolgreicher Kinofilm ist also ein gelungener Mix aus den oben genannten Tätigkeitsfeldern. Wenn eines dieser Felder nicht ausreichend bedacht wird, wird auch der beste Kinofilm floppen.

Wie spricht man mit dem fertigen Film in der Hand Distributoren an?

Wir haben uns zunächst online informiert, welche Distributoren es gibt. Im Anschluss haben wir uns mit der Filmagentur unserer Wahl getroffen, um zu checken, ob die Chemie stimmt und ob eine Veröffentlichung terminlich passt. Im Anschluss wurden mögliche Strategien besprochen und natürlich der Film vorgeführt. Früh anfragen lohnt sich: Gute Distributoren bekommen natürlich viele Anfragen und somit muss man sich auch hier gegen andere, möglicherweise größere Produktionen durchsetzen können.

Wer verdient am Film mit?

Schon vor dem Kinostart verdienen vor allem die Mitarbeiter (außer uns), Dienstleister, Verkäufer und Lizenzgeber, z.B. Musiker, am Film mit. Praktisch all diejenigen, deren Leistung wir zur Produktion und Vertrieb des Films in Anspruch genommen haben. Diese werden schon bezahlt, bevor der Film überhaupt fertig gestellt ist. Sie tragen kein Risiko.

Sobald der Film dann eigene Erlöse liefert, behalten die Kinos ca. die Hälfte vom Ticketerlös ein. Den Rest teilen sich Distribution, Filmverleih (falls vorhanden) und das Produktionsteam nach zuvor festgelegten Anteilen auf. Gewinne werden erst ausgezahlt, wenn wirklich alle Kostenpunkte abbezahlt und alle Zahlungen der Kinos eingegangen sind. Das kann ewig dauern. Es ist ein weiter Weg, bis man als Filmemacher wirklich Geld in die eigene Tasche verdient.

Hattet ihr auch über andere Formen der Veröffentlichung (z.B. Netflix, Amazon) nachgedacht?

Natürlich! Nach einer Sperrfrist von etwa 3 Monaten darf ein Kinofilm auf dem „Home Entertainment“-Markt erscheinen. Dieser umfasst alle Abspielformen von DVD, Blu-ray bis hin zu Streaming oder TV. Zusätzlich werden Rechte für die Abspielgeräte von Airlines, Schiffen und weiteren verhandelt.

DVD und Blu-ray sind direkt in unserem Shop, der Stream auf Amazon, iTunes, Maxdome und weiteren erhältlich. Auch für diesen Bereich gibt es spezialisierte Unternehmen, die die Reche für die weltweite Vermarktung von Filmen erwerben und dann verteilen. Man sollte aber mehrere Angebote einholen, da diese weit auseinander gehen können.

Kommt jetzt von außen Input zu weiteren Projekten?

Die Frage Nr. 1 ist aktuell natürlich immer „Was kommt als Nächstes?“ gepaart mit spektakulären Vorschlägen und Ideen. Aktuell sind wir aber noch gar nicht so weit: Der Vertrieb von PROJEKT: ANTARKTIS erfordert weiterhin viel Einsatz und auch Übersetzungen müssen noch durchgeführt werden. Trotzdem: Verrückte Ideen haben wir viele! Wer möchte, kann uns gerne im Auge behalten.

Mehr zum PROJEKT: ANTARKTIS findest Du hier.

 

 

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