Magic Lantern – Teil 5

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
In den vorhergehenden Artikeln zum Thema Magic Lantern habt Ihr viele fotografische Funktionen kennen gelernt, die die sonst vorhandenen ursprünglichen Funktionen der Kamera ergänzen, ersetzen oder in der Form bisher nicht möglich waren. Neben den fotografischen Funktionen verfügt Magic Lantern über ein spezielles Register mit der Bezeichnung „Overlay“, das viele optische Hilfsmittel zur Verfügung stellt, wenn es darum geht, die Belichtung zu bewerten oder die genaue Schärfe zu erkennen. In diesem Artikel möchte ich das Menü „Overlay“ genauer betrachten, wozu die Funktionen gut sind und wann Ihr sie sinnvoll einsetzen könnt. Beginnen möchte ich mit einer globalen Einstellung.

Global Draw

Global Draw betrifft, wie der Name schon impliziert, globale Einstellungen. Es geht darum, ob und in welchen Modi der Kamera die speziellen Anzeigen von Magic Lantern eingeblendet werden. Global Draw bietet vier Optionen.

Das Register „Overlay“
Das Register „Overlay“

Off – die „normalen“ Anzeigen der Kamera werden weder durch Magic Lantern verändert noch ersetzt.

Liveview – nur die Anzeigen beim Livebild werden ersetzt. Hier lauert eine kleine Falle: Euch ist sicher bekannt, dass mittels der Taste INFO. beziehungsweise DISP. bei älteren Modellen die Anzeigen verändert werden können. (Einblenden bestimmter Anzeigen, verschiedener Histogramme usw.) Wenn sich also in der Liveview die Anzeigen nicht ändern trotz installiertem ML, drückt einfach solange die Taste INFO. (DISP.) bis die gewünschte Anzeige erscheint.

QuickReview – schaltet auf dem Schnelleinstellbildschirm zusätzliche Anzeigen frei (Uhrzeit, verbleibender Speicherplatz auf der Karte in Prozent, verbleibende Akkuladung in Prozent und bei Bedarf einige weitere Anzeigen). Diese Anzeigen sind jetzt nicht zwingend aufnahmerelevant, aber für einen schnellen Überblick praktisch.

ML erweitert auch die Anzeigen in der QuickReview (wenn aktiviert)
Magic Lantern erweitert auch die Anzeigen in der QuickReview (wenn aktiviert)

On. All modes – schaltet beide Anzeigen (Liveview und QuickReview) aktiv

Zebras

Die Bezeichnung Zebra hat seinen Ursprung tatsächlich in dem Fellmuster der besagten Tiere. Wenn diese Funktion aktiviert ist, werden Stellen, die belichtungskritisch sind, mit einer Schraffur versehen. Diese Funktion richtet sich zwar primär an die Anwender von Videofunktionen, da es dort wesentlich schwieriger ist, die Belichtung präzise zu steuern (insbesondere bei wechselnden Lichtverhältnissen). Aber auch bei Fotoanwendungen (über Livebild) ist es mittels Zebra-Einblendungen wesentlich einfacher Art und Umfang der Über- oder Unterbelichtung zu steuern, bzw. sie zu eliminieren.

Die Menüoptionen der Funktion Zebra
Die Menüoptionen der Funktion Zebra

Das Untermenü der Zebra-Funktion ist mit vier Optionen recht umfangreich und erlaubt eine umfangreiche Anpassung der Zebras an die eigenen Vorstellungen an Anzeige und Genauigkeit.

Color Space – gibt vor, ob die Zebras aus allen drei Farbkanälen (für jeden Kanal einzeln) angezeigt werden (Option RGB) oder nur aus dem Luminanz- oder Y-Kanal (Luma und Luma fast). Wenn Ihr den Luminanzkanal wählt, zeigen rote Zebras eine Überbelichtung an und blaue Zebras eine Unterbelichtung. Die Option RGB erlaubt eine deutlich breitere Darstellung. Die Überbelichtung wird für jeden Kanal in der komplementären Farbe dargestellt. (Für Rot -> Cyan, für Grün –> Magenta und für Blau -> Gelb)

Für die beiden folgenden Werte ist es wichtig, dass Ihr die Zusammensetzung eine Digitalfotos kennt. Die möglichen 16 Millionen Farben setzen sich aus 3 Grundfarben in je 256 Stufen zusammen. Haben alle drei Farben (RGB) denselben Wert, ergibt sich Grau. Der Wert 0 steht dabei für reines Schwarz und 256 für reines Weiß. Ein Wert von 5 bedeutet zum Beispiel, dass es noch 4 Stufen unterhalb dieses Wertes gibt und 249, dass es noch 6 Stufen oberhalb..

Underexposure – legt den Wert fest, ab dem ein Zebra als Warnung für Unterbelichtung angegeben wird. Es sind Werte möglich von 0 – 20% (entspricht den oben genannten Stufen von 0 bis 51).

Overexposure – legt den Wert fest, ab dem ein Zebra als Warnung für Überbelichtung angegeben wird. Es sind Werte möglich von 70 – 100% (entspricht den oben genannten Stufen von 179 bis 256).

When recording – erlaubt die Zebras während laufender Videoaufnahmen abzuschalten.

Die Darstellung der Zebras in der Liveview (hier bewusst überzogen)
Die Darstellung der Zebras in der Liveview (hier bewusst überzogen)

Focus Peak

Alle Kameras besitzen heutzutage einen Autofokus. Trotzdem kann es Sinn machen manuell zu fokussieren, zum Beispiel in der Liveview (Makro), um die Schärfe wirklich exakt auf den gewünschten Punkt zu setzen. Es kann auch sein, dass das Objektiv selbst keinen Autofokusmotor besitzt und Ihr keine andere Wahl habt, als manuell zu fokussieren. Magic Lantern stellt für diese Art der Fokussierung verschiedene sehr sinnvolle und praktische Funktionen zur Verfügung.

Focus Peak zeigt die scharfen Bereiche im Bild mittels eines farbigen Overlays an (nur Livebild). So könnt Ihr Schärfe sehr präzise an den gewünschten Punkt legen. Das sozusagen als Nebeneffekt alle anderen Bereiche angezeigt werden, die auch scharf sind, ist ein hilfreiches Detail für die Bildgestaltung.

Die Menüoptionen der Funktion Focus Peak
Die Menüoptionen der Funktion Focus Peak

Die Einstellungen sind ähnlich komplex, wie bei den Zebras. Ihr ruft das Untermenü über die Taste Q auf. Unter „Method“ stellt Ihr den Prozess ein, der im Hintergrund die Berechnungen anstellt, die nötig sind, um die scharfen Bereiche von den unscharfen abzugrenzen. Die dahinter liegende Mathematik ist so komplex, dass ich sie hier nicht näher beleuchten möchte.

Die Wirkung der beiden Optionen ist schneller beschrieben. 1st deriv. ist optimiert für lichtarme Situationen mit verrauschten Bildern, während 2nd deriv. besser bei guten Licht arbeitet.

In der Darstellung Grey Scale sind die farbigen Markierungen von Focus Peak besser zu erkennen
In der Darstellung Grey Scale sind die farbigen Markierungen von Focus Peak besser zu erkennen

Threshold gibt den Grenzwert an, wie viele Pixel für eine Anzeige der Schärfe vorhanden sein müssen (Wertebereich von 0,1 – 5%).

Unter Color wird die Farbe der Anzeige eingestellt werden. Je nach Motiv macht es Sinn, mit unterschiedlichen Farben zu arbeiten, um die Anzeige ausreichend von dem Motiv abgrenzen zu können.

Ist das Motiv zu farbig, um die Anzeige gut zu erkennen, kann die Option Grayscale img aktiviert werden. Das Motiv selbst wird in schwarzweiß dargestellt, was es deutlich erleichtert die Anzeige des Focus Peak von dem eigentlichen Motiv abzugrenzen. Die Aufnahme selbst erfolgt dann natürlich in Farbe.

Magic Zoom

Alle Kameras mit einer Livebild haben auch ein Zoomfunktion. Dabei wird ein Ausschnitt des Bildes unter kompletter Ausnutzung des Bildschirms um den Faktor 5 bzw. 10 vergrößert. Diese Zoomfunktion hat Nachteile: Sie taugt zwar wirklich gut dazu, in dem angezeigten Bereich die Schärfe gut einzustellen, aber es findet keine Belichtungsmessung mehr statt und der Rest des Motivs ist nicht mehr zu sehen. Bei der Verschiebung des Zoombereichs müsst Ihr sozusagen raten.

Die Menüoptionen der Funktion Magic Zoom
Die Menüoptionen der Funktion Magic Zoom

Magic Zoom geht einen anderen Weg. Nach Auswahl kann mittels „Set“ die Funktion aktiviert werden. Um die einzelnen Optionen einzustellen, drückt Ihr wieder die Taste „Q“ und öffnet so ein Menü mit fünf Optionen über die Magic Zoom den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden kann.

Trigger mode legt fest, wodurch Magic Zoom aktiviert wird. Sinnvoll sind die Option Always On, zur dauerhafte Anzeige des Zoomfensters, Zoom In (*), das die Vergrößerung erst einblendet, wenn die Lupentaste gedrückt wird (und ebenso wieder ausschaltet) und Half Shutter, das selbiges mittels Antippen des Auslösers macht.

Die Größe des Fensters lässt sich in den Optionen ebenso einstellen, wie auch die Stelle im Bildschirm, an der das Zoomfenster angezeigt wird. Neben der für eine genaue Fokussierung hilfreichen Vergrößerung in dem Fenster des Magic Zooms, könnt Ihr für Focus confirm verschiedene Arten wählen, wie der erfolgreiche Fokus angezeigt wird. Green Bars zeigt oberhalb und unterhalb des Magic Zoom-Fensters grüne Linien an. Split Screen simuliert dagegen den Schnittbildindikator früherer Kameras, der die beiden Bildhälften gegeneinander verschiebt. Je genauer der Fokus, umso geringer die Verschiebung der Bildhälften.

Sobald die Anzeige von Magic Zoom eingeschaltet wird, sind Focus Peak und andere Overlays deaktiviert.

Magic Zoom in der Anwendung
Magic Zoom in der Anwendung

Weitere Anzeigen

Neben den bisher beschriebenen umfangreicheren Anzeigen bietet das Register Overlay noch eine Vielzahl kleinerer Funktionen, die bei der sorgfältigen Fotografie bezüglich der exakten Belichtung, der präzisen Bildausrichtung, aber auch der gefälligen Bildgestaltung eine große Hilfe sein können. Daher möchte ich diese Funktionen und ihre Aufgaben hier kurz vorstellen.

Cropmarks

Hinter Cropmarks verbergen sich verschiedene „Schnittmarken“ (Balken zur Bildbegrenzung und Formatänderung und verschiedene Gitterformen (Grids). Während die reinen Cropmarks dazu dienen, das Sucherbild dem eingestellten Foto- oder Videoformat anzupassen, dienen die Gitterlinien eher der Bildgestaltung und Ausrichtung an den eingeblendeten Linien und Kurven.

Es ist möglich bis zu neun eigene Grids bzw. Cropmarks auf der Karte zu speichern, die dann via Magic Lantern abgerufen werden können. Sie müssen dazu im Ordner ML/CROPMKS abgelegt werden.

Das Register „Overlay“
Das Register „Overlay“

Ghost image

In manchen Situationen möchtet Ihr vielleicht eine Serie vom Vortag fortsetzen und dazu ist es erforderlich die Person oder den Gegenstand möglichst exakt zu positionieren oder Ihr plant eine Fotomontage und möchtet, dass die einzelnen Elemente von der Größe, vom Abstand und Ausrichtung aufeinander abstimmen?

Dann ist Ghost image für Euch die richtige Lösung. Die Anwendung ist relativ einfach. Zuerst muss die Funktion natürlich aktiviert werden (on). Danach wechselt Ihr einfach in die Bildwiedergabe und wählt das Bild aus, das Ihr als Vorlage verwenden wollt und drückt dann auf die Taste „Liveview“. Das Foto wird transparent und die Liveview startet. Mittels Pfeiltasten oder Multicontroller kann das Livebild bei Bedarf noch justiert werden.

Aufgrund der Transparenz ist es jetzt möglich die Kamera und/oder das Objekt sehr präzise auszurichten, um das gewünschte Motiv/Objekt an der eingestellten und abgestimmten Position zu fotografieren.

Die Funktion Ghost Image
Die Funktion Ghost Image

Defishing

Defishing ist ein Kunstwort und bezieht sich auf den Begriff Fisheye (Fischauge) für spezielle Panoramaobjektive. Mittels Defishing wird das Livebild bzw. die Bildvorschau in der Bildwiedergabe entzerrt. In der Software selbst sind nur die Daten zur Entzerrung des Samyang 8mm Fischauge enthalten, kann aber um weitere Datentabellen ergänzt werden, die der Anwender selbst mittels „defishing“ Software ermittelt hat.

Spotmeter

Das Spotmeter ist eine Anzeige ähnlich der Spotmessung, ohne jedoch in die Belichtungsmessung einzugreifen. Es wird ein kleine Rechteck angezeigt, dass beliebig auf dem Monitor platziert werden kann. Neben dem Rechteck wird die gemessene Helligkeit angezeigt. Die Anzeige kann in Prozent, IN 8-Bilt-Leveln (0-255) oder in RGB (HTML-Farbcodes) dargestellt werden.

False Color

Mittels vorhandener PreSets oder selbst definierter Farbcodierungen kann das Livebild (auf Knopfdruck) in Falschfarben verwandelt werden. Es gibt unterschiedliche Anwendungen für diese Funktion. So lässt sich zum Beispiel die Wirkung eines Greenscreens für spätere Freistellung überprüfen oder Bereiche bestimmter Helligkeit identifizieren.

Die Menüoptionen der Funktion False color
Die Menüoptionen der Funktion False color

Histogram, Waveform und Vectorscope

In diesen drei Funktionen erfolgen Feineinstellungen für verschiedene zusätzliche Anzeigen, die für den Videoschnitt wichtig sind (Waveform) und für die Farbkalibrierung (Vectorsscope). Die Einstellungen sind aber derart speziell, dass ich Sie hier nicht im Detail erklären werde,

 

ML lässt vielfältige Anzeigen zur Bildaus- und –bewertung zu, man sollte es aber nicht übertreiben, da ansonsten nicht mehr viel Motiv zu erkennen ist
Magic Lantern lässt vielfältige Anzeigen zur Bildaus- und –bewertung zu, man sollte es aber nicht übertreiben, da ansonsten nicht mehr viel Motiv zu erkennen ist

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8 Kommentare

  1. Glitzi
      Juni 16, 2017 at 11:19 AM
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    Hallo an alle hier,
    Magic Lantern habe ich auf meiner CANON 1100D probiert und war soweit begeister.
    Nur hatte ich das Problem das sich die Kamera manchmal nicht einschalten lässt. Ich musste den Akku rausnehmen kurz warten dann Akku wieder einsetzen und alles Funktionierte. Nun habe ich daraufhin ML wieder deinstalliert. Ohne Erfolg!
    Mir ist allerdings aufgefallen wenn ich eine Neue SD Karte benutze funktioniert alles wunderbar.
    Daraufhin habe die andere SD im Computer formatiert, aber ohne Erfolg. Was kann ich noch Tun. Hat jemand eine Idee?

  2. Pingback: Magic Lantern – Teil 3 – Fotoschule

  3. Günter
      November 13, 2016 at 1:32 PM
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    Hallo, ich habe eine d5 Mark 3 und würde gerne die Focus stacking Funktion auf eine Taste meiner Kamera legen geht das.
    Gruß
    Günter

    1. Martin Schwabe
        November 13, 2016 at 5:12 PM
      Kommentar bewerten

      Meines Wissens nicht

  4. Pingback: Magic Lantern – Teil 4 – fotocommunity-Fotoschule

  5. Pingback: Magic Lantern – Teil 2 – fotocommunity-Fotoschule

  6. Pulver Christian
      Dezember 19, 2015 at 5:13 PM
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    Guten Tag, gibts sowas auch für die Sony a6000…?
    Mit freundlichen Grüssen,
    Christian P.

  7. Pingback: Magic Lantern – Teil 1

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