Grundbegriffe der Lichtführung: Teil 2

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Im ersten Teil hatten wir Dir Begriffe aus dem Bereich der Ausleuchtung erklärt und gezeigt, die häufig verwendet werden und die eine eher generelle Bedeutung für die Gestaltung mit Licht haben. In diesem Teil wollen wir Dir einige speziellere Ausleuchtungsformen zeigen. Zum Teil können sie allein verwendet werden, zum Teil werden sie aber auch kombiniert mit den Beleuchtungsformen des ersten Teils. Wir werden an passender Stelle immer entsprechende Hinweise geben.

Fortgeschrittene Formen der Ausleuchtung

Einige der nachfolgend vorgestellten Lichtformen sind aufgrund der Bezeichnung beinahe selbsterklärend, andere haben wiederum sehr spezielle Namen, aus denen Du im ersten Moment nichts wirst ableiten können. Wenn Du aber den Grund für die Namensnennung kennst, wird schnell klar, was es bedeutet. Nun aber zu den einzelnen Techniken:

Augenlicht

Das Augenlicht ist eine sehr einfach anzuwendende Form der „Ausleuchtung“. Genau genommen leuchtest Du mit dem Augenlicht gar nichts aus, Du setzt einfach mit dem Blitz einen hellen Reflex in das Auge des Modells. Manchmal werden die Augenhöhlen dabei mit aufgehellt, diese Anwendung gehört aber eher in die nachfolgende Beleuchtungsform.

Der Reflex im Auge macht den Blick des Modells deutlich lebendiger. Er wird insbesondere dann notwendig, wenn der Fotograf selbst vor einem sehr dunklen Hintergrund steht, der sich nicht spiegeln kann. Helle Hintergründe (hinter dem Fotografen!), wie weiße Wände oder Himmel, erzeugen oft schon von allein einen ausreichenden Augenreflex.

Der einfachste Weg, ein Augenlicht zu erzeugen, ist entweder ein vorhandener oder ein aufgesteckter Blitz auf der Kamera. Die Leistung des Blitzes ist dabei nicht besonders relevant, denn Du benötigst nicht das Licht selbst, sondern im Grunde nur die Spiegelung des Kamerablitzes in der Iris.

Statt eines Blitzes kannst Du auch einen kleinen Reflektor (weiß oder silber) vor den Du Dich stellst (sofern ausreichend Licht auf den Reflektor fällt), nehmen. Der Reflektor spiegelt sich dann auch im Auge und erzeugt den gewünschten Effekt. Augenlicht ist meist hartes Licht.

 

Hier war kein künstlcihes Augenlicht nötig, da der helle Himmel im Hintergrund für ausreichend Reflexe gesorgt hat
Hier war kein künstliches Augenlicht nötig, da der helle Himmel im Hintergrund für ausreichend Reflexe gesorgt hat

Kontrastabschwächer

Hartes Sonnenlicht erzeugt harte Kontraste. Das kann bei Porträts sehr effektvoll sein, manchmal sind die Kontraste dann aber doch zu krass. Um die Fotos am Ende nicht über Gebühr bearbeiten zu müssen, musst Du die Kontraste reduzieren. Dies geschieht zum Beispiel wieder durch einen Aufsteckblitz, der dann aber durchaus mehr Leistung benötigt.

Den Effekt kann man dann so beschreiben: Die Leistung des Blitzes muss so stark sein, dass die Schatten sichtbar aufgehellt werden, aber so schwach bleiben, dass der Blitz die hellen Stellen im Motiv nicht dominiert. Kontrastabschwächer sind eher weich.

Kantenlicht/Spitzlicht

Manchmal kann es nötig sein, dass Du eine Form oder Oberfläche herausarbeiten möchtest. Dies gelingt oft nicht mit einer frontalen Beleuchtung. In diesen Fällen setzt Du ein Kanten- oder Spitzlicht ein. Es wird meist seitlich eingesetzt. Es gibt dann kein Führungslicht. Kantenlicht ist ein hartes Licht.

Ein hartes und seitliches Licht betont die Kanten (hier eher die Kurven). Es ist dem Streiflicht sehr ähnlich

Effektlicht

Ein Effektlicht trägt nichts zur eigentlichen Beleuchtung bei, es wird verwendet um zusätzliche (oft farbige) Effekte ins Bild zu bringen. Diese Effekte können das Motiv selbst betreffen, aber auch den Hintergrund, wo zum Beispiel ein Spot den Hintergrund partiell belichtet, oder ein Strahler sichtbar im Bild für eine Bühnenatmosphäre sorgt.

Zangenlicht

Das Zangenlicht ist ein Licht ohne Führungslicht (oder je nach Sichtweise mit zwei Führungslichtern). Beide Lichter (oder Blitze) stehen links und rechts vom Motiv, woraus eine sehr eigenwillige Schattenstruktur auf dem Motiv entsteht.

Streiflicht

Das Streiflicht „streift“ das Motiv. Dazu steht das Licht, bezogen auf die Kameraposition, schräg hinter dem Motiv. Die Position bestimmt wie „hart“ das Licht das Motiv streift.  Über das Streiflicht ist es möglich dem Motiv eine klare Struktur zu geben. Es wird primär, aber nicht ausschließlich vor dunklen Hintergründen verwendet. Wichtig ist dabei, dass Du versuchen solltest, auf der dunklen Seite soviel Restlicht zu haben, sodass sich das Motiv nicht komplett im Schwarz verliert. Dazu kannst Du zum Beispiel einen Reflektor verwenden.

Marlene-Dietrich-Licht

Sagt Dir die Schauspielerin Marlene Dietrich etwas? Sie ist unter anderem bekannt geworden durch das Lied: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, Lili Marleen“. Marlene Dietrich war sehr eitel, was ihre Darstellung auf der Bühne anging. Sie konnte es sich als internationaler Star erlauben den Bühnenbeleuchtern Vorschriften zu machen, in welchem Licht sie zu erscheinen hat.

Sie bevorzugte das so genannte „hochfrontale“ Licht, also ein Licht, das frontal, aber eben auch von sehr weit oben kommt. Sie war der Meinung, dass es ihren Gesichtszügen schmeichelt. Diese Lichtform wurde zwar schon früher in der Malerei verwendet, aber da es insbesondere von ihr so ausgeprägt verwendet wurde, hat ihr Name diese Lichtform geprägt.

Rembrandtlicht

Eine weitere berühmte Person, deren Namen eine wichtige Ausleuchtungsform bezeichnet, ist der Maler Rembrandt. In vielen seiner Gemälden hat er ein Licht verwendet, das von der Seite kommt und einen typischen Schatten erzeugt, der auf der dem Licht abgewandten Seite des Gesichts eine Art Dreieck erzeugt. Es ist ein eher hartes Licht.

Unterlicht

Das Unterlicht wird gern verwendet, um einer Figur oder einem Gesicht einen etwas bedrohlichen Charakter zu geben. Es kommt – wie der Name vermuten lässt – natürlich von unten und ist ein eher hartes Licht.

Fazit

In den beiden Teilen rund um die Ausleuchtung haben wir Dir die wichtigsten Arten der Ausleuchtung vorgestellt. Es gibt natürlich noch weitere Formen mit Licht zu gestalten. Wir werden in späteren Artikeln viele dieser Lichtformen kombinieren und mit Dir zusammen Lichtsets erarbeiten. Dabei werden sicher auch noch andere spezielle Beleuchtungsarten vorkommen, die wir dann aber im Artikel selbst kurz erläutern werden.

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15 Kommentare

  1.   September 14, 2016 at 11:50 AM
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    Hallo Gemeinde,
    wunderschön das Thema ‚Portrait und Licht‘ im Zusammenhang mit schönen Frauengesichtern zu zelebrieren, schauen wir doch gerne hin! Ich entdecke zu wenig das Risiko ein Männerportrait aufzuzeigen. die Kanten das Licht, die Dramatik und das vertraute. Wenn sich die Profis doch mal trauten, hätte ich einige Gesichter für die Kamera anzubieten. Oder ist Euch Dresden zu weit weg hinter dem Mond? Wie sagt ES, trauts Euch!!

  2. Dagmar Schrötter
      Juli 17, 2016 at 5:33 AM
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    danke für die Grundbegriffe der Lichtführung. Ich bin Anfänger und habe mich sehr gefreue über den gut erklärte Artilel. Konnte sehr viel lernen.
    LG Dagmar

  3. Stivell
      Juli 15, 2016 at 3:49 PM
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    Klar, kurz, übersichtlich geschrieben! „Kein 500 seitiger Roman“,
    mit Interesse abgespeichert!

  4. Gila Dünnebeil
      Juli 10, 2016 at 6:32 PM
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    Danke für die tollen Tips, vor allem im Thema ‚Lichtführung‘.
    Bei Thema ‚Marlene-Dietrich-Licht ‚ hat man auch die Möglichkeit mit Spiegeln zu arbeiten. Dann spart man eine 2. Lichtquelle. Kl. bis mittlere Spiegel fixiere ich mit Klemmen (Im Baumarkt zu erhalten) an Regalbrettern, Türleisten usw.

  5. Ewald
      Juli 6, 2016 at 2:03 PM
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    Gibt da nichts „mehr “ ;-) auszusetzen wobei mich das auch vorher nicht gestört hätte. Danke für die Infos und wenn im nächsten Teil die gängige Praxis dazu käme wäre alles perfekt. Gerne weiter so und ich gebe die Infos incl. Hinweis auf die Quelle gerne weiter.

  6.   Juli 6, 2016 at 10:25 AM
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    Sehr informativ, herzlichen Dank. Einiges werde ich umsetzen.

  7.   Juli 5, 2016 at 10:24 PM
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    liebe Lesende und Lesenderinnen,
    ich hab leider väterlicherseits das „Adlerauge“ geerbt und sehe Textfehler auch meistens direkt, aber hey, ist es wirklich nötig, hier auf solche aufmerksam zu machen, zumal das jedem Schreibenden passieren kann??
    sind wir doch einfach mal froh darüber und dankbar dafür, daß sich hier Leute die Mühe machen, uns Wissen zu vermitteln und meckern wir nicht besserwisserisch herum. Allrightie?
    DANKE, fotocommunity! *thumbsup*

    1. Reiner
        September 13, 2016 at 9:40 PM
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      Hier schließe ich mich gern an !

  8. Norbert
      Juli 5, 2016 at 8:05 PM
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    Liebe Redaktion,
    ich finde es toll, dass sich jemand die Zeit nimmt Dinge zu erklären, so dass wir Hobbyfotografen davon lernen können.
    Schade ist allerdings, dass es dann Leute gibt die denken sie müssten Korrektur lesen.
    Lasst Euch nicht beirren und macht weiter so. DANKE !!!

  9. Kurt Schörg
      Juli 5, 2016 at 7:41 PM
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    Weil wir gerade vom Licht sprechen und Sonnenlicht, Kompaktblitze und Studioblitze zum Einsatz kommen können, diese aber mit unterschiedlichen
    Lichtleistungsmaßen – wie Leitzahl und Wattsekunden – angegeben werden. möchte ich wissen, wie man da auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Ich kann mit der Leitzahl gut rechnen, scheitere aber sofort bei den Wattsekunden. Kann mir das jemand erklären. Danke

  10. Volker B.
      Juli 5, 2016 at 6:36 PM
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    Hallo, im Abschnitt „Rembrandtlicht“ steht:
    „(…) In vielen seiner Gemälden hat er ein Licht verwendet, das von der Seite kommt und einen typischen Schatten erzeugt, der auf der dem Licht Seite des Gesichts eine Art Dreieck erzeugt. (…)“
    Sollte es nicht „…erzeugt, der auf der dem Licht ABGEWANDTEN Seite…“ heißen?
    Ansonsten wäre ein bisschen Korrekturlesen nicht falsch, aber die Information kommt an. Danke!

    1. Martin Schwabe
        Juli 5, 2016 at 7:13 PM
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      Hallo Volker,

      danke für die Mithilfe, ich habe es entsprechend korrigiert. Wir sind Fotografen und keine Germanisten, wir lesen die Texte Korrektur, aber manchmal wird man nach dem dritten oder vierten Lesen auch ein wenig betriebsblind und sieht Dinge nicht, bei denen man (von anderen darauf gestoßen) dann sagt: Ja klar, wie doof von mir. Sieh uns diese kleinen Dinge nach, wir versuchen fachlich zumindest auf der Höhe der Zeit zu sein.

      1. Volker B.
          Juli 8, 2016 at 5:28 PM
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        Ich weiß, wie das ist…
        …und wie gesagt, die Informationen kommen an.
        Danke!

  11. Jentaia
      Juli 5, 2016 at 5:27 PM
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    Es sind sehr schöne Informationen. Jetzt fehlt noch Teil 3: Viel Licht mit kleinem Budget :)
    ABER: Es muss dringend mal jemand an den Text, der etwas von Stil und Zeichensetzung versteht. Teilweise fehlen Kommas oder Wörter, teilweise ist etwas zu viel. Und könnte der Programmierer zwischen die Bilder, die nebeneinander stehen, einen Border einfügen? -> Gesetz des gemeinsamen Bereichs

    1. Tom Schimmelpfennig
        Juli 5, 2016 at 5:45 PM
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      Hallo Jentaia,

      danke für die Hinweise. Leider hast Du noch die „alte“ Version vom Artikel erwischt, die noch im Cache hing. Die neue Version sollte sich schon etwas besser lesen und ansehen lassen :-)

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