Das 1×1 des Blitzens: Die Leitzahl erklärt

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Vor vielen Jahren sah ich folgenden Satz:
„Blitzen lernt man durch Blitzen.“
So seltsam dieser Satz klingen mag, in ihm steckt viel Wahrheit. Bei natürlichem oder vorhandenem Licht geht es „nur“ darum die Kamera so einzustellen, dass das Foto richtig belichtet ist. Sobald Du der Szene/dem Motiv zusätzliches Licht hinzufügst, hast Du einen oder mehrere zusätzliche Parameter, die Du auf dem „Zettel“ haben musst.
Du stellst nicht mehr nur die Kamera ein, sondern ggf. den Blitz, dessen Leistung, Standort und Lichtform. Verwendest Du mehr als einen Blitz, wird dies durchaus zu einer sehr komplexen Aufgabe.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Grundlagen bezüglich Reichweite, Leistung und somit der Leitzahl.

Kompakt- und Systemblitze im Vergleich

Für den Anfang werden wir uns auf System- bzw. Kompaktblitze beschränken.
Was sind Systemblitze bzw. Kompaktblitze? Im Grunde kann man sagen: Jeder Systemblitz ist ein Kompaktblitz, aber nicht jeder Kompaktblitz ist ein Systemblitz.

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Kompaktblitze

Die Bezeichnung Kompaktblitze ergibt sich durch die kompakte Bauart. Du hast bestimmt schon diese meist schwarzen Blitze gesehen, die Du auf den Blitzschuh der Kamera stecken kannst. Sie haben im einfachsten Fall nur einen Mittenkontakt, oder werden sogar nur per Kabel mit der X-Buchse der Kamera verbunden.

Kompaktblitze und Systemblitze
Äußerlich unterscheiden sich Kompaktblitze und Systemblitze praktisch überhaupt nicht. Es sind die „inneren Werte“, die den Unterschied (und damit auch den Preis) ausmachen. Mit allen vier Blitzen lassen sich nahezu identische Ergebnisse erzielen, nur der Weg dahin und der Aufwand dahinter ist höchst unterschiedlich.

Die Kommunikation zwischen der Kamera und dem Blitz beschränkt sich auf einen Zündimpuls. Dieser teilt dem Blitz mit, wann er zünden muss. So kann er den Sensor belichten, während der Verschluss komplett geöffnet ist. Die Kamera gibt keine Belichtungsdaten weiter und steuert auch nicht die Menge des Blitzlichts.

Systemblitze

Ein Systemblitz hat deutlich mehr Kontakte. Neben dem reinen Zündimpuls tauschen die Kamera und der Systemblitz umfangreiche Daten miteinander aus. Der Systemblitz erfährt von der Kamera:

  • die Brennweite
  • den Motivabstand
  • die eingestellte Blende
  • die Verschlusszeit
  • die ISO
  • und ggf. weitere Daten

Aus diesen Daten wird die benötige Lichtmenge ermittelt, die der Blitz abgeben muss.

Der Blitzfuß gibt erste Hinweise auf die Fähigkeiten des Blitzgerätes. (v.l.n.r.) Der Yongnuo hat nur einen Mittenkontakt und wird von der Kamera „nur“ ausgelöst. Die Einstellungen erfolgen manuell. Der Blitz von Metz hat hier nur einen Mittenkontakt, allerdings lässt sich der Fuß wechseln und der Blitz wird so kompatibel zu den unterschiedlichen Kameramarken. Der Canon-Blitz hat neben dem Mittenkontakt weitere Kontakte und ist damit kompatibel zum Blitzschuh von EOS-Modellen. Ganz rechts der Blitz von Rollei hat die meisten Kontakte, er ist kompatibel zu Nikon und Canon und erkennt von alleine die Kameramarke.

Die Belichtungsmessung erfolgt durch die Kamera und nennt sich TTL (Through The Lens), wobei hier jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und eigene Versionen von TTL verwendet (i-TTL – Nikon, e-TTL – Canon). Der Einfachheit halber ordne ich den internen Blitz vieler Kameras bei den Systemblitzen mit ein, da dessen Bedienung grundsätzlich gleich ist.

Die Leitzahl

Systemblitze haben oft Bezeichnungen wie:

  • Canon Speedlite 560 EX II
  • Rollei 56F
  • Metz 52 AF-1
  • Yongnou YB560-III

Die Buchstaben und andere Teile interessieren an dieser Stelle erst einmal nicht, es geht rein um die Zahlen. Diese Zahl in der Bezeichnung steht oft in Zusammenhang mit der Leistung des Blitzes.
Die Leistung von Systemblitzen (teilweise auch allen anderen Kompaktblitzen) wird in Form der Leitzahl angegeben. Die Leitzahl L ist ein Produkt aus dem Abstand A und der erforderlichen Blende B, um in dieser Entfernung das Motiv korrekt zu belichten.
L = A*B, klingt erst einmal sehr simpel.
Hat ein Blitz also eine Leitzahl von 56 erscheint es so, als hättest Du eine vernünftige Vergleichsgröße und der Blitz eine große Reichweite.

Leider geben die Hersteller die Leitzahlen sehr unterschiedlich an und wer nicht genau in die technischen Daten schaut, kann sehr schnell hereinfallen und der vermeintlich stärkere Blitz entpuppt sich am Ende als leistungsschwächer. Deshalb möchte ich die Zusammenhänge ein wenig ausführlicher erläutern.

Die Leitzahl bezieht sich (meist) auf zwei Eckwerte, nämlich ISO 100 und eine Blende von f/1. In diesem Fall (und nur in diesem) würde eine Leitzahl von 56 bei f/1 bedeuten, dass der Blitz eine maximale Reichweite von 56m hat (bei ISO 100, bei höheren ISO natürlich mehr). Zwar gibt es einige wenige Objektive mit dieser Lichtstärke, aber in der Praxis wirst Du eher im Bereich f/1,4 bis f/5,6 arbeiten. Stellst Du obige Formel um in A = L/B und setzt für L 56 ein und für B 5,6, dann hat der Blitz bei ISO 100 „nur noch“ eine Reichweite von 10 Metern. Leider kommt an diesem Punkt noch ein weiterer Parameter ins Spiel: Die Brennweite.

 

die Reflektorstellung eines Blitzes
Die Reichweite wird über die Reflektorstellung gesteuert. Hier sitzt die Blitzröhre weit vorn – Weitwinkel.

Die Angabe der Reichweite an sich ist zwar ein absoluter Wert, der sich durch die Brennweite nicht verändert. Allerdings erreichen die meisten Blitze diese Reichweite durch eine Art „Fresnel-Linse“ vor der Blitzröhre, deren Abstand variabel ist und entweder von Hand oder durch einen kleinen internen Motor verstellbar ist.

Verwendest Du ein Weitwinkel, muss der Blitz seine Blitzleistung in einem breiten Winkel streuen. Um den Bildwinkel von Objektiven unter 24 mm (eine übliche Untergrenze von Systemblitzen) auszuleuchten, verwenden höherwertige Geräte sogar eine zusätzliche Streuscheibe.
Um nun die maximale Reichweite zu erreichen, die aus der Leitzahlangabe hervorgeht, wird die abgegebene Blitzleistung gebündelt. Der Blitz leuchtet also nur noch einen Teil der Umgebung aus – passend zum Bildwinkel der verwendeten Brennweite.

Du musst beim Kauf von einem Blitz daher sehr genau hinschauen, wie die Leitzahl angegeben wird. Je nach Marke und Hersteller wirst Du solche Angaben finden:

  • Leitzahl 56 bei ISO 100 und 100 mm

oder

  • Leitzahl 58 bei ISO 200 und 135 mm.

In diesen beiden Beispielen hat also der obere Blitz (etwas) mehr Leistung, obwohl eine kleinere Leitzahl angegeben ist.

Leitzahl und ISO

Seitdem es Kameras gibt, die auch bei höheren ISO noch eine sehr gute Bildqualität ergeben, hat die Leitzahl ein wenig an Relevanz verloren. Nehmen wir das obigen Rechenbeispiel mit Leitzahl 56 und f/5,6, dann ergibt sich eine Reichweite von 10 Metern. Die Lichtmenge, die das Motiv erreicht, nimmt im Quadrat der Entfernung ab. Die Blendenwerte der vollen Blendenstufen tragen diesem Quadrat Rechnung, da der Unterschied zwischen zum Beispiel f/5,6 und f/4 genau bei der Wurzel aus zwei liegt (gerundet), also einer Verdopplung der Lichtmenge entspricht (oder der 1,4-fachen Entfernung).

Systemblitze Einstellungen
Systemblitze haben meist sehr umfangreiche Einstellungen.

Der Sprung um eine volle ISO-Stufe (von ISO 100 auf 200 oder von 200 auf 400) entspricht genau einer Blendenstufe. Nehme ich jetzt einen Blitz mit Leitzahl 40 (eine Leistungsstufe geringer) und gehe von ISO 100 auf 200, kann ich für die Rechnung auch einfach f/4 statt f/5,6 nehmen.
Aus A = L/B wird 40/4, also wieder 10 Meter. Du kannst also durch Anheben der ISO die Reichweite der Blitze deutlich erhöhen. Bei noch höheren ISO sind durchaus Reichweiten von 30 und mehr Metern möglich (sie benötigen dann allerdings auch entsprechende Brennweiten).

Leitzahl und Sensorformat

Um es noch etwas komplizierter zu machen: Das Sensorformat spielt für die Reichweite durchaus auch eine Rolle. Wie ich weiter oben erklärt habe, hängt die Reichweite ganz wesentlich davon ab, welcher Bildwinkel ausgeleuchtet werden muss. Nun haben eine Brennweite von 85 mm an Kleinbild und 85 mm an APS-C einen unterschiedlichen Bildwinkel. Reicht ein Blitz an KB aus maximal 85 mm auszuleuchten, hast Du an der APS-C die größeren Reserven (mit entsprechend mehr Reichweite, da Du den Blitz eine Stufe weiter hochzoomen kannst – wenn der Blitz es zulässt.) und kannst daher eine größere Reichweite bei ggf. längerer Brennweite  erzielen.Aber Achtung: Manche Blitze erkennen das Sensorformat von alleine und stellen den Reflektor von selbst passend zur Brennweite ein. In solchen Fällen hilft nur der Blick in die technischen Daten.

Fazit

Die Leitzahl ist für Dich der Schlüssel, um den passenden Blitz für Deine Zwecke zu finden. Natürlich gibt es noch andere Funktionen und Leistungsmerkmale eines Blitzes, die wichtig sind. Zum Beispiel, ob der Reflektor beweglich ist und wenn ja, in welche Richtung. Und auch die Leistungsdaten sind nicht unwichtig (zum Beispiel wie schnell der Blitz auflädt).

Es ist durchaus von Vorteil, sich einen Blitz einer höheren Leistungsklasse zu beschaffen. Der Grund ist schnell erklärt: Fordere ich nicht immer die Maximalleistung ab, lädt der Blitz schneller nach und ich habe schnellere Blitzfolgen. Der Nebeneffekt: Die thermischen Probleme sind deutlich geringer, die bei schnellen Blitzfolgen auftreten können. Diese Punkte werden wir in nächster Zeit noch weiter herausarbeiten und gemeinsam in der Praxis „erfahren“.
Mehr Informationen zum Thema Blitzen findest Du auch in diesen Artikeln:

Unser Lesetipp: Online-Fotokurs Blitzfotografie 1: Technische Grundlagen

Online-Fotokurs Blitzfotografie 1: Technische Grundlagen
Online-Fotokurs Blitzfotografie 1: Technische Grundlagen

 

Der erste Teil „Blitzfotografie1: Technische Grundlagen“ unserer Online-Fotokursreihe zum Thema „Blitz“ beschäftigt sich mit den Grundlagen. Wir erklären den Aufbau eines Blitzes und Du lernst Begriffe wie Blitzsynchronzeit und Leitzahl kennen. Zudem gibt es praktische Anwendungsbeispiele.

 

 

9 Kommentare

  1. Lass ihn man, tatsächlich war der Absatz, über den einige sich „beschweren“ von der Sache richtig (größere Blitzreichweite), aber missverständlich formuliert. Manchmal sehe ich auch vorlauter Bäumen den Wald nicht. Darauf kann man freundlich hinweisen (wie einige es taten) oder unfreundlich. Über Ersteres freue ich mich, bei Letzterem zucke ich mit den Schultern und denke mir halt: Dann schreib doch Deine eigene Fotoschule. Von daher ist alles gut, mich ficht so ein Verhalten nicht an (zumal es eh immer dieselben sind, die erfahrungsgemäß selbst auch immer mal daneben liegen).

  2. Jetzt hab ich es selbst falsch formuliert 8-)
    Durch den Crop muss es heißen 135mm an APS-C * 1,6 = 216 was bedeutet, dass ich für den gleichen Bildausschnitt an KB 216mm Brennweite bräuchte. Auf das Bsp. im Artikel übertragen bedeutet das, dass im Vergleich der Bildausschnitte zwischen APS-C und KB für KB die größere Brennweite benötigt wird. Im Artikel ist es aber anders herum dargestellt, dort sitzt die größere Brennweite von 135mm an APS-C. 85mm an KB würden für APS-C nämlich in etwa 50mm entsprechen

    1. Zu dem Quark und „ähnlichen Freundlichkeiten“:
      Ich vergleiche Blitzreichweite und nicht Brennweiten und nicht Bildwinkel. Wenn ich eine Reichweite vergleiche, dann verändere ich natürlich nicht meinen Standort, alles andere wäre ziemlich sinnfrei. Reicht mein Blitz an KB,um ein Motiv in einer bestimmten Entfernung bei 85 mm Brennweite gerade soeben auszuleuchten, dann kann ich ihn an meine APS-C mit 85 mm stecken und habe einen kleineren Bildwinkel, der Blitz muss also eine geringere Fläche ausleuchten. Dadurch kann ich bei gleicher Brennweite eine höhere Reichweite erzielen, in dem ich den Blitzreflektor auf eine um den Cropfaktor verlängerte Brennweite zoome. Ggf kann ich sogar eine größere Brennweite wählen, sofern die Reflektorstellung mitspielt

      1. Mir kommt es so vor, dass sich die Formulierung des Ausgangsartikels in der Zwischenzeit grundlegend geändert hat und die Kommentare dadurch mittlerweile sinnlos geworden sind.

        1. Tatsächlich habe ich aufgrund der freundlichen Hinweise einiger Leser zwei Halbsätze umformuliert, damit sie verständlicher werden.Die Grundaussage:Die Blitzreichweite ist (sofern die Reflektorstellung es zulässt) bei APS-C höher ist geblieben.

  3. Die findet sich im Belichtungsdreieck und den Zusammenhängen aus ISO, Blende und Zeit. Ist übrigens keine „Behauptung“, sondern ein Fakt

  4. Gerne. Bleibt dabei, dass die Blitzreichweite bei APS-C höher ist, sofern der Reflektor mitspielt. (Unter der Voraussetzung, dass ReicHewitt Reichweite meint und FF eine wie auch immer geartete Abkürzung für Kleinbildformat sein soll).

    1. – war aber trotzdem leider Quark,
      denn bei kleinerem Sensorformat (z.B. APS-c vs. KB)
      muß man bei gleicher Brennweite des Objektivs
      halt weniger Fläche ausleuchten,
      weil der Bildausschnitt kleiner ist.

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