Fotografieren mit einem Fernauslöser – Vorteile

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Das kleine Gerät, das in jeden Fotorucksack gehört, über das aber viel zu wenig gesprochen wird, ist der Fernauslöser. Er ist wortwörtlich der verlängerte Arm des Landschaftsfotografen. Auf meinen Fototouren in den vergangenen Monaten habe ich dem kleinen Gerät, dem ich sonst nur beiläufig Aufmerksamkeit schenke, ein wenig mehr Zeit gewidmet. Begleitet hat mich der Wireless Fernauslöser der Firma Rollei – ein programmierbarer Fernauslöser für meine Kamera. Doch für was brauche ich diesen als Landschaftsfotograf eigentlich?

Der Rollei Fernauslöser in Aktion
Der kompakte Wireless Fernauslöser von Rollei in Aktion

Den Fernauslöser für Deine Kamera nutzen

Der ursprüngliche Nutzen eines Fernauslösers war es, die Kamera auszulösen, ohne dass der Fotograf diese verwackelt. Wenn der Fotograf einfach auf den Auslöser auf dem Kamerabody drückt, kann dies schnell passieren. Gerade immer immer dann, wenn die Belichtungszeit etwas länger wird. Wäre das Foto aus der Hand verwackelt, nutzt man in der Regel ein Stativ. Ohne Fernauslöser hilft aber auch das nichts. Denn selbst die Berührung der Kamera bringt diese in Schwingungen. Ein programmierbarer Fernauslöser ist da eine gute Lösung. Er kann nämlich noch viel mehr, als nur die Kamera durch einfaches Drücken des Knopfs auslösen. Er ist vielmehr eine Fernsteuerung für die Art und Weise, wann eine Kamera ein Foto aufnimmt.

Über den Autor

Bastian Werner ist Autodidakt. Sein Wissen im Bereich Fotografie und Meteorologie hat er sich über Jahre hinweg erarbeitet. Angetrieben wurde er dabei von seiner Leidenschaft für Fotografie und gefährlichen Wetterphänomenen.
Bastian hat inzwischen seine Abschlussarbeit beim Deutschen Wetterdienst geschrieben, ist Fototrainer und Buchautor. Zudem gibt er sein Wissen über die Wettervorhersage und Gewitterfotografie in diesem Online-Fotokurs gern an Dich weiter.

Bulb – die Belichtungszeit selbst bestimmen

Die meisten Kameras können voreingestellt maximal 30s lang belichten. Wer mehr möchte, der schaltet seine Kamera in den Bulb-Modus. In diesem Modus belichtet die Kamera exakt so lange, wie der Benutzer den Auslöser drückt und gedrückt hält. Mit einem herkömmlichen Fernauslöser, der aus einem Kabel sowie Knopf besteht, müsste ich in meinem Kopf die Zeit mitzählen oder eine Uhr beobachten. Ersteres ist nicht besonders genau und das Ablesen in der Dunkelheit müßig. Der Fernauslöser von Rollei hat daher ein praktisch beleuchtetes Display.

Für meine Fotografien des Polarlichts setze ich verschiedene Fotos zu einer finalen Aufnahme zusammen. Hierbei belichte ich den Vordergrund in den Fotos besonders lang bei einer niedrigen ISO-Stufe. Die Belichtungszeit kann dabei mehrere Minuten betragen. Nur so bekomme ich ein rauscharmes Foto mit hellem Vordergrund. Hinterher überlagere ich dieses Foto mit einer kurzen Belichtungszeit für das Polarlicht. Da es sehr lästig wäre, mehrere Minuten selbst die Zeit zu stoppen, braucht man hierzu einen programmierbaren Fernauslöser.

Polarlichter mit programmierbarem Fernauslöser fotografieren
Ein programmierbarer Fernauslöser erleichtert das Fotografieren solcher Motive enorm.

Hierzu programmiere ich die gewünschte Zeit einfach auf dem Fernauslöser ein. Dieser stoppt die Aufnahme nach der gewünschten Dauer. Ich muss mich also nicht darum kümmern mitzuzählen.

Intervall - eine Art, den Wireless Fernauslöser von Rollei zu programmieren

Das Polarlicht ändert sich im Sekundentakt. Es zaubert viele verschiedene Formen und Farben an den Nachthimmel. Es ist kaum möglich auf diese Änderung zu reagieren. Aus diesem Grund mache ich vor Ort einen Bildaufbau und hänge dann den Fernauslöser an die Kamera mit aktivierter Intervallaufnahme. Dabei lasse ich die Kamera einfach laufen und schaue am Schluss, welcher Moment mir am besten gefällt. Hierzu verwende ich die Intervallaufnahme des Fernauslösers. Als praktischen Nebeneffekt erhalte ich so auch gleich einen schönen Zeitraffer. Diesen muss ich natürlich aus den RAW-Daten entwickeln.

Polarlichter über einer Berglandschaft
Polarlichter sind spektakuläre Motive

Für ein richtiges Story-Telling sind einzelne Fotos oft nicht ausreichend. Aus diesem Grund arbeite ich generell mit Zeitraffer-Videos. Viel tun muss ich dafür tatsächlich nicht. Ich bringe meine Kamera in eine sinnvolle Position, sodass ich einen gefälligen Bildaufbau habe.

Je nach Bewegungsablauf des Motivs stelle ich auf dem Fernauslöser ein Intervall von 1s bis 5s ein. Die Kamera schalte ich in den Einzelbildmodus. Der Autofokus ist ausgeschaltet. Wenigstens 400 Fotografien sollten für einen Zeitraffer angefertigt werden. Bei 25fps im Video entspricht dies gerade einmal 16s Zeitraffer. Im Kopf überschlage ich grob über welchen Zeitraum hinweg ich aufnehmen möchte. Wenn die schöne Stimmung etwa 30min anhält und ich mindestens 400 Fotos aufnehmen muss entspricht dies einem Intervall von 4s. Dies programmiere ich in den Wireless-Fernauslöser ein.

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Single-Einzelaufnahme bei schwierigen Bedingungen

Wenn ich den Fernauslöser gerade einmal nicht programmieren muss, so muss ich dennoch Fotos aufnehmen, ohne sie zu verwackeln. Auch wenn dieser Job natürlich auch durch jeden anderen Fernauslöser getätigt werden kann, brauche ich die Funktionen eines programmierbaren Fernauslösers an anderer Stelle. Und nein, die 2s Selbstauslöser als Ersatz für den Fernauslöser funktionieren nicht mehr bei Teleobjektiven. Bei längeren Belichtungszeiten schwingt das große Objektiv auf dem Stativ auch bei 2s noch etwas.

Das nächste Problem ist, dass nur wenige Kameras eine Spiegelvorauslösung und einen Selbstauslöser gleichzeitig zulassen. Für diesen Fall muss deshalb ein Fernauslöser her. Der Fernauslöser von Rollei hat dafür eine Zeitanzeige mit Belichtungskontrolle und Signalton.

Doch ich kann das genannte Problem lösen. Bei großen Brennweiten bei einer DSLR löst das Wegklappen des Spiegels Vibrationen aus, die das Foto verwackeln. Deshalb sollte mit dem Teleobjektiv immer der Fernauslöser verwendet und in der Kamera die Spiegelvorauslösung eingestellt werden. Bei kurzen Belichtungszeiten spielt dies keine Rolle.

Fotografieren am Meer mit stabilem Stativ und keinerlei Bewegung an der Kamera dank Fernauslöser
Lange Brennweiten erfordern ein stabiles Stativ und keinerlei Bewegung an der Kamera.

Serienbild durch Arretierung des Auslöseknopfes des Wireless-Fernauslösers

Wenn ich Blitze fotografiere, benötige ich einen Fernauslöser. Hierfür muss dieser nicht einmal programmierbar sein. Gewitterblitze tauchen plötzlich am Himmel auf und sind genauso schnell wieder verschwunden. Um einen Blitz zu fotografieren, muss die Kamera im Moment des Auftretens des Blitzes bereits belichten.

Meine Faustregel ist, dass ich mindestens eine Belichtungszeit von 1/4s haben möchte, bevor ich mit der Kamera anfange Blitze zu fotografieren. Davor macht es einfach keinen Sinn.

Die Vorteile des Fernauslösers

Um nun möglichst wenig Totzeit zwischen den Aufnahmen zu haben, schalte ich die Kamera selbst in die Serienbildfunktion. Nun müsste ich umständlich über einen langen Zeitraum hinweg den Auslöser am Kamerabody gedrückt halten. Dabei würde ich die Fotos unter Umständen auch verwackeln. Den Auslöserknopf am Fernauslöser kann ich hingegen arretieren. Wenn ich dies tue, fotografiert die Kamera nun mit minimaler Verzögerung ein Foto nach dem anderen als Serie. Wenn es nun einen Blitz gibt, ist dieser definitiv auf meinem Sensor. Diese Methode erfordert jedoch eine große und schnelle Speicherkarte, sodass auch wirklich 4 Fotos pro Sekunde geschrieben werden können.

Gewitter fotografieren mit dem Wireless Fernauslöser von Rollei
Für solch kurze Momentaufnahmen ist der Wireless Fernauslöser von Rollei ein perfekter Unterstützer.

Langzeitbelichtung (Bulb) für Astrofotografie

Für meine Astrofotografie benötige ich einen programmierbaren Fernauslöser, um die Kamera zwischen den Belichtungen auf keinen Fall zu bewegen. Der Rollei Wireless-Fernauslöser erwies sich für diesen Zweck als einfach zu bedienen. Wenn ich wirklich Deep-Sky Fotos aufnehme (ich benutze hierzu kein Teleskop sondern meine Objektive mit einer spezielle Astrofotografie-Nachführung) müssen Aufnahmen unterschiedlichster Belichtungszeit überlagert werden. Ich muss die Astronachführung (Polarie) hierbei manuell auf den Polarstern ausrichten. Dieser Prozess ist anfällig für kleinstes Wackeln an der Kamera oder dem Stativ.

Wenn ich alles ausgerichtet habe, nutze ich den Fernauslöser, um der Kamera die Belichtungszeiten vorzugeben. Hierfür ist die Kamera auf Bulb geschaltet. Manche Objekte erfordern, dass verschiedene Belichtungszeiten überlagert werden.

Die Belichtungszeit bei Fernauslösern

Damit ich zum Bearbeiten der Belichtungszeit die Kamera nicht anfassen muss, programmiere ich den Fernauslöser. Manche Aufnahmen erfordern eine Belichtungszeit von mehreren Stunden. Hierzu schließe ich die Kamera an eine externe Stromquelle an, denn der Akku der Kamera hält nicht so lange wie die Batterie im Fernauslöser. Ich kann die Kamera bequem alleine lassen und mich schlafen legen, während der Fernauslöser meine Arbeit erledigt und die Kamera auslöst.

Da der Wireless Fernauslöser von Rollei per Funk arbeitet, gibt es sogar die Möglichkeit meine Kamera bis zu 50 Meter entfernt zu platzieren. Ich kann die Belichtungszeiten auf Distanz ändern und laufe nicht Gefahr, mir einige Aufnahmen zu versauen, weil ich mit der Kopflampe in das Objektiv leuchte.

Astrofotografie mit langer Belichtungszeit
Durch die sehr langen Belichtungszeiten sind Fernauslöser für Astrofotos unabdingbar.

HDR Fotografie mit dem Wireless Fernauslöser von Rollei

Bei HDR Aufnahmen ist es wichtig, dass die einzelnen Fotos der Belichtungsreihe deckungsgleich sind. Auch hier besteht das Problem, dass – beim Fotografieren mit dem Teleobjektiv – sich durch das Drücken des Auslösers die einzelnen Aufnahmen etwas gegeneinander verschieben. Es ist deshalb nützlich das Bracketing in der Kamera zu aktivieren und anschließend den Fernauslöser zu verwenden.

Diese Methode spart zudem auch Zeit gegenüber der Methode, einfach nur den Selbstauslöser einzuschalten. Durch die Möglichkeiten des Rollei Wireless Fernauslösers ohne direkte Kabelverbindung zur Kamera die Aufnahme zu starten, verringert sich noch einmal das Risiko, durch Ziehen am Kabel die Aufnahme zu verwackeln.

Sonnenuntergang in HDR mit einem Funkfernauslöser

Selbstportraits in der Landschaft

Das Praktische an einem Funkfernauslöser sind Selbstportraits. An manchen Tagen stelle auch ich mich gerne einmal in mein eigenes Foto. Immer dann, wenn einem bestimmten Bildaufbau noch ein Motiv fehlt. Manchmal stimmt die Landschaft, aber erst ein eindeutiges Motiv würde das Foto abrunden.

Ich stelle meine Kamera daher auf den Modus A (Av), damit diese die Belichtungszeit automatisch anpasst. Dann aktiviere ich noch das Bracketing und schließe den Fernauslöser an. Anschließend gehe ich mit meiner anderen Kamera zu einem anderen Motiv in Reichweite des Auslösers und gestalte auch dort einen gefälligen Bildaufbau. Wenn ich dann sehe, dass das Licht bei Kamera 1 gerade super ist, drücke ich kurz den Auslöser auf der Fernbedienung. Dann wird eine Belichtungsreihe angefertigt. Ich kann mich damit voll und ganz auf die Arbeit mit Kamera 2 konzentrieren. Auf diese Weise lässt sich die Chancenauswertung maximieren.

Zwei Kameras, zwei Motive

Wenn ich an einem Fotospot bin und bemerke, dass ich gerne zwei Perspektiven im besten Licht aufnehmen würde, diese aber recht weit voneinander entfernt sind, dann benutze ich hierfür ebenfalls den Fernauslöser. In der Landschaftsfotografie wird pro Motiv der Fokus und die Blende einmal eingestellt, wenn der Bildaufbau gefällig ist. Anschließend wartet man nur noch auf das richtige Licht.

Hierzu stelle ich die Kamera so ein, dass mir die Belichtung gefällt. Anschließend gehe ich einfach zum gewünschten Punkt, an dem ich in meinem Foto stehen möchte und fertige ein paar Aufnahmen in verschiedenen Posen von mir an. Die Funk-Reichweite des Wireless Fernauslösers von 50m gibt mir dabei viel Bewegungsspielraum.

Selbstportrait mit dem Rollei Fernauslöser
Selbstportraits? Schwierig ohne Fernauslöser…

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