Nachruf auf Dieter Findeisen: Der Grandseigneur des Fotolabors

Nachruf Dieter Findeisen
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Am 22. Juli 2022 verstarb Dieter Findeisen im Alter von 91 Jahren. Als man Bilder noch im Labor entwickelte und nicht mit Lightroom, war er ein großer Meister dieser Kunst. Sein Wissen gab er mit Witz und Engagement in unzähligen Zeitschriftenbeiträgen weiter. Unter den Lesern der Fachzeitschrift FOTO HOBBYLABOR, die später Teil von ColorFoto wurde, hatte er eine treue Fangemeinde.

Dieter Findeisen
Dieter Findeisen

Ein Sommertag im Jahr 1988: Für die 50. Ausgabe von FOTO HOBBYLABOR plant die Redaktion einen großen Sonderteil. Dieser soll die Entwicklung der Labortechnik in den letzten drei Jahrzehnten Revue passieren lassen. „Wer macht’s?“ so lautet die Frage, die eigentlich nur eine Antwort zulässt: Dieter Findeisen. Als „Dienstältester“ Autor erhält er den Auftrag, die technischen Highlights und teils fragwürdigen Entwicklungen dieser Zeit zu kommentieren. „Viel Ehre, aber auch ein Haufen Arbeit,“ dürfte er sich damals gedacht haben. Den Auftrag erledigte er wie immer: zuverlässig und auf seine ganz eigene, unnachahmliche Art.

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Dabei kam ihm sein profundes und „historisches“ Detailwissen zugute. Außerdem hatte er immer ein Auge fürs Detail, einen hintergründigen Humor und – für uns, die wir damals in unseren Dreißigern waren – die Weisheit des Alters. Bei jedem Thema: Es machte Spaß, ihm zuzuhören und seine Texte zu lesen. Sein Schreibstil war salopp und persönlich gefärbt, alles andere als akademisch, dennoch präzise in der Beschreibung technischer Abläufe.

Die hohe handwerkliche Kunst seiner Laborarbeiten beeindruckt uns noch heute, kleine Meisterwerke waren das. Auch seine Manuskripte, die er gerne persönlich in der Redaktion vorbeibrachte, vergisst man nicht – mit Schreibmaschine geschrieben und mit kleinen Papierfahnen zum Ausklappen versehen, die Textergänzungen enthielten. Denn mit elektronischer Textverarbeitung fremdelte er ebenso wie mit der Digitalfotografie.

Im Kopf und in seiner Art aber blieb er immer der junge, interessierte, kreative und vielbelesene Mann, den wir alle schätzten. Als es in seinen späten Achtzigern gesundheitlich nicht mehr so rund lief, behielt er seinen Humor und sein positives Denken. Photoshop war ihm zu kompliziert, aber Smartphone und Tablet nutzte er gerne zur Kommunikation mit seinen Töchtern und Enkeln.

Aus der „schnelllebigen Zeit“, auf die er gerne auch mal schimpfte, hat er sich jetzt verabschiedet. Seine spannenden, unterhaltsamen und sympathisch-verrückten Ideen rund um die Fotografie bleiben uns aber erhalten. Danke, Dieter!

Reinhard Merz und Karl Stechl

Den Beitrag „Nichts als Fortschritt?“ zur 50. Ausgabe von FOTO HOBBYLABOR 3/88 findest Du hier zum Download als PDF-Datei.

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