Drei Methoden für faszinierende Fotos von spiegelnden Objekten

methoden-faszinierende-fotos-spiegelnde-objekte-teaser

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Wie Du siehst, ist das Thema Spiegelungen sehr komplex. Wir haben daher schon einige Beiträge zu diesem Thema verfasst. Bisher ging es aber immer darum, dass sich das Motiv selbst in einer Oberfläche in irgendeiner Form gespiegelt hat. Es gibt aber noch einen völlig anderen Fall, der Dir begegnen wird:

In diesem anderen Fall hat das Objekt selbst eine spiegelnde Oberfläche.

Du fotografierst also kein gespiegeltes Objekt, sondern im Grunde die Spiegelung in einem Motiv. Diese Spiegelung kann dabei sehr abstrakt sein (wenn nicht erkennbar ist, was sich in dem Objekt spiegelt) aber auch sehr konkret, weil Du in der Spiegelung ein anderes Motiv mehr oder minder genau erkennen kannst. Dabei wird das in dem Objekt gespiegelte Motiv durchaus abstrahiert bzw. verzerrt.

Spiegelnde Objekte professionell zu fotografieren ist ein sehr komplexes und anspruchsvolles Thema, das selbst professionellen Fotografen einiges Kopfzerbrechen bereitet. Soweit wollen wir daher zum Einsteig nicht gehen, sondern Dir einige grundlegende Dinge erklären und zeigen, wie Du auch mit wenig Aufwand und einfachen Mitteln tolle Fotos bekommst.

Spiegelnde Objekte – das Problem

Wenn ein Motiv spiegelt, kannst Du es natürlich einfach fotografieren. Einfach fotografieren bedeutet, dass Du es im Sucher anvisierst und der Kamera die Belichtungsmessung überlässt und dann fotografierst.

Du siehst hier zwei Beispiele (unbearbeitet), die Dir das „Problem“ zeigen:

Im linken Beispiel handelt es ich um eine lackierte, im rechten Beispiel um eine metallische Oberfläche.

In beiden Fällen ist das Problem offensichtlich: Du wirst erkennen, was fotografiert wurde, aber Du siehst auch etwas völlig anderes in den Fotos: Den Fotografen!

In einigen wenigen Fällen mag das angebracht oder sogar gewünscht sein, im Allgemeinen wird es aber so sein, dass Du es nicht möchtest. Der Betrachter soll sich für das Foto interessieren und nicht für Deine Person in dem Foto.

Du musst also einen Weg finden, das spiegelnde Objekt so zu fotografieren, dass Du selbst (oder andere unbeabsichtigte Dinge) nicht in dem Foto zu sehen sind.

Eine Alternative der aktiven Spiegelung: Fotografiert wurde ein kleiner Tümpel, in dem sich ein Gebäude spiegelt. Der Tümpel an sich ist nicht zu erkennen. Dafür aber das Gebäude. Durch die kleinen Wellen auf dem Tümpel wird die Spiegelung des Gebäudes abstrahiert, bleibt aber als solche erkennbar.

Wie kann ich die Spiegelung beeinflussen?

Es gibt verschiedene Methoden, zu verhindern, dass Du selbst in der Spiegelung zu sehen bist:

Möglichkeit 1: Winkel verändern

Die einfachste Methode ist, dass Du den Winkel so veränderst, dass Du nicht mehr in der Spiegelung zu sehen bist, sondern ein geeigneter Untergrund. Dies bedeutet: Du musst Dir Gedanken machen, was Du spiegeln möchtest und Du musst Den Blickwinkel verändern (sofern dies geht). Anhand der Kugeln möchten wir Dir in einfacher Form zeigen, wie Du dies machen kannst:

Die gezeigten Fotos erfüllen keinen künstlerischen Anspruch, sie zeigen aber genau den gewünschten Effekt:

Variiere den Kamerawinkel so, dass der Untergrund zu sehen ist (oder jede andere Form der Spiegelung, die nicht einem direkten geraden Blick auf die Spiegelung entspricht).

Du wirst dann nicht mehr Dich selbst in der Aufnahme sehen können, sondern kannst die Spiegelung selbst „bewundern“.

Möglichkeit 2: Lichtführung anpassen

Eine weitere Möglichkeit die Spiegelung zu beeinflussen, siehst Du hier:

In den obigen Beispielen zeigen wir Dir eine völlig andere Form der Spiegelung. Es geht bei dieser Spiegelung nicht darum, dass in der Spiegelung andere Motive zu sehen sind, sondern darum, dass die Spiegelung dem Motiv „Plastizität“ verleiht. Erreicht wird dies durch die Form der Lichtführung.

Generelles Prinzip des Aufbaus der Spiegelung ist, dass aus der Richtung, aus der die Kamera blickt, kein Licht kommt. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur von der Kamera selbst kein Licht kommt, sondern auch der Hintergrund dunkel ist.

Der Effekt in dieser Art der Spiegelung beruht in der Form des Lichtaufbaus.

Aus Richtung des Fotografen sollte wenig bzw. gar kein Licht kommen. Die Lichtquellen liegen hier seitlich vom Motiv. Es können Dauerlichtlampen sein oder Blitzlichter. Beide Quellen (es ist im Grunde nur eine Einstellungssache, welche Du wie verwendest) werden eher seitlich verwendet. Die Spiegelung siehst Du „nur“ in Form von Reflexen im eigentlichen Motiv. Aber genau diese Reflexe sind es, die dem Motiv Plastizität verleihen.

Dies bedeutet: das Foto ist zweidimensional, die Spiegelungen, also die Lichtreflexe, fügen dem Foto eine dritte Dimension zu.

Möglichkeit 3: Spiegelung und Unschärfe kombinieren

Aus früheren Artikeln wird Dir noch in Erinnerung sein, dass es eine weitere Möglichkeit gibt, ein Motiv zu abstrahieren. In den ersten Beispielen haben wir Dir gezeigt, dass es seltsam wirkt, wenn Du ein spiegelndes Objekt fotografierst und in dem Objekt ist der Fotograf zu sehen.

Aus früheren Artikeln weißt Du, dass Unschärfe eine gute Möglichkeit ist, ein Motiv zu gestalten. Es bietet sich also förmlich an, beides zu kombinieren:

Du siehst ein zugegeben extremes Beispiel. Das Motiv ist extrem spiegelnd.

Es handelt sich (falls Du es nicht erkannt hast), um ein Saxophon aus poliertem Messing. Fotografiert wurde es mit einem Makroobjektiv. Makros haben das Problem, aber eben auch den Vorteil der extrem geringen Schärfentiefe. Diese Geringe Schärfentiefe verhindert, dass sich Spiegelungen sichtbar in dem Foto manifestieren. Die knappe Schärfe schränkt natürlich auch die Sichtbarkeit der Spiegelung sein, sie wird abstrahiert.

Obige Fotos zeigen ein extrem spiegelndes Motiv, die Nähe und die Details lösen das Motiv nahezu völlig auf. Die Schärfentiefe ist viel zu gering, um Details in der Spiegelung zu erkennen. Die gezeigten Fotos wären aber durchaus geeignet an der Wand einer Musikerbar zu hängen.Im Hintergrund siehst Du unscharfe Kreise, die durch Spiegelungen erzeugt werden, die außerhalb der Schärfen(tiefe) entstehen.

Diese Unschärfekreise wirken rund. Dies liegt nicht an der Entfernung vom scharfen Punkt, sondern an der Form der Blende. Ein kleiner Ausflug in ein anderes Thema: Die Form der unscharfen Kreise hat elementar mit dem begriff „Bokeh“ zu tun und liegt unter anderem an der Form der Blende und der Zahl der Blendenlamellen.

Fazit: Diese drei Formen der aktiven Spiegelung kennst Du jetzt

Du hast jetzt drei verschiedene Formen der aktiven Spiegelung kennen gelernt:

  • die aktive Spiegelung, bei der sich das Motiv in dem Gegenstand spiegelt
  • die Reflexion der eigentlichen Lichtquellen in dem spiegelnden Gegenstand
  • die sich in der Unschärfe verlierende Reflexion des fotografierten Motivs.

Alle drei Varianten kannst Du als gestalterisches Mittel verwenden.

Du möchtest Dein Fotowissen vertiefen?

Lerne jetzt unser neues Kursangebot kennen!



Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund