Einstieg in die Landschaftsfotografie

Einstieg-Landschaftsfotografie-Teaser

Naturfotografie: alles, was Du darüber wissen solltest

Licht, Aufnahmezeitpunkt, Standort, Perspektive und Bildwinkel (also Objektivbrennweite) entscheiden, ob eine Naturaufnahme gelingt. Wir zeigen Dir, wie Du die bildbestimmenden Faktoren steuern, und wie Du Dich umfassend auf die Naturfotografie vorbereiten kannst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 06-2016.

Naturfotografie: schwarzer-sand-island
Wo, wenn nicht auf Island, kann man Dünen aus schwarzem Sand fotografieren. Die feinen Schleierwolken und das weiche Sonnenlicht entschädigten für das verpasste Nord- bzw. Mondlicht während der bewölkten Nacht. Beim Fotografieren von Landschaften lohnt es sich eben, flexibel zu sein (Canon 5D MkII, 24 mm Tilt&Shift, Blende 10, 1/13 s, Polfilter). Fotograf: Rainer Mirau

Naturfotografie: Geschichte

Das Bedürfnis von Menschen, Landschaften abzubilden, hat eine lange Tradition: Bereits im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Landschaftsmalerei in den Niederlanden als eigenständige Kunstrichtung. Landschaft definiert sich in diesem Zusammenhang als optisches Erscheinungsbild einer Umgebung, die durch den Künstler interpretiert wird, um eine bestimmte Wirkung beim Betrachter zu erzielen.

Für Fotografen gehören Landschafts- und Naturerlebnisse zu den nachhaltigsten Eindrücken, die man von einer Reise mitnehmen kann. „Was bei der Naturfotografie am meisten zählt“, weiß Profi-Fotograf Siegfried Layda, „sind Geduld und Ausdauer“.

Das liegt an den Unwägbarkeiten des Lichts.

Man kann es nicht kontrollieren, man muss sich ihm anpassen – vor allem durch die Wahl des richtigen Zeitpunkts und Standorts. Das bedeutet auch, dass man bei der Auswahl des Motivs flexibel und bereit sein muss, die Gegebenheiten vor Ort zu akzeptieren. Es ist besser, mit einem ganz anderen Motiv nach Hause zu kommen, als mit einer unbefriedigenden Version des ursprünglich geplanten. Manchmal hat man aber auch das Glück, einen magischen Moment in einer Landschaft zu erleben – zum Beispiel eine außergewöhnliche Licht- oder Wolkenstimmung, kurz vor oder nach einem Gewitter.

Wetter und Jahreszeit

Vorhandenes Licht und Wetterverhältnisse verändern die Wirkung eines Motivs drastisch, wie die beiden Bildpaare zeigen. Bild 1 wurde bei klarem Wetter gegen 10 Uhr vormittags aufgenommen, Bild 2 ein paar Tage später bei Morgennebel um die gleiche Zeit – es ist attraktiver, weil der Nebel die alte Hütte vom Umfeld isoliert. Bild 3 entstand im Spätsommer Anfang September, Bild 4 im November, als sich das Blattgrün verabschiedet hatte – hier fehlt der Farbkontrast.

Farbe oder Schwarzweiß?

Pioniere der Naturfotografie wie der US-Amerikaner Ansel Adams (1902 bis 1984) haben viele solcher Momente als Meisterwerke vorwiegend in Schwarzweiß festgehalten.

Bildbeispiel: „The Tetons and the Snake River“ von 1942. Dieses Bild und mehr als 30 weitere Werke des Meisters kannst Du Dir zum Beispiel hier ansehen. In jüngster Zeit hat der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado mit seiner Foto-Ausstellung „Genesis“ Furore gemacht – auch er fotografiert Landschaften ausschließlich in Schwarz weiß.

Was aber nicht heißen soll, dass Farbe bei der Naturfotografie zweite Wahl wäre – im Gegenteil! Du selbst musst die Entscheidung treffen, wann Farbe für ein Bild essentiell und wann verzichtbar ist.

Mit Monochrome experimentieren

Tipp: Experimentiere mit dem Monochrom- Modus Deiner Kamera, zu finden meistens unter den Bildstil-Einstellungen. Im Live-View-Modus wird Dir das Bild dann in Schwarzweiß angezeigt – bei SLR-Kameras nur am Monitor, bei spiegellosen Systemkameras auch im elektronischen Sucher, wenn vorhanden. Zudem lassen sich häufig Kontrastfilter (Gelb, Rot, Grün) simulieren, um die Tonwertumsetzung zu beeinflussen; auch dies wird direkt im Monitor bzw. Sucher sichtbar.

Um für alle Fälle auch das Farbbild zu haben, stelle unter Bildqualität „RAW + JPEG (Fine)“ ein. Dann produziert die Kamera ein JPEG im Monochrom-Modus und parallel eine RAW-Datei mit den kompletten Farbinformationen.

Inwieweit ein Motiv besser in Farbe oder Schwarzweiß wirkt, kannst Du leicht mit dem Monochrom-Modus Deiner Kamera ausprobieren. Wenn aktiviert, sieht man bereits das Live-Bild in Schwarzweiß (1). Wenn Du unter Bildqualität „RAW + JPEG (Fine)“ einstellst, produziert die Kamera ein monochromes JPEG und parallel eine RAW-Datei mit den kompletten Farbinformationen (2). Daraus lässt sich entweder ein hochwertiges Farbfoto generieren oder ein SW-Bild bei voller Kontrolle über die Grauwertumsetzung (Kanalmischer in Photoshop/Lightroom).

Ein starker Vordergrund

Oft wird der Vordergrund bei einem Landschaftsfoto zum entscheidenden Faktor der Bilddramaturgie. Bei Bild 1 wirkt der Vordergrund trotz der Spur im Schnee uninteressant. Zudem teilt der Horizont das Bild genau in der Mitte. Für Bild 2 wurde der Standort verlagert, um die verschneite Bank mit dem markanten Schatten (Seitenlicht) einzubeziehen; die Horizontlinie verläuft weiter oben. Damit ergibt sich eine kraftvolle Bildkomposition. Beide Fotos entstanden mit Fujifilm X-T1 und 14-mm-Festbrennweite (21 mm/KB).

Naturfotografie: Tipps für die Ausrüstung

Funktionskleidung und Schuhe

Die professionelle Landschaftsfotografien bietet eine Kombination aus Naturerlebnis und fotografischer Herausforderung. Körperliche Fitness ist gefragt, weil man häufig weite Wege, auch im unwegsamen Gelände, zurücklegen wird. Freilich gibt es Aussichtspunkte, die man bequem per Auto erreichen kann; ungewöhnliche Bilder erfordern aber meistens ungewöhnliche Standorte. Gute Funktionskleidung schützt Dich vor Wetterkapriolen – lasse Dich am besten in einem Outdoor-Spezialgeschäft beraten, auch bequeme Trekking- Schuhe sind Pflicht. Für Reisen in wärmere Gefilde empfehlen sich zusätzlich Trekking-Sandalen aus wasserabweisenden Materialien, mit denen man auch mal durch ein Gewässer waten kann.

Transport: Der Fotorucksack

Für den Transport der Ausrüstung ist ein Fotorucksack erste Wahl. Achte darauf, dass die Ausrüstung einfach zugänglich ist, damit ein Objektivwechsel nicht unnötig Zeit kostet. Eine gute Wahl sind etwa die Evolution und Expedition-Modelle von Tamrac oder die Pro-Trekker-Serie von Lowepro. Und solltest Du gerade zur Regenzeit in exotischen Ländern unterwegs sein, dürfte sich ein wasserdichtes Modell wie der Lowepro DryZone (ca. 380 Euro) bewähren.

Naturfotografie: amphitheatre-drakensberg
Panorama: Die frühe Morgensonne beleuchtet die Felsformation „Amphitheatre“ in den südafrikanischen Drakensbergen. Der Baum im Vordergrund schafft Tiefe und steht mit seinem markanten Aussehen für Afrika. Aus drei Einzelbildern entstand mit PS Photomerge dieses Panorama, das für den lang gestreckten Gebirgszug angemessen erscheint(Sony A7R II, 43 mm, ISO 100, Bl. 13, 1/20 s). Fotograf: Siegfried Layda

Das passende Stativ

Wenn im besten Fall auch noch das Stativ in den Rucksack passen soll, empfiehlt sich ein flach zusammenlegbares Modell wie das Snap Universal von Sirius aus Carbon (1,4kg), erhältlich in zwei Versionen (S-2204-N und S-2205-N) mit vier bzw. fünf Sektionen zu Preisen um 450 Euro. Ob Du einem Kugelkopf oder 3-Wege-Neiger den Vorzug geben, ist in erster Linie Geschmacksache, allerdings tragen Kugelköpfe beim Transport weniger auf.

Ein Reisestativ lässt sich im Idealfall platzsparend im Fotorucksack unterbringen. Beispiel: das flach zusammenlegbare Snap Universal von Sirius (1/2). Vor allem bei hochauflösenden Kameras (mehr als 30 Megapixel) empfiehlt sich am Stativ das Abschalten des Bildstabilisators, der selbst leichte Vibrationen erzeugen kann. Bei SLR-Kameras aktiviert man die Spiegelvorauslösung, wenn vorhanden (3). Eine drahtlose WLANVerbindung ermöglicht verwackelungsfreies Auslösen mit Live-Bild-Anzeige am Smartphone (4).

Der Einsatz von Filtern

Ein Polfilter ist Pflicht für Landschaftsfotografen, ein Grauverlaufsfilter eher Geschmackssache. Ein Neutraldichtefilter kann wiederum unentbehrlich sein, wenn man die Belichtungszeit künstlich verlängern will, um Bewegungsunschärfe in fließendes Wasser, Wellen oder Wolken zu bringen. Zur Datensicherung empfiehlt sich ein kompaktes Notebook mit zusätzlicher externer Festplatte. Speicherkarten mit nicht allzu großer Kapazität und häufiges Zwischenspeichern auf externe Medien bewahrt Dich im Falle eines Kartendefekts vor zu großen Datenverlusten.

Naturfotografie: wald-nordspanien
Nordspanien hat neben einer spektakulären Küste vor allem faszinierende Wälder zu bieten. Lichter Nebel bringt optimale Bedingungen, um im Wald auf Motivjagd zu gehen. Durch den Einsatz eines Weitwinkelobjektivs, das zusätzlich nach unten geshiftet wurde, wird der Vordergrund zum dominanten Bildinhalt (Canon 5D MkII, 3 Querformate mit 24 mm Tilt&Shift, Blende 13, 5 s, Polfilter, GND). Fotograf: Rainer Mirau

Naturfotografie: Passive und aktive Faktoren

Die Vorbereitung mit der Karte

Versierte Landschaftsfotografen planen ihre Aktivitäten mithilfe von Karten, wobei zunehmend die Papierform gegenüber den Online-Varianten zurücktritt. So kann man etwa in Google Maps Routen mit definierten Anlaufstellen planen oder Fotos anzeigen lassen, die von verschiedensten Fotografen hochgeladen wurden. Erste Eindrücke vom Zielort lassen sich sammeln, wenn man mit Google Earth über Berge und Täler fliegt oder die zum Teil vorhandenen 360-Grad-Rundumsichten wählt, die man unter dem Navigationspunkt „Galerie“ findet.

Auch bei optimaler Vorbereitung aber hat der Fotograf die Zügel nur zum Teil selbst in der Hand. Er kann sich vorab entscheiden, zu welcher Jahreszeit er in eine bestimmte Region reist und vor Ort die optimale Tageszeit für ein bestimmtes Motiv ermitteln (damit scheiden von Veranstaltern organisierte Reisen aus).

Was man vor Ort aber nicht beeinflussen kann, sind das Wetter und die vorherrschende Lichtstimmung.

Oder doch?

Die aktiven Faktoren

Ja, man kann mit einem Blitzgerät im Vordergrund Akzente setzen, doch bewegt man sich damit bei der Naturfotografie auf einem schmalen Grat. Ein gelungenes Beispiel liefert Siegfried Layda mit seiner Aufnahme vom Cap de Formentor auf Mallorca – hier wurde ein Blitzgerät mit Warmtonfolie so eingesetzt, dass man die Illusion gewinnt, die letzten Sonnenstrahlen hätten den Vordergrund beleuchtet. Zu den aktiven Faktoren bei einer Landschaftsaufnahme gehören:

  • Standortwahl
  • Objektivbrennweite
  • ISO-Einstellung
  • Blende
  • Verschlusszeit
  • Filter
  • Perspektive
  • Sowie Bildformat und -ausschnitt.
Naturfotografie: cap-formentor-abenddaemmerung
Geblitzte Sonne: Die Halbinsel Cap Formentor wirkte in der Abenddämmerung etwas trist. Also beleuchtete Siegfried Layda den Vordergrund mit Blitzgerät (Canon Speedlite 580EX II), Warmtonfolie und Diffusor vor dem Reflektor (Canon 1Ds MkIII, 24 mm TS, ISO 100, Bl. 13, 2,0 s; Funkauslösung der Kamera, Blitz manuell mit voller Leistung ausgelöst). Fotograf: Siegfried Layda

Die Grundzüge der Bildgestaltung

Einen erhöhten Standpunkt suchen oder in die Knie gehen, mehrere Schritte nach links, nach rechts, vor und zurück. Dann die passende Objektivbrennweite wählen und Standpunkt eventuell korrigieren – das sind die Grundzüge der Bildgestaltung bei der Naturfotografie. Dazu liefert der Landschaftsfotograf Rainer Mirau drei wichtige Regeln:

  1. Eine starke Bildgestaltung ist eindeutig und klar im Aufbau. Aber die Natur ist grundsätzlich nicht sortiert und einfach. Die Aufgabe des Fotografen ist es, Ordnung in das Chaos zu bringen.
  2. Alles weglassen, was nicht wesentlich ist.
  3. Nicht das Seitenformat des Sensors sollte den Ausschnitt bestimmen, sondern das Motiv selbst. Elemente, die der Bildaussage nicht dienlich sind, kann man durch geschickte Wahl von Standort, Perspektive und Bildausschnitt ausblenden; mit nachträglicher Bildretusche sollte man es nicht übertreiben.

Manche Fotografen, vor allem mit bildjournalistischem Hintergrund, lehnen solche Eingriffe rundweg ab.

Andere argumentieren, dass Bilder auch lange vor Photoshop retuschiert wurden, um störende, aber unwesentliche Details zum Verschwinden zu bringen. Im Normalfall sollte das Ziel die maßvolle Bildoptimierung sein und nicht die ungezügelte Relativierung der Realität.

Wechsel der Perspektive

Die Perspektive wechseln, heißt nicht, am Zoomring des Objektivs zu drehen, sondern Standortwechsel. Bei Bild 1 wurde ein niedriger Standort eingenommen, was in Verbindung mit der 24-mm-Brennweite für eine dynamische Ansicht sorgt. Bei Bild 2 wurde mit 180 mm/KB leicht schräg nachunten fotografiert – eine Teleperspektive, die ihre Räumlichkeit nur durch das Vordergrundmotiv bezieht. Bild 3: Quadrocopter ermöglichen Fotos und Videos von Landschaften aus der Vogelperspektive.

Naturfotografie: Brennweite & Bildqualität

Die bei Landschaftsaufnahmen wohl am häufigsten eingesetzten Brennweiten reichen vom Weitwinkel mit 24 mm bis zum leichten Tele mit 75 bis 100 mm (jeweils KB-äquivalent). Das heißt, dass man mit einem üblichen Standardzoom viele Situationen abdecken kann.

Teleobjektive mit 200 und 300mm/KB sind für Fernsichten interessant, weil sie den Raum scheinbar komprimieren und weit Entferntes zusammenrücken lassen. Um den Vordergrund zu betonen, empfiehlt sich eine Brennweite zwischen 24 und 21 mm oder kürzer – als Weitwinkelzoom oder Festbrennweite, die häufig den Vorteil einer noch besseren Abbildungsqualität vor allem in den Randbereichen mit sich bringt.

Mit Weitwinkelobjektiven lässt sich zudem ein Maximum an Schärfentiefe bei einer gegebenen Blende erzielen, was bei Landschaftsaufnahmen in der Regel gewünscht ist – vom Vorder- bis zum Hintergrund soll nach Möglichkeit alles scharf sein. Allerdings sollte man nicht weiter als unbedingt nötig abblenden, sonst drohen Beugungsunschärfen.

Faustregel: Bei zwei- bis dreifacher Abblendung erreichen die meisten Objektive ihre maximale Schärfe.

Naturfotografie: seljalandsfoss-island
Der Seljalandsfoss auf Island am Nachmittag. Gewählt wurde eine Aufnahmeposition, um den Wasserfall einbeziehen zu können. Zwischen den einzelnen Aufnahmen musste die Frontlinse des Objektivs immer wieder ein paar Meter abseits abgewischt und bis kurz vor der Aufnahme mit einer Plastiktüte geschützt werden (Sony NEX-7, 15 mm/KB, ISO 100, Bl. 11, 1/250 s). Fotograf: Siegfried Layda

Die förderliche Blende

In den Kameratests gibt die COLORFOTO die „förderliche Blende“ an, die vor allem vom Verhältnis zwischen Sensorgröße und Pixeldichte am Sensor abhängt. Die förderliche Blende definiert das Maximum der Abbildungsqualität, mit weiterer Abblendung geht’s sukzessive bergab.

Dass die förderliche Blende in der Praxis kein Dogma sein kann, liegt auf der Hand: Manchmal muss man eben stärker abblenden, um das gewünschte Gestaltungsziel zu erreichen.

Tipp: Mache eine Blendenreihe, um den Einfluss der Beugung auf die Gesamtschärfe einschätzen und den besten Kompromiss finden zu können. In anderen Fällen hilft Fokus-Stacking, um die gewünschte Schärfentiefe zu erreichen. Dabei werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Entfernungseinstellung gemacht und die Einzelbilder bei der Bildbearbeitung überlagert.

Naturfotografie: fokus-stacking
Fokus-Stacking: Um die Struktur der weißen Blüten zu bewahren, wurde unterbelichtet, was sich bei der späteren RAW-Verarbeitung kompensieren ließ. Durch die extreme Nähe zu den Blüten im Vordergrund ließ sich mit einer Einzelaufnahme keine durchgängige Schärfe erzielen, also wurden drei Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfebereichen für späteres Fokus-Stacking in Photoshop belichtet. (Sony A7R, 24 mm, ISO 100, Bl. 18, 1/100 s). Fotograf: Siegfried Layda

Die ISO-Einstellungen

Im Interesse der Detailwiedergabe solltest Du ISO-Einstellungen um 100/200 bevorzugen. ISO 400 ist bei größeren Sensoren ab Four-Thirds meist unkritisch, ab ISO 800 trennt sich die Spreu vom Weizen.

Ein in der Kamera oder im Objektiv eingebauter Bildstabilisator kann die Grenze für das Freihand-Fotografieren um mehrere EV-Stufen in Richtung längerer Verschlusszeiten ausdehnen, wobei die Herstellerangaben in dieser Hinsicht meistens etwas großzügig sind. Vertraue im Zweifelsfall Deinem Stativ, und schalte dabei den Bildstabilisator aus, der im ungünstigsten Fall selbst für Schwingungen sorgen kann. Dies gilt vor allem für das Fotografieren mit extrem hochauflösenden Sensoren über 30 Megapixel. Bei SLR-Kameras empfiehlt es sich zudem, die Spiegelvorauslösung einzusetzen, um Vibrationen durch den Spiegelschlag zu minimieren.

Autor: Karl Stechl

Naturfotografie: Thayatal
Der Tagesanbruch ist die beste Zeit für stimmungsvolle Landschaftsfotos hier im Nationalpark Thayatal in Niederösterreich. Dieses Foto entstand noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft in warmes Licht tauchten – dann wäre Schluss gewesen mit den subtilen Grünabstufungen, die den Reiz des Fotos ausmachen (Canon 1Ds MkIII, 21 mm, Blende 11, 5 s, Polfilter). Fotograf: Rainer Mirau

Statements zur Naturfotografie

Siegfried Layda

Siegfried_Layda_SWIn der Naturfotografie zählen manche Argumente für die Anschaffung eines neuen Kameramodells nur bedingt: Schnellerer Autofokus und hohes Bildserientempo – eher unwichtig. Bessere High-ISO-Qualitäten – nur bei Abend- und Nachtaufnahmen, wenn man kein Stativ verwenden kann. Jederzeit willkommen sind Vollformat und hohe Auflösung, wobei sich die Detailtreue durch Stitching-Techniken noch steigern lässt. Am meisten aber zählen Geduld und Ausdauer. Dieselbe Landschaft präsentiert sich im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, bei Sonne, Regen oder Nebel, völlig unterschiedlich. Dazu kommt der oft entscheidende Einfluss des Kamerastandpunkts: Aus Augenhöhe entstehen ganz andere Bilder als in Bodennähe. Oft habe ich mir auch schon eine Trittleiter gewünscht, weil ein erhöhter Standpunkt die einzig wahre Option gewesen wäre. Ein weiterer Punkt ist die Zuverlässigkeit der Ausrüstung, denn der nächste Fotofachhändler ist manchmal weit entfernt oder unerreichbar. Für die Motive muss das nicht immer gelten – auch der Wald vor der Haustür birgt fotografische Abenteuer.

Naturfotografie: death-valley
Death Valley: Um die Strukturen im Vordergrund hervorzuheben, wurde ein Shift-Tilt-Objektiv bei geringem Aufnahmeabstand und mit starker Abblendung eingesetzt, um ausreichend Schärfentiefe zu erzielen. Das stark gerichtete Seitenlicht von links lässt die Sandstrukturen hervortreten, und der Grat der Düne führt durch seinen diagonalen Verlauf den Blick des Betrachters ins Bild (EOS 1Ds MkII, 24 mm TS, ISO 100, Bl. 16, 1/25 s). Fotograf: Siegfried Layda

Rainer Mirau

Rainer_MirauIm Gegensatz zu einem Landschaftsmaler muss ein Fotograf sein Motiv suchen. Er kann nicht einfach die Landschaft als Inspirationsquelle nutzen und frei ein Bild komponieren. Diese Suche nimmt auch den größten Teil der Energie und Zeit in Anspruch. Einer Reise in ein bestimmtes Gebiet geht eine gute Planung voraus. Zum einen finde ich Fotos zur Einstimmung in Bildbänden, im Internet oder in der Werbung. Zum anderen studiere ich Karten und stelle mir die Landschaft dazu vor: Wo liegen diese Berge? Wo gibt es Flüsse, Seen, Schluchten? Wo geht die Sonne auf? Wo unter? Wo sollte ich in der Frühe, wo am Abend sein? Wie viele Höhenmeter sind in welcher Zeit zu bewältigen? Wann ist Ebbe, Flut, Vollmond? Und so weiter. Sind all diese Fragen beantwortet und habe ich meine Ziele definiert, kann es losgehen. Irgendwann steht man mit nassen Füßen bei fünf Grad im Nirgendwo neben der Kamera und denkt sich: „Warum tue ich mir das an?“ Spätestens zu Hause am Monitor wird man dann aber belohnt – mit Aufnahmen, die das Herz höher schlagen lassen.

Naturfotografie: kappadokien
Kappadokien, Türkei: Die letzten Sonnenstrahlen tauchen den skulpturartigen Tuffstein in zartes Rosa. Dass die Obstbäume in voller Blüte standen, ist insofern ein Glücksfall, als dies nur ein bis zwei Wochen im Frühling der Fall ist (Canon 5D MkII, 35 mm, Blende 11, 1/15, Polfilter). Fotograf: Rainer Mirau

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

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23 Kommentare

  1. Angelika Räpple
      Oktober 21, 2017 at 6:40 PM
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    Die Beispielbilder u. der Bericht super beschrieben, die Einstellungen für mich sehr hilfreich.

  2.   Oktober 18, 2017 at 10:17 AM
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    Gute Berichte und Beschreibungen der Landschaftsfotografie, auch für Neueinsteiger verständlich beschrieben und gut verwertbar.
    Die Beispielbilder müßten jedoch nicht unbedigt aus allen Teilen der fernen Welt sein, Österreich hat sicher auch wunderbare Landschaftsmotive zu bieten, welche für manchen leichter erreichbar und auch leistbar sind.
    Ansonsten danke für die vielen Tipp´s.

  3. Sandra Fuchsloch
      August 10, 2016 at 1:02 PM
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    Hallo!
    Ich hab da mal eine Frage. Immer wieder lese ich auch bei Fotos in der Community von Grauverlafsfiltern. Hier wird jetzt aber gesagt die seien nicht nötig? Wie ist es denn nun? Braucht man diese Filter oder nicht? Wofür sind die genau richtig? Was genau können sie oder eben auch nicht?

    1. Tom Schimmelpfennig
        August 10, 2016 at 2:54 PM
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      Hallo Sandra,

      schau Dir mal diesen Artikel an: http://fcfotoschule.wpengine.com/objektivfilter/ Dort geht es um die verschiedenen Filter, unter anderem auch um den Grauverlaufsfilter.

  4. zummizoom
      Juli 13, 2016 at 8:36 AM
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    guter Bericht, aber man muß die Zeit dafür haben um genau bei DEM Anblick/Augenblick abzubrücken.

  5. Josef Strohmayer
    Josef Strohmayer
      Juni 20, 2016 at 2:49 PM
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    Sehr informativ und gut!
    Danke!
    Gruß Josef

  6.   Juni 18, 2016 at 2:44 PM
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    Ein schöner Bericht, der aber tatsächlich nicht nur für Einsteiger geschrieben ist. Solche Gelegenheiten nutze ich ganz gern um den Amfängern Mut zu machen: „Wundere Dich nicht dass Deine Bilder nicht so aussehen, hier braucht es mehr als ein Bild / ein besonderes Equipment“.
    Aber der Tenor liegt hier trotzdem ganz klar auf jenen Punkten die wir alle beherzigen können, ob mit Top-Equipment oder dem Smartphone: Plane gut und bewege Dich! Landschaftsfotografie ist nun mal nichts für ‚mal eben so‘, sondern mitunter harte Arbeit. Oder zumindest ein harter Kampf gegen den inneren Schweinehund ;-)

  7. Thomas
      Juni 15, 2016 at 9:54 PM
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    Liebe FC, danke für den interessanten Beitrag. Tipps und Tricks kann ich persönlich nie genug lesen.
    Natürlich ist es schwer, eine Meßlatte für „Einsteiger“ zu definieren, ich besitze auch nicht gerade eine 1D. Andererseits wird der Einsteiger auch recht schnell feststellen, dass man mit billigem Equipment auf Dauer nur bedingt Freude habe wird. Und da sind ein paar Tipps immer gut. Man muss ja keine 450€ für ein Stativ ausgeben, braucht sich dann aber auch nicht wundern, wenn es mit 50€ doch nicht so stabil ist oder es beim Tragen doch zu schwer wird.
    Ich jedenfalls freue mich auf weitere Beiträge dieser Art!

    VG, Thomas

  8. Hans Lachmann
      Juni 15, 2016 at 9:25 PM
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    Schön mal wieder von der beiden Herren zu hören , ich teile die Meinungen zu 100 % und erinnere mich gerne an die Jahre bei Foto Creativ und die Berufung damals in die ELDAF ,leider ist die Zeit für anspruchsvolle Wettbewerbe vorbei ….. heute ist alles sehr kommerziell geworden und der Wert von Bildern wird vielfach in Clicks gemessen ! Schöne Grüße

  9. Gimradan
      Juni 15, 2016 at 6:34 PM
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    Unerreichbar fern. Ist fotografieren also nur etwas für stinkreiche Menschen? Da eine Kamera, die mehr kostet als mein Auto, dort ein Stativ, das soviel kostet wie meine Kamera und der Rucksack kostet mehr als ein Semester an der Uni – inklusive Ticket für den ÖPNV.
    Und dann wird trotz eines „Einstiegs“ mit Begriffen herumgewirbelt, die ich noch nie gehört habe, trotz mehrerer Fotokurse und einem Seminar Fotografieren an der Uni.
    Sorry, Thema total verfehlt.

    1. Tom Schimmelpfennig
        Juni 15, 2016 at 8:21 PM
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      Dann sag mir bitte die Begriffe, um die es geht – dann kann ich Dir weiterführende Artikel heraussuchen oder wir schreiben uns die Themen auf den Redaktionsplan.

    2. Martin Schwabe
        Juni 15, 2016 at 9:31 PM
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      Hallo Gimradan,

      nein, Fotografie ist nicht nur etwas für „Stinkreiche“. Wenn Du die Artikel genau durch siehst, wirst Du feststellen, dass wir versuchen, dass für alle etwas dabei ist. Colorfoto stellt Artikel zur Verfügung, die wir an die Fotoschule anpassen und hier bringen, damit wir zwischendurch auch mal Themen bringen können, die wir so auf die Schnelle nicht auch noch selbst schreiben können. Wir beide Hauptautoren (Norbert und Martin) achten aber sehr darauf, dass wir möglichst breit alle Interessen treffen, auch jene, für die nicht viel Geld erforderlich ist. Ich selbst arbeite gerade an einer Artikelserie, für die Du kein teures Equipment brauchst, wo Du sogar mit Flohmarktfunden für wenige Euro ganz spannende Sachen machen kannst. Wir haben uns vorgenommen auch zu zeigen, wie Du mit wenig Aufwand teure Ausrüstung tw. ersetzen kannst, wie Du Zubehör einfach selbst bauen kannst. Aber alles zu seiner Zeit und alles aufeinander aufbauend. Sieh es so.Mancher hat Spaß am Motorradfahren und kauft sich eine gebrauchte Einzylinder für 1000€ und mag selber schrauben und andere bevorzugen die fertig verchromte und aufgemotzte Harley für 30.000 Euro. Ich finde beide haben Anspruch darauf für sie interessantes zu entdecken.Das versuchen wir. Und wenn Du Fragen hast, dann stelle sie in den Kommentaren.Norbert und ich schauen fast täglich rein und werden versuchen sie so gut und umfassend zu beantworten.

    3. Hans Lachmann
        Juni 15, 2016 at 9:35 PM
      Kommentar bewerten

      Gute Landschaftsfotografie erfordert keine teure Kameraausrüstung ,ich setze auch heute noch z.Bsp. eine Nikon D 70 ein , du musst nur wissen was du willst und sehen können und „etwas süchtig“ nach guten Bildern sein ! Die teure Ausrüstung macht nur viel mehr Spaß ! LG

    4. Christian Martens
        Juni 16, 2016 at 2:46 PM
      Kommentar bewerten

      Man kann sehr gut mit highend von vor ein paar Jahren leben und Spaß haben bzw. gute Fotos machen, es muß nicht das allerneueste Gerät sein und es muß auch nicht sehr viel Geld kosten. DSLR-Kameras von vor 10 Jahren funktionieren noch immer und die Optiken kosten einen Bruchteil des Ursprungspreises. Und komme mir keiner mit Sensorgröße und -auflösung, außer, er macht wirklich regelmäßig Poster davon – und dann hat er wohl auch das Geld für aktuelles Gerät. ;)
      Wenn man sich anschaut, mit welcher Ausrüstung Ansel Adams gearbeitet hat, dann weiß man, daß die Fotos schon immer hinter der Bildebene gemacht werden (also vom Fotografen) und nicht davor (von der Ausrüstung). Natürlich sind für bestimmte Aufnahmen auch bestimmte Ausrüstungen notwendig, ob man jedoch tilt/shift-Objektive in einem Einsteigerartikel verwenden sollte, und dies, ohne Sinn und Zweck oder Notwendigkeit zu erläutern… ich glaube nicht.
      Hier hätten es Aufnahmen mit Standardoptiken auch getan und sie hätten besser in den Rahmen des Artikels gepaßt.
      Trotzdem danke :)

  10. Ewald Maly
      Juni 15, 2016 at 3:20 PM
    Kommentar bewerten

    Guter Artikel, allerdings als Beispielbilder für den „Einstieg in die Landschaftsfotografie“ Fotos mit hochspezialisierten Tilt/Shift-Objektiven zu zeigen, die noch dazu nicht gerade billig sind und spezielle Kenntnisse erfordern, ist nicht ganz fair.

  11. arn
      Juni 15, 2016 at 3:15 PM
    Kommentar bewerten

    super bericht.es braucht aber die richtige ausrüstung und zeit um solch schöne fotos zu machen.gratulation an alle fotografen!!lg r.arn

  12. Karin Pizzinini
      Juni 14, 2016 at 12:54 PM
    Kommentar bewerten

    Interessanter Artikel, aber als Einstieg in die Landschaftsfotografie finde ich ihn viel zu spezifisch und zu sehr auf Ausrüstung bezogen.

  13. Helga Hartmann
      Juni 12, 2016 at 4:04 PM
    Kommentar bewerten

    Der Bericht war sehr gut und die Beispielbilder besonders schön.

  14. Ullrich Grabolle
      Juni 12, 2016 at 10:31 AM
    Kommentar bewerten

    Ein interessenter Bericht mit teils beeindruckenden Fotos. Offen bleibt für mich die Frage, wie beim Fotostacking mit bewegtem Hintergrund (Meer), also in diesem Fall drei verschiedenen Wasseroberflächen, der Eindruck einer Einzelaufnahme entstehen kann, da die Auslösungen sicherlich in gewissem zeitlichem Abstand erfolgten.

    1. S. Canisius
        Juni 15, 2016 at 4:52 PM
      Kommentar bewerten

      Vorsicht, es handelt sich hier nicht um ein Foto wie bei einem HDR, bei dem in allen Bereichen (Vorder-, Mittel- und Hintergrund) des Bildes etwas aus allen Bildern der Reihe vorkommt. Beim Fokusstacking wird z.B. in Bild 1 der Vordergrund, in Bild 2 der Mittelgrund und in Bild 3 der Hintergrund scharf abgebildet und als Teil des Endbildes genommen. Somit ist jeder Teil des Bildes nur aus einem Bild entnommen. Der Hintergrund des angesprochenen Bildes (Meer hinten) ist somit nur aus einem einzigen Bild entnommen.

  15.   Juni 10, 2016 at 8:13 PM
    Kommentar bewerten

    Hallo,
    schöner Beitrag für Leute, die in die Landschaftfotografie einsteigen wollen.
    Landschaftsfotografie finde ich persönlich recht schwierig und ich mache gerade meine ersten „Gehversuche“:
    http://www.fotocommunity.de/photo/abendstimmung-marco-schaa/38169988
    Man kann aber ja nicht nur Sonnenauf- und untergänge aufnehmen ;-), auch wenn das für Anfänger vielleicht ein guter Einstieg ist, erste, schöne Ergebnisse zu bekommen.

    Tagsüber kann man natürlich auch einfach mit dem Wetter bzw. Wolken etwas spielen und schon wirken die Bilder interessanter, wie z.B. hier:
    http://www.fotocommunity.de/photo/rapsbluete-in-guestrow-marco-schaa/38068979.

    450,- EUR für ein Stativ würde ich wahrscheinlich nicht ausgeben, viel wichtiger ist, dass man eins hat und beginnen würde ich erst einmal mit dem Kitobjektiv, um die Einstiegshürde nicht zu hoch zu legen.

    Ansonsten ein guter Beitrag, vielen Dank!

  16.   Juni 10, 2016 at 8:04 PM
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    Aufschlussreiche Erläuterungen, interessante Darstellung der Bilder.

  17. KDS56
    KDS
      Juni 10, 2016 at 7:06 PM
    Kommentar bewerten

    Guter Bericht!!!

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