Einführung: Hochzeiten fotografieren (+ kostenlose Infografik!)

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Einfach heiraten war gestern. Heute sind Hochzeiten sorgsam geplante Events an ausgesuchten Locations mit einem an Höhepunkten reichen Rahmenprogramm.

Gar nicht so einfach, wenn man diesen Ansprüchen auch als Hochzeitsfotograf genügen will. Ich habe mir Tipps von Profis geholt und zeige Dir, wie Du die Sache angehst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 11-2016.

Fotograf: Christopher Przybilla

Es ist fast so sicher wie das Jawort in der Kirche: Als ambitionierter Hobbyfotograf wirst Du mindestens einmal im Leben gefragt, ob Du „eventuell bei unserer Hochzeit fotografieren könntest“. Kneifen gilt nicht, und auch wenn es ein reiner Freundschaftsdienst sein sollte: Am Ende erwarten alle Beteiligten tolle Fotos.

Je umfangreicher Deine Ausrüstung, desto höher werden die Erwartungen sein. Nimm besser nur jene Geräte mit, die Du im Schlaf beherrschst. Du brauchst eine DSLR oder spiegellose Systemkamera (möglichst auch ein Ersatzgehäuse), dazu mindestens ein Standard- und Telezoom.

Ergänzend wären gut: ein bis zwei lichtstarke Festbrennweiten (35/50 mm/KB) für Available-Light-Aufnahmen. Auf ein leistungsstarkes Blitzgerät, Leitzahl mindestens 30, besser 40 bei ISO 100 und 50 mm, kannst Du nicht verzichten – auch nicht auf einen Soft-Vorsatz für den Reflektor (Aufsteckdiffusor oder Bouncer), weil nicht überall eine weiße Decke zum indirekten Blitzen vorhanden ist.

Auf entfesseltes Blitzen, vielleicht sogar mit mehreren Geräten, solltest Du Dich nur dann einlassen, wenn Du diese Technik sicher beherrschst und über Funksteuerung verfügst: Lichtimpulsgesteuertes Blitzen funktioniert draußen nicht zuverlässig genug, und in Innenräumen würden andere blitzende Hobbyfotografen Deine Blitzgeräte ständig auslösen.


Kommentar

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Karl Stechl, Fotopraxis-Experte

„Als Mitarbeiter einer Fotozeitschrift fürchtet man im privaten Umfeld zwei Fragen.

Die erste: „Welche Kamera soll ich mir kaufen?“ Die zweite: „Kannst Du bei unserer Hochzeit fotografieren?“ Die erste Frage zieht meist endlose Gespräche nach sich, die zweite bringt mich ins Schwitzen.

Als „offizieller Hochzeitsfotograf“ zu agieren, das habe ich mir nur einmal angetan. Ich bin heute noch froh, dass am Ende nichts Wesentliches gefehlt hat.

Glaube mir: Man ist entweder als Gast bei einer Hochzeit oder als Fotograf – beides zugleich geht nicht. Was ich aber gerne mache: Mit der Kamera dabei zu sein, wenn ein Profifotograf am Werk ist. Auch der kann nämlich nicht alles sehen, und das Brautpaar freut sich über ergänzende Bilder. Dabei achte ich darauf, dem Auftragsfotografen bei der Arbeit nicht im Wege zu sein und ihm – wenn gewünscht – auch mal zur Hand zu gehen.“


Die Trauung

Die Trauung ist der Höhepunkt jeder Hochzeit – egal, ob sie auf dem Standesamt oder in einer Kirche stattfindet. Hier kommt es für den Fotografen darauf an, möglichst dezent zu agieren, ohne etwas Wichtiges zu verpassen.

Die einen heiraten „nur“ standesamtlich, die anderen tauschen vor dem Altar die Ringe. In beiden Fällen geht es aber auch um das Davor und Danach.

Vor der Trauung dokumentierst Du die Ankunft des Brautpaars, fotografierst Gruppen, fokussierst auf einzelne Gesichter, die gespannte Erwartung ausdrücken. Nach der Trauung fängst Du Glücksmomente ein und hältst aussagekräftige Szenen fest.

Während in einem Standesamt bei Tageslicht nichts gegen Blitzaufhellung spricht, ist der Einsatz eines Blitzgeräts bei kirchlichen Trauungen kritisch: Bei Schlüsselszenen wie dem Jawort oder Ringtausch kann man vielleicht eine Ausnahme machen, ständiges Blitzen aber stört alle Beteiligten. Kläre vorher ab, auch mit dem Pfarrer, was erlaubt ist.

Vor dem Altar: Bei der kirchlichen Trauung sollte man Blitzen vermeiden, stattdessen mit höherer ISO-Einstellung und großer Blende fotografieren. Hier kam das bildstabilisierte Canon EF 2,8/70-200 mm IS USM zum Einsatz. Zeit und Blende wurden manuell eingestellt (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 1600 | f/2,8 | 1/100 s). Foto: Christopher Przybilla
Vor dem Altar: Bei der kirchlichen Trauung sollte man Blitzen vermeiden, stattdessen mit höherer ISO-Einstellung und großer Blende fotografieren. Hier kam das bildstabilisierte Canon EF 2,8/70-200 mm IS USM zum Einsatz. Zeit und Blende wurden manuell eingestellt (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 1600 | f/2,8 | 1/100 s).
Ringtausch: Der Ringtausch ist eine Schlüsselstelle jeder Hochzeit – hier schön in Szene gesetzt mit der angedeuteten Silhouette der Braut (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 500 | f/2,8 | 1/125 s). Foto: Christopher Przybilla
Ringtausch: Der Ringtausch ist eine Schlüsselstelle jeder Hochzeit – hier schön in Szene gesetzt mit der angedeuteten Silhouette der Braut (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 500 | f/2,8 | 1/125 s).

Ohne Blitz in der Kirche zu fotografieren heißt, die ISO-Einstellung nach oben zu schrauben. Wie weit Du das treiben kannst, ohne starkes Rauschen bzw. störende Detailverluste in Kauf nehmen zu müssen, probierst Du vor der Hochzeit in geeigneten Innenräumen.

Bei den meisten Kameras dürfte die Obergrenze bei ISO 3200, vielleicht aber auch schon bei ISO 1600 oder 800 erreicht sein.
Empfehlenswert: eine lichtstarke Festbrennweite mit einer Anfangsöffnung um f/2. Leider muss man bei den meisten Festbrennweiten auf einen optischen Bildstabilisator verzichten; fotografiere also mit offener Blende oder moderater Abblendung (eine Blendenstufe), um möglichst kurze Verschlusszeiten zu erzielen.

Im Vorteil bist Du, wenn Deine Kamera einen im Gehäuse eingebauten Bildstabilisator nach dem Sensor-Shift-Prinzip hat, dann funktioniert die Bildstabilisierung mit jedem Objektiv.

Einzug des Brautpaars: Für den Einzug des Brautpaars in die Kirche gibt es verschiedene Varianten; hier gehen Pfarrer und Ministranten voran, die Brautleute folgen. Als Stilmittel wählte der Fotograf Schwarzweiß (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 1250 | f/2,8 | 1/125 s). Foto: Christopher Przybilla
Einzug des Brautpaars: Für den Einzug des Brautpaars in die Kirche gibt es verschiedene Varianten; hier gehen Pfarrer und Ministranten voran, die Brautleute folgen. Als Stilmittel wählte der Fotograf Schwarzweiß (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 1250 | f/2,8 | 1/125 s).

RAW ist Trumpf

Foto: Christopher Przybilla

Begnüge Dich bei unwiederholbaren Motiven nicht mit dem JPEG-Modus Deiner Kamera, schalte auf RAW oder RAW+JPEG! Zum einen kannst Du im RAW-Modus nachträglich den Weißabgleich anpassen und mehr Zeichnung in Lichtern/Schatten erhalten. Zum anderen zeigen JPEGs aus der Kamera bei höheren ISO-Einstellungen deutliche Texturverluste aufgrund intensiver Rauschfilterung.

Foto: Christopher Przybilla

Bei externer RAW-Verarbeitung kannst Du dagegen selbst bestimmen, wie viel Rauschen Du im Interesse geringer Texturverluste akzeptieren willst. Die Bildserie entstand durch RAW-Verarbeitung in Lightroom mit wenig Schärfung (Betrag 35) und abgestufter Rauschreduzierung (Luminanz 0-20-40-60-80). Für das Aufmacherbild wurde moderate Rauschreduzierung (Luminanz 20) gewählt, was z. B. die Strukturen im Haar erhält (fotografiert mit Canon 5D MkII bei ISO 1600).

Mehr zum RAW-Format erfährst Du in dieser Artikelserie.

Paare und Gruppen

Beim Brautpaar-Shooting darf und soll der Fotograf seine ganze Kreativität ins Spiel bringen: Location, Licht und Perspektive sind die entscheidenden Faktoren. Neben dem Brautpaar porträtiert man auch Freunde und Verwandte, einzeln oder in Gruppen. Ich zeige Dir, wie Du dabei gezielt vorgehst.

Romantik vor Straßenpflaster: Durch die ungewöhnliche Perspektive, den schönen Schwung des Brautkleids und den innigen Kuss entsteht ein nicht-alltägliches Paar-Porträt vor dem eigentlich unromantischen Straßenpflaster (Canon EOS 5D MkIII | 70 mm | ISO 100 | f/3,2 | 1/160 s).
Romantik vor Straßenpflaster: Durch die ungewöhnliche Perspektive, den schönen Schwung des Brautkleids und den innigen Kuss entsteht ein nicht-alltägliches Paar-Porträt vor dem eigentlich unromantischen Straßenpflaster (Canon EOS 5D MkIII | 70 mm | ISO 100 | f/3,2 | 1/160 s).

Miteinander reden ist das beste Rezept gegen Missverständnisse: Tage oder Wochen vor dem Event solltest Du Dich mit dem Brautpaar zusammensetzen, individuelle Fotowünsche erkunden und Dir einen Zeitplan machen:

Was passiert wann bei dieser Hochzeit? Findet diese „um die Ecke“ statt, kannst Du vorab die besten Locations für das Brautpaar-Shooting erkunden. Dazu gehört auch ein erhöhter Standort für das große Gruppenbild mit allen Beteiligten – etwa aus dem Fenster eines angrenzenden Gebäudes oder von einer Treppe herab. Dabei leistet ein Zoom gute Dienste, weil Du den Abstand zur Gruppe nicht beliebig variieren kannst.

Gruppendynamik: Die große Gruppenaufnahme mit dem Brautpaar im Zentrum darf nicht fehlen. Am besten fotografiert man von einem erhöhten Standpunkt. Hier stand der Fotograf auf einer Treppe, die zum Restaurant im Münchner Botanischen Garten führt.
Gruppendynamik: Die große Gruppenaufnahme mit dem Brautpaar im Zentrum darf nicht fehlen. Am besten fotografiert man von einem erhöhten Standpunkt. Hier stand der Fotograf auf einer Treppe, die zum Restaurant im Münchner Botanischen Garten führt (Canon EOS 5D MkII | 70 mm | ISO 500 | f/2,8 | 1/125 s).

Das große Gruppenfoto ist auch ein guter Ausgangspunkt für Folgeaufnahmen mit kleineren Gruppen (Brautpaar mit Eltern und Trauzeugen, Familienfotos etc.). Denn wenn Du ohnehin alle Beteiligten versammelt hast, ist es ein Leichtes, kleinere Gruppen daraus zu isolieren. Spanne Dir dafür eine Person als Helfer mit ein, die besondere Autorität genießt.

Tipp: Wenn Personen auf einem Foto sehr vertraut miteinander wirken sollen, müssen die Köpfe näher aneinanderrücken, als es der natürlichen Position entspricht.

Die Frage nach der jeweils besten Location ist eng verknüpft mit der Lichtfrage. Das Licht sollte vor allem der Braut schmeicheln, da sie die heimliche Hauptperson ist. Direktes Sonnenlicht und harte Schatten im Gesicht sind tabu. Gefragt sind dagegen Plätze im Schatten mit etwas Grün und farbigen Tupfern im Hintergrund-Bokeh.

Bilder erzählen Geschichten: Gut beobachtete Szenen lockern jede Hochzeitsreportage auf. Dem sonnigen Brautpaar auf dem roten Traktor droht ein Regenguss – der Retter naht mit dem Regenschirm (Fujifilm X-E2 | 32 mm/KB | ISO 200 | f/8 | 1/420 s).
Bilder erzählen Geschichten: Gut beobachtete Szenen lockern jede Hochzeitsreportage auf. Dem sonnigen Brautpaar auf dem roten Traktor droht ein Regenguss – der Retter naht mit dem Regenschirm (Fujifilm X-E2 | 32 mm/KB | ISO 200 | f/8 | 1/420 s).

Auch klassische Architektur ist ein beliebter Hintergrund für Paar-Porträts. Bei Innenaufnahmen ist ein Fenster ohne direkte Lichteinstrahlung eine geeignete Lichtquelle, um die Braut in Szene zu setzen.

Am Ort der ersten Begegnung: Gerne lassen sich Paare dort fotografieren, wo sie sich kennengelernt haben – hier an einem U-Bahnhof. Die schräge Perspektive verleiht dem Bild etwas Spontanes (Canon EOS 5D MkII | 38 mm | ISO 800 | f/5,0 | 1/50 s).
Am Ort der ersten Begegnung: Gerne lassen sich Paare dort fotografieren, wo sie sich kennengelernt haben – hier an einem U-Bahnhof. Die schräge Perspektive verleiht dem Bild etwas Spontanes (Canon EOS 5D MkII | 38 mm | ISO 800 | f/5,0 | 1/50 s).

Kommentar

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Christopher Przybilla, Fotograf

„Spätestens 14 Tage vor dem Hochzeitstermin bespreche ich mit dem Brautpaar alles Nötige und lasse mir einen Ablaufplan auf mein Smartphone schicken. Am Wochenende vor dem Termin erkunde ich die Location, die möglichst variabel sein sollte: klassische Architektur, Torbögen, Schattenplätze mit viel Grün.

Ich arbeite mit einer Canon EOS 5D Mk III und einer 5D Mk II als Back-up mit lichtstarken Zooms (2,8/24-70 mm und 2,8/70-200 mm) sowie drei Festbrennweiten: Sigma 1,4/24 mm Art, Sigma 1,4/50 mm, Canon 1,8/85 mm. Geblitzt wird mit dem Canon Speedlight 580 EX II auf einem Stativ und per Funk ausgelöst.

Tipp: Während die Leute essen, sollte der Fotograf pausieren, denn kauende Menschen wirken selten vorteilhaft.“


Feier und Details

Eine Hochzeitsreportage begleitet das Brautpaar und seine Gäste durch den ganzen Tag – vom Einkleiden der Braut bis zur Party weit nach Mitternacht. Als Fotograf ist man beständig auf Motivsuche, auch stimmungsvolle Details dürfen nicht fehlen.

Ringe und Brautstrauß: Die Hände der beiden Eheleute mit Ringen und Brautstrauß – eine Nahaufnahme, die symbolisch für den gesamten Hochzeitstag steht (Nikon D90 | 52 mm/KB | ISO 200 | f/5,6 | 1/60 s).
Ringe und Brautstrauß: Die Hände der beiden Eheleute mit Ringen und Brautstrauß – eine Nahaufnahme, die symbolisch für den gesamten Hochzeitstag steht (Nikon D90 | 52 mm/KB | ISO 200 | f/5,6 | 1/60 s).

Als Hochzeitsfotograf ist man fast pausenlos auf der Suche nach Motiven. Wenn Du alle wichtigen Personen im Kasten hast, kannst Du Dich auf stimmungsvolle Details konzentrieren.

Ein Muss: Brautstrauß und Eheringe, Letztere stilvoll arrangiert. Die Braut wird sich über aparte Details ihres Hochzeitskleids freuen, der Bräutigam über den mit Blumen geschmückten Kühlergrill des Oldtimers. Dazu die Tischkärtchen auf der festlich gedeckten Tafel, kulinarische Köstlichkeiten auf dem Teller, Hochzeitsgeschenke oder die Schuhe der Eheleute zwischen verstreuten Blüten – alles lohnende Motive.

Brautkleid als Blickfang: Das weiße Spitzenkleid, in Schwarzweiß und mit selektiver Schärfe ästhetisch in Szene gesetzt. Solche Bilder entstehen meist am Morgen der Hochzeit, beim Einkleiden der Braut (Canon EOS 5D MkII | 50 mm | ISO 1600 | f/2,5 | 1/80 s).
Brautkleid als Blickfang: Das weiße Spitzenkleid, in Schwarzweiß und mit selektiver Schärfe ästhetisch in Szene gesetzt. Solche Bilder entstehen meist am Morgen der Hochzeit, beim Einkleiden der Braut (Canon EOS 5D MkII | 50 mm | ISO 1600 | f/2,5 | 1/80 s).
Gaumenfreuden auf dem Präsentierteller: Was mit Liebe zum Detail inszeniert wurde, sollte geschmackvoll abgelichtet werden – das gilt auch und besonders für Kulinarisches (Canon EOS 5D MkIII | 50 mm | ISO 1600 | f/2,0 | 1/100 s).
Gaumenfreuden auf dem Präsentierteller: Was mit Liebe zum Detail inszeniert wurde, sollte geschmackvoll abgelichtet werden – das gilt auch und besonders für Kulinarisches (Canon EOS 5D MkIII | 50 mm | ISO 1600 | f/2,0 | 1/100 s).

Eine fotografische Herausforderung für sich ist die Hochzeitsparty: Das vorhandene Licht beschränkt sich häufig auf Kerzen und etwas Bühnenlicht von Band oder DJ, es wird getanzt und getrunken, Freunde und Bekannte beglücken das Paar mit Show-Einlagen. Wenigstens ansatzweise sollte die Dynamik des Geschehens auf Deinen Fotos erkennbar werden.

Probates Mittel: scharfer Vordergrund, verwischter Hintergrund. Du erreichst das durch Blitzen in Kombination mit einer längeren Belichtungszeit (ab etwa 1/30 oder 1/15 s und länger). Wer aus der Nähe angeblitzt wird, ist weitgehend scharf, während sich bei Personen im Hintergrund Wischeffekte bemerkbar machen.

Blitzen mit Wischeffekt: Blitzen bei längerer Belichtungszeit (hier 1/20 s) bedeutet: Wer sich nahe am Blitzgerät befindet, wird aufgrund der kurzen Blitzbelichtung weitgehend scharf abgebildet. Umgekehrt gilt: Mit zunehmender Entfernung vom Blitzgerät zeigen sich Bewegungsunschärfen, was dem Bild der tanzenden Hochzeitsgesellschaft Dynamik und Stimmung verleiht (Canon EOS 5D MkII | 24 mm | ISO 640 | f/5,6 | 1/20 s).
Blitzen mit Wischeffekt: Blitzen bei längerer Belichtungszeit (hier 1/20 s) bedeutet: Wer sich nahe am Blitzgerät befindet, wird aufgrund der kurzen Blitzbelichtung weitgehend scharf abgebildet. Umgekehrt gilt: Mit zunehmender Entfernung vom Blitzgerät zeigen sich Bewegungsunschärfen, was dem Bild der tanzenden Hochzeitsgesellschaft Dynamik und Stimmung verleiht (Canon EOS 5D MkII | 24 mm | ISO 640 | f/5,6 | 1/20 s).

Extra-Tipp: ein Orangefilter vor dem Blitz, um dessen Farbtemperatur dem Kunstlicht der Party-Umgebung anzupassen. Fotografiert wird im RAW-Modus. Durch nachträgliches Justieren des Weißabgleichs steuerst Du dann global die Farbstimmung des Fotos.

Weiches Licht beim Blitzen

Mit einem Blitzgerät kannst Du Schatten aufhellen und kürzere Belichtungszeiten erzielen. Blitze wenn möglich indirekt: Zoomreflektor senkrecht nach oben in Richtung Zimmerdecke geschwenkt, weiße Reflektorkarte gezogen (1) – so erzielst Du weiches Licht mit Spitzlichtern in den Augen.

Wenn indirektes Blitzen nicht möglich ist: Verwende eine Aufstecksoftbox (2) oder einen Bouncer (3), der indirektes Blitzen simuliert. Wähle die ISO-Einstellung und Blende so, dass Du möglichst viel vom vorhandenen Licht einfängst und der Blitz nicht zu dominant wird.

Beispiel: ISO 400 oder 800, Blende 4 bis 5,6, 1/30 bis 1/60 s. Reduziere bei Porträt-Close-ups wenn nötig die Blitzintensität um 2/3 bis eine Blende (Funktion: Blitzkorrektur).

Fazit

Wie Du siehst, gilt es bei der Fotografie von Hochzeiten eine Menge wichtiger Faktoren zu berücksichtigen. So musst Du nicht nur die richtige Ausrüstung besitzen und Technik anwenden, sondern auch eine Auge für Details beweisen, sodass einzigartige Detailaufnahmen entstehen.

Kostenloses Merkblatt / Infografik

Um die Hochzeit als Ganzes fotografisch zu begleiten, musst Du sowohl im Vorfeld, als auch im Nachhinein unzählige Dinge beachten und klären. Was genau? Das kannst Du Dir auf diesem tollen Merkblatt der Hochzeitsfotografie anschauen.
Lade es Dir herunter und bereite Dich so optimal auf Dein nächstes Hochzeitshooting vor.


Hier findest Du die Grafik in voller Auflösung. (rechte Maustaste -> Ziel speichern unter)

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Fotos: Christopher Przybilla, Karl Stechl, Hersteller

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17 Kommentare

  1.   Januar 16, 2017 at 7:18 PM
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    Ein wenig geht der Artikel über die Hochzeitsfotografie ja schon darauf ein, aber vielleicht sollte es noch deutlicher hervogestellt werden, dass das Fotografieren in RAW immer eine umfangreiche Bildbearbeitung nach sich zieht. Wenn jemand z. B. 10 Stunden auf der Hochzeit fotografiert, dann kann man ungefähr noch einmal 20 Stunden für die komplette Bildbearbeitung, inkl. aller Tätigkeiten, vom Speichern auf den Rechner bis zur Abgabe an das Hochzeitspaar, rechnen. Dazu kommt das ggf. noch die Gestaltung eines Hochzeitsalbum.
    Ich fotografiere seit über 35 Jahren Hochzeiten und habe darüber mal einen Blogartikel geschrieben, warum ein Gast nicht gleichzeitg Hochzeitsfotograf sein kann. Insbesondere ist es für den Hochzeitsfotografen fast schon “lebenswichtig”, nicht nur mit einer Kamera auf eine Hochzeit zu gehen, sondern mit mindestens zwei Bodys und entsprechend vielen hochwertigen Objektiven, die lichtstark sein sollten. Nicht zu vergessen, dass die Kameras unbedingt je zwei Speicherkartenschächte haben müssen. Man stelle sich vor, dass genau die eine Speicherkarte nach der Hochzeit nicht lesbar ist und dann alle Hochzeitsfotos im digitalen Nirvana landen. Da ist dann ein Backup in Form einer zweiten Speicherkarte in der Kamera goldwert.
    Die Augen möchte ich sehen, wenn man nach der Hochzeit dem Brautpaar mitteilen muss, dass die Fotos futsch sind.
    Also muss man schon ein bissel Geld in die Hand nehmen, sollte man als alleiniger Hochzeitsfotograf dabei sein. Nicht umsonst haben viele Hochzeitsfotografen mit Equipment im Wert eines Kleinwagen dabei, wenn sie eine Hochzeit fotografieren.
    Das der Fotograf dann den ganzen Tag nicht für 1000,- € fotografieren kann, dürfte sich verstehen.
    Als Hochzeitsfotograf ist man zudem ständig damit beschäft, also zu 150% damit beschäftigt, die schönsten Momente auf einer Hochzeit zu suchen. Da kann man sich dann nicht unterhalten oder mal alle gerade sein lassen. Entweder ist man Fotograf oder Gast, wie es der Artikelschreiber eingangs erwähnt hat. Ein gewisses Gespühr für die Momente sollte ebenfalls vorhanden sein.

    In diesem Sinne viel Spaß und nehmt die Hinweise des Artikel wirklich ernst.

  2. AterSanguis
      Januar 16, 2017 at 1:19 PM
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    Ein sehr guter Beitrag!
    Als Ergänzung für die “Must have”-Bilder schlage ich noch spezielle Bilder für die Dankeskarte vor (Danke als Girlande, auf einer Schiefertafel usw.).
    Viele Grüße

  3. ANITA BELCAMINO
      Januar 14, 2017 at 9:31 AM
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    Toll Artikel, ich habe schon vielen Hochzeit Fotografiert, aber man lehrnt nie aus. Super Tipps.

  4. Gerd Wenger
      Januar 13, 2017 at 3:56 PM
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    Ich habe eine Lumix FZ1000, bin auf dem Weg vom Knipser zum Einsteiger und wundere mich, dass bei allen Anleitungen nur Spiegelreflexkameras oder Systemkameras genannt werden. Ich nehme an, dass die guten Anleitungen auch für andere Kameras genutzt werden können. Oder gelten sie nur für Besitzer mit umfangreicher Ausrüstung. Ich nehme an, dass diese “Fortgeschrittenen” nur einzelne Abschnitte für ihre Weiterbildung benötigen. Ich aber versuche so viel wie möglich davon “einzusaugen” und bin aber wegen der genannten Kameras etwas frustriert .

    1. Thomas
        Januar 16, 2017 at 8:20 PM
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      ich hab auch ne lumix… aber auch eine sony a65 mit einem 2,8 lichtstarken Objektiv… und ehrlich… als partykamera ist die lumix ok… aber in allen Belangen der SLR unterlegen… ist einfach so…bei ner 300Euro Cam sind nun mal schneller Grenzen erreicht……

    2. Thömu
        Januar 17, 2017 at 12:53 AM
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      Hallo Gerd
      Gerade in diesem Hochzeitsartikel kannst Du auch mit deiner Kamera sehr viele Tipps verwenden. Vorbereitungen, Abläufe, Tipps von wo man Fotografieren könnte, was man unbedingt fotografieren sollte usw.

      Ein Nachteil von Spiegellosen Kameras ist sicher die Verzögerung, da die Kamera das Bild zuerst aufnehmen muss, berechnen um auf dem Monitor wieder auszugeben, dabei geht kostbare Zeit verloren. Es sind nur Millisekunden aber leider ist der Moment dann schon vorbei wenn Du den Auslöser drückst, bei bewegten Motiven ist es somit sehr schwierig brauchbare Fotos zu schiessen.
      Auch beim Zoomen ist man mit einer DSLR viel schneller, oder nach dem Einschalten ist eine DSLR sofort bereit.
      Manuelle Belichtungseinstellung über die Drehräder an der Kamera erlauben es die Kamera in nützlicher Zeit an extreme Lichtverhältnisse anzupassen.

      Professionelle Kameras können einem die Arbeit erleichtern, aber man darf nie vergessen: Der Fotograf macht das Bild, die Kamera ist nur sein Werkzeug.
      Wichtig ist, dass man sein Werkzeug beherrscht. Die beste Kamera nütz nichts wenn man sie nicht bedienen kann.

      Mit deiner Lumix kannst Du garantiert tolle Fotos machen, auch eine Geburtstagsfeier oder sogar ein Hochzeit fotografieren.

      MfG Thömu

  5. wolfram Becker
      Januar 13, 2017 at 2:05 PM
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    Danke. Tatsächlich kenne ich die Frage nach einem Fotografen auch. Thema ist gut getroffen. Ich fotografiere auch niemals alleine bei solchen Veranstaltungen. Sollte etwas schief gehen wäre es eine Katastrophe. Lieber immer zu zweit fotografieren. Ich kann nicht überall sein und ein zweiter Fotograf nimmt mir etwas von dem Druck das alles von mir abhängt. Habe auf der Hochzeit meiner Kinder fotografiert und war doch sehr froh, dass noch ein Profi dabei war. Da waren schon Unterschiede in der Qualität und der Motivwahl!

  6. Doris Wepfer
      Januar 12, 2017 at 8:35 AM
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    Guter Artikel und für mich zur richtigen Zeit. Mein Sohn heiratet im Mai. Sie haben ein Fotograf gebucht und ich mache Aufnahmen die den beiden als Zusatz dienen. So habe ich keinen Stress obwohl ich Brautmutter bin renne ich wahrscheinlich mit meiner Nikon rum…. Habe tolle Tipps gelesen und das Blatt “Must Have Motive” gleich in meine Fototasche gesteckt. Danke werde es gerne nochmal durchlesen.
    Danke und Grüessli Doris

  7. Rene
      Januar 11, 2017 at 8:32 AM
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    Leider sind da draußen unheimlich viele schlechte Hochzeitsfotografen unterwegs. Nicht, dass sie die Technik nicht beherrschen würden (gibt es aber auch), das kann heute nahezu jeder, der eine Kamera halten kann. Denen fehlt einfach das Auge für die richtigen Momente. Oder sie meinen, sich kreativ ausleben zu müssen und vergessen, worauf es wirklich ankommt. Ich brauche keine matt gefärbten Lightroom-schwarz-weiss-Bilder, wenn die Trauung draußen unter blauem Himmel am Stand bei schönsten Sonnenschein stattfindet! Dann hätte man ja gleich in der Friedhofskapelle heiraten können.

  8. Martin Zehnpfenning
      Januar 11, 2017 at 12:50 AM
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    Sehr gute Tips und danke dafür. Fotografiere Ende Juni die erste Hochzeit von Freunden. Hab bammel obwohl ich schon ewig fotografiere. Aber wird schon klappen :-)
    Danke !

  9.   Januar 10, 2017 at 7:50 PM
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    Ein guter Artikel mit vielen richtig beschriebenen Tatsachen. Doch Angst davor, etwas falsch machen zu können, ist nicht der richtige Weg. Jeder der Portraits macht oder Menschen im Alltag fotografiert, kann auch eine Hochzeit fotografieren. Dabei sind Informationen alles. Nur wer gut geplant hat und sich nicht unter Zeitdruck setzt, kann erfolgreich sein. Als Hochzeitsfotograf hat auch jeder eine etwas andere Vorgehensweise. Ich setze z. B. kein Blitzlicht ein – verschreckt nur die Menschen. Mit heutiger Technik sind hohe ISO-Zahlen kein Thema mehr und LED-Licht mit Farbvorsätzen ist erschwinglich und berechenbarer.

    1. Elke
        Januar 10, 2017 at 11:22 PM
      Kommentar bewerten

      Sehr guter Hinweis, Reinhard (und guter Tipp mit dem LED-licht & Farbvorsätzen) – ich selbst bin nämlich auch gar kein Blitzfreund.
      Gerade z.B. in der Kirche würde ich auch überhaupt nicht blitzen, allein schon aus Taktgefühl und Respekt vor der Zeremonie, bzw. dieses auch nicht zulassen.

    2. HP Müller
        Januar 11, 2017 at 3:42 PM
      Kommentar bewerten

      Du schreibst: “Jeder der Portraits macht oder Menschen im Alltag fotografiert, kann auch eine Hochzeit fotografieren.” Oh nein, das sind total verschieden Gebiete. Wie oft hatte ich schon ‘Fotografen’ die bei mir nach der Hochzeit Hilfe suchten, weil sie es total verbockt hatten und sonst tolle Portraits abliefern.

  10. Helmut
      Januar 10, 2017 at 7:13 PM
    Kommentar bewerten

    Schlicht und einfach gesagt:
    Lieber Martin Du bist mir zuvor gekommen!
    Es gibt nichts hinzu zu Fügen, Fotografie ist ein lebenslanger Lernprozess!
    LG Helmut

  11. Martin
      Januar 10, 2017 at 5:45 PM
    Kommentar bewerten

    Es gibt so viel falsch zu machen, wenn man das nicht weiß. Ich bin ja interessiert an der Fotografie und beschäftige mich auch seit 4 Jahren jeden Tag damit. Aber wenn ich das lese, erkenne ich, das die Fotografie mit ihren vielen Sparten eine Welt für sich ist und wohl auch ein lebenslanges lernen erfordern.
    Ein sehr guter Beitrag, der mir gut gefallen hat. Ich habe ihn gespeichert und werde ihr bei Bedarf verwenden.
    Danke, der Fotofreund!!

    1. Hubert Peters
        Januar 10, 2017 at 7:44 PM
      Kommentar bewerten

      Es wäre für mich mal interessant , wie man eine grössere Gesellschaft in einer Halle mit Blitzlicht Fotografiert.
      Mit freundlichen Gruß Hubert Peters

      1. Thömu
          Januar 19, 2017 at 12:56 PM
        Kommentar bewerten

        Was grösser auch heissen mag…
        50 oder 400 Leute?
        Stehen alle zusammen oder sind sie im Raum verteilt?
        Wie gross ist die Halle, ist die Decke hoch, dunkel hell usw.
        Was hast Du für eine Kamera, kompakt oder DSLR (ähnliche) mit Blitzschuh?

        Grundsätzlich würde ich sagen Blitz einschalten und abdrücken… ;-)

        Hast Du nur einen Blitz, würde ich versuchen Indirekt über die Decke zu blitzen.
        Ist der Blitz dafür zu schwach (Halle zu hoch etc.) würde ich von einer erhöhten Position aus fotografieren und direkt blitzen.

        Hast Du mehrere Blitzgeräte zur Verfügung, z.B. mit Funksteuerung wird es Interessant.
        Dann kannst Du so viele Blitze im Raum verteilen bis genügend Licht vorhanden ist, dazu kannst Du solche Blitzgeräte noch als Stimmungsmittel verwenden, mit Farbfolien gegen Wände, Decken oder Gegenstände richten.
        Natürlich gehen auch Blitze welche über Lichtimpulse gesteuert werden. Einfache System werden einfach über den Kamerablitz ausgelöst, das hat den Nachteil das die Blitze auch bei anderen Fotografen auslösen. Z.B. das Nikon CreativLightningSystem arbeitet mit Licht, aber mit Kanälen und Gruppen, somit kann jede Ecke anders ausgeleuchtet werden und andere Fotografen lösen das System “nicht” aus.
        Blitzsysteme mit Lichtsteuerung haben alle den selben Nachteil, es braucht Sichtverbindung und die Reichweite ist begrenzt. Hatte bisher mit Nikon CLS aber noch nie Probleme.

        Grundsätzlich gilt, weniger ist mehr. Jede Partystimmung wird mit Blitzlichteinsatz sofort zerstört, darum ISO rauf, lange Belichtungszeit und moderate Blitzleistung!

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