Beeindruckende Winterfotos? So klappt es!

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Nachdem Du gelernt hast, mit der Kamera bei Kälte umzugehen, weißt Du nun auch, dass Du Dir wenig Sorgen machen musst, wenn Du bei Minusgraden fotografieren gehen willst.

Nun lässt dieses Jahr der Winter auf sich warten. Wir wollen daher die Zeit nutzen, das Thema Winter nicht nur von der Seite der Kamerabedienung zu betrachten, sondern auch auf die motivische Sichtweise eingehen.

Wir möchten Dir dabei keine komplette Anleitung an die Hand geben, wie Du denn nun ganz exakt alles einstellen musst, um genau das gezeigte Foto nachzustellen. Ziel ist es vielmehr Dir die Vielfalt der möglichen Motive zu zeigen und auf einige Besonderheiten hinzuweisen, die der Winter und vor allem der Schnee mit sich bringen.

Beginnen wollen wir mit ein paar grundlegenden Hinweisen zur Belichtung und zur Scharfstellung.

So belichtest Du Schneelandschaften richtig

Ohne Korrektur wirken Winterfotos oft dunkel.
Ohne Korrektur wirken Winterfotos oft dunkel.

Wenn Du Deine ersten Fotos machst, nachdem es ordentlich geschneit hat, wird Dir vielleicht auffallen, dass die Fotos alle viel zu dunkel wirken. Du hast die Szene viel strahlender in Erinnerung. Der Schnee wirkt gar nicht weiß, sondern eher in einem müden grau.

Was ist passiert?

Deine Kamera weiß im Grunde ja nicht, was Du fotografierst. Dein Belichtungsmesser schon gar nicht. Wenn Du also Deine Kamera auf ein Landschaftsprogramm stellst, dann wird der Belichtungsmesser Deiner Kamera als Referenzwert wieder das mittlere Grau mit 18% verwenden. Nachlesen kannst Du die genauen Zusammenhänge in unseren Beiträgen zur Belichtungsmessung.

Nun ist eine Schneelandschaft aber deutlich heller, als eine durchschnittliche Landschaft aus Grün- und Erdtönen. Daher wird der Belichtungsmesser die Belichtung solange nach unten korrigieren (also unterbelichten), bis im Mittel dieser 18%-Wert wieder erreicht ist. Im Ergebnis ist der Schnee dann grau.

Überbelichtung einstellen

Du kannst diesem Effekt entgegenwirken, indem Du eine Überbelichtung einstellst, also einen ständigen Korrekturwert um 1 – 1,5 Blendenstufen (EV). Dies kannst Du in den Einstellungen zur Belichtungskorrektur Deiner Kamera anpassen. Wie viel Korrektur Du dazugeben musst, hängt ein bisschen von den Bedingungen vor Ort ab und wie viel Prozent des Bildes tatsächlich von Schneeflächen eingenommen werden. Du wirst den für Dich richtigen Wert aber schnell ermitteln, indem Du einige Probeaufnahmen machst und ggf. das Histogramm anschaust.

Wenn Deine Kamera ein Motivprogramm für Schnee- und Eismotive hat, kannst Du es natürlich in diesen Fällen verwenden. Dieses Programm macht auch nichts anderes, als Deine manuelle Korrektur.

Um Dir die Unterschiede zu verdeutlichen, haben wir Dir eine kleine Serie an Fotos gemacht und die Histogramme dazu unter die Bilder gestellt.

Links siehst Du das Foto ohne Korrektur der Belichtung. Die gelbe Rose und der Schnee ergeben zusammen einen falschen Mittelwert, das Foto ist deutlich zu dunkel.

In der Mitte siehst Du den ersten Versuch einer Korrektur. Das Histogramm sieht auf den ersten Blick gut aus (schön gleichmäßige Verteilung der Tonwerte), das Foto ist aber immer noch etwas zu dunkel. Der Grund: Da im Foto die hellen Tonwerte vorherrschen, muss dies im Histogramm auch erkennbar sein.

Im rechten Foto ist die Korrektur dann perfekt. Du musst das Foto später am PC nicht mehr nacharbeiten.

Solche Motive sind übrigens ideal: Wenn es zwar geschneit hat, der Boden aber noch zu warm ist, sodass der Schnee nicht liegenbleibt. Du wirst trotzdem zum Beispiel Blumen finden, auf denen sich eine Schneehaube gebildet hat. Die Blüte zusammen mit dem Schnee ergeben so ein tolles Motiv.

Mit Aufhellblitz fotografiert
Mit Aufhellblitz fotografiert

Alternative: Aufhellblitz

Alternativ kannst Du bei diesem Motiv versuchen, die Technik des Aufhellblitzens zu verwenden, die wir Dir hier und dort erklärt haben. Für so ein Motiv reicht der interne Blitz völlig aus. Die Farben wirken dann völlig anders, viel kräftiger. Es ist Geschmackssache, was Dir besser gefällt. Ich persönlich mag das Motiv ohne Blitz lieber, da es besser zu der Stimmung des eher trüben Wintertages passte, an dem die Fotos entstanden sind.

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Grauverlaufsfilter einsetzen

Ein anderes Problem, das bei der Aufnahme von Winterbildern auftreten kann: Himmel und Schneelandschaft sind unterschiedlich hell. Egal wie Du die Belichtungskorrektur einstellst, ein Teil des Fotos wird immer entweder zu dunkel oder zu hell wirken. Wenn Du diesen Effekt nicht später am PC korrigieren willst, gibt es hierfür ein Hilfsmittel, dass diesen Unterschied ausgleichen kann. Ein Grauverlaufsfilter.

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Grauverlaufsfilter verschiedener Stärke

Die Filter in dem Bild werden in spezielle Halter gesetzt und haben den Vorteil, dass Du den Horizont verschieben kannst, was bei Schraubfiltern nicht möglich ist. Es gibt sie in verschiedenen Versionen. Je nach Landschaft kann es sogar Sinn machen, dass Du den dunklen Teil nach unten drehst, wenn Du schöne Wolkenstrukturen haben möchtest. Mehr dazu findest Du in unserem Artikel zum Thema Objektivfilter.

So fokussierst Du bei Schnee und Nebel

Im Winter wirst Du häufig Wetterlagen erleben, die eher trübe sind. Oft sind diese mit Nebel und Dunst und einem grauen und dunklen Himmel verbunden. Die Landschaft hat durch den Schnee und/oder den Nebel ihre Struktur verloren.

Du siehst nur große, helle Flächen, wenn Du durch den Sucher der Kamera schaust. Nun muss Dich dieses Wetter nicht abschrecken.

Selbst bei trübem Wetter kannst Du tolle Aufnahmen machen. Leider spielt der Autofokus manchmal nicht so mit, wie Du es gernhättest. Er findet in Schnee und Nebel keine Strukturen, auf die er fokussieren kann.

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Findest Du es trist? Ich mag die minimalistische und sehr grafische Ansicht.

In diesem Beispiel kannst Du sehen, was wir meinen. Du siehst sehr viel weiße Fläche und nur wenige Strukturen. Wenn Dein Autofokus genug Felder hat, kannst Du natürlich die Felder so wechseln, dass Du einen der Bäume erwischst. Das sollte reichen, um sauber zu fokussieren. Sollte dies nicht klappen, dann gibt es zwei Methoden:

  1. Manuelle Fokussierung:
    Wenn Deine Motive weit genug weg sind, kannst Du einfach den Autofokus abschalten und das Objektiv auf unendlich stellen (oder kurz davor). Dies reicht meistens aus, damit das Foto scharf wird. Achte dabei darauf, dass Du nicht gerade mit Offenblende fotografierst, sondern die Blende etwas schließt.
  2. Verschwenken:
    Dazu visierst Du mit dem mittleren AF-Feld einen der Bäume an, bis der Autofokus anzeigt, dass er scharf gestellt hat. Dann hältst Du den Auslöser halb gedrückt und schwenkst den Sucher solange, bis Du den ursprünglich geplanten Bildausschnitt siehst und löst dann erst aus. Mit dieser Methode „speicherst“ Du sozusagen die ursprüngliche Fokussierung. Dazu musst Du allerdings darauf achten, dass Dein Autofokus nicht auf AF-Verfolgung eingestellt ist, sondern auf Einzelfokussierung.

Nutze die Möglichkeiten Deiner Kamera

Der letzte Punkt ist sehr kurz, denn es gibt so unendlich viele Kameramodelle und jede Kamera bietet viele unterschiedliche Einstellungen.

Die beiden ersten Punkte waren grundlegender Art und sollten mit jeder Kamera funktionieren. Nun kann es passieren, dass Du Aufnahmen machst und egal, was Du einstellst, sie bleiben irgendwie farbstichig und kontrastarm. Schau in die Menüs Deiner Kamera, ob du dort spezielle Bildstile zur Kontrasteinstellung findest, um monochrom zu fotografieren oder Effekte beizufügen und experimentiere damit. Nachfolgend zeigen wir Dir mal ein Beispiel:

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Links siehst Du ein Beispiel aufgenommen bei starkem Nebel im Winter, die Kamera komplett auf Automatik eingestellt. Das Foto sieht zum Weglaufen aus. Rechts dann eine Version, die so aus der Kamera kam (ohne Nachbearbeitung am PC!). Ich habe einfach die Kamerafunktionen selbst genutzt: Bildstil auf monochrom, Kontraste (ALO) auf maximalen Kontrast gesetzt und einen Filmkorneffekt beigefügt.

Du musst das Foto nicht mögen und mancher Purist wird denken: Das ist doch kein Foto mehr. Das mag sein, aber es ist so fotografiert mit den Möglichkeiten heutiger Kameras. Und es zählt doch am Ende nur: Es muss Dir selbst gefallen.

Und nun lasst uns zusammen die Daumen drücken, dass wir vielleicht doch noch einen schönen Winter mit vielen tollen Motiven bekommen.

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10 Kommentare

  1. Franz
      Januar 24, 2016 at 7:53 AM
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    Danke, für die vielen hilfreichen Tipps.

  2. Rainer Usche
      Januar 22, 2016 at 5:44 PM
    Kommentar bewerten

    In der Winterlandschaft sind einige Dinge zu beachten ,daher sind Deine Tipps sehr hilfreich.

  3. Erich Gasser
      Januar 22, 2016 at 5:16 PM
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    Danke. Sehr nützliche Tipps für den Anfänger und der Fortgeschrittene erinnert sich wieder…!

  4. Ulrich Birkel
      Januar 20, 2016 at 6:39 PM
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    Sehr gut erklärt. Gefällt mir. Hast auch noch ein paar Tips für einen sw fotografieren mit eigenem labor. Zb. Mit welchen Farbfilter kann ich da arbeiten, wenn nicht dann muss ich eine Serie schiessen.
    G
    Uli

  5. Helmut Höfer
      Januar 19, 2016 at 8:17 PM
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    Für mich als Neuling finde ich den Artikel sehr gut ,
    für mich ein weiterer Beweis , das es möglich ist auch als “ Ü 70 “ etwas dazu zu lernen , danke

  6.   Januar 15, 2016 at 12:08 PM
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    Das war alles hilfreich und sehr gut erklärt, werde ich gleich umsetzen.

  7. Reinald Will
      Dezember 22, 2015 at 6:24 PM
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    aus meiner langen erfahrung,ist das alles absolut korrekt und richtig erläutert,ich habe das schon zur analogen zeit auch angewendet,und das ist in der digiwelt genauso.

  8. Fotopassion8
    Carmen Lutz
      Dezember 22, 2015 at 1:37 PM
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    Danke für die Tips … jetzt warte ich nur noch auf Schnee :-) LG Carmen

  9.   Dezember 21, 2015 at 8:29 PM
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    Das ist ja wirklich toll,einfache Sache,das ich nicht selbst darauf
    gekommen bin.

  10.   Dezember 19, 2015 at 4:02 PM
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    Danke für diese nützlichen Tipps, die man sehr gut gebrauchen kann, v.a. wenn es nur selten einmal Schnee gibt wie hier bei mir.
    LG runa

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