Sony A7 IV: Neue Basis

FavoriteLoadingAuf Deine Leseliste in Meine Fotoschule setzen

Die Generation IV der Sony A7 bietet weit mehr als Detail­kosmetik, denn die Sensorauflösung steigt von 24 auf 33 Megapixel. Sony hat unter anderem den OLED­-Sucher und das AF­-System weiter­ entwickelt, das Gehäuse vergrößert und die Touchfunktionalität aus­gebaut. Rechtfertigt das den hohen Einstiegspreis von 2800 Euro?

Ende 2013 legte Sony mit der A7 nicht nur den Grundstein für eine Serie spiegelloser Kleinbildkameras mit 24-Megapixel-Sensor, sondern lieferte auch das Muster, dem heute nahezu jeder Kamerabauer folgt. Bereits ein Jahr später etablierte die A7 II die Bildstabilisierung nach dem Sensor-Shift-Prinzip. Weniger augenfällig war der Fortschritt bei der A7 III, die im ersten Quartal 2018 auf den Markt kam. Der CMOS war jetzt ein von der Rückseite her belichteter BSI-Typ, ebenfalls mit 24 Megapixeln. Gleichzeitig übte sich die A7R-Serie in Pixelhöhenflügen, denn mit fast jeder neuen Generation stieg die Nennauflösung des Sensors: von 36 (A7R) über 42 (A7R II/III) auf 61 Megapixel (A7R IV).

Online-Fotokurse

Einfach fotografieren lernen

In unseren Online-Fotokursen lernst Du die Grundlagen der Fotografie - verständlich und mit vielen Praxisbeispielen. Inklusive Test und Fotokurs-Zertifikat. Lege jetzt los!

Mehr Infos zu den Fotokursen
Einfach fotografieren lernen

Erstmals drehte Sony jetzt auch beim Basismodell an der Auflösungsschraube: Mit 33 Megapixeln bietet die A7 IV für die meisten Aufgaben genügend Pixelreserven und wird damit zur Konkurrenz für die A7R III. Den bis zu achtmal schnelleren Bildprozessor Bionz XR übernimmt die Neue vom Sony-Flaggschiff Alpha 1.

Auch preislich orientiert sich die A7 IV nach oben: 2800 Euro ist ein stolzer Betrag für das Basismodell eines Kamerasystems. Für die A7 III werden fast 1000 Euro weniger fällig. Allerdings klotzt die A7 IV nicht nur mit mehr Pixeln, sondern auch mit technischen Verbesserungen, die man zum Teil bereits von den übergeordneten Sony- Modellen kennt.

Die Sony A7 IV in der Rückansicht und von oben abgebildet:

Gehäuse und Ausstattung

Vom anfänglichen Ideal der Miniaturisierung hat sich die A7-Serie mit jeder neuen Generation ein Stück verabschiedet. Bei der A7 IV setzt sich diese Tendenz fort. Die Kamera ist nicht nur etwas größer als ihre Vorgängerin, sondern das momentan größte spiegellose Alpha-Modell überhaupt.

Für eine Kamera mit Kleinbildsensor bleibt sie kompakt, liegt aber besser in der Hand. Der Grund dafür ist ein stärker konturierter Griff, der um entscheidende Millimeter nach vorne verlängert und in die Höhe gezogen wurde. Endlich findet auch der kleine Finger der rechten Hand den ersehnten Halt! Lediglich für sehr kräftige Hände könnte die Grifffläche immer noch knapp bemessen sein. Probiere das vor dem Kauf aus.

Das Magnesiumgehäuse ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet, das Gewicht von 658 g ist kaum höher als bei der 650 g schweren Vorgängerin. Der integrierte Bildstabilisator soll die Freihandgrenze um bis zu 5,5 EV-Werte erweitern. Das ist aber wie üblich ein eher theoretischer Wert ist.

Wie bei der A7 III sind zwei Steckplätze für SD-Speicherkarten vorhanden. Neu ist, dass einer der Slots auch die schnelleren CFexpress-Karten (Typ A) aufnehmen kann, außerdem sind beide Steckplätze UHS-II-kompatibel.

Die verschiedenen Anschlüsse der Sony A7 IV

Am Anschlussfeld überrascht, dass HDMI jetzt sogar in Standardausführung und nicht mehr als Micro- HDMI-Buchse verfügbar ist. Über den USB-C-Anschluss (3.2 Gen2) lässt sich der Akku in der Kamera mittels USB-Netzteil laden. Auch die ältere Multi-/ Micro-USB-Buchse ist noch an Bord, Miniklinkenbuchsen für Mikrofon und Kopfhörer sind ebenfalls vorhanden. Die Abdeckkappen über den Anschlüssen haben Scharniere und hängen nach dem Öffnen nicht in der Gegend herum wie bei der A7 III. Für die drahtlose Kommunikation mit Smartphone und Tablet hat die Kamera Wi-Fi und Bluetooth 4.1 an Bord. Die dafür nötige Sony-App heißt Imaging Edge Mobile. Die Stromversorgung übernimmt der starke Lithium-Ionen-Akku FP-FZ100 (2280 mAh), mit dem man auch bei der A7 IV in der Regel gut über den Tag kommt. Ein Zweitakku (rund 60 Euro) ist generell empfehlenswert, am besten in Kombination mit dem Ladegerät BC-QZ1 (circa 80 Euro), um den Stromspeicher auch außerhalb der Kamera befüllen zu können.

Sucher und Monitor

Ein besserer Sucher fürs Basismodell steht seit Längerem auf der Wunschliste vieler Sony-Fotografen. Der OLED-Sucher der A7 IV bietet mehr Auflösung als bei der Vorgängerin – 1 228 800 statt 786 667 RGB-Pixel –, erreicht aber nicht den Stand der A7R IV mit 1920000 RGB-Pixeln oder der A7s III mit 3 145 728 RGB-Pixeln.

Im direkten Vergleich mit der A7 III ist die Verbesserung nicht zu übersehen: Das Bild wirkt klarer, Flimmer- und Moiré-Effekte sind deutlich reduziert, ebenso das Grieseln bei wenig Licht. Farben werden natürlich dargestellt, nur helle Brauntöne zeigen gelegentlich einen Stich ins Rötliche. Die effektive Suchervergrößerung hat sich nicht verändert; es bleibt bei 0,78-fach. Konkurrenzfähig ist der Sucher jetzt allemal, auch wenn die A7 IV nicht den Gipfel des Machbaren erreicht.

Tipp:

Wähle als Anzeigequalität die Einstellung „Hoch“ statt „Standard“. Das Umschalten der Frequenz von 60 auf 120 B/s ist dagegen nur sinnvoll oder nötig, wenn man die Bilddarstellung bei schnellen Kameraschwenks noch eine Spur flüssiger gestalten will. Ein moderater Zuwachs an Auflösung ist auch beim 3-Zoll-Monitor zu verzeichnen: von 307 334 auf 343 334 RGB- Bildpunkte. Das ist immer noch deutlich weniger, als einige Konkurrentinnen zu bieten haben. Wie bei der A7s III kann der Monitor jetzt über ein Scharnier seitlich ausgeklappt und dann um die eigene Achse gedreht werden. Das geht auch in die Selfieposition. Bei der A7 III lässt sich der Monitor dagegen nur auf einer Achse (nach oben oder unten) verschwenken. Das ist vor allem in Nachteil beim Fotografieren im Hochformat. Eine wichtige Neuerung ist, dass die Touchfunktionalität des Monitors auf das Navigieren in den Menüs ausgeweitet wurde.

Autofokus

Der Hybrid-AF arbeitet mit bis zu 759 Phasen-AF-Feldern (693 bei der A7 III), die 94 Prozent der Sensorfläche abdecken. Die maximale Anzahl der Kontrast-AF-Felder (425) gibt Sony bei den technischen Daten nur für die Verwendung eines APS-C-Objektivs an. Nichts Neues bietet die A7 IV mit Blick auf die AF-Feld-Modi: „Breit“ (Messfeldautomatik), „Feld“ (Messfeldgruppe), „Mitte“ (zentrales AF-Feld), „Spot“ (frei wählbares AF-Feld in drei Größen), „Erweit. Flexible Spot“ (frei wählbares AF-Feld mit umgebenden AF-Punkten als zweite Priorität). Die gleichen Modi stehen dann nochmal inklusive Tracking zur Verfügung.

Das Verfolgen von Objekten klappt noch deutlich zuverlässiger als mit der A7 III; der AF-Punkt saugt sich regelrecht am Motiv fest. Sehr praktisch ist die Option, einen Startpunkt für das AF-Tracking durch Berühren des Monitors zu setzen – unabhängig davon, welcher Messmodus gerade eingestellt ist. Per Tastendruck lässt sich das Tracking jederzeit abbrechen. Wie schon bei der A7 III ist Touch-AF möglich, aber nur ohne Verschlussauslösung.

Die Gesichts- und Augenerkennung der Sony A7 IV

Die Gesichts- und Augenerkennung funktioniert bei der A7 IV für Menschen, Tiere und Vögel. Was priorisiert werden soll, lässt sich durch eine Voreinstellung festlegen. Vor allem die Augenerkennung ist deutlich schneller und zielgenauer geworden. Selbst wenn die Augen relativ klein oder dunkel sind, ist die Trefferquote hoch. Am ehesten verfehlt noch die Vogelerkennung ihr Ziel: Beim Praxistest mit Tierbildern am PC-Monitor hatte das AF System zum Beispiel mehr Probleme mit heimischen Enten als mit exotischen Vogelarten – warum auch immer.

Eine kleine, aber wichtige Verbesserung betrifft die Farbe des AF-Rahmens. Bei der A7 III wird der Fokusfeldrahmen in einem dunklen Grau angezeigt, das in den Details vieler Motive leicht untergeht. Man erkennt den Rahmen dann erst, wenn die Farbe nach dem Fokussieren auf Grün wechselt. Bei der A7 IV kann man zwischen zwei Farben für den Fokusfeldrahmen wählen: Weiß mit schwarzer Umrandung oder Rot. Nach erfolgter Fokussierung wechselt der Rahmen wie gehabt auf Grün.

Fotografieren und Filmen

Der mechanische Verschluss der A7 IV stellt Belichtungszeiten zwischen 1/8000 und 30 s bereit. Der erste Verschlussvorhang kann wahlweise me- chanisch oder elektronisch gebildet werden; die zweite Variante reduziert das Auslösegeräusch, das ohnehin et- was leiser und weicher geworden ist. Der elektronische Verschluss ermöglicht lautloses Auslösen, der verfügbare Belichtungszeitenbereich ändert sich aber nicht.

Tipp:

Bei der A7 IV kann man einstellen, ob sich der Verschluss nach dem Ausschalten der Kamera schließt oder offen bleibt. Ist der Verschluss offen, so hat man freien Zugang zum Bildsensor, um zum Beispiel mit dem Luftpinsel Staub wegzupusten. Bei geschlossenem Verschluss fängt man sich dagegen kaum Staub beim Objektivwechsel ein. Der Verschluss schließt sich nach dem Ausschalten mit etwa fünf Sekunden Verzögerung und sollte keinesfalls mit den Fingern berührt werden. Solltest Du Staubpartikel auf dem Verschluss entdecken und mit dem Luftpinsel beseitigen wollen: Puste sehr vorsichtig und aus genügend großem Abstand, um die dünnen Verschlusslamellen zu schonen!

Die Belichtungsprogramme (Auto, P, A, S, M) und drei Individualspeicher werden wie bisher am Modusrad vorgewählt. Neu aber ist der mit einer Entriegelungstaste versehene Drehschalter, mit dem man zwischen Standbild, Video und Slow-/Quick-Motion wechselt. Die A7 IV bietet die gängigen Reihenbelichtungsfunktionen mit Blick auf Belichtung, Weißabgleich und DRO (Kontrastausgleich). Was man im Vergleich mit der Konkurrenz nach wie vor vermisst, ist Fokus-Bracketing. Neben JPEG und RAW unterstützt die A7 IV das HEIF-Format mit einer Farbabtastung von 4:2:0 oder 4:2:2. HEIF- Dateien belegen weniger Speicherplatz als JPEGs, sind aber umständlich zu bearbeiten, weil sie erst konvertiert werden müssen.

Datenformate bei der Sony A7 IV

Für den RAW-Modus stehen drei Optionen zur Wahl: unkomprimiert, komprimiert und verlustfrei komprimiert. Die zuletzt genannte Option ist der optimale Kompromiss aus Qualität und Dateigröße, steht jedoch leider nicht mit maximalem Serientempo von 10 B/s zur Verfügung – das gibt es nur mit JPEG oder komprimiertem RAW. Auf eine CFe-Karte von Sony (Tough 160 GB; R: 800 MB/s; W: 700 MB/s) ließen sich mehr als 2000 RAWs oder JPEGs in Serie speichern, ohne dass der Datenfluss ins Stocken geriet. Für unkomprimierte oder verlustfrei komprimierte RAWs ermittelte das Testlabor bescheidene 6 B/s (bis Karte voll).

4K-Videos (3840×2160 Pixel) nimmt die A7 IV mit 60 B/s auf (A7 III: 30 B/s), wobei dies auf der höchsten Qualitätsstufe (XAVC HS 4K) mit 1,5-fachem Crop verbunden ist. Diesen kann man bei anderen Videoformaten, die prinzipiell komplett ausgelesen werden, bei Bedarf manuell aktivieren. Ambitionierten Filmern stehen S Log 3 zur Dynamikerweiterung und S Gamut 3 Cine mit optimierter Farbwiedergabe zur Verfügung. Über USB können Videos direkt gestreamt werden – in Full-HD bis 60 B/s, in 4K mit 15 B/s.

Verschluss gegen Staub

Sony A7 IV
Der Verschluss gegen Staub ist hier geschlossen.

Man kann bei der A7 IV einstellen, ob sich der Verschluss nach dem Ausschalten der Kamera schließt – das hält beim Objektivwechsel Staub vom Sensor fern – oder ob er offen bleibt, zum Beispiel für die Sensorreinigung.

Die im Folgenden angegebenen Dateigrößen in Megabyte beziehen sich auf ein konkretes Testmotiv (Straßenszene bei Tageslicht) und zeigen die relativen Unterschiede zwischen den Dateiformaten. Bei anderen Motiven können die absoluten Dateigrößen deutlich größer oder kleiner ausfallen.

 

DateitypVarianteGröße
JPEGextrafein32,7 MB
JPEGfein17,8 MB
JPEGStandard 13,4 MB
HEIF4:2:213,9 MB
HEIF4:2:012,5 MB
RAWnicht komprimiert70,1 MB
RAWverlustfrei komprimiert48,8 MB
RAWkomprimiert38,6 MB

Bedienkonzept

Wer die A7 III kennt, trifft bei der Bedienung auf viel Gewohntes, aber auch auf einige Veränderungen im Detail. Bei der Anordnung und Ausführung der Bedienelemente stand erkennbar die A7s III Pate: Die Videostarttaste wurde auf die Oberseite in Nähe des Auslösers verlagert, wo bei der A7 III noch die Funktionstaste C1 zu finden ist. Letztere hat bei der A7 IV ihren Platz auf der Rückseite. Sie ist wie die benachbarte AF-on-Taste größer und griffiger als bei der Vorgängerin und somit besser zu ertasten. Auch die vergrößerte und geriffelte Oberseite des AF-Joysticks fühlt sich angenehmer an.

Drei Endlos-Einstellräder, davon eines als liegendes Rändelrad am Multifunktionswähler, kennt man von der A7 III. Ein Novum ist bei der A7 IV das vierte Endlosrad an der rechten Gehäusekante; es ersetzt das in Drittelblendenstufen rastende Belichtungskorrekturrad anderer A7-Modelle. Standardmäßig ist das Rad ebenfalls mit der EV-Korrektur verknüpft; das lässt sich aber ändern, um beispielsweise schnellen Zugriff auf die Einstellungen für die ISO-Empfindlichkeit zu erhalten.

Ebenfalls schon bekannt ist das konfigurierbare Quick-Menü, aufzurufen über die Fn-Taste. Auf zwölf Funktionsfeldern am unteren Bildfeldrand kann man mittels Drehrad direkt Einstellungen verändern oder in ein Untermenü wechseln. Vier Funktionstasten (C1-4) helfen beim Individualisieren der Bedienung. Auch weitere Tasten, darunter die Richtungstasten am Multifunktionswähler, lassen sich umfunktionieren.

Das Quick- und Hauptmenü der Sony A7 IV

Im Quick- und Hauptmenü kann man auch per Touchbedienung navigieren und Einstellungen verändern; alternativ stehen Einstellräder, Richtungsschalter oder Joystick zur Vefügung. Den Aufbau des Hauptmenüs übernimmt die Alpha IV von den Schwestermodellen A7s III und Alpha 1. Die Karteireiter für Aufnahme, Belichtung, Autofokus, Wiedergabe, Netzwerk, Einstellung und MeinMenü sind jetzt senkrecht am linken Displayrand angeordnet. In der Spalte rechts daneben sind Menüseiten mit fortlaufenden Nummern gelistet, in einer weiteren Spalte die dazugehörigen Einträge. Bis zu sieben Menüseiten bzw. Einträge zeigt das Display gleichzeitig an; der Funktionsumfang der Kamera lässt sich wesentlich besser überblicken als bei der A7 III und ihren Vorgängerinnen. Übersichtlicher und schlüssiger ist das Menü auch deshalb, weil die Einstelloptionen dem Aufnahmemodus (Foto oder Video) angepasst werden; dies gilt auch für das Quick-Menü.

Etwas irritierend ist, dass die Auswahl von Bildstilen („Kreativer Look“) nur kryptische Kürzel wie ST für „Stan- dard“ oder „PT“ für Portrait anzeigt. Ein Druck auf die Info-Taste löst dieses Rätsel zwar, Klartext aber wäre besser, das konnte bereits die A7 III. Dafür wurde aber das mit den Bildstilen verbundene Angebot an JPEG-Parametern deutlich ausgebaut:

Neben den bisher vorhandenen Reglern für Kontrast, Sättigung und Schärfe gibt es jetzt wei- tere, unter anderem für Spitzlichter, Schatten und Klarheit (Mittentonkon- trast).

Bildqualität

Mit ihrem 33-MP-Sensor erreicht die A7 IV eine maximale Auflösung von 2147/2036 LP/BH bei ISO 100; der Rückgang bis ISO 6400 beträgt nur 178/215 LP/BH. Ähnlich kennen wir das von der Vorgängerin, dort jedoch auf dem niedrigeren Niveau eines 24-Megapixel-Sensors. Im direkten Vergleich kann die A7 IV bei niedrigen ISO-Einstellungen einen erkennbaren Zuwachs an Detailschärfe verzeichnen. Auch die Dead-Leaves-Werte starten bei ISO 100 auf hohem Niveau (1729/1671 LP/BH), fallen aber mit jeder weiteren ISO-Stufe kontinuierlich ab; bei ISO 800 erhält man nur noch 1574/1335 LP/BH. Von ISO 800 auf 1600 sinkt der LC-Wert um 356 LP/BH, deutlich stärker als der HC-Wert (208 LP/BH). Bei einem Wechsel auf ISO 3200 gehen die DL-Werte nochmal deutlich zurück auf 1086/729 LP/BH, was den Unterschied in der Bildqualität zur A7 III nivelliert.

Beide Kameras setzen auf ausgeprägte Rauschminderung mit niedrigen VN-Werten auch bei hohen ISO-Einstellungen (VN 1,5 bei ISO 6400), was mit Texturverlusten einhergeht. Die RAW-Dateien aus der A7 IV ließen sich zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht im Adobe-RAW- Konverter öffnen.

ISO-Vergleich: JPEGs aus der Kamera

Mit einer Auflösung von 2147/2036 LP/BH bei ISO 100 bildet der 33-Megapixel-Sensor der A7 IV Details gestochen scharf ab. Hohe Dead-Leaves-Werte um 1700 LP/BH schaffen die Voraussetzung für die präzise Wiedergabe von Strukturen und Texturen, wie sie in der Holzmaserung angelegt sind. Dafür hebt der Bildprozessor den Farbkontrast deutlich über das normale Maß an.

Bis ISO 800 gehen die Dead-Leaves-Werte stärker zurück als die Auflösung, die Auswirkungen auf die Bildwiedergabe aber bleiben moderat. Erst ab ISO 1600 und vermehrt ab ISO 3200 treten Texturverluste auf, die Holzmaserung wirkt etwas verwaschen – eine Folge auch der verstärkt einsetzenden Rauschminderung. Der Wechsel zum RAW-Modus dürfte hier das Mittel der Wahl sein.

Fazit vom Autor Karl Stechl zur Sony A7 IV

Die A7 III ist gut, die Nachfolgerin noch besser. Sony hat auf die Vorlagen der Konkurrenz reagiert und an vielen Schrauben gedreht, um das A7-Basismodell fit für die nächsten Jahre zu machen. Damit hat die A7 IV das Zeug zum perfekten Allrounder (Kauftipp).

Die höhere Sensorauflösung schafft Spielraum für Bildausschnitte, selbst viele Profis brauchen nicht unbedingt mehr Megapixel. Das vergrößerte Gehäuse liegt besser in der Hand, der neue OLED-Sucher erhöht den Spaßfaktor bei der Bildgestaltung. Die Touchfunktionalität umfasst endlich auch die Menünavigation, und im neu strukturierten Hauptmenü fällt die Orientierung leichter. Pluspunkte sammelt die Kamera zudem mit dem AF-System, das jetzt noch schneller und präziser reagiert, bei der Gesichtserkennung wie beim Tracking. Wunschlos glücklich macht uns die A7 IV aber nicht: Eine noch höhere Auflösung könnte man sich auch beim Sucher und TFT-Monitor vorstellen. Fokus-Bracketing bleibt außen vor, obwohl dies bei der Konkurrenz längst Standard ist. Auch der Preis der A7 IV dämpft die Begeisterung: 2800 Euro sind für das Basismodell eines Kleinbildsystems richtig viel Geld. Wer nicht so viel investieren will, ist mit der A7 III zum aktuellen Preis von rund 1850 Euro weiterhin gut bedient.

Testergebnisse

Die Auflösungskurven der Sony A7 IV (blau) verlaufen ziemlich lange entlang der Einserlinie; auch höhere Frequenzen werden also kontrastreich wiedergegeben. Die Kantenprofile zeigen gering ausgeprägte Überschwinger und markante, spitz zulaufende Unterschwinger – eine ganz ähnliche Abstimmung war bereits bei der Vorgängerin A7 III zu beobachten. Die Dead-Leaves-HC-Kurve (rot, durchgezogen) schwingt sich bei ISO 100/400 bis 1,3 bzw. 1,2 auf, was für eine starke Anhebung der Farbkontraste spricht.

Bei ISO 100 verlaufen die DL-Kurven für hohe und niedrige Kontraste noch im Gleichklang, driften bei höheren ISO-Einstellungen aber deutlich auseinander. Ab ISO 1600 fallen die DL-Kurven schnell ab, was in Verbindung mit der stärker einsetzenden Rauschminderung zu Texturverlusten führt. Mit Artekfakten (grün) hat die Kamera offenbar keine Probleme; die Kurven steigen selbst bei höheren ISO-Einstellungen kaum über 0,5 an.

Bildsensor/Datei

GerätSony Alpha 7 IV
Auflösung, Pixelgröße (Pixelpitch)7008 x 4672 Pixel, 5,1 μm
Sensorgröße, Bildwinkelfaktor, förderliche Blende35,9 x 23,9 mm, 1,0x, f8,4
Bildstabilisator, BildformateBildstabilisator, JPEG, HEIC, RAW (14-Bit)
Preis2800 Euro

Aufnahmesteuerung

FokussierungHybrid-AF (Phasen und Kontrast), 759 Felder (Phasen-AF); Tracking, Gesichts/Augen-AF, Tier-AF, MF (Lupe, Peaking)
Verschlusszeiten: mechanisch, elektronisch1/8000-30 s, 1/8000-30 s
Belichtungsmessungmittenbetont, Spot, Matrix mit 1200 Feldern
Belichtungskorrektur, Blitzbelichtungskorrektur±5 Blenden, ±3 Blenden
EmpfindlichkeitISO-Auto einstellbar, man: 50-204 800, –
Weißabgleichauto, messen, Presets, Kelvin, Reihe, manuell
kürzeste Blitzsynchronzeit, B, Farbräume1/250 s, B, sRGB, Adobe RGB

Sucher/Monitor

SucherOLED-Sucher, 1 228 800 RGB-Bildpunkte, max. 120 B/s, 100 %, eff. 0,78x
Monitor3,0", 345 600 RGB-Bildpunkte, touch, verstellbar
einblendbare InformationHistogramm, Gitter, Horizont, Lupe, Fokus Peaking

Anschlüsse und Ausstattung

Bajonett, SpritzwasserschutzSony E, Spritzwasserschutz
Schulterdisplay, int. Blitz, Anschluss ext. Blitz, Zubehörschuh–, –, –, Blitzschuh
Schnittstellen, GPSUSB 3.2 Typ C, WLAN, Bluetooth, HDMI
Video3840 x 2160 Pixel, 60 B/s
Maße (H×B×T), Gewicht mit Batterie131x96x80 mm, 658 g

Bildqualität

getestet mitSony FE 1,2/50 GM, bei f5,6
ISO100 Auflösung high/low / DL high/low2147/2036 / 1729/1671
ISO100 Artefakte high/low / Rauschen26/28 / 0,9 // 35,5 Punkte
ISO400 Auflösung high/low / DL high/low2100/1994 / 1663/1553
ISO400 Artefakte high/low / Rauschen27/34 / 0,9 // 34 Punkte
ISO800 Auflösung high/low / DL high/low2084/1957 / 1574/1335
ISO800 Artefakte high/low / Rauschen26/38 / 1,1 // 32,5 Punkte
ISO1600 Auflösung high/low / DL high/low2063/1934 / 1366/979
ISO1600 Artefakte high/low / Rauschen32/50 / 1,2 // 29 Punkte
ISO3200 Auflösung high/low / DL high/low1971/1811 / 1086/729
ISO3200 Artefakte high/low / Rauschen39/62 / 1,4 // 22,5 Punkte
ISO6400 Auflösung high/low / DL high/low1969/1821 / 936/600
ISO6400 Artefakte high/low / Rauschen54/74 / 1,5 // 17 Punkte

Performance

mögliche Bildserie JPEG10,0 B/s, bis Karte voll
mögliche Bildserie RAW6,0 B/s, bis Karte voll
Ausstattung17,0 Punkte
Gesamtpunktzahl64,5 Punkte; 6,5 Pkt. über Durchschnitt

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund