So setzt Du Leuchttürme in Szene

Leuchttürme setzen Zeichen: Als Seezeichen weist das Leuchtfeuer Schiffen den Weg. Zudem ist jeder Leuchtturm ein Statement in der Landschaft, ein Eyecatcher im Foto. In diesem Beitrag zeigen wir Dir, welche Gestaltungsvarianten dieses Thema bietet.
Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 5-2018. Alle Bilder in diesem Artikel stammen von Lucas Klamert und Heico Neumeyer.

Schiff und Leuchtturm – Selten gelingt es, Schiff und Leuchtturm so harmonisch zueinander in Beziehung zu setzen wie in diesem Foto von Siegfried Layda. Es zeigt das Leuchtfeuer an der Einfahrt zum alten Hafen von Reykjavik (Island) kurz nach Mitternacht.
Sony NEX-6 | 31 mm/KB (16-50 mm) | ISO 400 | f/6,3 | 1/40 s
Foto: Siegfried Layda

Meer & Brandung

Leuchtturm, wilde See und schäumende Gischt: Wer mit solchen Bildern im Kopf auf Motivsuche geht, sollte wetterfest angezogen sein und seine Kamera vor Feuchtigkeit schützen. Denn bekanntlich ist nichts so schädlich für das Equipment wie Salzwasser.
Die Frontlinse schützt man am besten durch ein UV- oder Protection-Filter, die Kamera mit einer Plastikfolie, die möglichst nur die Frontlinse freilässt. Und wenn doch Salzwasserspritzer auf die Geräte gelangen, wischt man sie so bald wie möglich mit einem mit Süßwasser befeuchteten Handtuch ab.

wohldosiert
Wohldosiert – Lange Verschlusszeiten sollte man bei Brandungsfotos wohldosiert einsetzen, um die optimale Balance aus fließender Bewegung und Wasserstrukturen zu erzielen. Im Zweifelsfall hilft eine Verschlusszeitenreihe.
Sony NEX-7 | 75 mm/KB (18-200 mm) | ISO 100 | f/20 | 0,3 s | Graufilter ND 0,9
Foto: Siegfried Layda
Vor dem Fotografieren sollte man ausgiebig die Lage sondieren: In welche Richtung spritzt die Gischt vornehmlich? Für den idealen Abstand zur perfekten Welle gilt: so nah wie nötig und so weit entfernt wie möglich. Dieser Devise entsprechend entstand die Aufnahme mit der größten Dynamik in diesem Abschnitt auch mit der längsten Brennweite: Den Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von Port d’Antratz auf Mallorca fotografierte Siegfried Layda mit einem 150-mm-Tele während eines morgendlichen Sturms, der die Gischt weit über die Spitze des Leuchtturms hinaus peitschte.
Wer Brandung und Gischt in Szene setzen will, sollte vom Stativ fotografieren, selbst wenn er aus der Hand belichten könnte.
Der Grund: So kann man sich besser auf das Einfangen des richtigen Augenblicks konzentrieren. Meistens wird man eine sehr kurze Verschlusszeit wählen, um die Struktur der Gischt „einzufrieren“. Längere Zeiten sollte man so dosieren, dass immer noch ein Rest von Struktur erhalten bleibt. Die See sollte sich nicht komplett in Watte verwandeln.
wilde-see
Wilde See – Hafeneinfahrt von Port d’Antratz, Mallorca: Die vom Sturm gepeitschte Gischt scheint den Leuchtturm unter sich begraben zu wollen – ein Sinnbild für den Kampf des Menschen gegen die wilde See. Der Hell-Dunkel Kontrast verstärkt die Dynamik des Fotos.
Sony A7R II | 150 mm (70-400 mm) | ISO 100 | f/7,1 | 1/640 s
Foto: Siegfried Layda

Kommentar von Karl Stechl

Leuchttürme dienen Schiffskapitänen zur Orientierung, und üben auf Fotografen eine fast magische Anziehungskraft aus. In der Landschaft sind sie markante Punkte – häufig schon wegen ihrer auffälligen Farbgebung.
Doch gleicht kaum ein Leuchtturm dem anderen.
Vom historischen Backsteinbau bis zum rotweißen Turm aus Stahlbeton – jede Variante hat ihren eigenen Reiz. Zudem beflügelt uns beim Fotografieren die Fantasie: Wir denken an Schiffe auf sturmgepeitschter See, an einsame Leuchtturmwärter und maritime Dramen. Wer auch nur einen kleinen Teil dieser Assoziationen in Bilder verwandeln will, sollte sich darauf einstellen, zu allen Tages- und Nachtzeiten, bei Wind und Wetter auf Motivsuche zu gehen.

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Schäumende Gischt – Cap de ses Salines, Mallorca: So sieht schäumende Gischt meist am besten aus – eingefroren durch eine kurze Belichtungszeit, die jeden Wasserspritzer scharf abbildet.
Sony NEX-7 | 75 mm/KB (18-200 mm) | ISO 100 | f/11 | 1/640 s
Foto: Siegfried Layda

Land & Horizont

Ein Leuchtturm ist wie das i-Tüpfelchen in einer Küstenlandschaft.
Selbst wenn er im Verhältnis zum Gesamtmotiv nur klein abgebildet ist, setzt er einen unübersehbaren Akzent. Ein Beispiel dafür ist der gelb-orange Leuchtturm auf einer Felsklippe bei Ingólfshöfði im Südosten Islands.

exponiert
Exponiert – Felsklippe bei Ingólfshöfði in Island: An so exponierter Stelle errichtet, muss der Leuchtturm nicht besonders hoch sein, um weithin gesehen zu werden. In diesem Foto setzt er einen unverzichtbaren Farbakzent.
Sony NEX-6 | 24 mm/KB (16-50 mm) | ISO 100 | f/11 | 1/160 s
Foto: Siegfried Layda
Das eher gedrungen wirkende Bauwerk verrät auch etwas über das Prinzip Leuchtturm: Je exponierter die Stelle, an der sich der Turm befindet, desto weniger hoch muss er sein. Schließlich kommt es nur darauf an, dass die Befeuerung weithin sichtbar ist. Auf dem flachen Land muss ein Leuchtturm entsprechend höher gebaut werden.
ganz-in-weiss
Ganz in Weiß – Kaum ein Leuchtturm gleicht dem anderen: Dieses ganz in Weiß gehaltene Exemplar, rund 20 m hoch, ist der Leuchtturm Malarrif auf der Halbinsel Snæfellsnes (Island) mit Gletscher im Hintergrund und Spiegelung im Gewässer davor.
Sony A7R | Canon 24 mm TS (Metabones-Adapter) | ISO 100 | f/14 | 1/80 s
Foto: Siegfried Layda
Die Beschaffenheit des Himmels spielt bei Leuchtturm-Bildern eine wichtige Rolle. Das Warten auf spektakuläre Wolkenformationen oder Wettersituationen erfordert aber Geduld und die Bereitschaft, einen Ort eventuell mehrmals aufzusuchen.
Ist der Himmel dagegen nur langweilig blau, lohnt sich die Suche nach einem markanten Vordergrund – wie bei jeder Landschaftsaufnahme. Beispiel: der zwischen roten Felsen eingerahmte Leuchtturm am Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt von Südafrika.
eingerahmt
Eingerahmt – Kap Agulhas, Südafrika: Die massigen Felsen im Vordergrund rahmen den Leuchtturm ein – da darf dieser ruhig einmal im Bildzentrum stehen. Und auch der fast mittig verlaufende Horizont stört hier nicht.
Sony A7R | 70 mm (70-200 mm) | ISO 100 | f/13 | 1/40 s
Foto: Siegfried Layda
In den meisten Fällen ist Seitenlicht hilfreich, weil das Bauwerk damit plastisch beleuchtet und die Kontraste in der Landschaft verstärkt werden.
Und immer wieder stellt sich die Frage:
Soll der Leuchtturm das zentrale Motivelement oder nur „Beiwerk“ sein?
Wo im Bildfenster ordne ich den Turm an? Mittig, nach der Drittelregel oder irgendwo dazwischen?
Ein Patentrezept dafür gibt es nicht, stattdessen kommt es auf die Bildkomposition als Ganzes an.
Weitere Informationen:

Wolkenpracht – Sylt, Leuchtturm List-Ost: Die lange Brennweite rückt Kumuluswolken und Leuchtturm eng zusammen. Der Horizont wurde tief angesetzt, um den Wolkenhimmel in seiner Dominanz noch zu verstärken.
Sony A7 II | 230 mm (70-400 mm) | ISO 100 | f/18 | 1/160 s
Foto: Siegfried Layda

Abend & Nacht

Das Leuchtfeuer, auch Befeuerung genannt, ist die Seele des Leuchtturms. In früheren Zeiten verwendete man dafür Holz, Teer oder Kohle, später dann Öl und Gas, bis sich die Elektrizität als Energiequelle durchsetzte. Um 1820 erfand der französische Physiker Augustin Jean Fresnel die nach ihm benannte Fresnelsche Stufenlinse.
Diese revolutionierte als optisches System die Leuchtturmtechnik, weil sie eine kompakte Bauform mit relativ geringem Gewicht und hoher Lichtausbeute kombinierte. Die Reichweite eines Leuchtfeuers beträgt zwischen fünf und 20 Seemeilen, je nach Position des Leuchtturms, Qualität der Optik und aktuellen Sichtverhältnissen (mehr zu diesem Thema auf de.wikipedia.org/wiki/Leuchtturm).

ausgewogen
Ausgewogen – Sylt, Leuchtturm bei Kampen: Das Foto entstand gegen Abend, als die Allgemeinhelligkeit noch stark genug war, um mit dem Leuchtfeuer konkurrieren zu können. Abgesehen von einer leichten Lichterkorrektur im RAW-Konverter waren keine kontrastreduzierenden. Maßnahmen notwendig.
Sony NEX-7 | 36 mm/KB (Canon 24 mm TS, Metabones-Adapter) | ISO 100 | f/11 | 1,3 s
Foto: Siegfried Layda
Es macht einen Unterschied, zu welcher Abend- oder Nachtzeit man einen befeuerten Leuchtturm fotografiert. Morgens oder abends zur Blauen Stunde ist die Chance groß, dass man eine Belichtung wählen kann, die das Umfeld des Leuchtturms nicht zu dunkel darstellt, während das helle Lampenhaus noch Zeichnung aufweist.
Tipp: Eine Smartphone-App wie Sun Surveyor Lite informiert über den Zeitpunkt der Blauen Stunde zu einem konkreten Datum.
blaue-stunde
Blaue Stunde – Port de Sollér im Norden Mallorcas: Die Blaue Stunde ist nicht nur blau, wie dieses Foto zeigt. Die bereits untergegangene Sonne erzeugt ein attraktives Farbenspiel am Horizont.
Sony A7 II | 196 mm (70-200 mm) | ISO 100 | f/10 | 2 s
Foto: Siegfried Layda
Bei Nachtaufnahmen führt das extrem helle Licht meist zu partieller Überbelichtung. Kein Problem, wenn der Leuchtturm nur als Detail einer Landschaft im Bild ist.
Bei größerem Abbildungsmaßstab sollte man mindestens zwei unterschiedlich belichtete Fotos machen und diese bei der Bildbearbeitung mittels Ebenen kombinieren – so bekommt man die Kontraste in den Griff. Die „Lichtfinger“ des Leuchtturms sieht man am besten, wenn etwas Dunst in der Atmosphäre ist.
kontrastausgleich
Kontrastausgleich – Leuchtturm List-Ost auf Sylt, nachts bei Vollmond: Um Zeichnung in das helle Lampenhaus zu bringen, war eine zweite Aufnahme mit knapper Belichtung nötig, die in Ebenentechnik über die erste Aufnahme gelegt wurde.
Foto: Siegfried Layda
Sony NEX-7 | 43 mm/KB (18-200 mm) | ISO 200 | f/7,1 | 52 s

Kommentar von Siegfried Layda

Bestimmungsgemäß erfüllen Leuchttürme ihre Aufgabe nachts. Ist die Sonne weg, erwachen sie zum Leben – Grund genug für Fotografen, lange Abende einzuplanen. Blaue Stunde oder Mondschein helfen dabei, die Umgebung sichtbar mit einzubeziehen, auch Blitz oder Taschenlampe können brauchbare Hilfsmittel sein. Zudem muss man die Kontraste in den Griff bekommen.

Fazit

Leuchttürme weisen nicht nur den Schiffen den Weg, sie machen auch auf Bildern eine gute Figur. In diesem Beitrag haben wir Dir gezeigt, worauf Du dabei achten solltest.
Autor: Karl Stechl

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8 Kommentare

  1. Jana Thiem-Eberitsch
      Juli 20, 2018 at 2:53 PM
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    Klasse Artikel bei dem man Einiges Lernen kann. Ich habe mir die ein oder andere Idee aufgeschrieben, um sie bei nächster Gelegenheit anzuwenden. Bin vom Festland – die Küsten sind mind. 6 h entfernt. Für eine meiner nächsten Reisen ist das Wissen ideal geeignet. Komme gerade von den Azoren, da wäre das Wissen schon hilfreich gewesen.

  2. MEYER Roger
      Juli 16, 2018 at 11:10 PM
    Kommentar bewerten

    klasse beschreibung, kann in zukunft mehr aus meinen leuchttürmen heraus holen. danke!

  3. Nordlicht
      Juli 15, 2018 at 1:46 PM
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    „Und immer wieder stellt sich die Frage:
    Soll der Leuchtturm das zentrale Motivelement oder nur „Beiwerk“ sein?“ – schade, ich vermisse in dem Artikel die Betrachtung und Hilfestellung zum Punkt: zentrales Motiv!
    Wie fotografiere ich gekonnt und interessant den Leuchttum allein? Wohin kommt der Fokuspunkt, wie erreiche ich eine gute Perspektive?
    Die oben angeführten Beispiele sehe ich als allgemeine Landschaftsfotografie.

  4. Rainer Winkler
      Juli 15, 2018 at 11:59 AM
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    Gibt es eine Info über Leuchttürme in Deutschland ?

    1. Tom Schimmelpfennig
        Juli 17, 2018 at 9:23 AM
  5.   Juli 14, 2018 at 5:45 PM
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    Schön, aber die Wetterfotografie fehlt:
    https://www.fotocommunity.de/photo/sturmtief-marco-schaa/40923861

  6.   Juli 14, 2018 at 2:28 PM
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    Schöne Leuchttürme!
    sehr schöner Artikel.
    Der von Sylt hängt leicht schief, da könnte man nochmal nachkorrigieren.

  7.   Juli 14, 2018 at 11:43 AM
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    Sehr gut beschrieben.

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