Gestaltungsprinzipien und formaler Bildaufbau: Bildaufteilung

In dieser Artikelserie betrachten wir Gestaltungsprinzipien und den formalen Bildaufbau. Aus welchen Elementen und Sichtweisen besteht eine Komposition?

Maximilian Weinzierl geht weniger der Frage nach, wie ein Bild technisch gelingt, sondern erklärt vielmehr wie und warum es – jenseits von richtig belichtet und scharf – den Betrachter länger als ein paar Sekunden in den Bann zieht. Kurz: Wie wird ein Foto zum Hingucker?

Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 02-2018.

Bisher in dieser Serie erschienen

Bildaufteilung

Die Aufteilung bestimmt die Bildwirkung. Manchen Fotos fehlt einfach das gewisse Etwas. Eine probate Möglichkeit, eine Aufnahme interessanter zu gestalten, sind die Planung der Aufteilung und die damit verbundene Gewichtung der Bildbereiche.

Beim Thema Bildaufteilung denken Fotografen meist an den Goldenen Schnitt bzw. an seine Vereinfachung: die Drittelregel.

Das Kompositionsprinzip der Dreiteilung erschafft harmonische Proportionen – nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Architektur.

In der Landschaftsfotografie ergeben sich damit drei Bildbereiche:

  • Vordergrund
  • Mittenbereich
  • und Hintergrund

Es ist davon auszugehen, dass Betrachter eine nach dieser Regel gestaltete Aufnahme als harmonisch wahrnehmen. Allerdings kann es sehr reizvoll sein, absichtlich gegen die Regel zu verstoßen.

Linien zerteilen das Bild

Oldtimer
Nikon D5 | 400mm | ISO800 | f/8 | 1/200s
Foto: Maximilian Weinzierl

Oldtimer in Havanna. Die in verschiedene Richtungen weisenden Linien zerschneiden das Bild in ungleiche Teile, und eine Aufteilungsregel ist nicht zu erkennen.

Die Anordnung der Elemente entspringt rein der Kreativität des Fotografen. Der Ausschnitt wurde mit der Kamera auf dem Stativ überlegt komponiert. Durch die zerteilenden Linien entsteht Spannung. Ohne sie wäre das Bild nur ein Dokumentationsfoto vom Oldtimer auf grauem Asphaltuntergrund.

Goldener Schnitt

Karibische Küstenansicht
Nikon D5 | 24mm | ISO100 | f/14 | 1/100s
Foto: Maximilian Weinzierl

Die Hochformataufnahme der karibischen Küstenansicht ist zunächst nach der Drittelregel gestaltet:

  1. Baumkrone-Himmel
  2. Himmel-Meer-Ausblick
  3. Gestrüpp-Vordergrund

Allerdings ist im Bild gleichzeitig eine Zweiteilung durch den Horizont zu erkennen. Ob mehrere Einteilungsmöglichkeiten gleichzeitig das Bild interessanter wirken lassen oder den Betrachter eher verwirren, ist vom jeweiligen Motiv abhängig.

Ungleichgewicht

Ungleichgewicht
Hasselblad H5D | 50mm | ISO100 | f/5,6 | 1/80s
Foto: Maximilian Weinzierl

Der Schwerpunkt dieses Vis-à-vis-Porträts vom Hauskater, der zwischen den Weidenkörben ruht, liegt eindeutig in der rechten Bildhälfte.

Das erzeugt eine gewisse Spannung, die den Blick des Betrachters länger festhält. Sicherlich könnte sich das Porträt auch ausschließlich auf den formatfüllenden Katzenkopf konzentrieren, aber durch Hinzunahme der Strukturen in der gleichfarbigen Umgebung wirkt es weitaus interessanter.

Unteres Drittel

Unteres Drittel
Nikon D810 | 50mm | ISO64 | f/11 | 1/320s
Foto: Maximilian Weinzierl

Eine typische 2:1-Einteilung, die den relevanten Bildinhalt auf das untere Drittel beschränkt: Die Passauer Veste Oberhaus, eine der größten und mächtigsten Burganlagen Europas, nimmt nur einen kleinen Teil ein.

Der übermächtige Himmel trägt erheblich zur Stimmung bei. Layouter lieben solche Fotos, weil sie im Bild sehr gut Texte und Überschriften unterbringen können.

Aus dem Zentrum heraus

Kubanischer Urwald
Nikon D5 | 14mm | ISO100 | f/9 | 1/500s
Foto: Maximilian Weinzierl

Extreme Weitwinkelaufnahme einer kubanischen Urwald- und Flusslandschaft.

Die Landschaft scheint dem Betrachter aus dem Zentrum heraus förmlich entgegenzuströmen. Das Bild erzielt seine Wirkung dadurch, dass die (gedachten) Linien aus der Mitte auf den Bildrand zulaufen; die rechte endet zudem exakt in der Bildecke.

Auf der Schnittkante

Im Goldenen Schnitt: Die bildwichtigen Elemente sollte der Fotograf am besten nicht mittig, sondern an einem der Schnittpunkte platzieren, die sich durch die möglichen Teilungslinien ergeben. Dadurch entsteht eine harmonische Aufgeräumtheit im Bild.

Farbband-Geometrie

Farbband Geometrie
Nikon D850 | 300mm | ISO64 | f/2,8 | 1/800s
Foto: Maximilian Weinzierl

Dieses Bild ist in vier deutlich unterscheidbare Bänder unterteilt:

  • Rasen im Vordergrund
  • Eisfläche
  • Wasser
  • Büsche im Hintergrund

Obwohl die Landschaft im perfekten Licht steht, ergibt diese Stapelung alleine noch keine interessante Aufnahme.

Zum Hingucker wird das Foto erst durch den dominant in die rechte Bildhälfte gesetzten roten Rettungsring-Container. Er wurde bewusst so angeordnet, dass seine Querstreben exakt auf der Trennungslinie der beiden mittleren Bänder zum Liegen kommen.

Fazit

In diesem Beitrag habe ich Dir einige Beispiele für mögliche Bild-Aufteilungen gezeigt. Du hast erfahren, dass eine bewusste Komposition der Bildbereiche eine Aufnahme interessanter gestalten kann. Im nächsten Teil dieser Serie geht es dann um XXX. Dieser Artikel erscheint am XXX

Autor: Maximilian Weinzierl

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8 Kommentare

  1. fotogirly
      Mai 27, 2018 at 5:25 AM
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    Bisher habe ich instinktiv versucht, optimal ein interessantes Foto zu bekommen, aber technisch keine Kenntnisse gehabt und was ich hier lese, bestätigt mir, ich bin auf dem richtigen Weg und bekomme hier perfekte Hilfe, um mich entscheidend zu verbessern , Danke !

  2.   Mai 15, 2018 at 9:05 AM
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    Genial <3

  3. Michael
      Mai 14, 2018 at 5:24 PM
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    bin Besitzer einer alten Nikon D2x und D200 und möchte mich auch nicht trennen da ich sie liebe, würde mich über ein Tips freuen lg ein alter anfänger

  4. Jürgen Laudi
      Mai 12, 2018 at 10:22 AM
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    Es sollte vielleicht auch noch auf die Lage des Horizonts bei Landschaftsaufnahmen eingegangen werden. Ein bildmittiger Horizont wirkt oft langweilig, während deutlich davon abweichende Horizontlagen dem Bild sehr unterschiedliche Akzente verleihen.

  5. Maier Richard
      Mai 11, 2018 at 7:17 PM
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    Hilfreich wäre für mich noch die Angabe, wo genau scharfgestellt wurde.
    Hier speziell bei „Goldener Schnitt“ und „Aus dem Zentrum heraus“.
    Danke. Richard.

    1. Andreas
        Mai 11, 2018 at 7:30 PM
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      Ich vermute mal, dass der Fokus auf unendlich steht und damit alles (Vorder- & Hintergrund) in den besagten Bildern scharf sein soll. Sonst hätte die Aufteilung evtl. nicht ganz so gut funktioniert.

    2. Bernd
        Mai 14, 2018 at 11:25 AM
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      Du stellst „vorne“ scharf, wie du es auch sehen würdest. Die Blende bestimmt die Hintergrundschärfe

      1. Maier Richard
          Mai 16, 2018 at 8:26 AM
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        Danke für Deine Anmerkung. Wenn ich die Meinung von Andreas lese, „beisst“ sich das mit dem, was Du vermutest. Es wird ja oft darauf hingewiesen, dass an der Oberkante vom unteren Drittel scharf gestellt werden soll und je nach der Blende wird mehr oder weniger scharf abgebildet (Vorder- und Hintergrund).

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