Belichtung – Programmautomatik

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In Zusammenarbeit mit SIGMA

Fast jede Digitalkamera verfügt heutzutage über ein vollautomatisches Programm.

Der Fotograf muss sich um nichts außer das Motiv kümmern und nur den Auslöser rechtzeitig drücken. Alle anderen Einstellungen übernimmt die Kamera.

Dies kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil. Neben dieser Vollautomatik haben die meisten Kameras ein Programm, das mit P bezeichnet wird und sich im ersten Moment wenig von der Vollautomatik unterscheidet. Bei genauerer Betrachtung sind die Unterschiede doch groß. Wir wollen in diesem Artikel aufzeigen, wie das Programm P funktioniert.

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Nahezu alle Digitalkameras verfügen über eine Programmautomatik, abgekürzt durch den Buchstaben P.

In der Grundeinstellung arbeitet die Programmautomatik P vergleichbar mit der Automatischen Motiverkennung. Bei gleichem Motiv und vergleichbaren Lichtverhältnissen werden identische Blenden-Zeit-Kombinationen verwendet, sofern in P die ISO-Automatik eingestellt ist.

Tatsächlich ist die Programmautomatik P viel mächtiger, denn nahezu alle Einstellungen können manuell vorgenommen werden. Der Fotograf entscheidet selbst, über die ISO-Einstellung und so sind z.B. auch nächtliche Langzeitbelichtungen mit ISO 100 möglich, die eine Vollautomatik nicht zulassen würde. Der Blitz schaltet erst zu, wenn er aktiv geöffnet (eingeschaltet) wird, der Weißabgleich lässt sich nach Belieben einstellen.

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P eignet sich besonders für spontane Fotos, bei denen man aber trotzdem weiterhin die Kontrolle über die Kamera behalten möchten. Das Programm bevorzugt kurze Verschlusszeiten vor hohen Blendenzahlen, die sich aber durch „Shiften“ den Bedürfnissen schnell und effektiv anpassen lassen 50 mm | ƒ/1,8 | 1/750 Sek. | ISO 100 | Programmautomatik | Blitz (HSS) | geshiftet auf ƒ/1,8 von vorher ƒ/5,6)

Zusätzlich erlaubt P automatische Belichtungsreihen aufzunehmen, wie sie zum Beispiel für HDR-Bilder benötigt werden. Die Intelligenz der Kamera geht soweit, dass im Fall von Belichtungsreihen nur die Verschlusszeit verändert wird und nicht die Blende. Dadurch lassen sich die Fotos nachher sauber miteinander verrechnen und überlagern.

Bei Kameras mit Wechselobjektiven erkennt das Programm P die verwendete Brennweite und versucht über die Blenden- und ISO-Einstellung (bei ISO-Automatik) die Verschlusszeit so kurz zu halten, dass Freihandaufnahmen ohne Verwackeln gelingen. Erst wenn das Licht zu knapp wird und die Blende ganz geöffnet ist, wird diese Zeit überschritten, meist warnt die Kamera den Fotografen dann aber mittels blinken oder roter Markierung der Verschlusszeit, dass nun ein Stativ angebracht wäre (oder zumindest ein Auflegen/ Aufstützen der Kamera auf eine feste Unterlage).

Die Einzelaufnahmen für HDR lassen sich nur in Programmen machen, die Belichtungsreihen zulassen
Die Einzelaufnahmen für HDR lassen sich nur in Programmen machen, die Belichtungsreihen zulassen

Ein ganz wesentlicher Punkt ist die Möglichkeit eine Belichtungskorrektur vornehmen zu können. Die Belichtungsmessung basiert immer auf durchschnittlichen Motiven, bei denen helle und dunkle Motivteile mehr oder minder gleichmäßig verteilt sind. Weicht das Motiv deutlich von diesen Mittelwerten ab, kommt es zu Fehlbelichtungen, die sich aber über eine Belichtungskorrektur beheben lassen.

Viele helle Motivanteile überfordern die Belichtungsmessung. Für eine korrekte Belichtung ist eine Belichtungskorrektur nötig. 120mm | 1/125 Sek. | ƒ/9 | ISO 1.000 | + 1 EV
Viele helle Motivanteile überfordern die Belichtungsmessung. Für eine korrekte Belichtung ist eine Belichtungskorrektur nötig.
120mm | 1/125 Sek. | ƒ/9 | ISO 1.000 | + 1 EV
Gleiches gilt für Nebel, der sehr schnell zu Unterbelichtungen führt, wenn der Fotograf nicht manuell eingreift. 300mm | 1/1.250 Sek. | ƒ/11 | ISO 200 | + 1,5 EV
Gleiches gilt für Nebel, der sehr schnell zu Unterbelichtungen führt, wenn der Fotograf nicht manuell eingreift.
300mm | 1/1.250 Sek. | ƒ/11 | ISO 200 | + 1,5 EV
Im umgekehrten Fall führen viele dunkle Anteile im Bild zu einer Überbelichtung. Um die bedrohliche Stimmung in der Höhle aufrecht zu erhalten, ist eine gezielte Unterbelichtung nötig. 35 mm | 1/400 Sek. | ƒ/10 | ISO 1.000 | - 2 EV
Im umgekehrten Fall führen viele dunkle Anteile im Bild zu einer Überbelichtung. Um die bedrohliche Stimmung in der Höhle aufrecht zu erhalten, ist eine gezielte Unterbelichtung nötig.
35 mm | 1/400 Sek. | ƒ/10 | ISO 1.000 | – 2 EV

Wesentliches Gestaltungsmittel ist die Möglichkeit, die Blenden-Zeit-Kombination zu „shiften”, um entweder mithilfe der Unschärfe das Bild zusätzlich zu gestalten oder aber den Grad der Bewegungsunschärfe zu wählen.

Wie shiftet man richtig und warum sollte man das tun?

Nun, diese Frage ist einfach zu beantworten. Die Kamera schlägt anhand der aktuellen Messdaten eine Zeit-Blenden-Kombination vor, die zu einer korrekten Belichtung führen würde. Die Wirkung von Blende und Verschlusszeit auf Schärfentiefe und Bewegungsunschärfe ist dem versierten Fotografen geläufig und so erkennt er beim Blick durch den Sucher, dass die Blende zum Beispiel  zu klein ist, das Motiv aber mehr Unschärfe im Hintergrund erfordert.

Das Programm P erlaubt in den meisten Fällen eine Veränderung der Blenden-Zeit-Kombination unter Erhalt des Belichtungswertes.

Je nach Kameramodell erfolgt die Verstellung über ein Stellrad am Auslöser oder über auf der Rückseite der Kamera vorhandene Pfeiltasten. Diese Verstellung bleibt dann für die aktuelle Aufnahme (-reihe) gültig. Erst wenn die Kamera die Belichtungsmessung abschaltet und sie neu gestartet wird (durch Antippen des Auslösers) kehrt die Kamera wieder zu den Standardwerten zurück. Bei Landschaftsaufnahmen nutzen wir das Shiften häufig, wenn die Verschlusszeit erlaubt, die Blende zu schließen, um eine schöne durchgehende Schärfe zu erzielen. Mit etwas Erfahrung und Routine kann man daher das Programm P sowohl als Zeitautomatik (Av, A) als auch als Blendenautomatik (Tv,T, S) verwenden.

Einer der wichtigsten Unterschiede für uns ist die Verfügbarkeit verschiedener Methoden zur Belichtungsmessung, die in den meisten Automatikprogrammen nicht veränderbar ist. Gängig sind die vier folgenden Messmethoden:

  • Matrix – oder Mehrfeldmessung, die zu sehr ausgewogener Belichtung führt und automatisch Gegenlichtsituationen erkennt, weil sie das Sucherfeld in viele einzelne Messfelder aufteilt und unter Einbeziehung der Autofokusergebnisse unterschiedliche Gewichtungen vornimmt.
  • die mittenbetonte Integralmessung, die auch nahezu das gesamte Sucherfeld einbezieht, aber den Schwerpunkt auf die Bildmitte legt,
  • die Selektivmessung, die nur die Bildmitte misst
  • die Spotmessung, die sehr präzise kleine Bereiche und Flächen anmessen kann.

(Die Messmethoden werden wir in einem eigenen Artikel in den nächsten Tagen genau erklären und mit Bildbeispielen unterlegen.)

Das Programm P erlaubt eine volle Kontrolle über die Einstellungen der Autofokusfunktionen, die in den Vollautomatiken so auch nicht möglich ist.

Diese Kontrolle über die Wahl der AF-Felder ist in vielen Motivsituationen notwendig, wenn es störende Objekte im Bild gibt, die näher an der Kamera liegen, als das Hauptmotiv. Messfelder, am Rand würden immer auf diese Objekte scharf stellen und das Hauptmotiv außer Acht lassen. P erlaubt es einzelne AF-Felder oder Zonen (je nach Kamera) zu wählen, um die AF-Funktion auf das Hauptmotiv zu beschränken. Der Fotograf hat zusätzlich die Wahl zwischen einer kontinuierlichen Nachfokussierung eines sich bewegenden Motivs und einer einmaligen Fokussierung auf ein festes Objekt.

135 mm | ƒ/2 | 1.500 Sek. | Blitz (HSS) | ISO 100 | P (geshiftet) | mittenzentrierte Messung
135 mm | ƒ/2 | 1.500 Sek. | Blitz (HSS) | ISO 100 | P (geshiftet) | mittenzentrierte Messung
135 mm | ƒ/2 | 1/750 Sek. | Blitz (HSS) | ISO 100 | P (geshiftet)| mittenzentrierte Messung
135 mm | ƒ/2 | 1/750 Sek. | Blitz (HSS) | ISO 100 | P (geshiftet)| mittenzentrierte Messung
135 mm | ƒ/2,8 | 1/4.000 Sek. | | ISO 100 | P (geshiftet)| mittenzentrierte Messung
135 mm | ƒ/2,8 | 1/4.000 Sek. | | ISO 100 | P (geshiftet)| mittenzentrierte Messung

An dieser Serie möchten wir noch eine kleine Besonderheit von P erklären. Viele (gerade kleinere) Digitalkameras heben keine Funktion für den Safety Shift (eine Funktion, die Überbelichtung in Av/Tv (A/T) vermeidet). An den wechselnden Belichtungszeiten obiger Fotos seht Ihr, dass Licht am Wasser eigentlich immer zu viel vorhanden ist (tagsüber).

In Av (A) und Offenblende stößt man dann schnell an die Grenze von den üblichen 1/4000 Sek. Wer aber in P arbeitet und die mittenzentrierte Messung wählt (Matrix- oder Mehrfeldmessung friert die Messwerte nach Scharfstellung unter Umständen ein), kann schnell auf Offenblende shiften. Ist trotzdem zu viel Licht da, verhindert P eine Überbelichtung und schließt die Blende, wie in Bild 3 zu sehen. Der Blitz bei den ersten beiden Bildern hat übrigens nicht zur Belichtung beigetragen, sondern sollte nur einen Glanzpunkt in den Augen setzen.

Die förderliche Blende

Es ist sicher reizvoll, die ganze Bandbreite der Blendeneinstellungen zu nutzen, um bei Landschafts- und insbesondere Makroaufnahmen eine maximale Schärfentiefe zu erreichen. Je nach Objektiv treten allerdings im Bereich ab Blende 11–16 und kleiner an den Blendenkanten Beugungseffekte auf, die das Foto wieder unschärfer werden lassen.

Ab dieser „förderlichen Blende“ genannten Blende nimmt zwar die Schärfentiefe beim weiteren Abblenden noch zu, die Schärfe der innerhalb der Schärfentiefe liegenden Motivbereiche nimmt jedoch ab. Daher ist ein Einsatz von kleineren Blenden als ƒ16 ein Sonderfall und will wohlüberlegt sein.

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