Die Belichtungswaage und ihre Anwendung

Eigentlich stellt jede moderne Kamera dem Fotografen entweder beim Blick durch den Sucher oder auf dem Display eine Belichtungswaage zur Verfügung. Und auch wenn Du vielleicht bisher im Automatikmodus fotografierst, ist Dir sicher schon einmal die Skala von beispielsweise „-3 bis +3“ aufgefallen. Diese Anzeige ist Dein Werkzeug, um die Belichtung Deines Bildes außerhalb des Automatikmodus zu prüfen und gezielt zu beeinflussen.

Die Belichtungswaage bei korrekter Belichtung
Die Belichtungswaage, eingestellt auf den Referenzwert 0 für korrekte Belichtung

Belichtung gezielt beeinflussen

In den Halbautomatik-Programmen (siehe auch unseren Fotokurs zum Thema Halbautomatiken) P,  A(v) und T(v) bzw. S hast Du die Möglichkeit, mit Hilfe der Belichtungswaage die von der Kamera bestimmte Belichtung gezielt zu verändern. Die für die Belichtung des Fotos relevanten Parameter sind Zeit (t), ISO und Blende (f). In den Halbautomatiken werden einer oder zwei dieser Werte automatisch durch die Belichtungsmessung so bestimmt, dass das Foto (für die Kamera) korrekt belichtet ist. Nun gibt es aber Motive, bei denen die Belichtungsautomatik versagt und Du manuell korrigieren musst – man denke nur an Urlaubsfotos auf der verschneiten Skipiste.

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Belichtungswaage beim Einsatz, Bild mit perfekter Korrektur
Perfekte Korrektur
Belichtungswaage beim Einsatz, Bild ohne Korrektur
ohne Korrektur

Normalerweise ist der Referenzwert für die Messung immer der Wert Null (0). Veränderst Du nun diese Voreinstellung, gibst Du eine relative Abweichung vor und die Kamera wird die Belichtung entsprechend anpassen. (Halte dafür die [+/-]-Taste gedrückt und drehe am Wahlrad)

Diese Änderung wirkt sich immer auf den freien Parameter aus. In der Zeitautomatik (bei der Blende und ISO fest eingestellt sind) verändert sich also die Belichtungszeit, in der Blendenautomatik (bei fester Zeit und ISO) dagegen die Blende.

Stellst Du den Referenzwert von 0 auf +1, so  bedeutet dies, dass Du die Belichtung um den Lichtwert einer vollen Blendenstufe in Richtung Überbelichtung veränderst. Die Blende ist also eine Stufe weiter geöffnet (z.B. f/2,8 statt f/4), die Zeit ist doppelt so lang (also 1/60 Sek. statt 1/125 Sek.) oder die ISO eine Stufe höher (ISO 800 statt ISO 400). Das Bild wird also gegenüber der Normalbelichtung um genau eine Blende überbelichtet. Eine Änderung von 0 auf -1 schließt die Blende um eine Stufe, verkürzt die Zeit auf die Hälfte oder reduziert die ISO um eine Stufe. Du erreicht damit also eine Unterbelichtung um den Lichtwert einer ganzen Blende.

Auf diese Weise kannst Du Fehlbelichtungen der Automatik ausgleichen und hast gleich „out of the Cam“ tolle Fotos.

Die Belichtungswaage im manuellen Modus M

Die Belichtungswaage funktioniert nur im manuellen Modus

Im manuellen Modus musst Du Dich von dieser Betrachtungsweise komplett lösen, da Du alle Werte von Hand einstellst (auch die ISO muss auf einem festen Wert stehen, sonst funktioniert es nicht). Du wirst feststellen, dass sich nun der Zeiger auf der Skala bewegt  – je nachdem, welches Motiv du gerade anvisierst.

Um die Belichtungswaage zu verstehen, machst Du am besten Folgendes: Stelle die Werte auf ISO 100, 1/125 Sek. und f/8 (bei sonnigem Wetter) oder f/4 (bei trübem Wetter) ein und bewege die Kamera. Beobachte dabei die Belichtungswaage – sie wird sich bewegen. Nach links, je dunkler das Motiv ist und nach rechts, je heller das Motiv ist (bitte nicht vergessen, die Messung durch Antippen des Auslösers zu aktivieren).

Wie Du siehst, arbeitet die Belichtungsmessung weiter – im Unterschied zu den Halbautomatiken zeigt Dir der Zeiger der Belichtungswaage nun aber an, wie das Foto mit den von Dir eingestellten Werten belichtet werden würde. Tendiert die Anzeige nach links (in Richtung Minus), dann musst Du die Belichtungsparameter so ändern, das mehr Licht zur Verfügung steht – also Blende öffnen oder die Zeit verlängern oder die ISO erhöhen. Tendiert die Anzeige nach rechts (Richtung Plus), musst Du demzufolge die Blende schließen oder die Zeit verkürzen oder die ISO-Wert verringern.

Im manuellen Modus M ist also die Belichtungswaage Deine Kontrollanzeige für die Belichtung des Fotos und Du bist komplett frei, welchen der drei Parameter Du für die Belichtung veränderst. Und auch hier musst Du natürlich nicht die 0 als Referenzwerte wählen. Es steht Dir frei als Referenzwert für die Belichtung -1 , +1 oder einen anderen Wert anzusetzen und das Bild je nach den Erfordernissen über oder unter zu belichten – analog zur oben angesprochenen Belichtungskorrektur.

Was nützt Dir die Belichtungswaage?

Die Belichtungswaage hilft Dir, das Belichtungsdreieck zu verstehen, denn Du kannst noch vor dem Auslösen sehen, ob Du mehr oder weniger Licht brauchst bzw. welche Wirkung die Veränderung von Zeit, Blende oder ISO hat.

Die Skala zeigt Dir ebenso, wie stark Du die Werte verändern musst. Es ist sinnvoll, in dem Modus M mit der Belichtungswaage zu üben, um die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Belichtungswaage bei korrekter Belichtung
Bei dieser Anzeige wäre das Foto (bezogen auf die normale Belichtungsmessung bei einem durchschnittlichen Motiv) korrekt belichtet.
Die Belichtungswaage bei einer Überbelichtung
Das Foto wird um einen Lichtwert überbelichtet, zur Korrektur müsstest Du die Zeit halbieren (z.B. 1/60 Sek. auf 1/125 Sek.), die Blende eine volle Stufe schließen (z.B. f/2,8 auf f/4) oder die ISO um eine Stufe senken (z.B. ISO 200 auf ISO 100).
Die Belichtungswaage bei einer Unterbelichtung
Das Foto wird um zwei Lichtwerte unterbelichtet, zur Korrektur müsstest Du die Zeit vervierfachen (z.B. von 1/125 Sek. auf 1/30 Sek.), die Blende zwei volle Stufen öffnen (z.B. f/11auf f/5,6) oder die ISO um zwei Stufen heben (z.B. ISO 200 auf ISO 800).

Zum Schluss noch ein Praxistipp:

Bei schneebedeckten Landschaften ist in der Regel eine Belichtungskorektur nach +1 bis +2 erforderlich, da der Schnee bei Belichtung auf Null (0) grau erscheint.

Dunkle Motive solltest du in der Regel um den Wert -1 bis -2 unterbelichten, damit die original dunklen Bildteile auch genau so dunkel im Foto erscheinen.

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6 Kommentare

  1. Der Tipp digitale Bilder „in der Regel um den Wert -1 bis -2 unterbelichten, damit die original dunklen Bildteile auch genau so dunkel im Foto erscheinen“ ist vieleicht für JPG-ler sinnvoll. Für RAW-Fotografen ein ganz schlimmer Tipp, der nur das Rauschen verstärken kann. Schon mal etwas vom Histogramm gehört? … und von „go to the Right“

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