Tabletop-Fotografie mit Systemblitzen

tabletop-fotograf-teaser

Im richtigen Licht: Für Sachaufnahmen und kreative Tabletop-Fotografie braucht man nicht unbedingt Studioblitzgeräte. Mit Systemblitzgeräten, etwas Zubehör und Improvisationstalent lassen sich ebenso überzeugende Resultate erzielen.

Ich zeige Dir, was Du wirklich brauchst und wie Du Deine Beleuchtung systematisch perfektionierst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 01-2017.

Mystische Farbenspiele: Die beiden Muscheln wurden mit 90-mm-Makro-Objektiv an der Vollformatkamera fotografiert. Dabei kamen drei Blitzgeräte mit Filterfolien vor dem Reflektor zum Einsatz – blaues Licht von links, grünes von rechts, rotes von vorne. Interessanter Effekt: Aufgrund der RGB-Farbmischung wird der obere Teil der Muscheln nahezu farbneutral wiedergegeben (Sony A7 II, 90 mm, ISO 100, f/14, 1/160 s). Fotograf: Siegfried Layda

Was ist Tabletop-Fotografie?

Tabletop-Fotografie ist eine Spielart der Sachfotografie. Dabei beschränkt man sich auf Gegenstände, die sich auf einem Tisch arrangieren lassen; das kann ein Küchentisch ebenso sein wie ein spezieller Aufnahmetisch.

Früher war Tabletop-Fotografie überwiegend eine Domäne von Profis wie z. B. Food-Fotografen. Inzwischen haben aber auch viele Hobbyfotografen dieses Genre für sich entdeckt, was viel damit zu tun hat, dass man aussagekräftige Produktfotos für Online-Auktionen benötigt. Entsprechend groß ist das Angebot an Zubehör. Zudem lässt sich fast jede Art von Sammelleidenschaft ideal mit dem Fotohobby kombinieren – von Uhren über Modelleisenbahnen bis hin zu Puppen lassen sich dafür vielfältige Beispiele finden.

Tabletop-Fotografie ist aber auch eine Variante des klassischen Stilllebens, für das Gegenstände nach inhaltlichen und ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt und gruppiert werden. Moderne Varianten der „Still Life Photography“ gehen aber deutlich weiter: Dabei entstehen neue visuelle Welten nach dem Motto „nichts ist unmöglich“. Und dass man dafür nur einen Raum oder eine Zimmerecke braucht, macht die Sache umso reizvoller.

Kommentar von Karl Stechl

„Die dunkle Jahreszeit ist da mit Schmuddelwetter und – im besten Fall – mit Schnee. Auf jeden Fall ist es kalt draußen, und nicht jeder hat Lust, mit dicken Handschuhen und warmen Stiefeln auf Fotopirsch zu gehen. Damit die kreative Ader nicht versiegt, solltest Du es mit der Tabletop-Fotografie probieren.

Ich selbst habe schon berufsbedingt ein Faible dafür: Gerätetests oder Praxisbeiträge machen immer wieder Sach- bzw. Detailaufnahmen nötig. Dabei habe ich gelernt, dass man am besten mit wenig Licht – Hauptlicht und Aufheller – beginnt, um sich dann zu komplexeren Beleuchtungsformen vorzuarbeiten.

Und: Nicht für jedes Hilfsmittel muss man viel Geld ausgeben. Oft reichen ein Besuch im Baumarkt und etwas Improvisationstalent.“

Licht setzen lernen

Plastisch ausgeleuchtet: Die Seeigel-Skelette wurden auf transluzenter Folie platziert (Hohlkehle), darunter schwarzer Fotokarton mit zwei kreisrunden Ausschnitten, jeweils mittig unterhalb der Seeigel. Ein unten platzierter Blitz bringt die beiden Objekte von innen zum Leuchten. Von links (90 Grad) sorgt ein Blitz mit Mini-Softbox für weiches Licht, von rechts (45 Grad) ein Aufheller (Styroporplatte) für Kontrastausgleich und eine sparsame Beleuchtung des Hintergrunds (Sony A7R | 300 mm | ISO 100 | f/16 | 1/4 s). Fotograf: Siegfried Layda

Überlasse beim Beleuchten nichts dem Zufall. Es macht einen großen Unterschied, ob Du einen Gegenstand z. B. frontal oder von der Seite beleuchtest. Außerdem zeige ich Dir, wie Du mit einem Lichtwürfel ganz einfach Produkte für Online-Auktionen fotografieren kannst.

Locher im Lichtzelt: Aufnahme im Delamax Lichtwürfel: Blitz 1 (Nissin i60A mit 20 x 30-Softbox) durchleuchtet die hintere Seite des Lichtwürfels, um die Kunststoffteile der drei Objekte zu durchleuchten. Blitz 2 (Nissin i60A mit Streuscheibe) leuchtet von vorne oben (75 Grad). Bei der Bildbearbeitung wurde der weiße Hintergrund in Photoshop gegen einen grauen „ausgetauscht“ (Sony A7 II | 114 mm | ISO 100 | f/13 | 1/160 s). Fotograf: Siegfried Layda

Wer Produkte bei Internetaktionen versteigern will, sollte mit aussagekräftigen Bildern an den Start gehen. Das beginnt bei der Wahl der Brennweite und Perspektive: Richte die Kamera gerade aus, verkante sie nicht. Um die Proportionen des Gegenstands zu erhalten, solltest Du nicht mit kurzer Brennweite nahe an das Motiv herangehen, sondern lieber eine längere Brennweite ab etwa 80 mm KB-äquivalent wählen und den Abstand zum Objekt vergrößern.

Neben der Perspektive entscheidet die Beleuchtung über die Qualität einer Sachaufnahme. Wer einfach mit dem eingebauten Blitzgerät der Kamera drauflos blitzt, wird eher enttäuschende Ergebnisse ernten. Richtig beleuchten ist keine Zauberei, man muss es sich aber systematisch erarbeiten. Die Voraussetzung dafür ist ein Blitzgerät, das entfesselt von der Kamera ausgelöst und damit beliebig neben oder sogar hinter dem Motiv platziert werden kann.

Beim Beleuchten sollte man sich von einfachen zu komplexeren Techniken vorarbeiten. Beginne z. B. mit einem Blitzgerät, das als Hauptlicht seitlich von der Kamera aufgestellt wird – in einem Winkel von etwa 30 bis 45 Grad. Auf der dem Blitzgerät abgewandten Seite des Motivs platzierst Du einen Aufheller (Karton oder Faltreflektor), um Schatten zu mildern. Wenn Du dann noch eine Softbox oder Ähnliches vor den Blitzreflektor setzst, hast Du eine vielseitig verwendbare Standardbeleuchtung.

Statt eine Softbox zu verwenden, kannst Du den Blitz auch indirekt strahlen lassen, indem Du ihn z. B. auf einen weißen Karton richtest, dessen Oberfläche dann wie eine Flächenleuchte wirkt.

Lichtrichtung

Aus welcher Richtung kommt das Licht? Bei Tabletop-Aufnahmen hat man es selbst in der Hand, wie man Motive durch Licht gestaltet:

  • Bild 1 wurde mit Frontalblitz (Nissin i60 mit Softbox) fotografiert
  • Bild 2 mit Seitenlicht/45 Grad
  • Bild 3 mit Seitenlicht/90 Grad. Man kann gut erkennen, wie das Seitenlicht die Strukturen betont.
  • Für Bild 4 stand der Blitz in Gegenlichtposition.
  • Ein Sonderfall ist Bild 5, eine typische Ringblitz-Aufnahme (Sunpak), praktisch schattenfrei.

Bei allen Aufnahmen wurde der Hintergrund strahlend weiß geblitzt (Nissin i40 mit Rogue Flashbender).

Schattenfrei ausleuchten

Fotograf: Siegfried Layda
Fotograf: Siegfried Layda

Antike Boxkamera von Agfa: Will man so ein Motiv gut ausgeleuchtet für eine Internetauktion aufnehmen, empfiehlt sich ein faltbarer Lichtwürfel, hier von Delamax. Oberfläche und Seitenteile bestehen aus durchscheinendem Textilgewebe, beleuchtet wird mit Blitzgeräten, die oben oder von der Seite auf den Lichtwürfel gerichtet werden.

Nachteil: Die Beleuchtung ist wenig plastisch. Dafür kommt es aber auch nicht zu störenden Reflexen an Metallteilen.


Tischlein, deck dich!

Solltest Du keine Selbstbaulösung bevorzugen, findest Du im Handel Aufnahmetische in verschiedenen Varianten und Preisklassen.

Beispiele: Beim Novoflex Magic Studio (1) werden die Grundplatten mit Perlenschnüren und Feststellern in die typische Hohlkehlenform gebracht (ab ca. 70 Euro). Mit weiterem Zubehör lässt sich ein äußerst flexibler Aufnahmetisch – hier mit „Lichtzelt“ – zusammenstellen (2). Bild (3) zeigt den Aufnahmetisch Helios Pro M für ca. 115 Euro und praktische Acrylbrücken für das Beleuchten von unten.


Mit Licht spielen

Sony A7 II | 23 mm | ISO 100 | f/16 | 1/125 s. Fotograf: Siegfried Layda

Beim Beleuchten von Tabletop-Motiven sollte man sich von den einfachen zu komplexeren Beleuchtungsvarianten vorarbeiten. Was man mit ein bis zwei Blitzgeräten, Diffusoren und Aufhellern erreichen kann, siehst Du hier.

Gute Bilder entstehen im Kopf. Diese Fotografenweisheit gilt für Tabletop-Motive noch mehr als sonst. Außerdem kommt es nicht in erster Linie auf die Größe der Ausrüstung an, sondern darauf, dass man vorhandene Mittel effektiv und fantasievoll einsetzt. Was man mit wenig Equipment und Lust am Experimentieren erreichen kann, zeigt das obige Bild.

In den Sand gesetzt: Kaum zu glauben: Für das „Wüstenmotiv“ wurde nur ein einziges Blitzgerät verwendet. Allerdings waren dafür drei Aufnahmen nötig, die später über Ebenen in Photoshop kombiniert wurden – ausführlich beschrieben ist das Procedere unter dem Bild. Fotograf: Siegfried Layda

Profifotograf Siegfried Layda hatte sich folgende Aufgabe gestellt: „Ich bin von der Situation ausgegangen, dass ein relativ anspruchsvolles Bild realisiert werden soll – aber nur ein Blitzgerät zur Verfügung steht.“ Was nach der Quadratur des Kreises klingt, lässt sich mit drei aufeinanderfolgenden Aufnahmen lösen, die anschließend über die Ebenen-Funktion in Photoshop kombiniert werden.

Fotografiert wurde mit einer Sony A7 II und 16-35-mm-Zoom bei 23 mm. Ergänzt wurde die Optik durch eine 4fach-Vorsatzlinse, da das Quad nur 5 x 4 cm groß ist.

Für die erste Aufnahme wurde schwarzer Hintergrundkarton mit einem Loch versehen und dieses von hinten mit Blitz durchleuchtet, um eine strahlende Sonne im schwarzen Umfeld zu erzeugen.

Für die zweite Aufnahme wurde das eigentliche Set aufgebaut: Ein Miniatur-Quad im „Wüstensand“, wieder vor dem schwarzen Hintergrundkarton. Geblitzt wurde aus ungefährer Richtung der „Sonne“ aus Aufnahme 1; vor dem Blitzreflektor befand sich ein Papiertaschentuch als Diffusor.

Für Aufnahme 3 blieb das Set unverändert, nur wurde der schwarze Karton durch einen weißen ersetzt. Ein Blitz von schräg oben mit blauer Filterfolie erzeugte den Himmel. Nach dem Bearbeiten der Einzelbilder wurden diese mittels Photoshop-Ebenen überblendet.

Buddha vor Bauernschrank: Für das Foto des Buddha bot sich als Hintergrund ein farblich passender antiker Schrank im Zimmer an; der Buddha selbst wurde auf einem Brett platziert. Beleuchtung: ein Nissin i40 mit Aufsteckdiffusor und Zoomreflektor auf 24 mm von links; rechts hellte ein Nikon SB-700 indirekt über die Zimmerdecke auf. Beide Blitzgeräte wurden manuell so geregelt, dass Motiv und Hintergrund in einem harmonischen Beleuchtungsverhältnis zueinander stehen (Fujifilm XT-2 | 246 mm/KB | ISO 400 | f/8 | 1/60 s). Fotograf: Karl Stechl

Lichtcharakter

Das Licht von Systemblitzgeräten lässt sich in Maßen modellieren (wenngleich Studiokompaktblitzgeräte in dieser Hinsicht noch flexibler sind). Bild 1 entstand mit „nacktem“ Systemblitz (Nissin i60A, ZR 24 mm, M 1/16), Bild 2 mit Softbox 20 x 30 cm (M 1/4).

Für Bild 3 wurde indirekt über die Zimmerdecke geblitzt (M 1/1), für Bild 4 ebenfalls, allerdings mit ausgezogener weißer Reflektorkarte (Direktlichtanteil).

Bei Bild 5 kam ein 84-cm-Schirmreflektor zum Einsatz (ZR 24 mm, M 1/2); Bild 6 entstand mit Wabenvorsatz und 16-Grad-Lichtbündelung (ZR 200 mm, M 1/8). Abkürzungen: ZR = Zoomreflektoreinstellung; M = manuell eingestellte Blitzleistung.

Acrylplatten als Blitzdiffusoren

(3) – Fotograf: Karl Stechl

Acrylplatten eignen sich gut als Diffusoren für Systemblitzgeräte; dabei wird nicht nur das Licht weicher, sondern auch die Abstrahlfläche deutlich vergrößert.

Bild 1 wurde von links direkt mit einem Nikon SB-700 beleuchtet. Unschön sind die Reflexe auf dem Kürbis, und die Strukturen auf dem Damastmesser wirken übertrieben.

Mit Acrylplatte zwischen Blitzgerät und Motiv ist das Ergebnis viel harmonischer (2); jetzt kann man auch den Herstellernamen (Gräwe) auf dem Messer lesen.

Bild 3 zeigt den Aufbau; rechts steht eine weiße Platte als Aufheller.

Durch die rote Brille: Diese Aufnahme entstand mit zwei Blitzgeräten: Der Hintergrund wurde mit einem Nissin i40 beleuchtet, das Motiv selbst mit einem Nissin i60A mit Wabenvorsatz (JJC) und roter Folie. Platziert war der Blitz etwa im 75-Grad-Winkel zum Motiv (Sony A7 II | 65 mm | ISO 100 | f/16 | 1/160 s). Fotograf: Siegfried Layda

Blitzlicht modulieren und filtern

Mit einer Softbox (hier Helios Magic Square) wird der Systemblitz zum Studioblitzgerät (1). Eine Alternative für weiches Licht ist ein Schirmreflektor, der im Helios-Studioblitz-Set (2) mit einer Einstelllampe kombiniert wird, um ein Studiokompaktblitzgerät zu simulieren. Ein Wabenvorsatz (3) bündelt das Licht; der Rogue Flashbender ermöglicht variable Lichtmodulation von flächig bis Spot (4). Um Filterfolien vor dem Blitzreflektor anzubringen, reicht ein Haargummi (5).

Intelligent blitzen

Plastizität durch zwei Objektebenen: Für diese Aufnahme wurden zwei in Alu-Bilderrahmen gefasste Glasplatten in einem Abstand von ca. 10 cm übereinander platziert; Styroporblöcke dienten als Abstandshalter. Der linke Maiskolben liegt auf der unteren, der rechte auf der oberen Glasscheibe. Beleuchtung: rechts oben Nissin i60A mit Softbox (60 x 60 cm); ein zweiter Blitz (Nissin i60A mit Streuscheibe, Filterfolie und Rogue Flashbender, geformt zu einem Spot) durchleuchtet die Glasscheibe von unten (Sony A7 II | 25 mm | ISO 100 | f/11 | 1/125 s). Fotograf: Siegfried Layda

Auch wenn es um einfache Sachaufnahmen geht, sollte man nicht einfach mit dem Blitz auf der Kamera losblitzen. Mit einem von der Kamera losgelösten Blitz, der per Licht- oder Funkimpuls ausgelöst wird, kannst Du das Motiv interessanter beleuchten.

Die Möglichkeit, mehrere Blitzgeräte synchron zünden zu können, ist eine elementare Studiotechnik – in großen Fotostudios ebenso wie beim Tabletop-Studio in einer Raumecke. Bei Systemblitzgeräten gibt es dafür prinzipiell drei Möglichkeiten.

Die erste funktioniert mit allen Modellen, die den manuellen Blitzmodus erlauben und mit Fotozelleausgestattet sind.
Das heißt: Wenn ein Blitz auf der Kamera gezündet wird, reagieren alle anderen Blitzgeräte im Setup auf den Lichtimpuls und lösen ebenfalls aus. Die Ausleuchtung steuert man durch manuelles Einstellen der Blitzintensität (Teilleistung) an den einzelnen Blitzgeräten.

Erweiterte Lichtzeltaufnahme: Indianisches Kunsthandwerk aus dem amerikanischen Westen wurde im Delamax Lichtwürfel vor blauem Hinter- und Untergrund fotografiert. Geblitzt wurde mit Sony HVL-F60M, befestigt mit Gorillapod an Querstange (Sony A7 II | 90 mm | ISO 100 | f/14 | 1/125 s). Fotograf: Siegfried Layda

Möglichkeit 2 ist ein TTL-gesteuerter Blitzverbund. Dafür sind Blitzgeräte nötig, die mit entsprechenden Systemfunktionen ausgestattet sind und über Steuerblitze kommunizieren können, die dem Hauptblitz vorangehen. Die Blitzintensität
der einzelnen Geräte bzw. Blitzgerätegruppen lässt sich dabei in der Regel über das Kameramenü steuern.

Beispiele für diese Art der Blitzsteuerung sind:

  • i-TTL (Nikon)
  • E-TTL (Canon)
  • oder ADI (Sony)

Ein genereller Nachteil der Lichtimpulssteuerung ist, dass sie in heller Umgebung, vor allem im Freien, nicht zuverlässig funktioniert – bei Tabletop-Aufnahmen wird man damit aber selten Probleme haben.

Die dritte Option ist die Funksteuerung im 2,4-Gigahertz-Band. Dafür nötig sind ein Sender an der Kamera und ein mit dem Blitzgerät gekoppelter Empfänger. Funkgesteuertes Blitzen funktioniert einerseits herstellerübergreifend – dafür braucht man wie beim einfachen Slave-Blitzen (Möglichkeit 1) manuell steuerbare Blitzeräte – oder eingebunden in das jeweilige Kamerasystem mit allen Systemblitzfunktionen (z. B. Canon/Nikon).

Funkgesteuertes Blitzen

Blitzgeräte lassen sich im Drahtlosverbund per Lichtimpuls oder mittels Funksignal (2,4 Gigahertz) auslösen. Bild (1) zeigt das universell einsetzbare Captur-System von Hähnel mit Funkauslöser auf der Kamera und Empfänger am Blitzgerät. Nikon bietet (wie Canon) ein Systemblitzgerät mit eingebautem Funkempfänger, das Speedlight SB-5000 (2), an; als Sender dient das Funkmodul WR-R10 / WR-A10 am Zubehöranschluss der Kamera (hier D500). Konfigurieren lässt sich das Drahtlossystem mit bis zu sechs Blitzgruppen über das Kameramenü (3).

Der Trick mit den Glasplatten

Wie beim Bild weiter oben mit den Maiskolben dienten auch hier zwei übereinander platzierte Glasplatten als Aufnahmetisch. Die Metallteile wurden teils über die untere, teils über die obere Glasplatte verteilt.

Beleuchtung: Nissin i60A mit Mini-Softbox (20 x 30 cm) und Blaufolie (45 Grad), weißer Reflektor (50 x 70 cm) gegenüber. Insgesamt wurden sieben Aufnahmen mit unterschiedlicher Fokussierung gemacht; anschließend Fokus-Stacking in Photoshop.

Fotograf: Siegfried Layda
Sony A7 II | 25 mm | ISO 100 | f/11 | 1/125 s. Fotograf: Siegfried Layda

Neue Bildwelten

Nachts allein im Museum: Um eine geheimnisvolle Museums-Atmosphäre zu erzeugen, wurde der Weißabgleich auf Kunstlicht eingestellt; zudem sorgte ein links platzierter Nissin i60A mit Blaufilter und Mini-Softbox (20 x 30 cm) für den blaugrünen Hintergrund. Die Figur im Vordergrund erhält das Licht von einem weiteren Nissin i60A mit Konversionsfilter und Warmtonfilter sowie Wabenvorsatz zur Bündelung des Lichts. Beide Figuren sind eigentlich gleich groß; der scheinbare Größenunterschied entsteht durch die Weitwinkelperspektive (Sony A7 II | 25 mm | ISO 125 | f/13 | 1/160 s). Fotograf: Siegfried Layda

Gute Bilder entstehen im Kopf. Diese Fotografen-Weisheit gilt für Tabletop-Motive noch mehr als sonst. Völlig losgelöst von äußeren Einflüssen wie Jahreszeiten, Sonne und Wetter führt alleine der Fotograf die Regie: Er entwickelt die Bildidee, arrangiert das Motiv und setzt das Licht.

Tabletop-Fotografie beschränkt sich nicht auf reine Sachaufnahmen. Spannend wird es, wenn man neue Bildwelten schafft. Eine besondere Bedeutung hat der Hintergrund. Für die meisten Aufgaben reicht ein weißer Hintergrund, der sich mit gefiltertem Blitzlicht farbig beleuchten lässt. Durchscheinende Platten aus Acryl- bzw. Plexiglas (weiß, opal) bieten noch mehr Möglichkeiten, da sie sich durchleuchten lassen.

Fremder Planet auf Gips gebaut: Eine Gipsplatte, in Fragmente zerbrochen, wurde auf den lichtdurchlässigen Aufnahmetisch gelegt. Von rechts sorgt ein Nissin i60A mit grüner Filterfolie und Softbox (60 x 60 cm) für das Hauptlicht auf der Oberfläche, von links eine Styroporplatte, davor ein Nissin i40 mit Warmtonfolie, als Aufheller. Von unten lässt ein Nissin i60A mit roter Filterfolie die Lavaströme des Planeteninneren leuchten. Die beiden Objekte links und rechts sind Lotosblütenstände mit Samenkapseln (Sony A7 II | 33 mm | ISO 64 | f/14 | 1/125 s). Fotograf: Siegfried Layda

Neben dem Licht ist die Perspektive bei Tabletop-Aufnahmen ein wichtiges Stilmittel. Für reine Sachaufnahmen reicht meist eine etwas längere Brennweite, um Verzerrungen zu vermeiden. Weitwinkel-Objektive erzielen eine plakativere Bildwirkung.

Ein Beispiel ist das Museum-Bild, das mit einem 25-mm-Objektiv an einer Sony-Vollformatkamera aufgenommen wurde – gut zu sehen an der gelben Figur. Das Weitwinkel-Objektiv in Verbindung mit geringem Aufnahmeabstand überzeichnet die Physiognomie der Figur und lässt sie geheimnisvoll wirken.

Die für solche Aufnahmen nötige Schärfentiefe ist häufig nur durch Fokus-Stacking zu erzielen. Dafür werden mehrere Aufnahmen mit jeweils verschobenem Fokuspunkt gemacht und z. B. in Photoshop mittels Ebenentechnik überlagert, sodass sich eine durchgehende Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund des Motivs ergibt.

Kommentar von Siegfried Layda

„Systemblitzgeräte verwendet man meistens, um das vorhandene Licht zu unterstützen oder zu korrigieren – z. B. mit einem Aufhellblitz. Eine andere Sache ist der kreative Einsatz des Blitzlichts im Fotostudio, normalerweise eine Domäne größerer Studioblitzgeräte.

In Verbindung mit kleinen Aufnahmeobjekten bietet der Systemblitz aber auch im Studio einen handfesten Vorteil: Er ist viel handlicher und lässt sich deshalb zielgenauer platzieren. Das Fehlen eines Einstelllichts ist im Zeitalter der Digitalfotografie zu verschmerzen: Man macht einfach ein paar Probeaufnahmen mehr, um das Licht zu optimieren.“

Eingefrorene Bewegung: Für die Erdbeere, die ins Wasser eintaucht, kamen drei Blitze mit kurzer Blitzdauer zum Einsatz: links und rechts vom Wasserbehälter je ein Nissin i60A, Zoomreflektor auf 105 mm, Blitzleistung 1/32 (= 1/24 000 s). Als Hintergrund diente eine Mini-Softbox (20 x 30 cm) an einem Nissin i40, Einstellung ebenfalls manuell auf 1/32 (= 1/24 000 s). Funkauslöser: Hähnel Captur (Sony A7 II | 114 mm | ISO 200 | f/16 | 1/160 s). Fotograf: Siegfried Layda

Videoleuchte als Zusatzlicht

Fotograf: Siegfried Layda

Als Hauptlicht diente ein Sony-Systemblitz Blitz HVL-F60M, manuell auf 1/8 Teilleistung gestellt und indirekt abstrahlend über weißen Reflektor von links oben.

Die sekundenlange Belichtungszeit ermöglicht mit einem zweiten HVL-F60M den Einsatz des integrierten Videolichts als Fülllicht. Leichte Bewegung während des Ausleuchtens schafft weiche Schatten.

Sony A7 II | 90 mm | ISO 100 | f/14 | 10 s. Fotograf: Siegfried Layda

Fazit

Tabletop-Fotografien sind nicht nur super für Online-Auktionen, sie machen auch eine Menge Spaß und fördern die Kreativität. So lassen sich z. B. mit nur wenigen Handgriffen, faszinierende Fantasiewelten erstellen.

In diesem Artikel habe ich Dir gezeigt, was Du in Sachen Licht und Perspektive beachten musst, aber auch welches Equipment sich anbietet, um erfolgreiche Tabletop-Fotografien zu erzielen. Welches Motiv wirst Du als nächstes auf der Tischplatte fotografieren? Teile es uns in den Kommentaren mit.

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Du möchtest Dein Fotowissen vertiefen?

Lerne jetzt unser neues Kursangebot kennen!



Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

10 Kommentare

  1. Hans Kirsch
    Hans Kirsch
      Februar 12, 2017 at 6:27 PM
    Kommentar bewerten

    Tolle Inspiration, lädt zum ausprobieren ein.

  2.   Februar 8, 2017 at 4:55 PM
    Kommentar bewerten

    Gute Anregungen z. T. auch für Minimalausrüstung geeignet. Sehr gut.

  3. Oessem Bouygheoussan
      Februar 7, 2017 at 12:11 AM
    Kommentar bewerten

    Hilft mir sehr bei meiner Projekt Aufgabe! Vielen Dank

  4. Renate Jansen
      Februar 5, 2017 at 7:20 PM
    Kommentar bewerten

    Das ist eine prima Schulung. Stück für Stück werde ich das ausprobieren.

  5. Rainer
      Februar 5, 2017 at 1:05 PM
    Kommentar bewerten

    Recht interessanter und auch hilfreicher Beitrag.
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass man mit entfesselten Yongnuo-Blitzen (560-III/IV iVm 560 TX), die in verschiedenen Gruppen unterschiedlich stark gesteuert werden können und die mit eneloop-Akkus ausgestattet sind,
    sehr gut, sehr stabil und sehr günstig – Tabletop-Fotografie durchführen kann.
    Es setzt voraus, dass man sich mit der Lichtführung bei dieser Art Ausleuchtung befasst , sich bei eigener Lernbereitschaft mittels Literatur, Lernvideos und try-and-error ausbildet – dann ist man in jeder denkbaren Situation nach sehr wenigen Tests auf Linie. Etwas Lernschweiß hilft durchaus Euronen zu sparen. Und die Fotoschule gehört dazu (soweit sie nicht irgendeinen Investitionswahn befeuert, was ich aber noch nicht feststellen konnte).

  6. ANITA BELCAMINO
      Februar 3, 2017 at 8:44 PM
    Kommentar bewerten

    Diese Thema kommt genau richtig für mich,ich habe mir eine Schwebend Tasse gebastelt um ein Poster zu machen für meine Küche. Ich besitze ein Nikon D 7200 und ein Extern Blitz Speedlight SB-900 und ein Studio Blitz der Photarex K-300, jetzt heiß es üben,üben,üben.bin mal gespannt was daraus wird.Ich wollte es auf eine Weißes Brett, aber die Idee mit der farbige Folien finde ich super. Es sprudelte gerade Ideen in meinem Kopf . Vielen Danke für diese Toll Beitrag.

  7. Reinhold Friedrich Auer
      Februar 3, 2017 at 6:24 PM
    Kommentar bewerten

    meine Erfahrungen mit Systemblitzen und Funkauslöser (Yongnuo) sind nicht besonders gut. Schwachpunkte sind: fehlendes Einstell-Licht, die Intensität des Blitzes läßt mit schwächer werdenden Batterien stark nach. Einseits benötigt man viele Test-Aufnahmen, um die Lichtführung zu optimieren, andererseits läßt dann die Intensität nach, sodass die Belichtungseinstellungen immer wieder angepasst werden müssen. So richtig Freund kommt da nicht auf. Ich habe mich deshalb entschlossen zwei Studioblitzgeräte mit 400Ws Leistung anzuschaffen und Zubehör wie Softboxen usw. zu verwenden. Diese Infos sollten eigentlich im Beitrag wenigstens erwähnt werden.

  8. Reinald Will
      Februar 3, 2017 at 5:34 PM
    Kommentar bewerten

    tabltop-fotografieren ist eine schöne sache,und macht auch spaß,gerade in der winterzeit wo man doch nicht so richtig draußen fotografieren kann,ist das eine sehr schöne ergänzung.ich habe auch schon in den 90er jahren in der analogzeit einen tabltop selber gebaut,mit dazu passenden leuchten links und rechts und samt blitz,ich habe viel auf diesem tabltop fotografiert,auch heute mag ich diese fotoabwechslung noch sehr.
    viele grüße reinald will

  9. herbyone
    Herbert Leben
      Februar 3, 2017 at 5:32 PM
    Kommentar bewerten

    Echt super.

  10. Michael Lehmann
      Februar 3, 2017 at 5:27 PM
    Kommentar bewerten

    Toller Bericht hat mir sehr gefallen viele nützliche tips und tricks werde ich bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Danke.
    Michael

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund