Ricoh GR IIIx: Minimalistin

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Mit der Ricoh GR IIIx erweitert Ricoh seine GR-Baureihe um ein Schwestermodell der GR III. Die Neue hat ein längeres Objektiv, aber sonst fast die gleiche Ausstattung – inklusive einem APS-C-Sensor mit 24 Megapixeln. Wir hatten die Ricoh GR IIIx im Test und stellen Dir die Ergebnisse vor.

Kameras mit APS-C-Sensor für die Hemdtasche gibt es nicht viele. Ricoh gehört zu den wenigen Anbietern, die dieses Segment seit Jahren kontinuierlich pflegen. Dabei sind die GR-Modelle von Ricoh dank des versenkbaren Objektivs besonders flach. Vor zwei Jahren kam die GR III mit dem höher auflösenden 24-Megapixel- APS-C Sensor auf den Markt. Jetzt erscheint die GR IIIx als Schwestermodell: mit gleichem Sensor, aber längerer Festbrennweite. Das neue Objektiv 2,8/26,1mm liefert den gleichen Bildwinkel wie eine KB-Optik mit 40mm Brennweite. In der GR III dagegen steckt eine Optik mit 2,8/18,3mm (28 mm KB). Die Festbrennweiten sind grundsätzlich fest eingebaut, allerdings bietet Ricoh Objektivvorsätze an.

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1000 Euro kostet die 36 mm flache GR IIIx. Ein ausklappbarer Blitz und ein Sucher finden in dem superkompakten Design keinen Platz. So zurückhaltend wie die Ricoh tritt nahezu keine andere Kamera auf, aber genau das macht ihr unverwechselbares Design und ihren Reiz aus.

Sensor und Objektiv

Der 24-Megapixel-Sensor arbeitet ohne Tiefpassfilter, da das Auflösung kosten würde. Stattdessen nutzt Ricoh die bewegliche Lagerung des Sensors zur Simulation des Tiefpassfilters, um auf diese Weise ebenfalls Moiré-Effekte zu vermeiden – wenn der Fotograf dies wünscht. Natürlich übernimmt der bewegliche Sensor auch die Bildstabilisierung in drei Richtungen und kann einen leicht kippenden Horizont ausgleichen – Letzteres ist eine Spezialität von Ricoh. Der Fotograf kann außer JPEGs oder gleichzeitig mit JPEGs RAW-Bilder im DNG-Format mit 14-Bit-Farbtiefe speichern.

Mit der 40-mm-Brennweite (KB-Äquivalent) kommt Ricoh zahlreichen Wünschen nach einem engeren Bildwinkel entgegen. Ein 40-mm-Objektiv entspricht schon beinahe dem Bildwinkel des menschlichen Sehens. Zwei asphärische Linsen sollen die chromatische Aberration und die Verzeichnung reduzieren, die Naheinstellgrenze liegt bei 12 cm. Mit dem 1,5x-Tele-Objektivvorsatz lässt sich die Brennweite zudem auf 60mm KB verlängern. Der Televorsatz GT-2 kostet 250 Euro, der Adapter 50 Euro.

Der angenehm leise Zentralverschluss im Objektiv ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 1/2500 bis 30 Sekunden beziehungsweise 1/4000 Sekunde je nach gewählter Blende. Mit kleinen Blendenöffnungen sind so etwas kürzere Verschlusszeiten möglich. Darüber hinaus reduziert auch in der GR IIIx ein zuschaltbarer ND-Filter die Blende um zwei Stufen. Der ND-Filter bietet auch eine Automatikfunktion, was sich in der Praxis bewährt. Die maximale ISO- Empfindlichkeit beträgt 102 400.

Autofokus und Belichtung: Ricoh GR IIIx im Test

Wie in der GR III steuert ein Hybridsystem mit Kontrast- und Phasendetektion den Autofokus. Die automatische AF-Feld-Wahl ergänzt die manuelle Messfeldwahl. Der Fotograf kann zwischen Punkt-AF, AF-Nachführung, MF, Fixfokus auf eine vordefinierte Position und einer bis unendlich reichenden Fixfokus-Position wählen. Manuelles Scharfstellen per Sucherlupe auf dem Monitor ist trotz Peakings ein eher mühsames Unterfangen, da am Objektiv ein Fokusring fehlt. Stattdessen muss der Fotograf über das Rändelrad auf der Rückseite den Fokus steuern, was fummelig ist und keine schnelle Positionierung erlaubt. Dagegen funktioniert die manuelle Positionierung des AF-Punkts auf dem Touchmonitor sehr gut. Zudem arbeitet der AF sehr treffsicher. Eine Augenerkennung ergänzt nun die Gesichtserkennung, und das klappt auch mit Brille – allerdings nicht immer .

Am Moduswahlrad stehen P-Shift, Tv, Av, S und M sowie drei Speicherplätze bereit. Die Belichtung misst die GR IIIx mit Mehrfeldautomatik, mittenbetont, im Spotmodus oder spitzlichtbetont, um ausgefressene Lichter zu vermeiden. Sollten nun Belichtung oder Weißabgleich einer Aufnahme dennoch nicht stimmen, kann der Fotograf beides, aber auch zahlreiche weitere Punkte bereits in der Kamera per Bildbearbeitung korrigieren. Für die Bearbeitung der DNGs und zur Konvertierung in JPEGs stehen umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten bereit – ob Weißabgleich, Belichtung oder Rauschfilter. Aber auch bei JPEGs kann der Fotograf Eigenschaften wie Lichter, Schatten, Weißabgleich sowie Moiré-Effekte in der Kamera nachträglich korrigieren.

Gehäuse und Display

Ricoh GR IIIx im Test
Breites Display: Da ein elektronischer Sucher fehlt, übernimmt das Display dessen Aufgaben. Seine Größe wissen wir deswegen zu schätzen, auch wenn rechts nur wenig Platz für Schalter und Räder bleibt.

Das sehr kompakte Gehäuse punktet mit einer griffigen Gummierung und besteht aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung. Mit 109 x 62 x 36 mm und 262 g ist das Gehäuse der GRIIIx nur minimal größer und schwerer als das der GRIII, aber ebenfalls nicht spritzwasserfest. Ein elektronischer Sucher sowie ein Ausklappblitz gehören zwar weiterhin nicht zum Konzept, aber der Zubehörschuh nimmt Blitze oder den optischen Aufstecksucher GV-3 (300 Euro) auf. Angesichts der immer besseren Signalverarbeitung bei hohen Empfindlichkeiten dürften Ausklappblitze generell an Bedeutung verlieren. Wir haben ihn jedenfalls nicht vermisst – einen elektronischen Sucher dagegen schon. Größe und Auflösung des Displays mit 3-Zoll-Diagonale und 345 667 RGB-Pixeln sind gegenüber der GR III unverändert geblieben.

Zu seinen Touchfunktionen gehören die AF-Positionierung, der Touch-AF, das FN-Menü und die Menünavigation, aber auch das Blättern durch die fertigen Aufnahmen oder deren Vergrößern. Unverändert bleibt der starre Einbau des Displays. Wer bei ungünstig stehender Sonne fotografieren will, kann zwar die Displayhelligkeit steigern, aber es fehlt der elektronische Sucher dann doch. Zudem reduziert der starre Einbau die Flexibiltät beim Arbeiten. Nicht überzeugen kann der Akku, denn er scheint permanent leer zu sein, sodass ein zweiter oder vielleicht sogar dritter Akku unbedingt in der Fototasche stecken sollte. Geladen wird via USB-C in der Kamera, gespeichert auf SD-Karten oder im internen Speicher mit 2 GB.

Im Test: Bedienung und Einstellungen der Ricoh GR IIIx

Trotz des kleinen Gehäuses lassen sich alle wichtigen Einstellungen schnell vornehmen, zudem sind alle Räder und Knöpfe auf der rechten Seite konzentriert. Oben befinden sich ein Einstellrad, das Moduswahlrad, Auslöser und Einschalter. Auf der Rückseite sitzen vier Knöpfe, ein Drehrad mit Ok-Taste, das zugleich als Vier-Richtungs-Wippe dient, und ein Multifunktionsschalter oben. Hinzu kommt die Touchfunktion des Displays.

Sowohl ein Teil des Moduswahlrads als auch FN-Taste und Multifunktionsschalter sind individuell konfigurierbar. Gerade der Multifunktionsschalter ist äußerst praktisch. Zunächst dient er der Belichtungskorrektur. Sobald man ihn aber drückt, erscheint ein Schnellzugriff auf fünf Einstelloptionen die man selbst belegen kann: ISO-Einstellung, Fokusmodus, Belichtungsmessung, Bildformat, Displayhelligkeit oder Bildcharakter. Wer will, kann die jeweilige Funktion – z.B. ISO-Empfindlichkeit – auf dem Display stehen lassen, um etwa schnell eine ISO-Reihe zu machen. Die „Image-Sync“-App ermöglicht die kabellose Bildübertragung per WLAN sowie das Bedienen und Auslösen per Smartphone oder Tablet. Zudem kann der Fotograf per Bluetooth GPS-Daten aus dem Smartphone mit den Aufnahmen synchronisieren.

Insgesamt überzeugt das Bedienkonzept, auch das umfangreiche Menü hat Ricoh übersichtlich gestaltet, nur die bereits geäußerte Kritik am MF trübt ein wenig das gute Bild.

Bildqualität

Geht es um die Bildqualität, sind die Unterschiede zur GR III klein: Ab ISO1600 messen wir eine etwas geringere Auflösung. Umgekehrt fallen bei der jüngeren Schwester die Dead-Leaves-Werte bei den niedrigeren Empfindlichkeiten etwas besser aus. Auch die Rauschwerte sind bei der GRIIIx durchgängig etwas niedriger, und die Kanten schärft sie ein wenig breiter nach. Bei ISO 1600 lässt in Summe die Bildqualität moderat, aber sichtbar nach. Insgesamt kann aber auch diesmal die Bildqualität voll überzeugen. Wer will, kann ISO400 als Standardempfindlichkeit nutzen. Zu dem postiven Eindruck trägt auch der nun schnellere Autofokus bei sowie die sehr hohe Abbildungsleistung des Objektivs.

JPEG vs. RAW

Die Ricoh GR IIIx liefert gute JPEGs mit feiner Zeichnung. Bei höheren Empfindlichgkeiten unterdrückt der Rauschfilter mit den Rauschartefakten allerdings auch Details. Wer hier zum RAW-Format wechselt, kann noch einiges an Details heraus- holen, die das JPEG nicht zeigt.

Fazit: Ricoh GR IIIx im Test

So viel Bildqualität auf so wenig Raum bietet keine andere Kameraserie. Ricoh knüpft mit der GR IIIx überzeugend an die GR III an. Bildqualität, Objektiv und der schnellere Autofokus punkten – Kauftipp „Kompakt“.

Allerdings sollte das Display beweglich sein, wenn wie hier der Platz für einen Sucher fehlt, und der Akku ist viel zu klein dimensioniert. Wir raten dringend zur Mitnahme von zwei Ersatzakkus.

Testergebnisse

Bildsensor/Datei

GerätRicoh Gr IIIx
durchschnittlicher Marktpreis1000 Euro
Auflösung, Pixelgröße (Pixelpitch)6000 x 4000 Pixel, 3,9 μm
Sensorgröße, Bildwinkelfaktor, förderliche Blende23,5 x 15,6 mm, 1,5x, f6,4
Bildstabilisator, BildformateBildstabilisator, JPEG, RAW

Aufnahmesteuerung

FokussierungHybrid-AF (Phasen und Kontrast), 25 Felder (ge- samt); Tracking, Gesichts/Augen-AF, MF (Lupe)
Verschlusszeiten: mechanisch, elektronisch1/4000-30 s
Belichtungsmessungmittenbetont, Spot, Matrix
Belichtungskorrektur, Blitzbelichtungskorrektur±2 Blenden, +1/-2 Blenden
EmpfindlichkeitISO-Auto einstellbar, man: 100-102 400, –
Weißabgleichauto, messen, Presets, Kelvin, kein Wert, manuell
kürzeste Blitzsynchronzeit, B, Farbräume– , B, sRGB, Adobe RGB

Sucher/Monitor

Sucher-
Monitor3,0 Zoll, 345 666 RGB-Bildpunkte, touchfähig, –
einblendbare InformationHistogramm, kein Wert, kein Wert, Lichterwarnung, Lupe

Anschlüsse und Ausstattung

Bajonett, Spritzwasserschutz–,–
Schulterdisplay, int. Blitz, Anschluss ext. Blitz, Zubehörschuh–, –, –, Blitzschuh
Schnittstellen, GPSUSB 3.0 Typ C, WLAN, Bluetooth, HDMI
Video1920 x 1080 Pixel, 60 B/s
Maße (H × B × T), Gewicht mit Batterie62x110x33mm, 255 g

Bildqualität

getestet mitintegriert: 2,8/26,1, bei f5,6
ISO100 Auflösung high/low / DL high/low2035/1736 / 1321/1146
ISO100 Artefakte high/low / Rauschen34/27 / 1,0 // 30,5 P.
ISO400 Auflösung high/low / DL high/low2031/1692 / 1255/1161
ISO400 Artefakte high/low / Rauschen37/42 / 1,4 // 28P.
ISO800 Auflösung high/low / DL high/low2011/1632 / 1198/1027
ISO800 Artefakte high/low / Rauschen40/49 / 1,7 // 24,5 P.
ISO1600 Auflösung high/low / DL high/low1850/1522 / 1010/808
ISO1600 Artefakte high/low / Rauschen38/50 / 2,1 // 20 P.
ISO3200 Auflösung high/low / DL high/low1842/1491 / 845/637
ISO3200 Artefakte high/low / Rauschen51/66 / 2,7 // 11,5 P.
ISO6400 Auflösung high/low / DL high/low1665/1392 / 689/626
ISO6400 Artefakte high/low / Rauschen54/65 / 3,6 // 5,5 P.

Performance

mögliche Bildserie JPEG3,5 B/s, bis Karte voll
mögliche Bildserie RAW3,5 B/s, 14,0 Bilder in Folge
Ausstattung14,5 P.
Gesamtpunktzahl54 Punkte, 4 Pkt. unter Durchschnitt

Testergebnisse

Bei ISO100, 400 und 800 liegen sämtliche Auflösungskurven beinah schon in einem Kanal dicht nebeneinander. Dies gilt sowohl für die Kurven der Siemenssterne (rot) als auch für die Kurven der Dead-Leaves-Felder (blau), und es gilt sowohl für die hochkontrastigen Testfelder (durchgezogen) als auch für die niedrig kontrastigen Testfelder (gestrichelt).

Bei ISO1600 fallen die Messwerte stärker ab, das schmale Kurvenbündel wird breiter, und das wiederholt sich bei ISO 3200. Nun sehen wir gerade bei den Dead Leaves (rot) einen flacheren Kurvenverlauf, aber auch die Kurve für die Siemenssterne kommt bei niedrigen Kontrasten (blau gestrichelt) nicht mehr an die für hohe Kontraste (blau durchgezogen) heran. Zugleich steigen ab ISO 1600 die grünen Artefakte-Kurven, die Maß für Störungen sind, stärker an. Das gilt besonders für Strukturen mit niedrigerem Kontrast (grün gestrichelt).

 

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