So erkennst Du Morgenrot und Abendrot vorab auf Wetterkarten

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Bastian Werner kennst Du vielleicht bereits. Sein Name taucht immer dann auf, wenn es um die Fotografie von Gewittern bzw. anderen Naturphänomenen geht. In der Fotoschule steuerte er bereits einen Gastartikel bei, in dem er Dir zeigt, wie Du Gewitter auf den Wetterkarten erkennst. Seitdem hat sich viel getan und Bastian ist unter die Buchautoren gegangen. In seinem Buch „Fotografieren mit Wind und Wetter – Wetter verstehen und spektakulär fotografieren!“ beschreibt er Dir wie Du Wetterkarten liest und interpretierst und wie Du die Wetterphänomene für Deine Fotografie nutzt.

Eines dieser Wetterphänomene nimmt sich Bastian in seinem Beitrag vor. Er zeigt Dir heute wie Du die Wetterkarten lesen musst um zu erfahren, ob und wo es zu seinem Morgen- bzw. Abendrot kommt.

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Zu den grundlegenden Wetterphänomenen der Landschaftsfotografie zählen das Abend- und Morgenrot. Denn beide Wetterphänomene sind vollkommen unabhängig von der Jahreszeit und deshalb ganzjährig zu beobachten, wenn denn das Wetter mitspielt. Und hier kommt nun das richtige, meteorologische Fachwissen ins Spiel.

Was sind Wettermodelle?

Mit den sogenannten Wettermodellen lässt sich eine gezielte Vorhersage für einen brennenden Himmel anfertigen.

Diese Wettermodelle berechnen aus einem enormen Input an Daten, welche von Wetterstationen, Wetterradar und Wettersatelliten angefertigt werden, eine Prognose des zukünftigen Wetters per Supercomputer. So lässt sich dementsprechend aus dem aktuellen Zustand der Atmosphäre mittels physikalischer Zusammenhänge auf einen zukünftigen Zustand schließen.

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Wie genau sind Wettermodelle?

Natürlich nur mit einer gewissen Genauigkeit und je länger die Prognose in die Zukunft reicht, desto unwahrscheinlicher tritt das Wetter so ein, wie durch den Supercomputer berechnet.

Deshalb sage ich Ihnen an dieser Stelle, dass die Wettermodelle etwa den 4. Und 5. Tag in die Zukunft eine grobe Einschätzung liefern, 2-3 Tage in die Zukunft kann der vorhergesagte Wetterzustand als sicher betrachtet werden, mit Abweichungen in Ort und Zeit. Und ein Tag in die Zukunft haben die Wettermodelle fast immer Recht, bis auf minimale Abweichungen.

Also, alles was über 5 Tage in die Zukunft reicht an Wettervorhersagen ist Kaffeesatzleserei.

Das tolle an diesen Wettermodellen ist, man kann sich deren Berechnungen des zukünftigen Wetterzustandes jeder Zeit ansehen, frei verfügbar im Internet, auch mit dem Smartphone. Du kannst also überall auf dieser Welt zu jedem Zeitpunkt Deine eigene Wetterprognose anfertigen, auch für das Abendrot und Morgenrot.

Wie sieht ein Wettermodell aus?

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Sämtliche Berechnungen des zukünftigen Wetterzustandes werden handlich auf Landkarten dargestellt. So wird gezeigt, zu welchem Termin zum Beispiel welche Temperatur herrscht.

Eine Wetterkarte lesen

Oben siehst Du eine solche Wetterprognosekarte für die Temperatur, bezogen auf eine Luftschicht 2m über dem Boden.

Du siehst zwei Zeitangaben:

  • Die „validation time“ („Valid“), für welchen Termin die Karte gültig ist.
  • Die „initial time“ („Init“), an welchem Termin die Prognosekarte berechnet wurde.

In diesem Fall wurde am Samstag, den 04.03.2017 um 00Z, die Berechnung ausgeführt. Die Zeitangabe „Z“ ist die sogenannte UTC-Time. Also die Uhrzeit in der Zeitzone 0 (Groß-Britannien), Du musst also erst auf Ortszeit umrechnen. Für Deutschland im Winter +1h und im Sommer +2h.

Zu jeder Prognosekarte gehört eine Skala, die Dir zu jeder Farbnuance einen Zahlenwert zeigt. In diesem Fall die Temperatur in °C.
Diese Prognosekarten gibt es natürlich nicht nur für die Temperatur, sondern für ganz viele verschiedene Parameter von denen Du noch nie etwas gehört hast und welche Dich auch nicht interessieren brauchen.
Du findest diese Wettermodelle bei unzähligen Anbietern, für Deutschland sind vor allem folgende beiden Websites wichtig:

Wetterzentrale

http://www.wetterzentrale.de/de/topkarten.php?map=6&model=wrf&var=1&time=1&lid=OP

Auf www.wetterzentrale.de findest Du noch viele weitere Wettermodelle, denn verschiedene Wetterdienste bieten verschiedene Modelle an. Wenn Du auf den Link klickst, siehst Du sofort eine Prognosekarte für Deutschland. Du kannst dort auswählen welchen Parameter Du zu welchem Termin in der Zukunft sehen möchtest.

Kachelmannwetter

https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd

Auf www.kachelmannwetter.com findest Du auch eine ganze Menge Wettermodelle, ich persönlich arbeite am liebsten mit dieser Website. Auch hier findest Du beim Klicken auf den Link sofort eine Vielzahl von Prognosekarten zu bestimmten Terminen.

Vorhersage von Abendrot und Morgenrot

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Zur Vorhersage von Abendrot und Morgenrot brauchst Du die Prognosekarten, welche die Bewölkung zeigen. Denn damit der Himmel anfängt zu brennen, müssen natürlich Wolken vorhanden sein. Am besten schaust Du einmal bei den beiden genannten Wettermodellen nach diesen Karten.

Es wird unterteilt zwischen

  • Tiefe-Wolken
  • Mittelhohe-Wolken
  • und Hohe-Wolken

Tiefe Wolken sind Wolken zwischen 0m-2200m über dem Meeresspiegel, Mittelhohe-Wolken befinden sich zwischen 2200m-6000m und Hohe Wolken auf alle Wolken ab 6000m Höhe.

Auf der Beispielkarte oben siehst Du die Tiefen-Wolken zur Uhrzeit des Sonnenuntergangs an diesem Datum. Man sieht, dass zwar im Osten von Deutschland Tiefe-Wolken vorhergesagt werden, der Blick nach Westen zur Sonne sollte aber frei sein.

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Wie bildet sich Abendrot und Morgenrot?

Doch nun musst Du auch wissen, wie Du diese Karten nutzen kannst. Dazu muss physikalisch verstanden werden, wie sich denn überhaupt das Abendrot und Morgenrot bilden.

Wenn die Sonne unterhalb des Horizontes steht, so ist diese für uns als Beobachter auf der Erdoberfläche nicht mehr zu sehen. Da die Erde eine Kugel ist und sich die Wolken, an welchen sich das Abendrot bildet, hoch über der Erdoberfläche schweben, strahlt dort die Sonne noch hin und leuchtet dabei gegen die Unterseite der Wolkendecke.

Voraussetzungen für ein Abendrot

Die wichtigste Voraussetzung für ein Abendrot ist demnach eine geschlossene Wolkendecke direkt über Deinem Motiv. Diese sollte natürlich nicht direkt senkrecht über Dir sein, sondern sich ein ordentlich weites Stück zum Horizont erstrecken. Wenn sich Dein Motiv dort befindet, wo die Sonne vorher versunken ist und sich ein dichtes Wolkenfeld von über Deinem Kopf bis hin zum Horizont erstreckt, dann können die Wolken rot angeleuchtet werden und der Himmel über Deinem Motiv brennt, wie im oberen Beispiel zu sehen.

Der Weg des Lichts

Leider ist es nicht ganz so einfach, denn der Weg des Lichts von der Sonne zu den Wolken über Deinem Motiv muss frei sein. Das heißt, es darf sich nicht irgendwo hinter dem Horizont ein weiteres Feld aus Wolken befinden, sonst würde dieses Wolkenfeld das Sonnenlicht blockieren. Es ist demnach wichtig, dass sich außer dem Wolkenfeld über dem Motiv kein weiteres Wolkenfeld direkt über dem Horizont oder dahinter befindet.

Auf der Beispielfotografie siehst Du gut, dass sich über der Horizontlinie kein einziges Wölkchen befindet, das Licht hat freie Bahn auf die Wolkendecke über dem Motiv, oben sieht man gut die freie Horizontlinie. Nun weißt Du, nach welcher Wolkenkonstellation Du in den Prognosekarten schauen musst!

Suche Dir raus wo sich Dein Motiv auf den Wetterprognosekarten befindet. Dann schaue zu dem Termin, zu welchem Du fotografieren möchtest (also abends und morgens) nach den Prognosekarten der Bewölkung.

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Die beispielhaften Prognosekarten zeigen alle drei Wolkenhöhen zum Sonnenaufgang. Wie man gut erkennt, befinden sich über der Nord-Ost Hälfte Deutschlands viele Wolken, jedoch ist über Frankreich der Himmel frei. Das Licht kann also die Wolken über Deutschland von unten anstrahlen. Du solltest Dir in diesem Fall ein Motiv suchen, welches sich irgendwo an dieser Kante vom bewölkten Himmel zum freien Himmel befindet, denn dort fällt das Licht auf die Wolken, so wie im Beispielfoto zu sehen.

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Du hast Lust auf mehr Infos zum Thema Wetterkarten lesen und verstehen und willst erfahren, wie Du weitere Wetterphänomene auf Wetterkarten erkennen kannst? Dann solltest Du Dir das Buch „Fotografieren mit Wind und Wetter“ genauer ansehen.

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4 Kommentare

  1. wolfram Becker
      März 25, 2017 at 9:55 PM
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    Tolles Theman aber sehr aufwändig. Schattenwurf über Google in der Architekturfotografie ist eine supersache.
    Danke für den Artikel und die guten Anregungen.

  2. THR Cadolzburg
      März 24, 2017 at 10:03 PM
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    Manches mal ist es tatsächlich sinnvoll, sich auf Fotos über die Theorie vorzubereiten. Gut, dass hier darüber geschrieben wurde.
    Ähnlich nützlich ist es teilweise bei Architekturaufnahmen, den Verlauf von Schatten oder Lichteinfällen z.B. per Google-Earth vorher zu bestimmen. Beides sind aber Themen für den ambitionierten Fotografen.

    LG Thomas

  3.   März 24, 2017 at 9:30 PM
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    Servus Jochen!

    Die Wolkenprognosen sind sehr genau 2-3 Tage im voraus, natürlich wird es immer kleine Verschiebungen geben, aber in 8/10 Fällen liegt das Modell sehr genau. Es bedarf natürlich wie du ansprichst der Arbeitsroutine, die kann man im Buch zwar erklären, muss man sich aber entsprechen aneignen.
    Meine Kollegen und ich arbeiten mit den Wettermodellen bereits sehr lange und es führt einfach zum Erfolg.
    Und klar, mit dem Stallitenbild kann man nur ein paar Stunden extrapolieren, aber für die richtige Zukunftsprognose gibt es auch dann die Modelle.
    Tja, die Fehler sind passiert aber wir sind auch nur Menschen. Die Fachwörter werden von den Rechtschreibprogrammen immer als falsch angezeigt, da kanns schon mal passieren das man wo einen Buchstabendreher übersieht. Wir sind auch nur Menschen und ein Buch ohne Fehler wirst du nur selten finden :)
    Grüße,
    Bastian

  4. Landschaftsfotografie-Pfalz.de - JochenTour
      März 24, 2017 at 5:42 PM
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    Das Buch habe ich mir letzte Woche bestellt und habe es bisher zu einem ungefähren Drittel durchgelesen.
    Der Anfang ist etwas holprig geraten. Teilweise steht der selbe Text auf 2 verschiedenen Seiten, es sind einige Schreibfehler und manchmal widersprechen sich die Texte bei den Begleitbildern mit den Ausführungen auf im Buchtext. Dies gibt sich aber im Laufe der weiteren Kapitel.

    Sehr ausführlich ist der Teil über Morgen/Abendrot geraten und erklärt ausführlich die Voraussetzung und Entstehung davon. Bei den meisten Mitteleuropäischen Wetterlagen wird das Theorie bleiben, denn es ist oft schlicht und einfach nicht möglich, den genauen Wolkenstand auf mehrere Stunden im Voraus anhand des Satellitenbildes zu extrapolieren. Damit meine ich nicht die Wolkenvorhersage in den Wettermodellen, denn die sind dazu kaum zu gebrauchen (näheres dazu im Buch). Ich lasse mich aber gerne eines besseren Belehren und werde die Anleitung dazu selbst des Öfteren ausprobieren. Vielleicht werde ich ja positiv überrascht!

    Die Nutzung der verschiedenen Wettermodelle ist anschaulich erklärt.

    Auch wenn ich das Buch noch erst ganz durcharbeiten muss, ist es für mich als begeisterter Landschaftsfotograf eine Bereicherung.

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