Kontraste

Kontraste

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Viele Fotos leben von ihren Kontrasten. Erst Farb- und Helligkeitskontraste gestalten ein Bild in der Räumlichkeit und pointieren die gewünschte Bildsprache oder die Bildaussage. Kontraste (aus dem italienischen „contrasto“) bedeutet Gegensatz. Es geht also um Gegensätzliches im Foto.

Gegensätze können Helligkeitsunterschiede sein, aber auch größere Farbsprünge. Zu analogen Zeiten sprach man häufig auch von der Brillanz eines Fotos oder vom „Knack“ das ein Bild hat. Natürlich gibt es auch Motive, die von ihren flachen Kontrasten, also ihrer Einheitlichkeit leben. Meist wirken diese Fotos sanft, grafisch oder künstlerisch melancholisch. Besonders in der Schwarz-Weiß-Fotografie wird oft das Stilmittel der flachen Kontraste genutzt, um eine Bildaussage etwas stiller zu gestalten.

In vielen Tutorials wird gerne das Histogramm als Maßstab bemüht. Ihr werdet aber anhand der Beispiele sehen, dass Histogramme nicht viel über die gesehenen/erlebten Kontraste eines Fotos aussagen. Das Auge ein viel besserer Gradmesser.

Flache Kontraste

Am Beispiel eines Bauchnabels in Schwarz-Weiß möchte ich Euch ein kontraststarkes, aber tonwertreduziertes Foto zeigen. Wie Ihr an dem Histogramm erkennen könnt, gibt es im Original-Bild nur einen kleinen Bereich an genutzten Graustufen. Da der Bauchnabel sanft und weich wirken soll, sind spitze Lichter und extreme Tiefen hier nicht sinnvoll.

Das dunkle Innere soll natürlich die unendliche Tiefe zeigen, daher ist hier der dunkelste Ton zu finden. Wenn man nun die Graustufen spreizt, wirkt das Bild schnell überstrapaziert und es verliert erheblich an der gewünschten Weichheit, Ruhe und Anmut.

Farbige Kontraste

Nicht nur die Unterschiede in der absoluten Helligkeit werden als Kontrast wahrgenommen, auch Farbunterschiede sind Kontraste.

Wie Ihr am Foto des sortierten Abraums eines Braunkohletagebaus sehen könnt, steht allein der farbliche Unterschied der Sandtypen hier für den Kontrast. Eine simple Entfärbung/Entsättigung zum Schwarz/Weißbild zeigt doch sehr drastisch, wie sehr das Bild allein vom Farbkontrast lebt.

Das Bild hat so viel Kontrast durch die Farbverteilung, dass eine Kontrastkorrektur ins Negative, also das Bild vom Kontrast her abflachen, fast keine Änderung hervorruft.

Zeichnung durch Farbkontraste

Der Wow-Effekt von Urlaubsbildern und dessen Fehlen haben sehr oft mit dem gesamten Kontrastumfang des Fotos zu tun, also mit dem Kontrast der Helligkeit und der Farben. Diesen Effekt machen sich Programme wie Instagram und viele andere Smartphone-Softwaren zu Nutze, um Eure Bilder „scheinbar“ zu verbessern. Volle Spreizung aller Farbkanäle und das Aufreißen der Graubalance ergeben Fotos die einfach brillanter aussehen.

Der Effekt beruht aber nicht auf einer tatsächlichen Verbesserung des Fotos, sondern auf unseren Sehgewohnheiten. Gerade Urlaubsfotos sollen ja geradezu schreien vor Sommer, Sonne, Sonnenschein. Der eher neutrale Abzug eines RAW-Fotos würde da sehr ernüchternd wirken, selbst wenn er die Realität „echter“ abbildet.

Auch hierzu ein Beispiel: Das folgende Foto wirkt von der Gestaltung schon recht gut, aber es fehlt das gewisse Etwas. Jagt man nun die Kontrast-, Helligkeits- und Farbtonautomatiken einfacher Software drüber, ergibt sich ein besserer Bildeindruck. Dieser ist aber nur unseren Sehgewohnheiten geschuldet, die durch schrille Werbung auf Flachbildfernseher und hochgesättigte Druckerzeugnisse manipuliert werden.

Trotz dieser Erkenntnis gilt aber immer noch die Regel des eigenen Geschmacks, der sich schon immer durch die jeweilige Zeit verändert hat. Zurzeit ist halt eine eher kräftige, farbige Welt als Abbild in unsere Erinnerung.

Geschmackssache

Natürlich ist jegliche Bearbeitung eine pure Geschmackssache. Die Beispiele zeigen Euch wie Fotos im Kontext ihres Motives funktionierten oder eben nicht, einzig anhand ihrer Kontraste. Da unsere optische Wahrnehmung eh eine adaptive ist, also eine, die sich den Umständen anpasst, ist eine dokumentarische Bildgestaltung eh nicht möglich. Deshalb darf ein Foto auch verstärkt werden.

Man sollte sich aber dem Motiv widmen und nicht ein globales „Kontrast Plus „ -Denken an den Tag legen.

Lokale Kontraste

In einem späteren Artikel werden wir Wuch noch den Zauber von „Lokalen Kontrasten“ verdeutlichen. Hier als Teaser ein Bild mit erheblich verstärkten lokalen Kontrasten.

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1 Kommentar

  1. Pingback: Einführung: Licht in der Fotografie

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