Fujifilm X-H2S und X-H2: Doppelschlag

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Mit gleich zwei Kameras startet Fujifilm seine fünfte Generation der X-Kameras. Die Fujifilm X-H2S erweitert das X-System im Juli um eine besonders schnelle Kamera für Sportfotografen und Filmer, sie bleibt aber bei 26 Megapixeln und die Fujifilm X-H2 setzt dann ab September mit einem neuen 40-Megapixel-Sensor die Auflösung des X-Systems einen Schritt nach oben. Die Konkurrenz im APS-C-Lager steht derzeit bei 20 bis 30 Megapixeln.

Fujifilm X-H2S und X-H2: Zwei Sensoren

Wir haben es erwartet – und Fujifilm hat es geliefert: Auf dem diesjährigen X Summit hat Fujifilm seine neuesten Produkte vorgestellt und die fünfte Generation der X-Trans-Sensoren eingeläutet. Zum zehnjährigen Jubiläum gibt es nicht nur zwei neue Kameras, sondern Fujifilm stellt das X-System erstmals auf zwei Beine, also auf zwei Sensoren: Der X-Trans CMOS 5HS mit 26 Megapixeln inklusive BSI- und Stacked-Aufbau debütiert im Juli in der Fujifilm X-H2S. Später, vermutlich im September, kommt der X-Trans CMOS 5HR mit 40 Megapixeln, ohne Stacked-Technologie aber mit der höheren Auflösung in der X-H2 auf den Markt. Neben Sensoren hat Fujifilm auch weitere Kernkomponenten der Fujifilm X-H2S wie AF-System, Bildstabilisierung, Sucher oder Monitor aufgewertet oder gleich ganz erneuert, diese dürften wir zum größten Teil auch in der X-H2 wiedertreffen.

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Neben der Ausstattung dürfte auch das Bedienkonzept der X-H2 weitgehend mit dem der X-H2S übereinstimmen. Die Strategie ist klar und vernünftig: während die Fujifilm X-H2S in dem tempohungrigen Segment der Sportfotografie und des Films mit geballter Leistung ambitionierte wie professionelle Anwender überzeugen soll, setzt die X-H2 auf eine höhere Auflösung für klassische Fotografen. Damit dürfte der X-Trans CMOS 5HR mit 40 Megapixeln zur Basis des Fujifilm-Systems werden und der „S“-Sensor besonders schnellen Topmodellen vorbehalten bleiben. Die Fujifilm X-H2S wird 1750 Euro kosten, bei der Fujifilm X-H2 erwarten wir einen etwas niedrigeren Preis, da die Stacked-Technik der S recht teuer ist. Zur X-H2 macht Fujifilm derzeit noch keine detaillierten Angaben, doch die frühe Ankündigung, zeigt, dass Fujifilm um das Potenzial dieser Kamera weiß.

Fraglich ist, ob Fujifilm in dem Einsteigersegment wie bis- her auf APS-C-Sensoren mit dem klassischen Bayer-Farbfilter setzt, oder stattdessen den 26-MP-Trans-Sensor der vierten Generation nach unten reicht.

Schnell, Schnell, Schnell

Mit BSI- und Stacked-Architektur bietet der neue X-Trans-5HS-Sensor die beiden Schlüsseltechnologien, die auch bei der Konkurrenz unverzichtbare Zutaten in Top-Modellen für Filmer und Sportfotografen sind. Während der BSI-Aufbau mit Schaltungen hinter der lichtempfindlichen Siliziumschicht vor allem der höheren Lichtausbeute und somit der besseren Performance bei Dunkelheit dient, ist der Stacked-Aufbau eine Art „Hardwarebeschleunigung“. Bei gleicher Pixelanzahl wie bei der Vorgängergeneration – also 26 Megapixel – hat der neue 5HS-Sensor (High Speed) eine vierfache Anzahl von A/D-Konvertern und Übertragungsschaltkreisen. Dank BSI-Konzept stören die auch nicht im Strahlengang. Das vierfache Auslesetempo des Sensors bedeutet in der Praxis nicht nur schnellere Bildserien und höhere Videoauflösungen, sondern ermöglicht auch ein leistungsstärkeres AF-System.

Der Sensor der X-H2S ist weiterhin beweglich gelagert. Die kamerainterne Bildstabilisierung war bei der X-H1 einer der entscheidenden Unterschiede zu anderen X-Baureihen. Die Bildstabilisierung findet in fünf Achsen statt und kann mit der in Objektiven zusammenarbeiten.

AF mit KI-Unterstützung

Die X-H2S kann im gleichen Zeitraum drei Mal so viele AF-Operationen durchführen wie die X-T4 und somit die Motive schneller erkennen sowie zuverlässiger verfolgen. Fujifilm verspricht ein Plus bei der Objektverfolgung sowie beim Arbeiten bei wenig Kontrast. Dieser Performanceschub ist nicht nur dem neuen Sensor, sondern auch dem verbesserten Bildprozessor X-Prozessor 5 zu verdanken. Seine Rechenleistung wurde im Vergleich zum Vorläufer verdoppelt.

Der dritte Punkt ist der Einsatz von KI und Deep-Learning Technologien in der Programmierung der Algorithmen. Dank diesem kann die X-H2S ihre Motive schneller finden und durch verbesserte Bewegungsvorhersagen auch effizienter verfolgen. Das gilt nicht nur fürs Fotografieren, speziell unter schlechteren Lichtverhältnissen, sondern auch fürs Filmen. Die Motiverkennung unterscheidet zwischen Menschen (Gesichts und Augenerkennung), Tieren, Vögeln und Fahrzeugen wie Autos, Motorräder, Züge und Flugzeuge. Grundsätzlich setzt Fujifilm wie bisher auch ein Hybrid-AF- System und die Kombination von Phasen- und Kontrast-Messung ein. Der Phasen-AF ist bis -7 EV, der Kontrast-F bis -4EV empfindlich. Im Einzel-AF-Modus stehen 425 AF-Felder zur Verfügung. Als weitere AF-Modi bietet die X-H2S Fujifilm-typisch mehrere Zonen- sowie Weit/Verfolgungs-Einstellungen.

Rasante Bildserien mit AF

Mit dem elektronischen Verschluss, welcher zwischen 1/32 000 s bis maximal 15 min lautlos belichten kann, schafft es die X-H2S schnelle Bildserien mit 40 Bilder/s aufzunehmen: ohne Sucher Blackout und mit AF-Nachführung. Mit diesem Tempo kann die Kamera bis zu 184 JPEGs oder 140 unkomprimierte RAWs in Folge aufnehmen. Als Grenze für den Rolling-Shutter-Effekt nennt Fujifilm 1/150 Sekunden beim elektronischen Verschluss. Mit dem mechanischen Verschluss, 1/8000 – 60 min, sind maximal 15 Bilder/s mit über 1000 Bildern in Folge möglich, unabhängig vom Dateienformat. Der mechanische Verschluss soll über 500 000 Belichtungsvorgänge überdauern. Solch hohe Tempi sind möglich, weil die Kamera einen vergrößerten Datenpuffer und ein schnelleres Dateninterface bekommen hat – mit einem SDXC UHS-II- und CFe Typ B-Speicherkartenslot am Ende der Leistungskette.

HEIF und ProRes-Video

Die CFe-Karten sind vor allem für Filmer mit höheren Ansprüchen an Qualität und Auflösung wichtig. Für professionellere Anwender bietet die Fujifilm X-H2S 6,2K-Videoauflösung (6240 x 4160 Pixel) mit bis zu 30 B/s und mit 10-Bit-Farbabtastung (4:2:2). Das 6,2K-Video kann intern aufgezeichnet oder per HDMI exportiert werden. Über die HDMI-Schnittstelle kann die Kamera auch 6,2K-RAW- Video mit 12-Bit und 30 B/s-Frequenz ausspielen. Die Kamera unterstützt Apples Formate ProRes 422 HQ, 422 und 422 LT. Der neue F-Log2-Modus sorgt für zusätzliche Dynamikreserven von bis zu 14EV in der Postproduktion. Unter 6,2K gibt es mehrere 4K- (840×2160 Pixel) sowie Full- HD-Formate (1920 x 1080 Pixel) mit unterschiedlichen Qualitätseinstellungen und mehreren Crop-Möglichkeiten. Zeitlupen sind mit 4K und 120 B/S oder Full-HD und 240 B/s möglich. Bei allen Video-Formaten verspricht Fujifilm zuverlässige Fokussierung dynamischer Objektive. Durch Verkürzung der Auslesegeschwindigkeit bei Videoaufnahmen auf 1/180 Sekunde, sollen die Rolling-Shutter- Effekte deutlich reduziert werden.

Die Aufnahmezeit ist nicht unbegrenzt – für 4K mit 60 B/s gibt Fujifilm 240 Minuten an. Für Filmer gibt es aber einen optionalen Lüfter: den FAN-001 für 200 Euro. Dieser wird bei ausgeklapptem Monitor auf das Gehäuse gesteckt und sorgt für zusätzliche Abkühlung – braucht allerdings auch zusätzlichen Strom.

Aufstecklüfter der Fujifilm X-H2S & X-H2
Aufstecklüfter: Mit dem Lüfter an der Kamera lässt sich der Monitor nicht mehr zuklappen. Das kann unter Umständen suboptimal sein. Andererseits werden Fotografen den Lüfter gar nicht nutzen und die Filmer nur bei Bedarf. Sodass die Flexibilität die Bedenken ausgleicht.

Fotografen können nicht nur auf JPEG und RAW (14-Bit) als Bildformate zurückgreifen, sondern jetzt auch auf HEIF mit 10-Bit Farbkodierung. In der Theorie sollen HEIFs bei kleinerem Speicherverbrauch sogar Vorteile hinsichtlich der Bildqualität ermöglichen. In der Praxis sind diese klein und nicht immer sichtbar, die Konvertierung kann zudem je nach Rechner/Software-Ausstattung recht mühsam werden. Außerdem lassen sich RAWs auch komprimiert abspeichern oder intern in 8/16-Bit TIFFs umwandeln.

Sucher

Den 0,5-Zoll-OLED-Sucher hat Fujifilm im Vergleich zu X-H1 oder auch X-T4 aufgewertet: Dieser hat nun eine Auflösung von 1 920 000 RGB-Pixeln, 120 B/s-Frequenz und effektive Vergrößerung von 0,8-fach (umgerechnet auf Kleinbild). Großen Wert legt Fujifilm auf den verbesserten Einblick. Auch wenn der Fotograf leicht schräg in den Sucher schaut, bleibt die Sucherbild-Qualität hoch. Der Monitor ist seitlich ausklappbar und drehbar. Er ist 3-Zoll groß, hat 540 000 RGB-Pixel Auflösung und ist touchfähig. Die Touch-Funktion fließt auch in die Bedienung der Einstellungen mit ein.

Bedienung

Um das Handling der Kamera zu verbessern und die Bedienung noch intuitiver zu gestalten, hat Fujifilm aus dem Feedback der Fotografen gelernt. Zum einen wurde die Gehäuseform optimiert, zum anderen wurde die Anzahl, die Platzierung sowie das Ansprechverhalten von wichtigen Bedienelementen verbessert. Der Handgriff hat eine größere Griffmulde bekommen und soll weiterhin sicher aber dafür länger ohne Ermüdung zu halten sein. Statt dem AF-Modus-Schalter in der Front hat die X-H2S nun eine belegbare Fn-Funktionstaste. Diese kann natürlich unter anderem auch die ältere Funktionalität weiterhin übernehmen. Auf der Kamerarückseite gibt es drei wichtige Änderungen. Der Joystick ist nun endlich größer und griffiger geworden, sodass man diesen sicherer kontrollieren kann. Die Q-Menütaste ist rechts vom Display platziert und somit einfacher mit dem Daumen erreichbar. Der Lösch-Button oben links ist nun auch für die Drive-Funktion zuständig.

Am meisten haben die Japaner aber die Oberseite der Kamera umgestaltet. Das praktische Schulterdisplay bleibt erhalten, rückt aber zur Mitte hin und macht Platz für vier neue Direktzugriffstasten. Drei davon sind fest belegt – ISO, WB und Video Start/Stop, die vierte belegt man nach eigenen Vorstellungen – etwa Belichtungskorrektur. Denn diese Taste gibt es nicht mehr. Hatte die X-H1 auf der Oberseite noch dedizierte Räder für Zeiten und ISO, so findet sich bei der X-H2S nur das Belichtungsmoduswahlrad mit fester Belegung. Geblieben sind die Einstellräder vorn und hinten, mit denen typischerweise Blende und Zeiten gesteuert werden. Ihre Funktion hängt aber am gewählten Modus: So kann in der Zeitautomatik das vordere Rad die Blende steuern und das hintere dient dann der Belichtungskorrektur. Der Druck- und Auslösepunkt des Auslösers wurde für eine bessere Kontrolle überarbeitet. Insgesamt ist das Bedienungskonzept der Kamera nun etwas flexibler geworden, ohne an Übersicht oder Funktionalität einzubüßen.

Optionales Zubehör für die Fujifilm X-H2S und die X-H2

Das Gehäuse ist wie schon beim Vorgängermodell aufwendig abgedichtet und robust gebaut. Für die drahtlose Kommunikation bringt die Fujifilm WLAN und Bluetooth – alles andere wäre auch eine Überraschung. Auch HDMI (Typ A) und USB (3.2 Gen2 Typ-C) sind an Bord. Verzichten muss man auf einen internen Blitz – Kameras dieser Preisklasse verlassen sich auf externe Modelle, welche am Zubehörschuh Platz finden.

Als Zubehör kommt im Juli neben dem Lüfter ein spritzwasser- sowie staubgeschützter Handgriff VG-XH für 450 Euro mit Platz für zwei Akkus (NP-W235) und zusätzlichen Bedienelementen für Hochkantaufnahmen.

Für professionelle Anwender ist der zweite Handgriff mit File Transmitter FT-XH spannender, welcher voraussichtlich im September auf den Markt kommt. Dieser kostet 1100 Euro und ermöglicht es, die Kamera in drahtlose sowie drahtgebundene Netzwerke einzubinden. So kann der Fotograf dann Bilder direkt nach der Aufnahme an einen Rechner oder File-Server übertragen. Zudem ist mit dem FT-XH-Transmitter auch Tethered Shooting sowie eine Fernsteuerung von bis zu vier X-H2S-Bodys per Browser möglich. Auch dieser zweite Handgriff bietet Platz für zwei Akkus.

 

GerätFujifilm X-H2S
Bildsensor26,16 Megapixel, 23,5 x 15,6 mm Trans CMOS HS Stacked BSI, 6240 x 4160 Pixel
EmpfindlichkeitISO auto einstellbar, manuell 80-51 200
DateiformatJPEG, HEIF, RAW (14-Bit)
Video6,2K mit 30 B/s, 6,2K-RAW mit 12-Bit und 30 B/s, 4K mit 120 B/S, 1080 mit 240 B/S
AutofokusHybrid-AF: Phasen- und Kontrast-AF, 425 AF-Felder, Einzel-AF, Zonen, Weit/Verfolgung, Gesichts/Augen-AF, Tier/Vogel-AF, Fahr- zeug-AF (Auto, Motorraf, Zug, Flugzeug)
Belichtungsmessungmittenbetont, Mehrfeld, Spot
BelichtungssteuerungAuto, P,Tv, Av, M, Szenen
MonitorOLED-Sucher, 0,5-Zoll, 1 920 000 RGB-Pixel, 100%, eff. 0,8-fach, 60-120 B/s
Sucher3-Zoll TFT, 540 000 RGB-Pixel, dreh- und schwenkbar, touch
AusstattungBildstabilisator, WLAN, Bluetooth, HDMI Typ-A, USB 3.2 Gen 2 Typ- C, Spritzwasserschutz, Zubehörschuh, CFe Typ B/ SD-UHS-II-Slots
Maße und Gewicht137 x 93 x 85 mm, 660 Gramm
Preis2750 Euro

www.fujifilm.eu

Autor: Wadim Herdt

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