Fotoaufgabe Landschaftsfoto: Die Gewinner stehen fest!

Foto: Die große Rheinschleife bei Boppard mit Himiko von Andreas Pacek

 

Anfang November haben wir Euch eine Fotoaufgabe gestellt und wir freuen uns, dass fast 200 Mitglieder der fotocommunity Bilder und tolle Bildbeschreibungen eingereicht haben! Wir haben nun die drei Gewinner aus allen Fotos ermittelt, die zwischen dem 10. und 30. November hochgeladen wurden. Wichtiges Kriterium war, das in der Bildbeschreibung ausführlich erklärt wurde, wie und warum das Foto genau so gestaltet wurde.

Zu gewinnen gab es 3 Exemplare des Buches „Landschaftsfotografie – Die große Fotoschule“ aus dem Rheinwerk Verlag von Hans-Peter Schaub.  Entdecke eine neue Art der Landschaftsfotografie: Beeindruckende Weite und romantisches Idyll treffen auf imposante Industrie und reduzierte Klarheit. Begleite Hans-Peter Schaub auf 319 Seiten bei einer Reise zu individuell gestalteten Landschaftsaufnahmen: Spannung durch Gegensätze, Spiele mit Farbe, Licht und Form, neue Perspektiven u.v.m. Exkurse und Praxistipps informieren dabei über die Aufnahmetechnik und die Umsetzung des Gelernten in verschiedenen Motivsituationen. Lass Dich inspirieren und finde Deinen ganz persönlichen Einstieg in das Genre! (zur Leseprobe)

 


 

Die Gewinner sind:

Farbenspiel in der Seisenberg Klamm von Struppey

5s, F/4.5, ISO400

Das geringe Restlicht, sorgt für wenig Beleuchtung in der Klamm. Die Farben treten nur bei längerer Belichtung wirklich hervor, was dann aber zu einem schönen Effekt auf dem fließenden Wasser führt und dem sonst so statischen Landschaftsfoto eine gewisse Dynamik verleiht. Der Pfad wurde horizontal mittig positioniert, um einerseits die Höhe der Felswände, andererseits auch die Höhe des Weges über dem Wasser zu zeigen. Die Schlucht wurde vertikal mittig platziert – durch beide Anordnungen bekommt das Bild eine klare kreuzförmige Struktur. Einen Vordergrund gibt es in diesem Bild nicht, es ist der Weg am rechten Bildrand, der anschließend nach hinten verschwindet und dem Bild damit eine Tiefenwirkung verleiht. Für mich (auch dank der wenigen Besucher aufgrund der miesen Wettervorhersage) eines der Highlights im Urlaub!

 

Spuren im Schnee von Sonja Haase

Eine Aufnahme vom 19.01.2017 als wir hier einen richtig strammen Winter hatten. Früh am Morgen ging ich auf Motivsuche im tiefen Schnee in Dorfnähe. Als ich die reifbedeckte Baumgruppe im aufsteigenden Nebel sah, war mir klar, die muss mit den Spuren im Schnee aufs Foto. Viel gedacht hatte ich mir nicht dabei, nur das die Spuren ins Bild hineinlaufen sollen. Eigentlich wäre ein Eckläufer gut gewesen, aber das passte nicht mit den Aufnahmebedingungen am tief zugeschneiten Weg… ( kam kaum dort hin) Ich habe also so fotografiert, das ich noch etwas zuschneiden konnte. Da sich die Licht und Nebelsituation schnell veränderte, habe ich einfach aus einer tiefen Perspektive fotografiert.

 

Ein Wimpernschlag vor Tagesbeginn von tlamplmair

Das Bild habe ich gemacht im Zuge des Projektes „Biwak unterm Sternenhimmel“. Ich und ein paar Freunde stiegen im Mai diesen Jahres auf den Hohen Nock im Nationalpark Kalkalpen (in Oberösterreich), biwakierten am Gipfel und sind am darauf folgenden Tag mit dem Gleitschirm ins Tal geflogen.

Die „technische Seite: Sony A7iii+Sony 20mm f1.8 ISO 100, f5.6,~380 sec.

Die gestalterische: Ich habe den Horizont im unteren Drittel platziert um dem Himmel Raum zu lassenund weite zu vermitteln, das Gipfelkreuz (fast)rechts im Schnittpunkt der Drittellinien, gegenüber links die „erwachende Stadt“ als Gegengewicht. Die Wolken ziehen von links nach rechts, quasi auf die „zukünftige“ Seite (darauf hatte ich aber keinen Einfluß ;-) ) und unterstreichen so auch den Tagesbeginn, ebenso der orange Streifen am Horizont. Das noch vorhandene Blau unterstreicht die noch vorherrschende Kälte der windigen Nacht .

Das Emotionale: Mich fasziniert es die Nacht in der Natur zu verbringen, die Stille (auch wenn es nicht immer so Still ist) die Ruhe und die unendlichen Eindrücke. Die Zeit wenn die Nacht über das Land kommt, das unendliche des Sternenhimmels in der Finsternis und der Wechsel in den neuen Tag… Das zum Teil sich minütlich ändernde Ambiente in der Übergangszeit. Die Farbenspiele und das gewaltige ,unbeschreibliche erleben…. In dieser Nacht sind viele gute (denke ich zumindest) Bilder entstanden. Vom spektakulären Sonnenuntergang über Milchstraßenpanoramen zu Morgenstimmungsbilder. An diesem Bild mag ich besonders, den Augenblick kurz vor Tagesbeginn, die letzten Sterne sind gerade mal verschwunden, der Wind ist durch die Lange Belichtungszeit in den Wolken zu sehen, Die kälte der Nacht noch durch das Blau zu spüren. Im Tal sind die ersten Menschen schon am Weg zur Arbeit und in den Wolken am Horizont kündigt sich die Sonne des neuen Tages an. Ein Wimpernschlag für den Tag, der dann doch gute 6 Minuten lange gedauert hat….

 

Herzlichen Glückwunsch!

Wir setzen uns zeitnah mit euch in Verbindung!

 

Gern präsentieren wir Euch an dieser Stelle noch weitere Fotos mit tollen Bildbeschreibungen. Diese lassen einen Blick hinter die Kulissen zu und regen an, sich mit dem Foto auseinander zu setzen.

Am Widdumer Weiher von RinaldoG
Ausschlaggebend bei diesem Bild war das Licht. Wie an den Wolken zu sehen, ziehen gerade Tiefausläufer heran. Das Sonnenlicht ist in diesem Fall eher grell und bringt die Farben – im Kontrast zum grauen Himmel – zum Leuchten, wobei sie sich auch noch im Weiher spiegeln. Die Landpassage ist weitgehend mittig, wobei dem bewegten Himmel gegenüber der ruhigen Wasseroberfläche mehr Raum gegeben wird. Der Himmel wurde mittels einfachster Bildbearbeitung ein wenig dramatisiert. Die Rahmung links und rechts ist vielleicht etwas sehr konventionell, gibt dem Ganzen aber m.E. einen stützenden Rahmen.
-smoothing waters- von Stephan Heinemann
Lange schon wollte ich die Ilse im Harz fotografieren. Ein beliebter Fotospot und nicht weit entfernt von meinem Heimatort. Die Tage zuvor gab es kräftigen Regen und das Herbstlaub zeigte seine volle Pracht. Also perfekte Bedingungen, noch dazu wenig Wind. Stativ und ein 10Stop ND-Filter durften nicht fehlen. Zuerst legte ich den Flusslauf so an, dass er in einer ansteigenden Kurve den Blick zum leuchtenden Blätterdach lenke, durch welches das Licht des Morgens fiel. Ich verfeinerte im nächsten Schritt den Bildausschnitt mit den beiden Granitblöcken im Vordergrund, so dass sie einen natürlichen Rahmen ergaben. Schließlich erhöhte ich mittels ca. halber Drehung des Polfilters die Kontraste und Sättigung und nahm etwas die Highlights aus den Wellen der Wasserfälle. Ein paar sollten aber über bleiben. Zum Schluss noch den ND Filter für die LZB drauf geschraubt und dann warten. In der Nachbearbeitung musste ich so fast nichts mehr machen. Nachschärfen und etwas an den Lichtern und Tiefen arbeiten und die Kontraste noch dezent korrigieren. So habe ich mir meine erste Session in der Landschaftsfotografie am Fluss vorgestellt. Der frühe Vogel fängt hier scheinbar den Wurm, denn ich schien den besten Spot zu besetzen. Einige Fotografen zogen weiter, andere stellten sich tatsächlich an. So etwas kannte ich bisher nicht =)
Tuscan Landscape von scorpion pics
Cipressi di Toscana Die Zypressen in der Nähe von San Quirico d’Orcia befinden sich inmitten einer Hügelgruppe und zählen sicherlich zu den meistfotografierten Motiven der Toskana. Dabei wird die Landschaft meistens mit den weich auslaufenden Hügeln auf der rechten Seite fotografiert (im Hintergrund ist oft noch ein zweiter Hain sichtbar). Die Zypressengruppe befindet sich hier meistens am linken Bildrand. Ich wollte bei dieser Aufnahme eine etwas andere Sicht auf die Landschaft nehmen und habe hierzu den Feldweg links von der Hügelgrupe mit ins Bild genommen. Was mir dabei gut gefiel war der leicht geschwungene Weg und dass das Bild dadurch noch etwas an Tiefe gewann. Auf eine Panoramaaufnahme, die auch die auslaufenden Hügel auf der rechten Seite mit abgebildet hätte, habe ich bewusst verzichtet, da ich den Blick auf den Weg und die Zypressengruppe lenken wollte. Wenn ich das Bild selbst betrachte, frage ich mich immer wieder, wie es wohl am Ende des Weges weitergehen würde. Ich hoffe ich komme noch mal in die Gegend und werde mich dann sicherlich auf den Weg machen…
Feyling-Hanssenfjellet – geologische Formation auf Svalbard von togilsaram
Dieses Foto entstand bei einer Bootstour entlang des Feyling-Hanssenfjellet auf Spitzbergen. Während meiner zwei Wochen vor Ort gab es nur wenige Stunden mit Sonnenschein. Auch dieses Foto entstand bei diesigem, wolkenverhangenem Wetter. Auch von einem relativ langsamen Boot ändern sich Motive und besonders Blickwinkel recht rasch. So haben die kurz vor und kurz nach diesem Bild entstandenen Aufnahmen eine vollkommen andere Wirkung. Die vorherrschenden Farben auf Spitzbergen sind meistens Braun-, Blau- und Schwarztöne. Deshalb wurde mein erster Blick von dem harmonischen Kontrast der grünen Farne und Moose zu Geröll und Stein hingezogen. Die quer durch das Bild verlaufenden Moränen bringen Spannung und die fast senkrechten säulenhaften Felswände in der linken oberen Ecke zusätzliche Tiefe ins Bild. Der Himmel ist absichtlich abgeschnitten, da der sehr unregelmäßige Bergkamm zu viel Unruhe gebracht hätte. Außerdem war der wolkenverhangene Himmel nur eine unattraktive graue Masse. Zusätzlich konnte ich so recht einfach eine zweidrittel Teilung des Bildes erreichen. Zur Orientierung des Betrachters habe ich den fehlenden Horizont durch die (hier glücklicherweise sehr gerade) Uferlinie ersetzt. Dabei wurde die Unterbelichtung des Wassers, mit nur einem Hauch von Blau, bewusst beibehalten um nicht vom eigentlichen Motiv abzulenken. In Lightroom wurden Kontrast und Sättigung des RAW-Bildes leicht angehoben, ansonsten blieb es unverändert. Während der Aufnahme vor Ort liefen die obigen Gedanken natürlich nur unbewusst ab. Erst bei der späteren Sichtung und Nachbearbeitung habe ich bewusst Überlegungen über die Bildgestaltung gemacht. Entsprechend den Regeln für Bildaufbau und -komposition sollte dies also ein gelungenes Foto sein. Da es für mich allerdings mit Erinnerungen und Gefühlen verbunden ist würde es mich interessieren was ein unbefangener Betrachter bei diesem Bild empfindet.
Herbstnebel von Machtlinger Heinz
Bei diesem Bild wollte ich die herbstliche Nebelstimmung zum Ausdruck bringen. Man sieht im Vordergrund den Acker, im Mittelgrund die Bäume im Nebel und im Hintergrund den Himmel und die Sonne. Die Sonne habe ich nach der Drittelregelung rechts oben platziert. Gegenüber, im unteren Drittel, sieht man als Gegengewicht dazu die Baumgruppe. Die Furchen des dunkel gehaltenen Ackers und die Pflöcke links sollen den Blick ins Bild führen. Dem Betrachter des Bildes möchte ich diese interessante Stimmung vermitteln. Zur Bildgestaltung: Ich habe diesen Ausschnitt gewählt, weil er die trübe Stimmung am Besten rüberbringt. Störende Elemente rechts und links des Bildes habe ich weggelassen. Außerdem finde ich die Anordnung der Baumgruppe und der einzelnen Bäume harmonisch. Das Motiv habe ich deshalb fotografiert, weil ich die düstere Stimmung, die zu den derzeit schwierigen Zeiten passt, rüberbringen wollte. Der Betrachter soll diese Stimmung miterleben können. Das habe ich mit diesem Bildaufbau und dem Hell- Dunkelkontrast versucht.
„Burgenzauber im Lahntal“ von Bernd63
Panoramablick auf das Lahntal in Runkel mit den Burgen Runkel und Schadeck im Lahnspiegelbild im Herbst. Warum habe ich das Bild gemacht ? Im ehemaligen Herzen des Nassauer Landes gibt es eine ganze Fülle von historischen Gebäuden an der Lahn. Ich finde die Motivlage der großen Mittelalterburg Runkel (eine der ältesten Burgen an der Lahn) und der kleineren Burg Schadeck aus dem 12.-13. Jahrhundert im Bild durch die Mittelalterbrücke aus dem 15. Jahrhundert „verbunden“ immer wieder schön. Das ideale Licht ist am Vormittag mit der Sonne schräg hinter mir. Bewußt habe ich mir einen Tag herausgesucht, an dem das Licht gut war und Windstille herrschte. Hierdurch hatte ich eine ideale Wasserfläche auf der Lahn als Spiegel. Zur Glättung brauchte ich so keinen ND-Filter; die dynamischen Bildelemente (Wasserabfluß am Wehr) wurden natürlich festgehalten. Um das gesamte Motiv in einem Bild festzuhalten habe ich 6 Einzelbilder (hochkant) geschossen und diese am Rechner als Panorama zusammen gesetzt.
Inle-See in Myanmar von Mario Caviezel
In Myanmar, genauer auf dem Inle-See, können die Fischer mit einem Bein rudern und dabei gleichzeitig das Fischernetz werfen. Ein akrobatischer Akt! Diese besondere, kulturelle Eigenschaft wollte ich in der mystischen Landschaft einfangen. Dazu bin ich an einem frühen Morgen aufgebrochen und habe auf einer Bootsfahrt dieses Sujet einfangen können. Das Sonnenlicht, das hinter der Bergkette auf den See schien, habe ich in der Bildbearbeitung als Kontrastfarbe zu den blauen Tönen des Sees / des morgendlichen Nebels genutzt. Im Hintergrund sind die Berge noch zu erahnen. Die Schärfe der Seeoberfläche habe ich rausgenommen und mit einem Filter ebener gestaltet. Wichtig erschien mir dabei der Farbverlauf von blau zu orange. Die Fischer verleihen dem Bild durch ihre geordnete Präsenz eine Struktur. Diese sollte nicht künstlich / gestellt wirken. Das Bild ist tatsächlich eine Momentaufnahme und keine Inszenierung.

 

Alle eingereichten Fotos sind hier zu finden.

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