fotocommunity Fotograf Klaus Heuermann im Interview

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fotocommunity Fotograf Klaus Heuermann

Mein Name ist Klaus Heuermann, ich bin 1948 geboren und lebe in der Nähe von Osnabrück. Nach meinem Designstudium habe ich das Lehramtsstudium für Berufsbildende Schulen absolviert und bis zu meiner Pensionierung Fachklassen in Medientechnik und Mediendesign unterrichtet. Mit meiner Pensionierung im Jahr 2014 bin ich dann verstärkt in die Natur und Landschaftsfotografie eingestiegen und bin diesem Hobby bis heute mit viel Zeiteinsatz treu geblieben. Im Ruhestand hatte ich nun viel Zeit zum Reisen und bin auch sonst gerne in der Natur des Osnabrücker Landes zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Ach ja, ich bin jetzt 50 Jahre glücklich verheiratet und habe zwei erwachsene Söhne und zwei reizende Schwiegertöchter. Meine Frau ist die beste Kritikerin meiner Fotos.

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Du sprichst von Subjektivität in der Landschaftsfotografie – davon, starre Muster über die Wahrnehmung aufzuheben. Wieso findest Du subjektive Wahrnehmung in der Fotografie so wichtig?

Es gibt keine objektive Wahrnehmung und damit auch keine objektive Fotografie. Jedes Foto wird durch die subjektive Wahl von Blende, Zeit, Perspektive, BEA etc. bestimmt. Insofern ist Fotografie immer subjektiv und drei verschiedene Fotografen werden das gleiche Motiv deshalb auch immer unterschiedlich abbilden. Erst wenn ich in meinem Foto meine Empfindungen und meine Sichtweise sichtbar mache, hauche ich meinem Foto Leben ein. In der Fotografie reizt es mich, in einem Augenblick zwei Bilder zugleich – ein gesehenes und ein empfundenes – zu erschaffen. Ein Bild ist für mich dann gelungen, wenn der Betrachter sich ‚darin bewegen‘ und eigene Gedanken und Gefühle entwickeln kann.

 

Der Hochsitz im Moor

Wie bist Du überhaupt zum Fotografieren gekommen?

Durch Studium und Beruf hatte ich mit Fotografie schon immer zu tun. Fotos kamen dabei meist extern aus den Bilddatenbanken der Fotoagenturen und wurden für Medien ausgewählt und eingebunden. Bildbearbeitung war aber immer dabei. Durch die Reisen nach meiner Pensionierung kam die Freude und Leidenschaft für die Landschaftsfotografie auf.

Nebel auf der Bastei

Wie versuchst Du Abwechslung in Deine Fotos zu bringen?

Abwechslung in der Landschaftsfotografie bringen neben den verschiedenen Motiven vor allem die Jahreszeiten, die Wetterstimmungen (Nebel, Regen, Sturm etc.) und das Licht (Seitenlicht, Nachtaufnahmen etc.). Oft fotografiere ich das gleiche Motiv nicht nur zu verschiedenen Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, sondern auch in anderen, manchmal extremen Perspektiven.

Fischerhütte am Fjord

Deine Fotos strahlen Liebe zum Detail aus. Worauf achtest Du, wenn Du ein bestimmtes Detail in einem Motiv herausstellen möchtest?

Wichtig sind mir die Linien und das Licht, die zum Motiv hinführen sollen. Herausstellen heißt immer anderes Zurückstellen. Man kann nicht alles zeigen. Wenn man alles zeigt, zeigt man nichts. Ein Detail braucht häufig einen ruhigen Hintergrund und muss sich abheben. Z. B. durch den Hell-Dunkel-Kontrast (wo das Licht ist, wird das Auge hingeführt) oder durch gezielte Farbkontraste (warme Farben streben nach vorne, kalte nach hinten).

Sakrisøy

Welches Equipment findest Du wichtig, um Deine Aufnahmen einzufangen?

Das Equipment wird häufig überschätzt. Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf. Die Ausrüstung muss funktional sein, schließlich muss ich sie im Gelände schleppen und häufig auch spontan einsetzen. Gute Objektive sind mir wichtiger als die neueste Kamera. Ich bevorzuge in der Landschaftsfotografie primär weitwinklige Objektive (Nikkor 14-24 mm / f 2,8) + Nikkor 16-35 mm / f 4,0) aber auch das Teleobjektiv Nikkor 70-200 / f 2,8). Ich arbeite meist mit Stativ und Filtern von Haida (Verlaufsfilter und Polfilter).

Storsandnes

Was hältst Du vom Thema Bildbearbeitung in der Landschaftsfotografie?

Digitale Bildbearbeitung ist für mich unmittelbar mit der digitalen Fotografie verknüpft. Ich fotografiere ausschließlich im RAW-Format und das macht eine digitale Entwicklung zwangsläufig erforderlich. Ich arbeite mit Lightroom, Photoshop und einigen anderen Tools wie Nik. Wie weit die Bildbearbeitung geht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Farb- und Tonwertkorrekturen sind m. E. unbestritten. Composings sollten als solche benannt werden. Für mich hat die nachträgliche Bildbearbeitung vor allem die Aufgabe, meine Empfindungen deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Ein reines „Spielen“ mit den Reglern kann ein Bild schnell verschlimmbessern.

Momentan ist das Thema Reisen ja sehr kompliziert. Was ist Deine Inspiration in Coronazeiten, wenn es ums Fotografieren geht?

Ja, Reisen ist jetzt ein Problem. Große spektakuläre Landschaften habe ich nicht in der Nähe. In der Coronazeit bin ich deshalb auf meine nähere Umgebung angewiesen. Hier gibt es einige Moore, die viel Inspiration zu allen Jahreszeiten bieten und in dieser Zeit eine Oase der Ruhe und Abgeschiedenheit sind. Der zeitliche und logistische Aufwand ist überschaubar, Fotospots sind schnell erreicht. Macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung, kommt man eben einen Tag später wieder. Auch die Blümchenfotografie (Frühblüher im Wald) – nicht unbedingt mein Genre – ist in der Coronazeit ein schöner Ausgleich.

the white house in the fishing port

Ein Element, das direkt bei Deinen Bildern auffällt, ist der Umgang mit besonderem Lichteinfall, ob von einem Sonnenuntergang oder anderen Lichtspielen. Wie versuchst Du diese Naturschauspiele einzufangen?

Licht ist das wichtigste Gestaltungselement in der Landschaftsfotografie. Ohne das richtige Licht gibt es kein gutes Foto. Dieses Licht abzuwarten und richtig zu nutzen ist die Kunst der Landschaftsfotografie. Allerdings ist das Licht auch nicht immer leicht zu planen. Ich studiere deshalb vor einem anstehenden Fotoprojekt jedes Mal die Wetterkarten hinsichtlich Bewölkung, Sonnenstand, Wind etc.. Hier helfen mir auch besonders Apps wie PhotoPills. Landschaftsfotografie erfordert deshalb immer sorgfältige Planung. Oft muss ich eine Location mehrmals besuchen, bis sich die richtigen Lichtverhältnisse einstellen, so wie ich sie mir vorstelle.

Was kann visuelle Kommunikation für Dich, was verbale Kommunikation nicht kann?

„Ein Bild sagt mehr aus als tausend Worte“. Dieser Spruch macht die besondere Bedeutung des Bildes deutlich. Anders als Sprache oder Schrift können wir Bilder viel unmittelbarer und intuitiver wahrnehmen. In weniger als einer Sekunde können wir den grundlegenden Inhalt eines Fotos erfassen. Wir können uns schneller an Bilder erinnern als an Worte.

Bilder, insbesondere Farbbilder transportieren Emotionen weitaus stärker als Worte. Visuelle Kommunikation ist das A und O in der Mediengestaltung. Ich versuche meinen Landschaftsbildern emotionale Aussagen wie Wärme, Kälte, Einsamkeit, Weite, Mystik etc. zu geben. In der heutigen Bilderflut werden nur die Fotos wahrgenommen, die Emotionen auslösen.

Sommer

Du sprichst davon, dass Deine Fotos “konzeptionell eingebunden” sind. Was meinst Du damit und kannst Du uns dazu ein Beispiel erzählen?

Am Anfang eines Fotoprojekts steht immer eine Idee, ein Thema. Das heißt, ich habe bereits eine Vorstellung von dem, was ich fotografieren möchte, z. B. eine mystische Landschaftsaufnahme im Moor bei Nebel. Das erfordert, dass ich diese Landschaft zuvor inspiziere: Wo ist der beste Standpunkt? Von wo kommt das Licht? Wo habe ich Wasserspiegelungen? Wo einen interessanten Vordergrund? Wenn das geklärt ist, warte ich auf den Tag, an dem das Wetter mitspielt. Ich studiere die Wetterkarten und bestimme den Zeitpunkt und erst dann geht es los. Fotoprojekte sind also immer auf ein bestimmtes Thema begrenzt und haben einen Anfangs- und Endzeitpunkt.

Inwiefern hat die fotocommunity Dir bei Deiner Leidenschaft für die Fotografie weitergeholfen?

Ich habe in der Fotocommunity viele tolle Fotografen kennengelernt. Mit einigen Ortsansässigen haben wir einen fotocommunity-Stammtisch gegründet. Die fotocommunity bietet mir die Möglichkeit, Anregungen von anderen Fotografen zu holen.

Was sind Deine persönlichen Fotografie-Ziele für die nächsten Jahre?

Ich möchte noch einmal mit Fotofreunden nach Island in die Highlands, die wir aufgrund der Wettersituation im letzten Jahr nicht besuchen konnten. Auf dieser Fototour möchte ich auch erste Erfahrungen mit der Drohnenfotografie machen.

… gestern im Märchenwald.

Welche drei Tipps würdest Du landschaftsbegeisterten Fotografen/Fotografinnen geben, wenn sie tolle Aufnahmen kreieren wollen?

  1. Licht, Licht und nochmals Licht: Suche Dir spannende Lichtverhältnisse: Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Blaue/Goldene Stunde, Seitenlicht, Lichtstrahlen…
  2. Perspektive: Wähle eine Perspektive abseits der normalen Sichtweise. Gehe auf den Boden, in die Höhe, zur Seite.
  3. Weniger ist mehr: Reduziere die Landschaft auf ein Motiv. Wähle den Bildausschnitt, so das Dein Motiv (z. B.) Mittelpunkt des Landschaftsbildes wird, aber nicht in der Mitte des Bildes platziert ist.
  4. Bringe Tiefe in Dein Landschaftsbild: Schaffe Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Verteile diese spannungsvoll, z. B. nach der Drittel- Regel.

 

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4 Kommentare

  1. Ich finde die inhaltliche Beschreibung interessant und spannend , was die Fotos mehr als 1000 Worte erzählen können. Der Ratschlag ist wichtig für uns , vielen Dank.

  2. Tolle Fotos, vor allem aber auch die inhaltlichen Beschreibung. Sehr interessant für alle die selber gerne fotografieren. Toll und vielen Dank!

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