Form und Farben in der Makrofotografie

Mit abstrakten Formen, intensiven Farben und einer besonderen Perspektive erregen Birgit Hassels Makrofotografien unwillkürlich Aufmerksamkeit, oft noch ehe der Betrachter das Motiv erkennt. Eine faszinierende Reise in die Welt der Makrofotografie, die die fc-Fotografin mit ganz einfachen technischen Mitteln entdeckt.

Blaubeeren – Zur Vorbereitung habe ich mit der Blumenspritze die Früchte mit Wasser besprüht, damit sie möglichst frisch wirken. (Canon EOS 450D, Brennweite 60 mm, ISO 100, Blende 5,6,1/2 s, Lichtwertkorrektur – 2 EV). Foto: Birgit Hassel

Bildideen für Makrofotografie

Im Laufe der Zeit hat Birgit Hassel beim Fotografieren einen gewissen Blick für Kleinigkeiten entwickelt, er­zählt sie. „Es passiert einfach, dass mich ein Motiv förmlich anspringt – das Obst im Supermarkt, die Kerze in besonderem Licht, ein Küchengerät aus einer anderen Perspektive gesehen.“ Und natürlich lässt sich die am­bitionierte Amateurfotografin auch im­mer von Fotos anderer Fotografen im Internet inspirieren. Ganz besondere Freude findet Birgit darin, alltägliche Gegenstände und Situationen als et­was Eigentümliches, Außergewöhn­liches darzustellen. „Schön für mich ist es, wenn das Fotoergebnis dann ein­fach aussieht und durch Form, Farbe und Strukturen besticht.“

2×3 – Drei Glasmurmeln auf einen Spiegel gelegt. Die Schwierigkeit war, keine weiteren Spiegelungen aus der Umgebung mit im Bild zu haben. Deshalb habe ich den Spiegel in ein Lichtzelt gelegt. (Canon EOS 450D, Brennweite 60 mm, ISO 100 Blende 22, 5 s). Foto: Birgit Hassel

Die richtige Ausrüstung

Generell arbeitet Birgit Hassel auf ih­rem Esstisch mit ihrer Canon EOS 760D, seit Neuestem ist sie zudem „stolze Besitzerin“ eines Lichtzelts mit zwei Fotolampen. Als Objektiv ver­wendet sie in der Regel eine hochwer­tige 60-Millimeter ­Festbrennweite, bei Natur­ und Tieraufnahmen hingegen auch ein 300­mm­ Objektiv, um genü­gend Abstand zum Motiv einhalten zu können. „Das ist bei Insektenaufnah­men nötig, denn diese verschwinden gerne, sobald man sich diesen an­nähert.“ Um Unschärfen durch Hand­bewegungen auszuschließen, benutzt Birgit immer ein Stativ und stellt die Kamera dann auf zwei Sekunden Verzögerung.

 

Gabeln – Der Fokus liegt auf den Spitzen der beiden Gabeln, sodass die „Griffe“ verschwommen erscheinen. Den Rahmen habe ich unterbrochen, um das Besteck noch räumlicher erscheinen zu lassen. (Canon EOS 760D, Brennweite 60 mm, ISO 100, Blende 2,8, 1,25 s, Lichtwertkorrektur – 4 EV). Foto: Birgit Hassel
Rose des Frühlings – Mir gefiel bei dieser Ranunkel die fächerartige Anbringung der Blütenblätter um die Mitte. Schwierig war es, das natürliche Rot der Blüte darzustellen. (Canon EOS 450D, Brennweite 60 mm, ISO 100, Blende 4,5, 1,3 s, Lichtwertkorrektur -0,7 EV). Foto: Birgit Hassel

 

Aufnahmetechnik

Bei Makroaufnahmen etwa wählt die Fotografin eine möglichst kleine Blendenzahl, sodass der Fokus nur auf einer kleinen Stelle liegt und als Blickfang dient. Der Hintergrund der Aufnahmen soll bewusst unscharf und nur farblich erkennbar sein. Dazu fokussiert sie manuell und arbeitet vorzugsweise mit der Zeitautomatik ihrer Kamera, wählt die Blende manuell und korrigiert sie gegebenenfalls zusätzlich mit der Lichtwertkorrektur. „Die Lichtsituation an sich kann ich mit meinen beiden Fotolampen beeinflussen. Das hängt davon ab, ob ich einen Schattenwurf haben möchte oder nur klare Formen“, erklärt sie.

Wellig – Man braucht für so ein Foto einen blitzblank polierten Löffel, man legt ihn auf einen Bogen Wellpappe und sorgt dafür, dass das Licht nur von vorne kommt. Die Kamera steht auf Höhe der Löffelspitze, die Pappe liegt vor einem schwarzen Hintergrund. (Canon EOS 760D, Brennweite 60 mm, ISO 100, Blende 9, 0,8 s, Lichtwertkorrektur -3 EV). Foto: Birgit Hassel
Nach dem Regen – Das Foto ist auf einer Sommerwiese nach einem Regenguss entstanden. Die Wasserspritze war nicht nötig. Die Tröpfchen lagen auf einer Ebene, sodass ich viele scharf einstellen konnte und die Spiegelungen erkennbar sind. (Canon EOS 760D, Brennweite 60 mm, ISO 100, Blende 8, 1/125 s, Lichtwertkorrektur -1,3 EV). Foto: Eva Hassel

Bildgestaltung und Nachbearbeitung von Makrofotografien

Ein besonderes Anliegen ist es Birgit, klare und scharfe Bilder mit einer passenden Bildgestaltung und einer besonderen Perspektive zu erreichen. Bei der Bildkomposition legt sie daher Wert auf eine möglichst „abstrakte“ Wirkung ihrer Fotos. Linien, Formen, Strukturen und Farben sollen eine Einheit bilden. Natürlich kommen auch die üblichen Fotoregeln, wie Goldener Schnitt oder Eckläufer zur Anwendung. Die Nachbearbeitung ihrer Aufnahmen am PC erfolgt mit Photoshop Elements, sei es, um das Format zu ändern oder durchVeränderung von Kontrast oder Tonwert eine gewisse „Klarheit“ des Motivs zu erzeugen. Außerdem fotografiere sie meist so, dass sie nachträglich noch die Möglichkeit hat, das Bild zu drehen.

Im Gerstenfeld – Eine Aufnahme aus dem Juni. Die Gerstenähren waren noch grün. Um die langen Grannen herauszustellen habe ich sie mit der Blumenspritze angesprüht. So kam mehr Leben ins Bild. Das Foto konnte nur gelingen, da völlige Windstille herrschte. (Canon EOS 760D, Brennweite 60 mm, Blende 6,3, 1/200 s, Lichtwertkorrektur -1,7 EV). Foto: Eva Hassel
Regenwetter – Das Foto entstand im Herbst. Ich habe ein Herbstblatt auf der Motorhaube meines Autos entdeckt und durch Colorkey-Bearbeitung die Farbe meines Autos entfernt. (Canon EOS 760D, Brenweite 60 mm, ISO 100, Blende 9, 1/30 s, Lichtwertkorrektur – 0,7 EV). Foto: Birgit Hassel

Mehr Fotos von Birgit Hassel findest Du hier auf ihrer fc-Seite.

Makrofotografie

Kleine Dinge ganz groß – die Makrofotografie eröffnet völlig neue Perspektiven auf bekannte Dinge. Hilfreiche Tipps, wie Du Deine Nahaufnahmen optimieren kannst, findest Du in unserem Ratgeber Makrofotografie. Zu diesem weiten Themenspektrum zählen unter anderem: Makroobjektive, Abbildungsmaßstab und Motivauswahl.

 

Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

7 Kommentare

  1. stephan.schoepfer
    Stephan Schöpfer
      Mai 24, 2019 at 10:59 AM
    Kommentar bewerten

    In vielen Jahren sicherlich einer der besten / schönsten Beiträge hier, wenn nicht sogar auf dem allerersten Platz!

  2. Eberhard Mußler
    Eberhard Mußler
      Mai 23, 2019 at 4:45 PM
    Kommentar bewerten

    Also für mich sind viele gute Ideen dabei. Witzig fand ich die mit dem Löffel. Vielleicht passt die auch in meine Sammlung von Hintergrund-Bildern. Aber auch das sehr ästhetische Bild mit der Ranunkelblüte mit dem Rot, welches man sich am liebsten patentieren lassen möchte. Toll, vielen Dank

  3. Jutta
      Mai 22, 2019 at 10:08 AM
    Kommentar bewerten

    Tolle Bilder!
    Mir gefallen besonders die, bei denen Wassertropfen im Spiel sind :-)
    Danke für den Tipp mit der Wasserspritze!

    LG Jutta

  4. Manfred Spaude
    Manfred
      Mai 22, 2019 at 8:57 AM
    Kommentar bewerten

    Das sind wirklich gute Beispiele aus dem Alltag, die m.E. jeder nachvollziehen und damit auch umsetzen kann. Und das mit wenig Aufwand. Die Idee zählt.
    Macht wieder Spaß auf Makrofotografie. Danke dafür
    LG Manfred

  5. gerhard habenberger
      Mai 21, 2019 at 11:36 PM
    Kommentar bewerten

    Nur 2 Bilder haben mich beeindruckt. Wer will z.B. schon den Löffel seinen Freunden zeigen? Sie werden sich langweilen. Solche Fotos interssieren mich nicht; haben höchstens in einer Kunst-Galerie platz. Meine Makrofotos gefallen mit besser.

  6. Friedbert Knobelspies
      Mai 21, 2019 at 10:02 PM
    Kommentar bewerten

    Super Bilder und gut erklärt

  7. Gerhard
      Mai 21, 2019 at 5:16 PM
    Kommentar bewerten

    Die Fotos sind eine Augenfreude, aber nur der Makrofotograf kann erahnen, welche Detailarbeit beim Fotografieren und Nachbearbeiten erforderlich ist.

Bewerte jetzt diesen Fotokurs

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund