Entfesselt Blitzen: Es kommt Farbe ins Spiel

Entfesselt Blitzen: Es kommt Farbe ins Spiel

In Zusammenarbeit mit SIGMA
In den vorigen Artikeln habe ich immer mit dem puren Blitzlicht gearbeitet, abgesehen von den Anpassungen der Farbtemperatur mit speziellen Folien in Mischlichtsituationen.

Veränderungen haben bisher nur durch Lichtformer stattgefunden oder durch die Reflektoroberfläche, mal weicheres Licht, mal härteres Licht.

Aber anders, als bei der Kamera selber, kann es Sinn machen, das Licht noch anders zu verändern, es farbig zu gestalten. Du blitzt dann nicht mehr weiß, sondern rot, grün, lila, gelb oder was sonst noch die Palette der Möglichkeiten hergibt. Ich verwende dafür spezielle Farbfolien, wie sie in ähnlicher Form auch im Theater oder in der Filmindustrie verwendet werden.

Du erinnerst Dich an folgendes Bild aus dem Artikel zum Mischlicht?

Gelfilter
Solche Foliensätze enthalten nicht nur Folien für die Anpassungen der Farbtemperatur, sondern auch verschiedene Farbfolien, mit der sich das Blitzlicht nach Wunsch einfärben lässt.

Um Blitzlicht einzufärben, werden fast ausschließlich Gelfilter genutzt. Gelfilter stammt ursprünglich von dem Begriff Gelatine, das Material aus dem früher diese Filter hergestellt wurden. Das Material hat sich geändert, der Name ist geblieben.

Arbeiten mit Gelfiltern

Wie man die Gelfilter am Blitz montiert, muss ich sicher nicht erklären. Das geht ganz simpel mit einem (mitgelieferten) Gummiband. Und im Grunde ist damit schon fast alles gesagt. Trotzdem will ich Dir natürlich noch einige Anregungen geben, damit Du schneller zu tollen Ergebnissen kommst.

Hintergrundfarbe ändern

Eine häufige Anwendung sind farbige Blitze, die auf den Hintergrund geblitzt werden, um eben einen farbigen Hintergrund zu bekommen. Nachfolgend siehst Du einige Beispiele:

Wechselweise wurde ein schwarzer und ein weißer Hintergrund angeblitzt. Tatsächlich ist die Farbwirkung auf dem schwarzen Hintergrund deutlich intensiver, als auf dem weißen (am besten ist sogar ein neutralgrauer Hintergrund).

Wenn Du weiß anblitzt, bekommst Du meistens nur einen sehr hellen Pastellton, da das Weiß zu stark durchschlägt. (Und ja, ich brauche bald eine neue Rolle schwarzen Hintergrundkarton  ;) ).

Ein Blitz ist zu wenig

Was etwas schwierig ist, wenn Du mit nur einem Blitz versuchst den Hintergrund gleichmäßig auszuleuchten. Besser sind zwei Blitze jeweils von links UND rechts. Allerdings artet das schnell in eine Materialschlacht aus.

Was Du versuchen kannst:

  1. Kombiniere einen Bouncer zusammen mit einem Farbfilter (was viel Leistung kostet).
  2. Oder stelle den Blitz auf die kürzeste Zoomeinstellung und nutze eine eventuell vorhandene Streuscheibe und setze dann den Gelfilter davor. Der Blitz wird dann frontal auf den Hintergrund gerichtet. Der Blitz sollte dann am Boden stehen – hinter dem Modell, damit wird die Ausleuchtung gleichmäßiger.

Im Folgenden zeige ich Dir einige Beispiele, wie die Ausleuchtung dann wirkt:

Bei beiden Beispielen wurde schwarzer Hintergrundkarton verwendet.

Du siehst, dass selbst schwarzer Karton krasse helle Farben erzeugt. Problematisch wird es mit dem Blitz an oder in der Nähe der Kamera, der dann weißes Licht auf den Hintergrund schickt und Schatten erzeugt. Die Schatten selbst sind dann farbig, drumherum wird es wieder heller, je nach Leistung fast weiß.

Diesen Effekt kannst Du in den oberen Beispielen insbesondere bei der Aufnahme mit rotem Hintergrund (auf weißen Karton) sehen, der Schlagschatten ist leuchtend rot. In diesem Fall hilft es nur den Blitz so zu positionieren, dass der Schatten außerhalb des Bildes entsteht oder aber den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund so groß zu wählen, dass der Blitz nicht ausreichend Licht abgibt, um den Hintergrund nennenswert zu beleuchten.

In den unteren Beispielen wurde der Hintergrundblitz mit voller Leistung gezündet und hat damit den eigentlichen Schatten weggeblitzt (im Rot ist er noch schwach zu sehen).

Farbe als Hauptlicht

Spannender wird es, wenn der Blitz eingesetzt wird, um Akzente zu setzen. Dazu kannst Du zum Beispiel das Führungslicht weiter weiß lassen, aber das Gegenlicht oder das Seitenlicht einfärben.

Diese Begriffe sind Dir neu? Ich gebe Dir eine kurze Erläuterung:

1. Führungslicht

Das Führungslicht ist die Hauptlichtquelle und befindet sich meist irgendwo in der Nähe der Kamera oder leuchtet zumindest in die Richtung des „Kamerablicks“. Das Führungslicht trägt den größten Teil zur Beleuchtung des Lichts bei.

2. Gegenlicht

Das Gegenlicht leuchte in die Richtung der Kamera. Meist wird es vom Motiv selbst verdeckt und erzeugt so einen Lichtkranz.

3. Seitlicht

Das Seitenlicht kommt im rechten Winkel zum Führungslicht und ist in farbiger Form geeignet, Akzente zu setzen.

Nachfolgend zwei Beispiele, wo farbiges Blitzlicht als Gegenlicht oder Seitenlicht verwendet wurde. Du kannst die Stärke natürlich beliebig variieren.

Eine Anwendung, die ich persönlich sehr spannend finde, ist die Arbeit mit ausschließlich farbigem Blitzlicht.

Natürlich kannst Du monochrom arbeiten (also alle Blitze mit derselben Farbfolie ausstatten). So etwas wird aber schnell langweilig.

Interessanter finde ich, mit Hilfe des Blitzlichts Farbkontraste zu erzeugen. Dies Kontraste können aus komplementären Farben gebildet werden (Rot/Grün oder Blau/Gelb), Du kannst aber damit auch den „Popart“-Stil aus der Malerei nachahmen. Dort werden für die helle Seite warme Farben genutzt und für die dunkle Seite kalte Farben, ohne dass die sich in der Helligkeit tatsächlich unterscheiden.

Die Wirkung entsteht allein durch den subjektiv empfundenen Farbkontrast. Hier einige Beispiele:

Du siehst, farbiges Blitzlicht kann sehr spannend sein.

Tipp

Das bisher vorgestellte Filterset ist nicht ganz billig und liegt bei rund 40€, für zwei Blitze liegt es schon bei rund 80€.

Das ist viel Geld für ein wenig Farbe.

Es geht aber auch günstiger.

Die Hersteller dieser Gelfilter bieten Farbfächer an. Das ist eigentlich ein kleiner „Katalog“ mit Originalfolien in kleinen Abschnitten. Interessant ist, dass diese kleinen Folien aber oft ausreichen, um einen Systemblitz damit auszurüsten.

Diese Filter bekommt man manchmal auf Fotomessen geschenkt oder kann sie sich gegen eine kleine Schutzgebühr kaufen. Ich habe ein halbes Dutzend dieser Sets, die Hälfte davon habe ich auf Messen geschenkt bekommen, die anderen für 3 oder 4€ pro Fächer im Netz bestellt.

Je nach Blitzgröße lassen sie sich mit einem Gummiband befestigen, oder mit Klebeband (dann nimmst Du aber am besten ein Klebeband, das sich rückstandslos entfernen lässt, wie zum Beispiel Scotchtape). Folgende Bilder zeigen Dir die Befestigungsmöglichkeiten dieser Folien.

Nun haben diese Fächer aber auch ein Problem: Sie enthalten ca. 300 Folien und zu jeder Folie einen Zettel mit dessen Bezeichnung und einem Diagramm und sind festmontiert. Schneidest Du diese kleine Plastikstange auf, wird es schnell chaotisch und wenig praktikabel (außer Du verwendest nur wenige ausgewählte Filter).

Ich habe für mich eine Lösung gefunden:

Ich habe ein altes Briefmarkenalbum genommen und mir einmal die Arbeit gemacht die Filter alle in das Album zu stecken (immer den Filter zusammen mit dem Beipackzettel).

Benötige ich nun den einen oder anderen Filter, nehme ich ihn aus dem Album und lassen den Beipackzettel stecken.

So sehe ich, welche Filter ich genommen habe auf einen Blick und kann sie nach Gebrauch schnell wieder einsortieren und verliere nie den Überblick.

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2 Kommentare

  1. hanseat42
      Mai 24, 2016 at 7:41 PM
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    Die Folien- Technik läßt sich auch sehr gut bei Produktfotografie mir LED-Taschenlampen anwenden, auch bei ´Flora-aufnahmen im dunklen.
    einfach mal ein wenig experimentiern.

  2. Erich
      Mai 24, 2016 at 6:35 PM
    Kommentar bewerten

    Danke, immer wieder gute Tipps zum Ausprobieren.

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