Bewegungsunschärfe

Verwischte Bilder. Manchen Bildern fehlt einfach das gewisse Etwas.
Komponiere Fotos spannender, indem Du Dynamik ins Spiel bringst. Das ist bei einem statischen Medium wie dem Foto eine echte Herausforderung; absichtliche Unschärfe im Bild kann dabei Bewegung symbolisieren.
Bewegung darzustellen, ist das ur­eigene Metier des Mediums Film beziehungsweise Video. Das statische Foto dage­gen friert eine Bewegung mit ultra­ kurzen Belichtungszeiten ein; es kann darum lediglich einen Ausschnitt, ei­nen Bruchteil aus dem Bewegungs­vorgang zeigen.
Mit einer Langzeit­belichtung können in einer Aufnahme allenfalls die Spuren einer Bewegung nachverfolgt werden. Diese Wischer im Bild lassen dann beim Betrachter die Interpretation zu, dass es sich bei dem Gezeigten um einen Bewegungs­vorgang handelt. Ein fotografischer Kunstgriff, der Dynamik ins Bild bringt.

Kamera-Mitzieher

Die Dynamik in diesem Bild entsteht durch das Mitziehen der Kamera (aus der Hand) in Laufrichtung des Tieres.

Gnu im Lauf
Nikon D500 | 900mm | ISO100 | f/22 | 1/13s
Foto: Maximilian Weinzierl

Trotz der Unschärfe aufgrund der angepassten längeren Belichtungszeit ist das Tier anhand von typischen Merkmalen gerade noch als Gnu zu identifizieren. Solche Aufnahmen gelingen nicht auf Anhieb, meist sind mehrere Versuche mit unterschiedlichen Kombinationen aus Belichtungs- und Schwenkzeit notwendig.

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Fliegende Pasta

Fliegende Pasta
Nikon D850 | 60mm | ISO400 | f/22 | 1/50s
Foto: Maximilian Weinzierl

Dass die Farfalle Colori gerade im Herabfallen sind, wird durch die zusätzliche Wischspur neben der scharfen Abbildung verdeutlicht. Die Bewegungssimulation ist hier keine digitale Manipulation, sie wurde mit einer Kombination aus vorhandenem LED-Licht (Wischspur) und Blitzlicht (scharfe Abbildung) erzeugt.

Fata Morgana in der Gluthitze

Ein eigenartig verwackeltes Bild, obwohl die Kamera auf ein Stativ montiert war. Flirrende Luft durch starke Sonneneinstrahlung über einem ausgetrockneten Salzsee in Kenia löst die Bilddetails malerisch in Farbflächen auf.

Gnuherde in flirrender Luft
Nikon D2x | 825mm | ISO100 | f/10 | 1/160s
Foto: Maximilian Weinzierl

Obwohl kein einziges Detail scharf ist, wird der Inhalt des Bilds, die ziehende Gnuherde in der afrikanischen Landschaft, schnell erfasst. Das Wasser ist nur eine Illusion, die Spiegelung des Himmels an der Grenze zweier unterschiedlich heißer Luftschichten.

Wellenbewegung

Wellenbewegung
Fujifilm X-Pro1 | 90mm | ISO100 | f/22 | 1/3s
Foto: Maximilian Weinzierl

Für die Wirkung des Bildes ist entscheidend, durch Ausprobieren die passende Belichtungszeit zu finden. Sie muss lang genug sein, um die Wellen unscharf in der Bewegung weichzuzeichnen, aber wiederum nicht so lange, um das bewegte Meer zu einer einheitlichen Fläche zu egalisieren.

Herbstliche Impressionen

Während einer Langzeitbelichtung dreht sich hier die Kamera auf einem motorbetriebenen Stativkopf kontinuierlich in horizontaler Richtung. Himmel, Baumstamm und farbiges Herbstlaub werden dadurch als gleichmäßige waagerechte Farbwischer abgebildet.

Herbstlaub in Langzeitbelichtung
Nikon D810 | 45mm | ISO32 | f/22 | 1/3s
Foto: Maximilian Weinzierl

Fazit

Bei der Darstellung von Bewegung im Bild ist die richtige Belichtungszeit entscheidend. Nach diesem Artikel weißt Du, wie Du Dynamik in Deine Bilder einbringen kannst: Setze Deine Kamera selbst in Bewegung oder kreiere ein Wechselspiel zwischen scharfen Bildelementen und verwischter Bewegung.
Welche Rolle Schärfe und Unschärfe in Deinem Bildaufbau außerdem spielt, kannst Du in unserem Artikel über Gestaltungsprinzipien und den formalen Bildaufbau nachlesen. Erzähle uns von Deinen Erfahrungen mit dem Wisch-Effekt.

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

 

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5 Kommentare

  1. Eine wunderbare Möglichkeit der fotografischen Bildgestaltung, welche man noch durch den Einsatz eines Zoom Objektivs und Zoomen bei längerer Belichtungszeit erweitern kann

  2. Gute Anregungen, oft wirft man durch Bewegung „mißlungene“ Bilder weg, obwohl sie einen doch irgendwie berühren.
    Eine Ergänzung dieses Themas in Verbindung mit den unterschiedlichen (einstellbaren) Bildstabilisatoren wäre wünschenswert.

      1. Lieber Ingo,
        ich schalte den Stabi bei kurzen Verschlusszeiten überhaupt ab. Bei einer ruhigen Kameraführung produziert man beim Schwenken auch keine „Ruckelbilder“.
        LG Helmut

    1. Lieber Dieter,
      meiner Meinung zum Bildstabi ist folgende:
      Es kommt dabei immer auf das zu fotografierende Objekt und die Einstellungsmöglichkeiten bei den verschiedensten Kameratypen an. Nicht zu Vergessen sind dann noch die verschiedensten Baujahre der Objektive bzw. der Kameras.
      Das würde bei diesen Beitrag sicher ein zu Umfangreiches Thema werden!
      Einen kleinen Überblick über dieses unerschöpfliche Thema gibt es hier:
      https://fotoschule.fotocommunity.de/?s=Bildstabilisator
      lg Helmut

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