fotocommunity Fotograf Fotographix im Interview

FavoriteLoadingAuf Deine Leseliste in Meine Fotoschule setzen

fotocommunity-Fotograf Fotographix zeigt auf seinem Profil viele verschiedene Fotowerke und legt sich dabei nicht auf eine Kategorie fest, sondern präsentiert gekonnt viele verschiedene Themenbereiche in der Fotodisziplin. Von beeindruckenden Luftaufnahmen mit besonderer Schärfe, trotz rascher und komplexer Bewegungsabläuft, über architektonische Impressionen von historischen Kirchen, bis hin zu Aufnahmen von Luftfahrzeugen, in der Luft und am Boden. Wir haben den Fotographix zu unserem Vorgestellt-Interview in der fotocommunity eingeladen und ihn gefragt, was für ihn ein gutes Foto ausmacht, wie er bei seinen dynamischen Werken die Fotoschärfe beibehält, und was für ihn konstruktive Kritik bedeutet. Viel Spaß bei den Einblicken in die Fotogeschichten von Fotographix!

Du beschreibst in Deiner Info, dass es immer im Auge des Betrachters liegt, ob ein Bild gefällt oder nicht. Was macht für Dich persönlich ein gutes Foto aus, und warum?

Für mich gibt es viele verschiedene Betrachtungsweisen und Gesichtspunkte, die es ausmachen, ob mir ein Bild gefällt oder nicht.

Online-Fotokurse

Einfach fotografieren lernen

In unseren Online-Fotokursen lernst Du die Grundlagen der Fotografie - verständlich und mit vielen Praxisbeispielen. Inklusive Test und Fotokurs-Zertifikat. Lege jetzt los!

Mehr Infos zu den Fotokursen
Einfach fotografieren lernen

Es ist zum Beispiel das Interesse des Betrachters am Thema ausschlaggebend. Wenn mich das Kircheninnere nicht interessiert, werden mir solche Bilder vielleicht nicht gefallen. So habe ich es unter anderem schon erlebt, dass Bilder von Militär-Jets nicht gefallen, weil der Betrachter gegen das Militär ist.

Ein gutes Bild muss mich beim Anblick fesseln und festhalten. Es sollte mir sagen: „Schau mich an, ich bin interessant und nicht alltäglich.“ Die Darstellung, das Motiv, die Bearbeitung (der Stil), die Perspektive (z.B. Drohnenbilder) sind für das Gefallen eines Bildes für mich ausschlaggebend.

Fotographix Interview Flugzeugfotos
Mig 29 aus Polen

 

Auf Deinen Fotos gibt es viel Bewegung und Dynamik. Wie schaffst Du es, scharfe Aufnahmen einzufangen?

Bewegung und Dynamik ist eine Darstellungsweise, mit der ich das Geschehnis oder das Motiv interessant gestalten kann. Ich möchte aber auch durch diese Maßnahmen „mein Erlebnis“ dem Betrachter näherbringen. Meine Bilder sind zu 99,9 % alle aus der freien Hand gemacht. Da habe ich die Freiheit, in der Bewegung mitzugehen. Um bewegte und scharfe Bilder machen zu können, müssen aber auch die entsprechenden Einstellungen am Objektiv und der Kamera stimmen. Wichtig dabei ist, die Einstellung der „Reihenaufnahme“, da die Chancen erhöht werden, mehrere fast gleiche Bilder machen zu können um dann eine größere Auswahl vorliegen zu haben. Hier ist das Üben und Ausprobieren von großer Bedeutung. Das gilt für Technik- oder Tier- Aufnahmen gleichermaßen.

Fotographix Interview Bewegung in Fotos
„Eine Pferdestärke“

Fotographix Interview Bewegung in Fotos
„Tobende Hunde in Action“

 

Du beschreibst, dass Du stetig versuchst Deine Perspektive weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Wie schaffst Du das und was dient Dir als Inspiration?

Ich möchte, dass meine Fotos etwas Besonderes darstellen. Das schafft man unter anderem durch eine Perspektive, die anders ist, als das, was man normalerweise durch seinen eigenen Betrachtungswinkel, seine Körpergröße (Höhe der Augen) und sein Interesse wahrnimmt.

Wenn ich mich also zum Beispiel in einer Kirche auf den Boden und in die Tiefe begebe, macht das normalerweise kein Mensch. Dadurch gewinne ich aber eine Perspektive, die für die meisten Menschen außergewöhnlich ist und das Foto wird automatisch interessanter. Bei Flugzeugaufnahmen kenne ich inzwischen alle Perspektiven, die interessant sein können und gut auf den Betrachter wirken.

Dasselbe gilt für mich in der Kirchenfotografie. Ich überlege mir, wie ich ein Bild dementsprechend gestalten kann und probiere viel aus. Dabei hat man ja viele Möglichkeiten, die einem technisch helfen. So kann man in der Kirche ein Superweitwinkel oder ein Fischauge verwenden. Mit einer entsprechenden Software kann man natürlich im gewissen Rahmen ebenfalls tolle Effekte und Perspektiven erzielen. Wobei man sagen muss, dass nicht alle ungewöhnlichen Perspektiven gut ankommen, weil sie zu außergewöhnlich sind. Das ist z. B. bei der Verwendung eines Fischauges so. Da ist ein gezielter und überlegter Einsatz wichtig.

Fotographix Interview Kirchenfotos
Kirche Odelzhausen, St. Benedikt
Fotographix Interview Kirchenfotos
„Kirche Odelzhausen, St. Benedikt“

 

Auf Deinem Profil sieht man tolle Flugzeugaufnahmen. Welche Tipps würdest Du jemandem geben, der gerade mit der Flugzeugfotografie anfängt?

Das Thema Flugzeugaufnahmen ist sehr vielseitig und komplex. Jede Situation, jeder Standort, das Wetter, der Flugzeugtyp (Jet oder Propeller / Rotor); das alles spielt eine große Rolle bei der Wahl der Einstellungen für die Kamera und des Objektives. Meine Tipps für Anfänger sind üben, üben, üben… Dabei kann man sich gerne Bilder von Anderen (Besseren), welche einem gefallen, als Vorbild nehmen. Meine Bilder werden öfter favorisiert, damit kann man es selber probieren und vergleichen. Am besten fängt man an kleinen oder auch großen Flugplätzen/Flughäfen an und lernt da die Basics. Dazu habe ich noch einen Geheim-Tipp: Es wird demnächst ein ausgiebiger Fotokurs über „Flug Show Fotografie“ von mir hier in der fotocommunity angeboten. Da kann man wirklich alles über dieses Thema erfahren.

 

Fotographix Interview Flugzeugfoto
„Mein Blick von Hinten“

Fotographix Interview Flugzeugfoto
„F-18 Black Panthers Schweiz“

 

Was bedeutet für Dich konstruktive Kritik in der Fotografie?

Früher habe ich mich immer über Kritik geärgert. Doch wenn man z. B. einem Neuling erklärt, warum ein Bild nicht gefällt bzw. bestimmte Regeln missachtet worden sind, ist das für mich konstruktive Kritik. Jemand will dir also helfen, dein Bild zu verbessern oder gibt dir Tipps. Vieles habe ich auf diese Weise hier in der fotocommunity von „Wissenden“ gelernt und umgesetzt. Dafür bin ich jetzt auch sehr dankbar. Ein Beispiel dafür war meine Fotografie von einem zweimotorigen Propeller-betriebenen Militär-Transporter-Flugzeug, welches ich bei der Landung von vorne fotografierte. Damals, am Anfang meiner Entwicklung, fotografierte ich im Automatik Modus. Das hatte zur Folge, dass die Propeller standen und keine Dynamik zu erkennen war. Damit sah es so aus, als würde das Flugzeug an einem Faden, wie bei einem Mobile, in der Luft hängen. Die Belichtungszeit war damit viel zu kurz, und obwohl das Bild scharf war, war keine Dynamik zu erkennen. Ein Mitglied schrieb mir dann einfach, wie ich das ändern könnte und beim nächsten Mal ein schönes Bild kreieren kann. Ich war sehr dankbar dafür. Das ist eben konstruktive Kritik. Hier unterhalb das Bild, von dem ich eben gesprochen habe:

 

fotocommunity Interview Fotographix
„Transall im steilen Landeanflug“

fotocommunity Interview Fotographix
„Sarajevo approach“

 

Auf den Aufnahmen von Gebäuden arbeitest Du hin und wieder mit Symmetrie. Was magst Du besonders an der symmetrischen Darstellung von Innenräumen?

Ja das stimmt, vor allem bei Innenaufnahmen von Kirchen achte ich auf eine Symmetrie, sofern es auf beiden Seiten des Motives das relativ Gleiche zu sehen gibt. Symmetrie strahlt für mich eine gewisse Ruhe, Ausgeglichenheit und Aufgeräumtheit aus. Auch das habe ich erst mit der Zeit von anderen Mitgliedern und durch das Anschauen von tollen Büchern gelernt und wende es jetzt automatisch an.

Eines dieser Kirchenbücher mit tollen Bildern, welches ich sehr empfehlen kann ist:

Kirchen, Klöster, Kathedralen; Eine Reise zu den bedeutendsten Meisterwerken von H. F. Ullmann.

 

fotocommunity Interview Fotographix
„Paulskirche München“

fotocommunity Interview Fotographix
„Pracht-Treppe“

 

Wie kam es dazu, dass Du Dich für die Luft-/Flugzeugfotografie begeisterst?

Mein Vater flog Sportmaschinen, wodurch ich mit ca. 10 Jahren zur Fliegerei kam. Nach meiner Ausbildung war ich bei der Bundeswehr, wo ich die Wartung und Reparatur der Elektronik von verschiedenen Militär-Jet-Typen durchführte.

Mein Studium führte ich während der Bundeswehrzeit durch und ging dann in die Flugzeugindustrie, wo ich noch heute im Bereich Simulatoren und Testanlagen tätig bin. Mit der Fotografie kann ich Reisen und Flug-Shows verbinden. Intensive Erfahrungen mit der digitalen Fotografie auf Flug-Shows habe ich jetzt seit ca. 14 Jahren.

 

Wie hilft Dir die fotocommunity Dich als Fotograf weiterzuentwickeln?

Wie schon vorher erwähnt, hat mir die konstruktive Kritik von diversen Mitgliedern sehr geholfen, Manches zu erfahren, welches man sonst nicht so leicht erklärt bekommt. Leider ist es aber oft so, dass eine konstruktive Kritik selten geschrieben wird, da man ja nur „Gutes“ schreiben möchte. Deshalb bringe ich manchmal ein Bild von mir in das Voting. Hier wird wesentlich offener mit Kritik umgegangen und es schreiben eben nicht nur die Freunde. Leider geht es aber wieder zu sehr in die andere Richtung und Schläge unter die Gürtellinie sind nicht selten. Bisher hat es aber auch noch keines meiner Bilder geschafft, einen Stern zu bekommen. Das liegt dann im Auge des Betrachters… Trotzdem sind mir auch diese Kommentare wichtig.

Ich habe auch erfreulicherweise ein paar nette Kollegen kennengelernt und mit einigen davon war ich auch auf teilweise mehrtägigen wunderschönen Fototouren.

 

Wie bearbeitest Du Deine Fotos? Welche Tipps und Tricks kannst Du Fotografie-Anfängern empfehlen? Welches Equipment eignet sich Deiner Meinung nach gut?

Voraussetzung für die Bearbeitung ist das Vorliegen der Bilder im RAW-Format. Dann gibt es für mich zu jedem Themengebiet einen Workflow. Im Allgemeinen sind aber für mich folgende Bearbeitungsthemen entscheidend:

Ein Beschneiden ist fast bei jedem Bild notwendig. Weiterhin benutze ich meistens Denoise, also das Reduzieren des Rauschens, vor allem macht sich das bei fliegenden Geräten am Himmel bemerkbar. Die Schärfe oder auch Unschärfe sowie Struktur, Farben, Tiefen und Helligkeit müssen meistens berücksichtigt werden.

Bei der Architektur ist natürlich das Ausrichten der fallenden sowie der horizontalen Linien zu berücksichtigen. Ich benutze aber auch Softwarefilter für bestimmte Effekte. Hier, unterhalb, sieht man mal ein extremes Beispiel, was man aus einem schlechten Bild noch machen kann.

 

Bei meiner Fotoausrüstung habe ich mich sozusagen im wahrsten Sinne hochgearbeitet. Angefangen habe ich die Digitalfotografie mit einer Canon D35 über 60D…5D MkII und 5D MkIII zu einer 1DX, die ich seit drei Monaten besitze. Bei den Objektiven habe ich so ziemlich alle gängigen, vom Fisheye, Weitwinkel (14mm), Festbrennweite (50mm), Makro (90mm), sowie mehrere Teleobjektive (70-200mm), (150-600mm) und (100-400mm).

Für einen Anfänger empfehle ich die Technik zu kaufen, die ein gutes Preis-Leistung Verhältnis bietet. Dazu sollte man sich vorher informieren. Auch gebrauchte Geräte sind oftmals in sehr gutem Zustand. Aber aufgepasst! Sichert euch ab und klärt alles ganz genau, bevor ihr über Internet von Privat etwas kauft. Ich musste leider auch schon mal Lehrgeld bezahlen.

 

Du beschreibst, dass die Fotografie für Dich eine Kunst ist. Was genau macht für Dich die Fotografie zur Kunst? Wie bereichert die Fotografie Deinen Alltag?

Die Fotografie ist ein großes Gebiet, auf dem sich der Fotograf vielseitig und kreativ bewegen kann. Die Darstellung einer Situation oder eines Motives kann vom Menschen hinter der Kamera sehr beeinflusst werden. Dabei obliegt es ihm, welche Farben, welchen Schnitt, welche Hilfsmittel wie Blitzer, Lampen, Hintergründe usw. er verwendet. Aus allen technischen Hilfsmitteln sowie seiner Fantasie und Kreativität schafft er ein Bild, welches z. B. auch ein Maler malen könnte. Kunst gefällt aber auch nicht jedem gleich gut und so ist es auch bei der Fotografie.

Mich hat die Fotografie als Kunst sehr inspiriert. Ich habe meine Kamera immer auf Dienstreisen dabei, weil ich da Orte sehen kann, an die ich sonst nicht kommen würde. Aber auch meine Augen, Ohren und Gefühle werden dabei einbezogen, wenn ich fotografiere. So ist es ein bewegender Moment, wenn ich in einer Kirche fotografiere, wo im Hintergrund der Organist sein Orgelspiel übt, oder der stimmgewaltige Chor seine Probe abhält. Dieses Gefühl verbindet sich mit meinen Bildern, wenn ich sie dann sehe und bearbeite. Es macht mich glücklich und für mich zu einem wunderschönen und tollen Hobby.

 

fotocommunity Interview Fotographix
„Kirchen in England # Manchester Cathedral 2“

1 Kommentar

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Teile diesen Link mit einem Freund